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Anti-Sexismus-Arbeit bei den Juso-Hochschulgruppen

Im Frühjahr diesen Jahres erreichte die Debatte um (Alltags-)Sexismus in unserer Gesellschaft endlich eine breite Öffentlichkeit. Zehntausende Menschen sprachen im Netz über ihre persönlichen Erfahrungen und machten das Ausmaß  und die strukturelle Bedingtheit des Problems sichtbar. Auch wenn die mediale Berichterstattung in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig ließ: Das Thema erreichte nach langer Zeit endlich wieder den Mainstream-Diskurs.

Als feministischer Richtungsverband treten die Juso-Hochschulgruppen den sexistischen Strukturen in der Gesellschaft entgegen. Auf den Bundeskoordinierungstreffen in Kiel (November 2011) und Berlin (November 2012) haben wir die Beschlüsse „Gendergerechte Arbeit auf allen Ebenen umsetzen!“ und „Queerpolitik ist kein Widerspruch zum Feminismus. Für eine Politik der vielen Geschlechter!“ gefasst, die unser Feminismus-Verständnis theoretisch und praktisch neu fundierten und in diesem Bereich einen Rahmen für die Arbeit unseres Verbandes setzen.

Zugleich ist unser Verband aber auch ein Teil  dieser Gesellschaft, wird von ihr geprägt und prägt diese. Daher sind auch unsere eigenen Strukturen sowie unsere Theorie und Praxis nicht frei von Sexismus. Im Folgenden sollen Maßnahmen genannt werden, um die Anti-Sexismus-Arbeit und feministische Praxis in unserem Verband zu stärken – auf unseren Veranstaltungen, aber auch abseits davon in den Hochschulgruppen vor Ort!

 

Feminismus, Gleichstellung und Anti-Sexismus-Arbeit in der Verbandspraxis

Jedes Thema hat eine relevante Gender-Dimension. Diese zu vernachlässigen, bedeutet die Situation und Erfahrungen zahlreicher Menschen unsichtbar zu machen.  Dies kann vor allem auch in der politischen Arbeit schwere Folgen haben. Wir begreifen Gender deshalb als Querschnittsthema, welches wir bei jeglicher inhaltlichen Arbeit stets berücksichtigen und miteinfließen lassen. Auch unsere Strukturen und Veranstaltungen evaluieren wir regelmäßig im Hinblick auf ihre Attraktivität und Offenheit für jegliche Geschlechter.
Unser Verständnis von innerverbandlicher Sexismus-Arbeit leitet sich aus dieser Beschlusslage ab. Wir lehnen eine Einteilung von Menschen in ein binäres Geschlechtersystem ab. Dementsprechend bedeutet Kampf gegen Sexismus für uns auch immer den Kampf gegen die Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und der mit ihr verbundenen tradierten Rollenzuschreibungen. Anti-Sexismus-Arbeit bedeutet für uns, dominante Diskurse anzugreifen und nicht, sie zu reproduzieren. Sie beschränkt sich daher nicht auf ein Geschlecht, sondern versucht, allen Menschen, die sich diskriminiert fühlen, gerecht zu werden – auch wenn wir anerkennen, dass hauptsächlich weiblich sozialisierte Menschen von Sexismus betroffen sind. Wir wollen, dass jede*r seine*ihre Geschlechtsindentität leben kann, ohne sich bedroht fühlen zu müssen. Wir sensibilisieren Funktionär*innen auf lokaler und bundesweiter Ebene für diesen Umstand und berücksichtigen dies bei der Organisation unserer Veranstaltungen.

 

Der Kampf gegen Sexismus ist für uns immer auch mit dem Kampf gegen heteronormative Diskurse verbunden. Homo- und Transphobie hat bei uns nichts verloren! Entsprechende Äußerungen werden von uns nicht geduldet. Entsprechende Awareness wird bei uns im Rahmen von Anti-Sexismus-Arbeit immer mitgedacht.

Schutzräume sind wichtig und bilden einen wertvollen Ort für Betroffene, um in einer sicheren Atmosphäre über Erfahrungen und Probleme zu sprechen, Unterstützung und Gemeinsamkeiten zu finden und Lösungsansätze zu finden und ggf. auszuarbeiten. Die Juso-Hochschulgruppen haben deshalb das Frauen-Basecamp, eine Online-Plattform für die Vernetzung der aktiven Frauen des Verbandes, eingerichtet. Wir werden diese Plattform weiter ausbauen und offensiv bewerben.

Des Weiteren wird im Rahmen der Sommerschule ab sofort ein ganztägiges Gender Training angeboten, in dem vorrangig Grundlagen vermittelt und Übungen durchgeführt werden, um sexistische Strukturen im Umfeld wie auch im eigenen Verhalten identifizieren und bekämpfen zu können. Außerdem werden wir versuchen, regelmäßig ein Seminar im Rahmen eines Seminarwochenendes durchzuführen, auf dem Kenntnisse zu (pro-)aktiver Anti-Sexismus-Arbeit vermittelt und die Teilnehmer*innen zu Multiplikator*innen für die Arbeit in den Hochschulgruppen vor Ort ausgebildet werden.

 

Anti-Sexismus-Arbeit auf den Veranstaltungen des Bundesverbandes

Zu Beginn von Veranstaltungen geben sich die Teilnehmer*innen klare und transparente Verhaltensregeln, die auf ein diskriminierungsfreies Veranstaltungserlebnis aller Teilnehmer*innen hinwirken sollen und auf deren Einhaltung sowohl die Moderation als auch alle Anwesenden achten. Bei nicht-beschlussfassenden Veranstaltungen wird den Teilnehmerinnen Zeit und Raum gegeben, um ein Frauenplenum zu organisieren.

Es gibt auf allen Veranstaltungen des Bundesverbandes feste Ansprechpartner*innen als Vertrauenspersonen auf allen Veranstaltungen. Hierbei werden zu Beginn jeder Veranstaltung quotiert zwei Personen vom Plenum bestimmt werden, welche aktuell innerhalb der Juso-Hochschulgruppen kein Amt auf Landes- oder Bundesebene bei den Juso-Hochschulgruppen innehaben. Diese Vertrauenspersonen sollen als Ansprechpartner*innen bei sexistischen Problemen jeglicher Art unterstützend zur Seite stehen und ggf. dazu beitragen, Abhilfe zu schaffen.

Dabei haben Bundeskoordinierungstreffen durch ihre Größe und auch aufgrund ihres Charakters als beschlussfassende Veranstaltungen eine herausgehobene Stellung und besondere Bedingungen, welche berücksichtigt werden müssen. Auch hier wird ein Awareness-Team in Form von zwei Ansprechpartner*innen eingerichtet. Die Ansprechpartner*innen werden quotiert und ausgefüllt durch Juso-Hochschulgrüppler*innen, die derzeit innerhalb der Juso-Hochschulgruppen keine Ämter auf Bundes oder Landesebene innehaben. Diese Personen stehen im Austausch mit dem Präsidium, welches bei Bedarf sowie mindestens ein Mal täglich über die Veranstaltungsatmosphäre und sexistische Handlungsmuster berichtet.

Außerdem gibt sich der Bundesverband für Bundeskoordinierungstreffen folgende Selbstverpflichtung:

"Wir, die Teilnehmer*innen des Bundeskoordinierungstreffen der Juso-Hochschulgruppen, verpflichten uns zu einer Veranstaltung frei von Diskriminierung und Gewalt jeglicher Art. Wir treffen uns hier, um auf Augenhöhe zu diskutieren und gemeinsam über die Zukunft unseres Verbandes zu entscheiden. Dabei ergreifen wir unterschiedliche Maßnahmen zur Bekämpfung vorhandener Diskriminierungsstrukturen.

Daher halten wir folgende Gesprächsregeln ein:

  • während eines Frauenplenums sprechen die nicht-Frauen selbstkritisch über den Verlauf der Veranstaltung aus Gleichstellungsperspektive.
  • wir lassen uns ausreden
  • wir beleidigen niemanden aufgrund irgendeiner Eigenschaft
  • wir gehen respektvoll miteinander um
  • wir achten auf die Repräsentanz aller anwesenden Geschlechter in der schriftlichen wie verbalen Debatte

Mehr Frauen für die aktive Mitarbeit gewinnen

Wir setzen es uns zum Ziel, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in unserem Verband zu schaffen. Hochschulpolitik, die mehrheitlich von Männern gemacht wird, entspricht nicht unseren Ansprüchen an Repräsentanz. Neben dem kritischen Hinterfragen unserer Verhaltensweisen und Strukturen gehört für uns hierzu, den Austausch über Best-Practice-Modelle der Hochschulgruppen vor Ort zu fördern. Außerdem wollen wir aktiv um neue Juso-Hochschulgrüpplerinnen werben. Hierzu rufen wir im kommenden Wintersemester eine Kampagne ins Leben. Die nächste Ausgabe der „blattrot“ wird sich ebenfalls diesem Thema widmen.

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