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Mehr Chancengleichheit – eine Schule für alle!

Wenn wir über gleiche Bildungschancen sprechen, wird der Bereich Schule immer ein zentraler Punkt der Diskussion sein. Wenn wir über einzelne Studiengänge, Studienfinanzierung oder Hochschulzugang reden, muss uns immer bewusst sein, dass schon auf dem Weg dahin viele Schülerinnen und Schüler scheitern, die Opfer unseres hochselektiven mehrgliedrigen Schulsystems werden.

Chancengleichheit muss im frühkindlichen Bereich und in der Schule beginnen und sich im weiteren Bildungsverlauf fortsetzen!

Dass die Auswirkungen von Entscheidungen über die Ausgestaltung von Schule massiven Einfluss auf die Zukunft der Kinder und damit auf die Zukunft unseres Landes haben, haben die meisten Politiker zwar mittlerweile begriffen, aber den Worten müssen endlich auch Taten folgen! Zwar gibt es in einigen SPD- regierten Bundesländern durchaus positive Entwicklungen zu verzeichnen, so wurden in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr fast 50 neue Gemeinschaftsschulen gegründet. Die Einigung der Berliner SPD mit der Linkspartei auf ein zweigliedriges Schulsystem ist hingegen nicht konsequent genug. Wir als Juso-Hochschulgruppen müssen uns wieder verstärkt in den Diskussionsprozess mit einbringen und unsere Vorstellungen von einem demokratischen und integrativen Schulsystem deutlich machen.

 

Weg vom mehrgliedrigen Schulsystem!

Das vielgliedrige Schulsystem, an dem Deutschland als einziges OECD-Land immer noch vehement festhält, ist erwiesenermaßen hochselektiv. Wenn Kinder mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen eingeschult werden, schafft es unser Schulsystem nicht, diese auszugleichen, sondern ganz im Gegenteil, es zementiert und vergrößert die Differenzen. Das hat verschiedene Ursachen:

Durch den Halbtagsunterricht werden die Kinder benachteiligt, denen die Eltern nicht am Nachmittag bei den Hausaufgaben helfen oder sich teure Nachhilfe leisten können. Länder mit Ganztagsunterricht können beispielsweise eine signifikant höhere Lesekompetenz ihrer Schüler aufweisen als Länder, die nur einen Vormittagsunterricht durchführen.

Außerdem mangelt es an spezieller Förderung zum Ausgleich sprachlicher Defizite, sowohl in der frühkindlichen Bildung als auch an den Grund- und weiterführenden Schulen.

Erwiesenermaßen traut das Umfeld Kindern mit Migrationshintergrund und denen aus bildungsfernen Schichten auch weniger zu. Das wirkt sich nachhaltig auf deren Selbstbewusstsein und die schulischen Leistungen aus.

Einer der Hauptgründe für die Selektivität unseres Schulsystems ist die Aufteilung auf die verschiedenen Schulformen nach der 4. bzw. 6. Klasse. Sie ist in keiner Form objektiv, sinnvoll oder integrierend. Es ist vielfach empirisch belegt, dass bei den in einigen Bundesländern verbindlichen Schulempfehlungen der Grundschulen die größte Rolle der soziale Status der Eltern spielt, abgesehen davon, dass dieses System völlig außer acht lässt, dass schulischen Leistungen bzw. Noten von zehnjährigen Kindern keine Aussage über die zukünftige Entwicklung zulassen.

Hinzu kommt, dass Eltern ihre Kinder bewusst an Schulen in „besseren“ Gegenden anmelden können, wo Familien bestimmter sozialer Schichten dann „unter sich“ sind. Dieses Vorgehen führt zu einer Ausgrenzung sozial benachteiligter Kinder und entspricht nicht unseren Vorstellungen von Integration! Ist für ein Kind im Alter von gerade einmal zehn Jahren die Entscheidung über die Schulform einmal gefällt, hat es kaum noch eine Chance, später den Sprung auf eine höhere Schulform zu schaffen. Die viel gepriesene Durchlässigkeit unseres Schulsystems besteht, wenn überhaupt, nach unten.

Es ist für uns nicht akzeptabel, dass Bildungschancen immer noch hochgradig von Einkommen und Bildungsstand der Eltern abhängen! Um endlich Chancengleichheit zu erreichen, müssen wir unserem vielgliedrigen Schulsystem ein für alle mal den Rücken kehren. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern daher die Gemeinschaftsschule als einzige Regelschule, an der alle Kinder, unabhängig von Herkunft, sozialer Schicht, finanzieller Ausstattung, Behinderungen oder Förderbedarf, gemeinsam lernen!

Jedem Kind müssen Chancen und Entwicklungsperspektiven gegeben werden. Eine Stigmatisierung durch die Zuschreibung von Defiziten oder Auffälligkeiten darf es nicht geben, jedes Kind wird in seiner Einzigartigkeit angenommen und gefördert!

 

Schule ist mehr als reine Wissensvermittlung – Ganztagsunterricht überall!

Schule ist nicht nur ein Lern- sondern auch ein Lebensraum. Aufgabe einer Schule ist nicht nur die reine Wissensvermittlung! Es geht auch um die Vermittlung von sozialen Kompetenzen und sozialer Verantwortung, um Persönlichkeitsentfaltung und Konfliktlösung. Um in einer Schule solche Möglichkeiten zu schaffen, braucht man Zeit und Raum.

An einer Ganztagsschule können von Kindern vielfältige Angebote wahrgenommen werden. Auch wenn die Eltern finanziell nicht in der Lage sind, die teilweise sehr hohen Beiträge von Sportvereinen, Musikschulen, Malkursen oder anderen Freizeitangeboten aufzubringen, sind kostenlose Angebote in der Schule für alle SchülerInnen offen, unabhängig von der sozialen Herkunft und der finanziellen Ausstattung.

An einer Ganztagsschule müssen Kinder und Jugendliche gesund und ausgewogen ernährt werden. Die abwechslungsreiche Ernährung muss nach Möglichkeit regional produziert sein, aus biologischem Anbau stammen und Produktion & Transportmüssen den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen. Vegetarische Angebote müssen bereitgestellt werden. Schulmensen dürfen nicht durch Private betrieben werden. Hier bietet sich die Möglichkeit gute Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor zu schaffen.

 

SozialpädagogInnen und ErzieherInnen können in kleinen Gruppen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und zum Beispiel soziale Projekte begleiten. Und ganz nebenbei können Kinder unterschiedlichster Herkunft und Persönlichkeit, solche mit und ohne Behinderung, das ganz normale miteinander Leben und Umgehen erleben.

Deshalb fordern wir Juso-Hochschulgruppen, dass alle Schulen als Ganztagsschulen ausgelegt werden. Dazu gehört für uns aber mehr, als lediglich am Nachmittag ein Freizeitprogramm anzubieten! Um das Ganztagsangebot sinnvoll zu gestalten und Integration zu fördern, müssen neben ausreichendem Lehrpersonal auch mehr ErzieherInnen und SozialpädagogInnen eingestellt und in den Schulbetrieb mit einbezogen werden. Ferner müssen für Verwaltungsaufgaben Verwaltungsangestellte eingestellt werden. Diese Aufgaben dürfen nicht vom Lehrpersonal übernommen werden, dem dann die Zeit für seine eigentlichen Aufgaben (Lehre und Betreuung) fehlt.

 

Unterricht neu gestalten!

Unser vielgliedriges Schulsystem beruht auf der falschen Annahme homogener Lerngruppen. Diese existieren aber, da jeder Mensch individuell lernt und versteht, weder an Gymnasien, Real- und Hauptschulen, noch an einer Gemeinschaftsschule. Wir müssen in Deutschland endlich weg vom überwiegenden und lehrerInnenzentrierten Frontalunterricht hin zu mehr Gruppen- und Projektarbeit, die schülerInnenzentrierter und pädagogisch deutlich sinnvoller ist. Es ist durch die Forschung belegt, dass der Wechsel zwischen Phasen, in denen SchülerInnen anderen helfen, und solchen, in denen sie selber Hilfe bekommen, die größeren Lernfortschritte mit sich bringt. In einer Gruppenarbeit zählt nicht in erster Linie, was der einzelne beigetragen hat, sondern das Gesamtergebnis, so dass außerdem ein solidarischer Gemeinschaftssinn und Teamgeist gefördert werden. Aus unserer Sicht hat Schulunterricht die Vermittlung von Kompetenzen als Kernziel. Kompetenz verstehen wir als die Fähigkeit selbst tätig zu werden, Probleme zu erkennen, diese kritisch zu reflektieren und diese zu lösen. Dies geht weit über die häufig praktizierte reine Wissensvermittlung hinaus und umfasst auch die Vermittlung von sozialen und demokratischen Fähigkeiten.

Eine Gemeinschaftsschule ist dann nicht sinnvoll, wenn Schülerinnen und Schüler zwar eine Klasse besuchen, aber sofort wieder in Kurse verschiedener Leistungsniveaus eingeteilt werden, in denen dann der gesamte Unterricht stattfindet. Der Schwerpunkt sollte stattdessen auf Binnen-/innerer Differenzierung liegen, bei der Lehrerinnen und Lehrer innerhalb einer Gruppe differenzieren, zum Beispiel durch Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.

 

 

 Gleichstellung verwirklichen!

Trotz der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau gibt es in der Praxis erhebliche Ungleichheiten zwischen beiden Geschlechtern. Um endliche die tatsächliche Gleichstellung zu erreichen müssen auch ein Umdenken und eine Weiterentwicklung in einigen Bereichen der Schulen erfolgen. Für das Grundschullehramtsstudium müssen vor allem wieder mehr junge Männer begeistert werden, damit auch hier Vorbilder beider Geschlechter für Jungen und Mädchen vorhanden sind.

Wir fordern, dass LehrerInnen und insbesondere VertrauenslehrerInnen Fortbildungen besuchen, in denen das Thema Gleichstellung behandelt wird. Sie sollen dazu geschult werden ein Unterrichtsklima zu schaffen, in dem sowohl Jungen als auch Mädchen zu Beteiligung motiviert werden und keines der beiden Geschlechter diskriminiert wird.

Um die SchülerInnen für das Thema Gleichstellung zu sensibilisieren muss diesem ein größerer Stellenwert im Lehrplan eingeräumt werden. Möglich ist dies z.B. im Rahmen des Sozialkunde- bzw. Gemeinschaftskundeunterrichts.

Der Unterricht muss so gestaltet werden, dass das sich in der Minderheit befindende Geschlecht nicht benachteiligt wird. Gegebenenfalls müssen Kompromisse auch gegen den Willen der Mehrheitsmeinung ausgehandelt und durchgesetzt werden um keines der beiden Geschlechter zu benachteiligen oder zu demotivieren am Unterricht teilzunehmen.

Im Sportunterricht soll darauf geachtet werden, dass die Chancengleichheit bei allen Lehrplaneinheiten gegeben ist. Bei Mannschaftssportarten soll daher nicht ausschließlich der direkte Vergleich sondern vor allem der individuelle Lernfortschritt bewertet werden.

Menschen mit Behinderung mehr Integrieren!

Bisher werden nur ca. 13% der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung an Regelschulen unterrichtet, damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich weit zurück. Dabei schreibt die von Bundestag und Bundesrat zum Jahreswechsel ratifizierte Behindertenrechtskonvention ein inklusives Bildungssystem vor und verlangt eine Integrationsquote von 80-90 %. Ein Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht existiert bisher nur in Bremen.

Viele Eltern, die ihr Kind trotz Behinderung gerne auf eine Regelschule schicken möchten, müssen einen Behördenmarathon und einen unzumutbaren Bürokratieberg überwinden, um dann trotzdem häufig abgewiesen zu werden. Von einem gemeinsamen Lernen profitieren aber alle beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen. Wir fordern deshalb eine vermehrte Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in die Regelschulen! Wir fordern eine Umsetzung von Artikel 124 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte vom Menschen mit Behinderung, das die BRD im Jahr 2008 ratifiziert hat und das seit dem 01.01.2009 in Deutschland gilt. Wie fordern die darin verankerte „inclusive education“ für Deutschland umzusetzen. Kinder lernen so den selbstverständlichen Umgang mit Behinderungen und stehen in ihrem weiteren Leben Menschen mit Behinderung nicht so unsicher gegenüber, wie es heute leider häufig der Fall ist. Für die SchülerInnen mit Behinderungen steigen durch den Besuch einer Regelschule die Bildungschancen, und sie werden nicht durch eine gesonderte Schule von anderen Kindern und Jugendlichen getrennt. Grundvoraussetzung sind natürlich barrierefreie Schulgebäude, außerdem muss eine sonderpädagogische Förderung selbstverständlich auch an Regelschulen gewährleistet werden!

Für einzelne Fälle, in denen der Besuch einer speziellen Förderschule von Familien gewünscht wird, könnten einige wenige solcher Schulen bestehen bleiben, allerdings sollte dann viel Wert auf die Vernetzung mit Regelschulen gelegt werden.

 

Sonder-/Förderschulen abschaffen!

In Deutschland wurden 2003 ca. 430.000 Schülerinnen und Schüler an Sonderschulen unterrichtet. Dabei war zwischen 1995 und 2003 ein Anstieg um ca. 10% zu verzeichnen. Zwar heißen die Schulen mittlerweile in Deutschland grundsätzlich „Förderschulen“, doch auch das ändert nichts daran, dass durch sie Kinder und Jugendliche „aussortiert“ und in besonderen Schulen zusammengefasst werden (im OECD-Vergleich verfahren in ähnlicher Weise nur noch die Schweiz und der flämische Teil Belgiens).

SchülerInnen, die eine Förderschule besucht haben, haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nur 0,2% der Sonderschüler schaffen das Abitur, 2,2% einen mittleren

Abschluss und 20% einen Hauptschulabschluss, und selbst der reicht heute in den meisten Fällen nicht mehr aus, um eine Ausbildungsplatz zu bekommen. Internationale Studien zeigen, dass die Leistungskluft zu HauptschülerInnen um so größer wird, je länger Kinder und Jugendliche eine Förderschule besuchen, während solche, die an allgemeinbildenden regulären Schulen unterrichtet werden, immer signifikant bessere Leistungen zeigen.

Schülerinnen und Schüler dürfen nicht aufgrund eines erhöhten Förderbedarfs „aussortiert“ werden! Es muss gelingen, ihnen auch an einer regulären Schule die nötige Aufmerksamkeit, Förderung und Ermutigung zukommen zu lassen, um ihnen einen regulären Schulabschluss zu ermöglichen. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern eine gemeinsame Schule für alle Kinder und Jugendliche, ohne SchülerInnen „auszusondern“ und ihnen durch spezielle Schulformen jegliches Selbstvertrauen zu nehmen.

 

Sprachprobleme frühzeitig beseitigen!

Kinder mit Migrationshintergrund fallen besonders häufig der Selektivität unseres Bildungssystems zum Opfer. Viele kommen aus sozial und finanziell schwachen Familien, hinzu kommen oft Sprachprobleme. Ein großes Problem sind nicht nur mangelnde Deutschkenntnisse, auch die Muttersprache wird häufig nicht richtig beherrscht. Ergebnis ist, dass mittlerweile nur noch jedes vierte (!) Kind mit Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz erhält und sie bei den StudienanfängerInnen deutlich unterrepräsentiert sind. Wir brauchen eine gezielte Sprachförderung sowohl der deutschen als auch der Muttersprache schon im frühkindlichen Bereich und natürlich auch an den Schulen! Eine Maßna hme hierfür wäre ein verpflichtendes Kindergartenjahr nach vorheriger Sprachdiagnostik. Dabei muss eine stärkere Vernetzung zwischen Kindergarten und Erziehungsberechtigten stattfinden. Im Ganztagsangebot können die Kinder und Jugendlichen außerdem verschiedene Kulturen kennen lernen und einen respektvollen Umgang miteinander lernen und erleben.

 

Individuelle Lernentwicklungsberichte statt Noten!

Der Versuch, Leistungen von Kindern und Jugendlichen durch sechs Ziffern zu bewerten, wird den Bemühungen und Anstrengungen der SchülerInnen oft nicht gerecht. Unser Notensystem missachtet die Heterogenität innerhalb der SchülerInnenschaft und täuscht eine nicht vorhandene Objektivität vor. Wir fordern deshalb eine Bewertung in Form ausführlicher schriftlicher Lernentwicklungsberichte. Nur so können individuelle Bemühungen und Fortschritte honoriert und Ratschläge für das zukünftige Lernen gegeben werden! Es muss die Entwicklung der/des Einzelnen betrachtet werden, und nicht ihre/seine Leistung im Vergleich zum Rest der Gruppe.

Sitzenbleiben abschaffen!

Aufgrund schlechter Noten müssen jährlich ca. 280.000 SchülerInnen in Deutschland eine Klasse wiederholen, dazu komme noch ein paar Tausend, die dies freiwillig tun. Dabei ist inzwischen mehrfach wissenschaftlich belegt, dass das Wiederholen einer Klasse meistens nicht einmal in den Fächern, die Grund für die Nichtversetzung waren, einen Lernzuwachs bringt. Stattdessen tritt ein Lern-Stillstand ein, viele Schülerinnen und Schüler schalten innerlich ab, weil auch in Fächern, in denen sie ausreichende Leistungen erbracht haben, lediglich Stoff wiederholt wird.

Würde man die 850 Millionen Euro, die derzeit bundesweit jährlich für die vielen WiederholerInnen ausgegeben werden, in mehr Personal und eine sinnvollere Unterstützung und Förderung der Schülerinnen und Schüler investieren, könnte man ihnen nicht nur deutlich besser helfen, man würde auch das persönliche Misserfolgserlebnis des Sitzenbleibens verhindern. Deshalb fordern wir, dass das Wiederholen eines Schuljahres nur noch auf freiwilliger Basis passieren darf, eine Nichtversetzung nur aufgrund mangelnder erbrachter Leistung darf es nicht mehr geben!

 

Lehrkräfteversorgung erhöhen und Lehramtsstudium verbessern!

Viel zu große Klassen, regelmäßiger Unterrichtsausfall und gestresste LehrerInnen sind leider in den meisten Schulen an der Tagesordnung. Die Länder haben seit der KMK-LehrerInnenbedarfsprognose 2003 im Zeitraum bis 2007 über 17.000 Lehrkräfte weniger eingestellt, als notwendig gewesen wären, um den Status quo der Unterrichtsversorgung zu halten. Ergebnis ist, dass in den nächsten Jahren für 100 aus dem Beruf ausscheidende Lehrkräfte lediglich 60 neu ausgebildete nachrücken werden. Um dem drohenden LehrerInnenmangel entgegenzuwirken, haben in den letzten Monaten einige Bundesländer zu diversen Maßnahmen, von vermehrter Verbeamtung bis hin zu öffentlichen Abwerbekampagnen, gegriffen. Das führt zwar zur Verschiebungen der Zahlen, nicht aber zur Behebung der Problematik. Um eine ausreichende Unterrichtsversorgung gewährleisten zu können und die Arbeitsbedingungen des Lehrpersonals zu verbessern, brauchen wir bundesweit eine kontinuierliche Einstellungspolitik, um den so genannten „Schweinezyklus“ endlich zu durchbrechen! Eine bundesweit einheitliche Bezahlung würde zudem einer Abwanderung in andere Bundesländer entgegenwirken. Außerdem sollte der Altersbonus endlich abgeschafft werden.

Ein weiteres Problem ist, dass sowohl das Lehramtsstudium als auch der LehrerInnen-Beruf derzeit unter sinkendem Ansehen leiden. Um wieder mehr Studierende für diesen Beruf zu begeistern muss die Reputation dringend aufgebessert werden, ansonsten wird sich der LehrerInnen-Mangel in den kommenden Jahren noch weit drastischer verschärfen.

Lehrpersonal durch unqualifiziertes Personal aus der Wirtschaft oder äquivalenten lehrfremden Bereichen zu ersetzen lehnen wir ab, da gutes Fachwissen auf einem Gebiet nicht ausreicht, um didaktisch sinnvollen Unterricht zu gestalten.

Auch die LehrerInnenbildung ist verbesserungswürdig. Der Teil des Studiums, der sich mit Pädagogik und Didaktik beschäftigt, ist im Vergleich zur Vermittlung von Fachwissen im Lehramtsstudium (außer beim Grundschullehramt) verschwindend gering. Gerade diese Fähigkeiten machen aber eine/n gute/n LehrerIn aus. Wir brauchen deshalb mehr Pädagogik und Praxis im Lehramtsstudium! Dass ein Masterstudium für die LehrerInnen-Ausbildung zwingend notwendig ist haben die meisten Hochschulen zwar begriffen, aber nicht an allen hat jede/r Lehramtsbachelor-AbsolventIn derzeit einen sicheren Masterstudienplatz. Durch einen Rechtsanspruch auf einen Master würde sich diese Problematik erübrigen.

Neben der Aus- ist auch die Weiterbildung von großer Bedeutung. Wir brauchen qualitativ hochwertige verpflichtende Fortbildungsangebote für alle Lehrerinnen und Lehrer. Auch die freiwillige Teilnahme an Fortbildungsangeboten muss dabei jederzeit und regelmäßig möglich sein.

 

Mehr Geld für die Bildung!

Für eine bessere Betreuung, Förderung und Begleitung der Kinder müssen mehr LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen und SchulpsychologInnen eingestellt werden. Für Neueinstellungen und Sachmittel brauchen wir eine bessere Finanzierung unseres Schulsystems! Es reicht nicht, ständig zu erzählen, wie wichtig die Bildung ist, es muss endlich etwas getan werden. Es kann nicht sein, dass bei wirtschaftlichen Problemen riesige Geldsummen fließen, aber unser Bildungssystem weiterhin chronisch unterfinanziert ist. Das Ziel, 7 Prozent des Bruttoinlandproduktes in die Bildung zu investieren, wäre ein erster wichtiger Schritt, reicht aber bei Weitem noch nicht aus.

 

Für eine einheitliche und bundesweite Bildungspolitik.

Voraussetzung für das Funktionieren eines solchen Systems ist die Einheit des Systems. Daher fordern wir, dass Bildung zur Bundessache wird.

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