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Studium und Tierschutz an Hochschulen fördern!

Tierschutz gilt zusammen mit Umweltschutz für viele Jungsozialist*innen als grünes Tuch, in welches man sich nicht hüllen darf, da es die Grünen bearbeiten. Jedoch wird dabei verfehlt, dass es die Aufgabe progressiver Politik ist, die sozialistische Perspektive offenzulegen

Grundlegendes

In der Debatte um den Tierschutz gibt es zwei Randpositionen. Auf der einen Seite die absolute Überhöhung des Menschen, soll heißen: Jegliches Leiden von Tieren ist ohne Frage in Kauf zu nehmen, sobald die geringste Chance für irgendeinen Nutzen des Menschen denkbar ist. Die andere extreme Position geht von der vollkommenen Gleichheit der Lebewesen aus, soll heißen: Kein Tier darf zum Nutzen eines Menschen leiden, egal wie groß dieser Nutzen ist. Wir suchen einen moralisch vertretbaren Standpunkt zwischen beiden Positionen, welcher die Minimalisierung von Leiden am höchsten stellt, soll heißen: Tiere dürfen nicht sinnlos leiden. Nur ein entsprechender gesellschaftlicher Nutzen (wie z.B. Erfolge bei der Heilung von Krankheiten) können Leiden oder gar den Tod von Tieren rechtfertigen. Großes Leiden von Tieren bei geringem bis kaum vorhandenem gesellschaftlichen Nutzen lehnen wir klar ab.

Für den hochschulpolitischen Kontext bezieht sich diese moralische Grundlegung auf Tierversuche- und -sektionen, sowohl im Studium als auch in der Forschung.

Tierschutz im Studium

In der Lehre gilt es auf der einen Seite sogenannten Tierverbrauch zu unnützen Zwecken zu unterbinden und Studierende davor zu schützen, gegen ihren Willen zu Sektionen oder Versuchen an lebenden und/oder toten Tieren gezwungen zu werden.

Vielerorts gehören Tierversuche und -sektionen in den naturwissenschaftlichen und medizinischen Studiengängen zum Standard. Im Fall von Sektionen werden Tiere hierfür in der Regel sogar extra gezüchtet und getötet anstatt, wie im Studium der Humanmedizin, auf bereits verstorbene Lebewesen zurückzugreifen. Oftmals kommen Tiere in Versuchen oder Sektionen darüber hinaus auch dann zum Einsatz, wenn Ersatzverfahren wie beispielsweise Computersimulationen verfügbar wären. Diese Ersatzverfahren bieten in der Regel den selben, wenn nicht sogar größeren Wissenszuwachs für die Studierenden. Trotzdem wird leider immer noch das Bestehen von Prüfungen davon abhängig gemacht, ob die Studierenden bereit gewesen sind am realen Tier zu arbeiten bzw. zu experimentieren. Wo Ersatzverfahren angeboten werden, gibt es dieses Angebot oft nur nach stigmatisierender Auseinandersetzung mit den Dozierenden und unter diskriminierenden Bedingungen, wie beispielsweise erzwungenes Pendeln für einen Ersatzkurs an eine Hochschule im Umland.

Deshalb fordern wir:

  • Schaffung des rechtssicheren und diskriminierungsfreien Zugangs zu einem tierversuchsfreiem Studium
  • Verstärkte Erforschung von Ersatzverfahren
  • verpflichtende Verfügungsstellung von Ersatzverfahren für die Lehre an allen Hochschulen, wo diese benötigt werden um Diskriminierung durch lange Anreisen zu verhindern

Tierschutz in der Forschung

Die momentane Forschung, in welcher Tiere zu Versuchszwecken oder für Sektionen "genutzt" werden, verbreitet in ihren Rechtfertigungen jedoch den Eindruck, je mehr Tiere man untersuche, desto schneller gehe es  mit dem wissenschaftlichen Fortschritt voran. Forschung jedoch verläuft nicht linear fortschrittlich, sondern in Paradigmen. Da Tierversuche in der Mainstreamwissenschaft allgemein anerkannt sind, werden die Ergebnisse auf ihre Brauchbarkeit hin oft selten hinterfragt. Ein populärer Fall ist Contergan. Obwohl das Medikament Contergan in Tierversuchen als problemfrei bewertet wurde kam es beim Menschen zu massiven Nebenwirkungen, welche sich besonders stark auf Föten ausgewirkt hat. Ein anderes Beispiel ist die Schädlichkeit des Rauchens. Jahrelang wurden Ratten zum Rauchen gezwungen um zu erforschen, ob Rauchen schädlich ist. Nie brachte diese Forschung die Gefährdung zum Vorschein, welche mit epidemiologischen Methoden (also mittels der medizinischen/gesundheitlichen Statistik) einfach hätte zu Tage befördern können.

Auf diese Weise sterben für solche Forschungszwecke unnützerweise Tausende von Tieren pro Jahr, obwohl der für Menschen notwendige medizinisch-naturwissenschaftliche Fortschritt mittels anderer Forschungsmethoden wesentlich schneller und valider erzielt werden könnte. Tierversuche sind nicht Feuer im Motor der Wissensgewinnung sondern oftmals ein alter Forschungshabitus, der dringendst auf den Prüfstand der Nützlichkeit und der Moral  gehört. Alternativen wie statistische Methoden oder nicht-invasive Verfahren am Menschen können invasive und leidvolle Forschung an Lebewesen nicht nur ersetzen, sie übertrumpfen sie oftmals auch noch.

Deshalb fordern wir:

  • Verschärfung der staatlichen Auflagen für Forschung am Tier
  • staatliche Förderung tierversuchsfreier Forschungsmethoden

stärkerer Fokus auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden bereits in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses (also besonders bei Abschlussarbeiten, Promotion und Habilitation)

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