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No means no! - Sexuelle Belästigung an Hochschulen entschlossen bekämpfen

Bei sexueller Belästigung kann es sich um non-verbale, verbale und auch körperliche Grenzüberschreitungen handeln – und sie alle gilt es zu bekämpfen. Denn sexuelle Belästigung ist ein Angriff auf die Betroffenen und beeinträchtigt sie in ihrer freien Entfaltung. Dabei beschränken sich die Auswirkungen nicht nur auf die Personen, die direkt von Vorfällen betroffen sind. Die Verbreitung von sexueller Belästigung und Gewalt in unserer Gesellschaft schafft ein Klima, in dem sich Menschen nicht sicher fühlen und in einer stetigen unterbewussten Angst leben müssen. Für viele Menschen, vor allem Frauen*, trans- und intergeschlechtlich lebende Menschen, sind Erfahrungen sexueller Belästigung noch immer Bestandteil des alltäglichen Lebens.

Dabei ist kein Bereich der Gesellschaft frei von sexueller Belästigung – dies gilt auch für Hochschulen. Und vor allem durch die mannigfaltigen Machtungleichgewichte und Abhängigkeitsverhältnisse an Hochschulen – Student*in und Prüfer*in, Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in und Professor*in und viele mehr – werden Grenzüberschreitungen begünstigt und das Vorgehen dagegen erschwert.

Diese Erkenntnis wird auch durch eine Studie der Ruhr-Uni Bochum unterstützt. Darin zeigt sich: Über die Hälfte der befragten Studentinnen (55 Prozent) haben während der Zeit ihres Studiums Formen sexueller Belästigung erlebt. Vor allem kamen ihnen Männer unnötig nahe, machten Kommentare über ihren Körper oder pfiffen ihnen hinterher. Seltener waren Belästigungen wie Betatschen, Küssen, Verfolgen oder das Erzählen obszöner Witze. 22 Prozent der Befragten fühlten sich gestalkt, waren also mit Anrufen, Drohungen und Auflauern konfrontiert. Von sexualisierter Gewalt, also erzwungene sexuelle Handlungen, betroffen waren 3,3 Prozent der befragten Studentinnen.

 

Hochschulangehörige schützen

Jede*r hat das Recht, ein Leben frei von sexueller Belästigung zu führen – auch an Hochschulen. Alle Hochschulangehörigen müssen so gut wie möglich vor sexueller Belästigung geschützt werden. Deshalb fordern wir:

  • Entwicklung und breite Veröffentlichung von Richtlinien zum Umgang mit sexueller Belästigung und Gewalt an der Hochschule, wo diese noch nicht existieren. Diese Richtlinien müssen Sanktionsmöglichkeiten enthalten. Im Erarbeitungsprozess muss gewährleistet sein, dass alle Hochschulangehörigen, also auch die Studierenden, beteiligt sind.
  • Schaffung von Frei-, Rückzugs- und Schutzräumen, die Austausch und Rückzug ermöglichen.

 

Betroffene unterstützen

Wenn es zu Formen sexueller Belästigung kommt, dürfen die Betroffenen nicht alleine gelassen werden. Die Betroffenen müssen so gut wie möglich unterstützt werden. Wir fordern daher:

  • Schaffung von ausreichend niedrigschwelligen Anlaufstellen und Beratungsangebote für betroffene Studierende und Beschäftigte. Anonymisierte Beratung muss gewährleistet werden.
  • Bereitstellung einer nicht-weisungsgebundenen Ansprechperson an der Hochschule.
  • Stärkung von Betroffenen in ihren Entscheidungen, Bereitstellung von Informationen zu den verschiedenen Handlungsoptionen und Unterstützung ihrer Entscheidung für eine oder mehrere dieser Optionen.
  • Schutz von Betroffenen vor sozialer Ausgrenzung und Schuldzuweisungen, denn die Schuld für sexueller Übergriffe liegt nie bei den Betroffenen.
  • Möglichkeit von Sanktionen bei Belästigungen, um Student*innen zu schützen und ihnen die weitere Durchführung ihres Studiums zu ermöglichen.
  • Information über Beratungsstellen an hochfrequentierten Stellen der Hochschulen.
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Hochschulöffentlichkeit sensibilisieren

Um ein Klima zu schaffen, das sexuelle Belästigung nicht begünstigt, müssen alle Hochschulangehörigen für die Problematik sensibilisiert und über adäquates Verhalten bei Vorfällen informiert werden. Die Tabuisierung des Themas, die vor allem Täter*innen schützt, muss überwunden werden. Daher fordern wir:

  • Offizielle Leitfäden zum Verhalten von Beobachter*innen von Vorfällen.
  • Verpflichtende Sensibilisierung für Studierende im Rahmen von Orientierungswochen. An Hochschulen, welche keine Orientierungswochen anbieten, findet die Sensibilisierung in den Einführungsveranstaltungen statt.
  • Verpflichtende Sensibilisierung von Hochschulbeschäftigten.
  • Regelmäßige Fortbildungsseminare für alle Hochschulangehörigen; dies kann beispielsweise auch durch einen feministischen Lehrauftrag pro Fach und Semester geschehen.
  • Verankerung des Leitbildes von diskriminierungsfreien Hochschulen.

 

Forschung fördern

Derzeit ist nicht nur die Forschung nicht so weit gediehen, wie sie es sein müsste – einige Hochschulen sperren sich aus Angst um ihren Ruf auch gegen eine Teilnahme an Studien oder die Veröffentlichung von Ergebnisse. Wir fordern deshalb:

  • Förderung von Forschungsprojekten auf diesem Gebiet.
  • Teilnahme von Hochschulen an Forschungsprojekten und Veröffentlichung der Ergebnisse.

 

Hochschulübergreifende Vernetzung stärken

Zur Verbesserung dieser Angebot fordern wir hochschulübergreifende Austauschforen für Berater*innen sowie Ansprechpersonen. Diese Vernetzungsstrukturen benötigen wir auch für Betroffene sexualisierter Gewalt.

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