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Zweitstudium ist kein Studium zweiter Klasse! Deshalb Aufnahmehürden abschaffen!

Wir Juso-Hochschulgruppen fordern, Regelungen zur Begrenzung für die Aufnahme eines Zweitstudiums an allen Hochschulen abzuschaffen. Solche Regelungen begrenzen massiv die Möglichkeit ein zweites Studium aufzunehmen. Teilweise sind nur drei oder vier Prozent der Kapazität eines Studiengangs für Menschen, die ein zweites Mal studieren möchten, vorgesehen. Dies kann bei kleineren Studiengängen nur ein Platz sein. Dieser Umstand widerspricht nicht nur dem Bedarf nach Interdisziplinarität in der Wissenschaft, Hochschulen sollen außerdem eine Stätte wissenschaftlicher Bildung sein und keine reine Berufsausbildung bieten. Sie verfolgen aufklärerische Ideale und keine wirtschaftlichen Ziele. Eine emanzipatorische Bildungspolitik muss allen Menschen den Zugang zu Bildung gewähren - wann immer sie wollen. Dieses lebenslange Lernen wird durch Begrenzungen des Zweitstudiums eklatant verletzt.

Dabei  ist die Idee der Bildung gemäß der Humbold’tschen Philosophie zu schützen: Nach Wilhelm von Humboldts Vorstellung sollte die Universität ein Ort sein, an dem die Menschen ihren Geist freiheitlich entwickeln können. Dieser Geist bezieht sich unter anderem auf die Definition der Menschlichkeit. Bildung soll Menschen dazu befähigen, für sich zu definieren, was "Menschlichkeit" bedeutet. Humboldt forderte eine Hochschule frei von äußeren Eingriffen, um für den Menschen die Voraussetzungen zu schaffen, sich selbst einen Inhalt zu geben.

Darin äußert sich auch der Gedanke, dass neben der Ausschöpfung des eigenen individuellen Potenzials, die Bereicherung der Gesellschaft im Mittelpunkt stehen muss. Aber eben nicht (nur) durch wirtschaftliche Leistung, sondern durch Ideen, Forschung und (Selbst-)Erkenntnis. Denn “Menschlichkeit” ist kein fester Begriff, er steht vielmehr in stetem Wandel und ist immer neu zu prägen.

Aufgrund des Humboldt’schen Bildungsideals verwundert es nicht, wie andere Denker die Hochschule verstehen. Althusser hat die Hochschulen als ideologische Staatsapparate definiert, während Zizek die Universität als Schmiede der Ideologie bezeichnete.

Die Hochschulen sollen deshalb niemanden verschlossen und gleichzeitig frei von Einflüssen des Kapitals sein. Wir finden, dass dieser Ort unbegrenzt erreichbar bleiben soll, damit Menschen freiheitlich sich selbst durch ihren Geist definieren können. Unabhängig vom Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, sozialer Herkunft oder eben dem Vorhandensein eines abgeschlossenen Studiums (so wie wir unsere Menschlichkeit definieren).

Die Hochschulen unterliegen dem Missverständnis, dass die Bildung der Menschlichkeit nur Mittel zur Einbettung in das kapitalistische System sein soll und das Potenzial der Studierenden nach oben zu begrenzen. Bildung - auch im formellen Rahmen einer Hochschule - darf nicht primär als Ausbildung hin zur Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt verstanden werden.

Der Zugang darf nicht nur einigen wenigen Menschen offen stehen, sondern muss für alle gewährleistet sein. Dieser emanzipatorische Grundsatz bestärkt uns, die Juso-Hochschulgruppen, in der Überzeugung, die Zulassungs- und Zugangsbegrenzungen für das Zweitstudium abzuschaffen und damit lebenslanges Lernen zu ermöglichen, um den Raum für die weitere Entwicklung des Menschlichkeitsbegriffs zu eröffnen.

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