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Wo wir herkommen und hinwollen, wie wir arbeiten und was wir ändern können. - Antworten auf die Verbandsevaluation 2014

In den vergangenen Monaten haben wir die auf dem Bundeskoordinierungstreffen im November 2013 beschlossene Verbandsevaluation durchgeführt, die Stärken und Schwächen unseres Verbands hinterfragt und wichtige Anhaltspunkte für Verbesserungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten gegeben hat. Dazu wurde in Zusammenarbeit von Landeskoordinationen und Bundesvorstand ein Fragenkatalog erstellt, der von den einzelnen Hochschulgruppen online ausgefüllt werden konnte, bevor die Antworten im Rahmen des  Seminarwochenendes in Göttingen (14.3. – 16.3.) ausgewertet und  diskutiert wurden. Die Ergebnisse wurden in einer Dokumentation zusammengefasst und bilden die Grundlage dieses Antrags, dessen Kernforderungen in einem verbandsöffentlichen Pad zusammengetragen wurden.

Die Ergebnisse dieses mehrmonatigen Prozesses lassen sich zu folgenden fünf Thesen zusammenfassen:

1.    Auch in unserem feministischen Richtungsverband muss dieser Grundwert weiter institutionalisiert, strukturelle Verbesserungen vorgenommen und Sensibilisierungsarbeit geleistet werden.

2.    Mithilfe von Instrumenten wie Redezeitbegrenzung, Antrags-Priorisierung oder Visualisierung können unsere BKTs vorangebracht werden.

3.    Das vielfältige Informations-, Partizipations-, Veranstaltungs- und Materialangebot muss besser kommuniziert werden.

4.    Insbesondere aufgrund der hohen Fluktuation in den Hochschulgruppen vor Ort braucht es mehr Leitfäden, um Informationen und Know-how weiterzugeben und zu verstetigen.

5.    Die Vernetzung der Hochschulgruppen untereinander muss weiter gestärkt werden. Dies betrifft vor allem den Material- und Erfahrungsaustausch, genau wie die innverbandliche Diskussion.

Aus dem gesamten Prozess ergeben sich zu einzelnen Bereichen unserer politischen Arbeit ferner folgende detaillierte Verbesserungsvorschläge:

Feminismus und Frauen*förderung
Wir Juso-Hochschulgruppen sind ein feministischer Richtungsverband. Wir vertreten diese gesellschaftspolitische Einstellung nach außen. Gleichzeitig muss sie innerverbandlich gelebt werden. Es ist ein erklärtes Ziel von uns, die Frauen*förderung zu intensivieren. Dafür werden Möglichkeiten ausgebaut und weitere geschaffen, um die Vernetzung und den Austausch der Frauen* innerhalb unseres Verbandes zu verbessern. Zudem muss folgende Regelung in die Geschäftsordnung aufgenommen werden: „Auf Antrag kann die Liste zweimal für drei Männer geöffnet werden, worüber nur die Delegierten abstimmen können, die sich nicht dem männlichen Geschlecht zuordnen.“ Wir machen uns darüber hinaus dafür stark, dass zukünftig Frauen*delegationen zum BKT fahren können. Bis dies erreicht ist, werden die Kosten für den ersten weiblichen Gast erstattet, falls die Delegation des Gastes nur aus einer Frau besteht.

 

Gleichstellungsbericht
Jährlich auf dem Winter-BKT gibt es einen Gleichstellungsbericht des Bundesvorstands. Dieser berücksichtigt die Rückmeldungen der Anti-Sexismus-Kommission, die ebenfalls einen Bericht abgibt. Damit vergegenwärtigen wir uns bestehenden Handlungsbedarf und können konkreter auf die vollständige Gleichstellung aller Geschlechter im gesamten Verband hinwirken.

 

Diskussionskultur auf BKTs
In der Vergangenheit ist im Verlauf von BKTs immer wieder eine Diskussionsstimmung entstanden, die von vielen als bedrückend empfunden wurde. Oft bestimmten aggressive Beiträge und ein übergriffiges Redeverhalten die Diskussion. Das darf sich nicht als Dauerzustand etablieren. Wir wollen daher die Geschäftsordnung so weiterentwickeln, dass sie dem Präsidium die Möglichkeit gibt, gegen diese Diskussionsunkultur vorzugehen. Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, einzelne Personen zu verwarnen, ihnen das Rederecht zu entziehen oder im Extremfall von der Veranstaltung auszuschließen.

 

Alkoholverzicht
Die Erfahrung zeigt, dass die Stimmung fot gegen Abend eskaliert, wenn bereits Alkohol geflossen ist. Wir wollen dass alle Teilnehmer*innen das BKT gleichermaßen und ungestört genießen können. Daher verpflichten wir uns, auf den Konsum von Alkoholika während des gesamten Sitzungstages zu verzichten.

 

Antrags-Priorisierung
Wir wollen zukünftig am Anfang von Bundeskoordinierungstreffen allen Hochschulgruppen die Möglichkeit geben, drei Anträge zu priorisieren. Diese werden bevorzugt behandelt und zu Kernzeiten aufgerufen werden. Bei Anmeldung am Tagungsort geben die HSGn die Priorisierung in Schriftform ab.

 

Antragsberatung
Um die Partizipation an der Antragsdebatte zu vereinfachen und die Verfolgbarkeit zu verbessern, werden der BKT-Ablauf und die Antragsberatung inklusive Änderungsanträge visualisiert. Die Anträge zum BKT sollen öffentlich zugänglich gemacht werden. Außerdem findet bei jedem BKT eine Neumitgliedereinführung statt, um das Verfahren schon im Vorfeld zu erklären und Partizipationshürden zu senken.

 

Feedback nach Bundeskoordinierungstreffen
Gerade im Hinblick auf Atmosphäre und Diskussionskultur – vor allem auch aus einer Gleichstellungsperspektive – wird es am Ende von Bundeskoordinierungstreffen zukünftig die Möglichkeit geben, Feedbackkarten auszufüllen. Das vom Awareness-Team ausgewertete Ergebnis soll über HSG-intern annonymisiert verbreitet werden. Des weiteren sollte das BKT-Protokoll zeitnah nach dem BKT verschickt werden.

 

Partizipation an Arbeitsprogrammen
Zukünftig soll der Prozess der Arbeitsprogrammerstellung partizipativer gestaltet werden. Deshalb wird im Vorfeld eine „Call for Ideas“-Phase durchgeführt, in der alle Mitglieder des Verbandes Ideen und Vorschläge anbringen können.

 

Themensetzung des Bundesverbandes
Für die Themensetzung sind die Beschlüsse des Bundeskoordinierungstreffens bestimmend. Zugleich gilt es im Verband weniger präsente Themen, wie auch regional wichtige Themen angemessen zu berücksichtigen und in die aktuelle politische Debatte einzugreifen.

 

Politischer Bericht des Bundesvorstandes
Wie schon im diesjährigen Arbeitsprogramm festgehalten, wird der Bundesvorstand bei jedem Bundeskoordinierungstreffen im Sommer einen politischen Bericht vorstellen, der die Umsetzung des Arbeitsprogramms und Schwerpunkte der bisherigen und zukünftigen Arbeit darlegt. Dieser Bericht sollte auch auf Diskriminierung aufgrund von sozialer Herkunft, Migrationsvorgeschichte sowie physischer und psychischer Beeinträchtigung und die dagegen ergriffenen Maßnahmen eingehen. Die folgende Aussprache bietet Raum für Nachfragen, Kritik und Anregungen. Zwischen den Bundeskoordinierungstreffen ist der Newsletter des Bundesvorstands monatlich zu veröffentlichen. Der Bundesvorsand berichtet auch regelmäßig zwischen den BKT über die Arbeit in den Gremien, in denen die Juso-Hochschulgruppen vertreten sind.

 

Informationsfluss
Es besteht großes Interesse an regelmäßigem Informationserhalt und an regelmäßiger Informationsweitergabe. Derzeit erfolgen sie über verschiedene Kanäle (Facebook-Account der Bundesebene, der einzelnen Landeskoordinationen, Homepages, den Newsletter des Bundesvorstandes, einzelne Newsletter der LKOn, hsg-intern, weitere Verteiler auf Landesebene etc.). Dabei werden aber trotzdem nicht alle Hochschulgruppen erreicht – meistens, weil aktuelle Sprecher*innen (noch) nicht auf Verteilern stehen oder in der Hochschulgruppe allgemein keine Kenntnisse über alle Möglichkeiten bestehen. Der erste Anknüpfungspunkt muss deshalb sein, die genutzten Kanäle bekannter zu machen und sich darum zu bemühen, alle Hochschulgruppen darüber verlässlich zu erreichen. Dabei sind alle Ebenen im Verband gefordert.

 

Austausch im Verband
Der schnellstmögliche Austausch im Verband ist über den E--Mail-Verteiler „hsg-intern“ möglich. Es gilt Diskussionen, Weitergabe von Erfahrungen und das Sammeln von Informationen über regionale Unterschiede anzuregen, um die Hochschulgruppen voneinander profitieren zu lassen und gerade Hochschulgruppen mit noch junger Geschichte oder wenig Aktiven mit dem ganzen Verband zu unterstützen. Hier sind insbesondere benachbarte Hochschulgruppen gefordert, sich nachhaltig zu vernetzen und Strukturen langfristig zu stärken. Wir wollen auch projektbezogen technische Möglichkeiten nutzen, um den Austausch zu erhöhen.

 

Seminarangebot
Auf Bundesebene finden regelmäßig Seminare statt, die der politischen Bildung des Verbandes dienen. Wir setzen uns dabei mit theoretischen Grundlagen sowie  Ansätzen für die konkrete Arbeit vor Ort auseinander, dabei soll auch auf die unterschiedlichen System von Asten und Stürä eingegangen werden. Dabei gilt es eine gute Mischung zwischen Angeboten für Einsteiger*innen und erfahrenere Teilnehmer*innen zu finden. Unerlässlich ist eine regionale Verteilung der Veranstaltungsorte.

 

Inklusion stärken
Für uns ist es ein wichtiges Ziel unseren Verband und die politische Arbeit immer inklusiv zu gestalten. Bei Bundeskoordinierungstreffen und Seminaren ist auf die Barrierefreiheit zu achten. Dies sollte für all unsere Veranstaltungen und Sitzungen gelten. Der*die BGF möge sich zunächst darüber informieren, inwiefern im Vorfeld von Veranstaltungen eine diskriminierungsfreie Abfrage benötigter inklusiver Vorkennungen möglich ist und dies entsprechend umsetzen. Hierfür soll er*sie sich mit einschlägigen Interessenvertretungen in Verbindung setzen. Bis dahin soll auf dem Anmeldeformular für Veranstaltungen ein Freifeld eingerichtet werden, in das benäötigte Infrastruktur wie etwa Gebärdendolmetscher*innen eingetragen werden kann. Inklusion betrifft aber nicht nur räumliche Barrieren. Deshalb ist der gesamte Verband auf allen Ebenen gefordert, nach größtmöglicher Inklusivität zu streben. Um dies zu erleichtern erstellt der Bundesvorstand einen Leitfaden für die inklusive Gestaltung der Arbeit vor Ort.

 

Leitfäden und Reader
Die Arbeit vor Ort kann mit einem größeren Angebot an Leitfäden und Readern vorangebracht werden. Deswegen ist der Bundesvorstand angehalten, Informationen in dieser Form bereitzustellen. Darunter soll ein Leitfaden für neue Sprecher*innen sein. Dieser soll ihnen helfen, bei Bedarf einen Überblick über die Verbandsstruktur, Partizipations- und Austauschmöglichkeiten, Verteiler, die Homepage, sowie Ansprechpartner*innen zu erhalten. Der Leitfaden und alle weiteren Informationsmaterialien sollen zusätzlich zu digitalen Verfügbarkeit auf Anfrage bei der Bundesgeschäftsführung auch als kostenlose Printversionen bestellbar sein. Ferner soll der Leitfaden „Roter Faden“ der Juso-Hochschulgruppen aktualisiert werden. Zu weiteren wichtigen Themen können, ggf. unter Partizipation des Verbandes wie in der Vergangenheit bspw. beim Neumitgliederleitfaden, weitere Leitfäden erstellt werden.

 

Homepage
Unsere Homepage, seit der Bundestagswahlkampf 2013 im neuen Design, beinhaltet unsere Positionen, Pressemitteilungen, Europawahlkampf-Seite und Informationen zur aktuellen Arbeit des Bundesvorstandes. Außerdem ist auf ihr ein interner Bereich eingerichtet, der viele verschiedene Materialien, das Beschlussarchiv und weiteres bereitstellt. Seine Nutzung muss ebenfalls im Leitfaden für neue Sprecher*innen erklärt werden, um den Datenaustausch zu verbessern. Auch die Landeskoordinationen erhalten einen Zugang. Außerdem muss die Möglichkeit bestehen, über das Bundesbüro hilfreiches Material einzelner Hochschulgruppen allen im Verband zur Verfügung zu stellen. Das Material soll möglichst in open-source-Formaten bzw. in Formaten von kostenlos, legal erwerbbaren Programmen angeboten werden. Der Flyergenerator soll überarbeitet werden, wobei mehr Design-Möglichkeiten geschaffen werden sollen, wenn dies finanziell möglich ist. Ferner gilt es anzuregen, die einzelnen Hochschulgruppen-Profile im internen Bereich mit mehr Informationen anzureichern.

 

Blattrot
Die Teilnehmer*innen der Evaluation haben sich ausdrücklich für eine Fortsetzung der Blattrot ausgesprochen. Um diese zu bereichern, soll verbandsintern die Möglichkeit bestehen, sich in die Blattrotredaktion einzubringen. Auch sollen Beiträge in der Blattrot vermehrt ausgeschrieben werden.

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