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Für eine staatliche Studienfinanzierung – Gegen Stipendien aus Studiengebühren

Die aktuellen Zahlen zu Beginn des Wintersemesters und die 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes zeigen es in aller Deutlichkeit, Studiengebühren sind nicht sozial und schrecken insbesondere Menschen aus finanzschwachem Elternhaus von einem Studium ab. Anstatt jedoch Studiengebühren wieder abzuschaffen, wurden in Nordrhein-Westfalen an der Universität Duisburg-Essen und an der Fachhochschule Münster sogenannte Studiengebührenstiftungen gegründet. Das nordrhein-westfälische Hochschulfinanzierungs-gerechtigkeitsgesetz (HFGG) sieht vor, dass bis zu 20 Prozent der Gelder, die eine Hochschule durch Studiengebühren einnimmt, in eine solche Stiftung fließen dürfen. Die Zinserträge aus dem Stammkapital sollen ab 2008 nicht nur in Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre fließen, sondern darüber hinaus zur Finanzierung von Stipendien für hochbegabte Studierende herhalten. Nach welchen Kriterien diese vergeben werden sollen, ist allerdings völlig unklar. Der Stifterverband ließ lediglich verlauten, dass die Stipendien u.a. dazu dienen sollen, Studierwilligen aus unteren sozialen Schichten ein Studium zu ermöglichen.

 

Die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Bundestag (Drucksache Nr. 16/4849) hat jedoch zu Tage gefördert, dass gerade diese Gruppe am wenigsten Stipendien erhält. So bekommen nur 2,1 Prozent der Studierenden aus der ArbeiterInnenschaft ein Stipendium. Der Anteil steigt mit der sozialen Herkunft. Aus der AkademikerInnenschaft kommend erhalten demgegenüber 5,2 Prozent der befragten Studierenden ein Stipendium, also ein doppelt so hoher Anteil. Die Leistung, gemessen am Notendurchschnitt, ist im Ergebnis nicht ausschlaggebend für die Stipendienvergabe. Im Gegenteil, mit steigender Note sind die sozialen Unterschiede besonders ausgeprägt. Unter den Leistungseliten (Notenschnitt 1,0 - 1,4) erhalten 7 Prozent, aus der ArbeiterInnenschaft aber 14 Prozent aus der AkademikerInnenschaft ein Stipendium. Darüber hinaus lässt sich eine Benachteiligung von Frauen nachweisen. Nur 2,9 Prozent der Studentinnen, jedoch 4,5 Prozent der Studenten erhalten ein Stipendium.

 

Als Grund für die Benachteiligung von Studierenden bzw. die Bevorzugung anderer Studierender ist vor allem die ungleiche Behandlung in Auswahlverfahren, insbesondere durch Auswahlgespräche, anzuführen. Die Mechanismen lassen sich mit dem Habituskonzept von Bourdieu erklären und sind durch sozialwissenschaftliche Studien klar belegt.

 

Betrachtet man die sozial ungleiche Verteilung bei der Stipendienvergabe, führt dies im Endeffekt sogar zu einer Umverteilung von unten nach oben. Studiengebührenstipendien werden nicht geschaffen, um Menschen aus bildungsfernen Schichten ein Studium zu ermöglichen. Im Gegenteil. Sie werden gegründet, um  die jeweilige Hochschule noch attraktiver für Studierende zu machen, die sowieso schon von der sozialen Selektion im deutschen Bildungssystem profitieren. Die Juso-Hochschulgruppen wenden sich deshalb in aller Entschiedenheit gegen diese Form der Studienfinanzierung. Aus unserer Sicht kann es nicht sein, dass ärmere Studierende ihren KommilitonInnen aus reichem Elternhaus das Studium finanzieren.

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