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Die Entdeckung des #Neulands für den Bildungsbereich – Wie wir den Digitalisierungsprozess an und in den Bildungsinstitutionen gestalten wollen

Gesellschaftliche Umbrüche haben in der Vergangenheit immer wieder stattgefunden. Ein solcher Wandel der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ordnung kann viele, verschiedene Gründe haben. So hat die industrielle Revolution beispielsweise das Verständnis von Arbeit massiv umgewälzt und den modernen Kapitalismus begründet. Aktuell ist die Gesellschaft wieder mitten in einem Prozess, dessen weiteren Verlauf und Ende wir nicht voraussehen können und auch dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft wir heute nur erahnen können: die Digitalisierung aller Lebensbereiche. Von dieser grundlegenden Umwälzung sind alle Gesellschaftsbereiche – wie beispielsweise die Arbeitswelt, die Freizeitgestaltung und natürlich auch das Bildungssystem – betroffen.

Bisher ist die Digitalisierung vor allem durch technische Entwicklungen geprägt. So hat Google das Auffinden von Informationen (und vieles mehr) verändert, Amazon das Einkaufen, Facebook und WhatsApp unser Kommunikationsverhalten und zuerst Napster und dann YouTube und Spotify die Musikindustrie. Wie die Auseinandersetzungen um das Unternehmen „Uber“ und ihre gleichnamige zeigen, handeln das Recht bzw. der Staat hinsichtlich der technologischen Entwicklungen bisher nur reaktiv. Dies ist nicht unsere Vorstellung einer staatlichen Ordnung. Wir Jungsozialist*innen wollen es nicht dem Markt überlassen, welche Wirkungen und Auswirkungen die Digitalisierung hat. Unser Ziel ist eine politische Gestaltung des Prozesses, und nicht lediglich ein begleitendes oder gar reaktives Handeln.

Bereits in der Vergangenheit haben wir uns mit Einzelthemen des Digitalisierungsprozesses im Bildungsbereich und ihren Auswirkungen auseinandergesetzt. In den vergangenen Monaten fand bei verschiedenen Veranstaltungen eine umfassendere Diskussion statt. Für uns ist dabei klar: am Anfang muss die Frage gestellt werden, wie Lehren, Lernen und Bildungsinstitutionen als solche anders organisiert sein können. Der Digitalisierungsprozess ist ein Mittel zur Lösung bestehender Probleme im Bildungssystem und nicht per se Zielvorstellung. Dabei stehen wir als progressiver Verband aber dem technischen Fortschritt allgemein und besonders im Bildungsbereich positiv gegenüber.  Die Digitalisierung bietet eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten für viele Probleme und Herausforderungen, vor denen wir stehen. Gleichzeitig verschweigen wir aber auch nicht die Risiken, die mit der Digitalisierung des Bildungsbereichs einhergehen.

 

Gesellschaftliche Spaltung

Um erfolgreich am privaten, beruflichen sowie insgesamt am gesellschaftlichen Leben des 21. Jahrhunderts teilzuhaben, benötigen alle Menschen ausreichende computer- und informationsbezogene Kompetenzen. Eine solche Medienkompetenz ist auch erforderlich, um den sich verändernden Anforderungen im Bildungsbereich gerecht zu werden. Derzeit gibt es aber eine „digitale Spaltung“ der Gesellschaft. Diese zeigt sich insbesondere in drei Feldern: erstens überhaupt im Zugang zu Geräten und dem Internet, zweitens in der Nutzungskompetenz und drittens in der Nutzungsart.

 

Was wir wollen: Zugang für alle

Während nahezu alle Haushalte in der Bundesrepublik heutzutage ein Telefon haben, ist die Vollversorgung mit einem Computer noch nicht erreicht: Rund 86 Prozent der privaten Haushalte haben einen Computerzugang. Etwas weniger, nämlich knapp 84 Prozent der privaten Haushalte, haben auch einen Internetzugang. Dieser Wert hängt stark vom monatlichen Nettohaushaltseinkommen ab. Während von den Haushalten mit mehr als 2000 Euro Einkommen über 90 Prozent mit einem Internetzugang versorgt sind, beträgt der Wert bei den Haushalten mit unter 1300 Euro Einkommen lediglich 70 Prozent. Gründe sind hier unter anderem die zu hohen Anschaffungs- und Nutzungskosten, aber auch teilweise der subjektiv nicht gesehene Bedarf.

Knapp vier Fünftel der Bevölkerung in der Bundesrepublik nutzen das Internet zumindest gelegentlich, 60 Prozent sogar täglich. Dabei sind männlich sozialisierten Nutzer noch immer leicht überrepräsentiert. Jedoch ist dieser Unterschied in den jüngeren Jahrgängen nicht mehr feststellbar. Bei den 14- bis 19-Jährigen beträgt die Zahl der Internetnutzer*innen 100 Prozent. Auch in den Altersgruppen bis 39 Jahre bleibt es fast bei diesem Wert. Beim Internetzugang kommt es jedoch auch auf die Geschwindigkeit an. In der Bundesrepublik gibt es eine ungleiche Verteilung von Breitbandzugängen, insbesondere zwischen Stadt und Land.

Um den Zugang zu erleichtern, muss also zunächst die technische Ausstattung in den Bildungsinstitutionen verbessert werden. Insbesondere in Bibliotheken und ihren Lesesälen müssen Computerarbeitsplätze für Schüler*innen, Auszubildende und Studierende zur Verfügung stehen, ebenso in den Lehr- und Seminarräumen. Gerade Schulen und Hochschulen müssen technische Großgeräte oder besonders schnelle Geräte, die nicht für den Privatgebrauch finanzierbar sind, für alle zur Verfügung stellen. Eine umfassende technische Ausstattung schließt auch ein schnelles und frei verfügbares WLAN mit ein. Dieses muss es nicht nur in den Bildungsinstitutionen, sondern in allen öffentlichen Gebäuden geben. Darüber hinaus ist es unser Ziel, dass auch in ganzen Städten und dem Personennah- und -fernverkehr WLAN frei verfügbar ist. Um der flächendeckenden Versorgung mit WLAN näher zu kommen, unterstützen wir lokale Initiativen, Privatpersonen und Verbände bei ihrem Engagement in diesem Bereich und fordern, die Störer*innenhaftung abzuschaffen.

Schüler*innen, Auszubildende und Studierende müssen – wie auch die gesamte Gesellschaft – zu Hause den Zugang zum Internet haben. Wir fordern eine kostenlose Internetverbindung für alle Menschen. Langfristig muss es weltweit flächendeckend und kostenlos Internet geben. Dies gehört für uns zu einer Daseinsvorsorge, die auf der Höhe der Zeit ist. Außerdem fordern wir für jede*n Schüler*in die Ausstattung mit einem Laptop und die regelmäßige Erneuerung dieser technischen Ausstattung. Die Geräte müssen für alle nutzbar, also inklusiv sein (dies betrifft beispielsweise besondere Anforderungen an Tastaturen). Alle Sender*innen, Empfänger*innen, Onlinedienste und Anwendungen müssen gleichberechtigten Zugang zu Datenübertragungskapazitäten haben. Wir fordern daher die Festschreibung der Netzneutralität.

 

Was wir wollen: Medienkompetenz für alle

Die Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompetenten Nutzer*innen digitaler Medien, trifft nicht zu. Fast 30 Prozent der Achtklässler*innen in Deutschland verfügen nur über sehr geringe computer- und informationsbezogene Kompetenzen. Festgestellt werden kann, dass das mittlere Kompetenzniveau von Jungen* statistisch signifikant hinter dem der Mädchen* zurückliegt. Es lassen sich außerdem Bildungsbenachteiligungen für Achtklässler*innen aus unteren und mittleren soziökonomischen Milieus sowie für Jugendliche mit Migrationshintergrund feststellen.

Auch Erziehungsberechtigte und alle weiteren an der Erziehung Beteiligten müssen Unterstützung in der Medienerziehung erhalten können, beispielsweise durch Kurse in der Kindertagesstätte oder Schule. Hauptschwerpunkt von Medienbildung ist aber die Schule. Digitale Lehrinhalte sollten in allen Fächern dort, wo durch die Nutzung ein Mehrwert geschaffen werden kann, sinnvoll in den Unterricht integriert werden, wenn es didaktisch sinnvoll ist. Trotzdem ist ein verpflichtender Informatikunterricht für alle unerlässlich. Dieser erschöpft sich nicht nur in der Bedienung von Geräten und Software von ausgewählten Anwendungen. Er behandelt die Beschaffung, Bewertung, Interpretation, Darstellung und Verbreitung von Daten und Informationen und fördert ein Verständnis von Grundlagen, Methoden, Anwendungen und Arbeitsweisen der Informatik. Ebenso soll eine kritische Auseinandersetzung mit den Medien erfolgen. Der Unterricht ist ebenso kontextorientiert und verdeutlicht die gesellschaftliche, politische und soziale Bedeutung von Informations- und Kommunikationssystemen. Des Weiteren muss die Sensibilisierung der Schüler*innen beim Umgang mit den eigenen personenbezogenen Daten gefördert werden und deswegen elementarer Bestandteil des Informatikunterrichts sein.

Eine fächerübergreifende Medienbildung kann nur gelingen, wenn Umgang mit digitalen Medien und Erwerb medienpädagogischer Kompetenzen für alle Lehrkräfte in Aus- und Fortbildung zu verpflichtenden Bestandteilen werden. Dies gilt ebenso für Fortbildungen Hochschullehrender. An der Hochschule müssen für Studierende auch kostenlose Kurse zum Erlernen kompetenter Mediennutzung für das Studium, beispielsweise für das Schreiben einer Hausarbeit, angeboten werden.

 

Lehren & Lernen

Die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung für das Lehren und Lernen bietet, werden im Jahr 2015 noch längst nicht ausgeschöpft. Progressive Ideen sind zwar teilweise schon Jahre alt und auch die Diskussion ist nicht neu, dennoch hat die Digitale Revolution des Lehrens und Lernens – Stand heute – noch nicht bzw. nicht umfassend stattgefunden. Zwar gibt es Schulen und Hochschulen mit Smart- und Whiteboards. Doch als mehr als „Tafeln in Weiß“ werden sie oft nicht genutzt. Zwar sind Smartphones heute vielfach gängig und Schulen schaffen Tablets an. Doch dann werden Funktionen der Geräte oder das Internet ganz abgeschaltet. Zwar kann man inzwischen bei digitalen Schulbüchern Notizen selbst anfügen. Doch bringen diese wenig, wenn sie nach dem Auslaufen der Lizenz wieder verschwinden. Zwar können Dozierende und Lehrkräfte Bücher und Texte einscannen. Doch sind nach dem Urheber*innenrecht bisher nur „kleine Teile eines Werkes“, das heißt nach geltender Rechtsprechung, max. 12 Prozent eines Gesamtwerkes, erlaubt – und auch nicht mehr als 100 Seiten. Zwar wurden Online-Kurse wie MOOCs im Jahr 2013 als zukunftsweisend betrachtet und deren Öffnung für alle sowie die Demokratisierung von Wissen versprochen. Doch sind solche MOOCs in der Realität akademisch und männlich* geprägt. Es profitieren die, die ohnehin schon zur „Elite“ gehören.

 

Was wir wollen: Freie Werkzeuge zum Lernen

Lehrende und Lernende müssen die Möglichkeit erhalten, vorhandene Unterlagen zu erweitern oder zu verbessern und diese Änderungen auf einfache Weise anderen zugänglich zu machen. Dafür ist es erforderlich, dass offene Formate und Plattformen genutzt werden. Es muss eine Veränderung der rechtlichen, organisatorischen und ökonomischen Rahmenbedingungen stattfinden. So können die besonderen Potenziale für neue und inklusive Lernkonzepte genutzt werden. Die Bundesregierung soll die Erstellung von Open Educational Ressources für Schulen und Hochschulen fördern. Sie sollen zum Standard der Lehr- und Lernmaterialien werden. Dass diese digitalen Lehr- und Lernmaterialien eine gesamtstaatliche Aufgabe sind, zeigt sich auch hieran, dass das Kooperationsverbot endlich für den gesamten Bildungsbereich abgeschafft gehört, um eine gemeinsame Finanzierung zu ermöglichen. Hierbei ist zu beachten, dass weiterhin Rechtssicherheit für die Urheber*innen besteht.

 

Was wir wollen: Open Access

Aktuell stehen Bibliotheken dem Monopol von Wissenschaftsverlagen gegenüber. Diese können für die Lizenzierung ihrer Publikationen horrende Summen verlangen, sodass die Bibliotheken gezwungen sind, auszusteigen. Um die Marktmacht der Bibliotheken zu steigern, sollen diese zukünftig gemeinsam den Zugang zu Fachjournalen verhandeln. Die langfristige Lösung des Problems heißt aber Open Access. Dies bedeutet vielfältige neue Wege, Wissen zu publizieren und abzurufen, und ermöglicht, weitgehend unabhängig und sehr kostengünstig eigene Forschungsergebnisse zu publizieren. Dafür müssen öffentliche Datenrepositorien aufgebaut werden. Wir setzen uns auch für ein umfassendes Zweitveröffentlichungsrecht ein. Außerdem wollen wir eine umfassende allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheber*innenrecht. Es muss allen Nutzer*innen für Unterrichtszwecke und zum Lehren und Lernen erlaubt sein, Veröffentlichungen zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen, öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheber*innenschaft korrekt angegeben wird. Der Streit um Softwarepatente, welche manchmal bereits für Ideen wie beispielsweise das Einkaufen mit einem Klick oder den Doppelklick vergeben werden, zeigt, dass diese vielfach Innovationen verhindern. Wir setzen uns daher für deren Abschaffung ein und sehen durch das Urheber*innenrecht einen ausreichenden Schutz gewährleistet.

 

Was wir wollen: Demokratisierung von Wissen & Open Data

Wir wollen Wissen demokratisieren. Das bedeutet einen gleichen Zugang für alle. Daher dürfen MOOCs und andere Online-Kurse, die beispielsweise von Hochschulen für die Allgemeinheit angeboten werden, nicht kostenpflichtig sein. Wir unterstützen auch Formen der kollaborativen und offenen Zusammenarbeit, die Wissen allen verfügbar machen möchte. Die gleiche Zugänglichkeit zu Wissen zu schaffen ist eine globale Herausforderung. Der Staat muss außerdem alle verfügbaren Daten und Statistiken – außer bei einem legitimen Interesse an Vertraulichkeit – in einem frei zugänglichen Portal veröffentlichen, auf das jede*r nach Belieben zugreifen kann. Die Daten müssen frei verfügbar und nutzbar sein. Ziel ist die bessere und schnellere Information der Bürger*innen, sowie die Konservierung von Wissen und der Vereinfachung des Zugangs zu diesem. Somit gäbe es eine immer erreichbare und verlässliche Quelle für Recherchen. Wir fordern eine Open Data-Strategie, die alle Ebenen, also Kommunen, Bundesländer und den Bund mit einschließt. Diese soll möglichst europaweit Anwendung finden.

 

Was wir wollen: Eine Didaktik des 21. Jahrhunderts

Wir verstehen Lernen als aktiven, selbstbestimmten, individuellen, sozialen, kreativen und emotionalen Prozess. Diese Anforderungen gelten auch für „digitale Lehre“. Es geht nicht lediglich darum, Inhalte optimal aufzubereiten. Bildung soll und muss dazu befähigen, zukünftige Probleme zu lösen, die es heute noch nicht gibt bzw. nicht vorstellbar sind. Auch digital unterstütztes Lernen muss inklusiv sein. Konkret heißt das: Auch die Onlineangebote der Hochschule müssen barrierefrei sein. Auch Unterrichts- und Lehrmaterialien müssen in geeigneter Form vorliegen. Inklusion muss ein Schwerpunkt in der Aus- und Fortbildung von Lehrenden sein. Für digital unterstützte Lehre gilt ebenso, dass sie so aufbereitet sein muss, dass alle Teilnehmenden sie aktiv und kritisch mitgestalten können. Eine Didaktik des 21. Jahrhunderts muss berücksichtigen, dass Bildung mehr bedeutet, als nur die beste Strategie für das Lernen der*des Einzelnen zu finden. Daher müssen online Kommunikationsangebote geschaffen werden.

 

Was wir wollen: Blended Learning an Hochschulen

Für uns ist klar: Das Angebot von Präsenzlehre an Hochschulen bleibt unerlässlich. Soziale Interaktion ist für viele ein wichtiger Bestandteil von Lernen. Deshalb darf Digitale Lehre nicht zur Verdrängung des Präsenzstudiums führen, sondern ist als eine sinnvolle Ergänzung dazu einzusetzen („Blended Learning“). Es geht darum, die Potenziale für Lehrformate sinnvoll zu nutzen. So bietet es sich insbesondere an, Phasen des Wissenserwerbes, die bisher vor allem in großen und überfüllten Einführungsvorlesungen geschehen sollen, als online-gestützte Selbstlernphasen zu konzipieren. Dann ist es möglich, das Wissen in Präsenzsitzungen von Kleingruppen zu üben, zu vertiefen und zu reflektieren. Die Anerkennung von Kursen, die an anderen Hochschulen belegt wurden, muss vereinfacht werden. Dies gilt auch für reine Online-Kurse oder solche, die online-gestützt angeboten werden. So erhöht sich die Vielfalt der von Studierenden wählbaren Kurse enorm. Auch ein reines Onlinestudium lehnen wir nicht ab. So kann die Notwendigkeit der zeitlichen und räumlichen Präsenz aufgehoben werden, was insbesondere zur Öffnung der Hochschulen beitragen kann. Schon jetzt können Studierende an Fernhochschulen fast ohne Präsenzveranstaltungen zu einem Abschluss gelangen.

 

Was wir wollen: Weiterbildung für alle

Digitale Lehr- und Lernformate bieten große Potenziale für Weiterbildungsaktivitäten. Denn die räumliche und zeitliche Entgrenzung von digitalisierten Lehr- und Lernprozessen ist insbesondere für die meist berufstätige Zielgruppe besonders bedeutsam. Gleichzeitig darf Weiterbildung dadurch nicht in die Freizeit verschoben werden. Wir setzen uns für einen umfassenden Bildungsurlaub aller Arbeitnehmer*innen und Auszubildenden ein. Lebenslanges Lernen bedeutet für uns aber auch, dass der Staat entsprechende Angebote schaffen muss. Daher setzen wir uns für ein öffentliches Weiterbildungsportal ein, welches Kurse für alle kostenlos anbietet. Gleichzeitig wollen wir die Volkshochschulen fördern.

 

Hochschulverwaltung

Digitalisierung in der Bildung hat bisher wahrnehmbar vor allem bei Service-Angeboten stattgefunden. So gibt es Systeme und Portale für das Anmelden zu Kursen und Prüfungen, für die Studierendenverwaltung, das Ausleihen und Auffinden von Büchern und Materialien in der Bibliothek und vieles mehr. Problematisch aber ist, dass es für alle Funktionen und Bereiche unterschiedliche und nicht kompatible Systeme gibt. Auch der Wechsel einer Hochschule bedeutet so zumeist die Einrichtung mehrerer neuer Accounts in ganz anderen Systemen.

 

Was wir wollen: Potenziale nutzen und Barrieren abbauen

Wir wollen das Chaos der unterschiedlichen und nicht kompatiblen Systeme und Anwendungen beenden. Unsere Anforderung an solche Portale ist zunächst, dass sie einfach und leicht verständlich für alle zu bedienen sind. Sie müssen also inklusiv gestaltet sein, indem flächendeckend Barrieren für beispielsweise Menschen mit Seh- und/oder Hörbehinderung abgebaut werden. Außerdem wollen wir, dass quelloffene Software genutzt wird. Hier sind auch Hochschulen gefragt, miteinander zu kooperieren und so gegebenenfalls benötigte Software selbst zu entwickeln. Außerdem müssen diese Portale so gestaltet werden, dass die Daten abgesichert sind. Des Weiteren unterstützen wir Campus- und Schulclouds, in denen Angehörige von Schulen und Hochschulen Daten sicher ablegen können.

 

Was wir wollen: Datenschutz beachten

Heutzutage ist es üblich, den Zugang zu einzelnen Gebäuden oder Räumen in Form von Chipkarten zu sichern. Wir fordern, dass es auch weiterhin möglich bleibt, als Schüler*innen und Studierende in alle Räume und Gebäude der Hochschule und Schule zu gelangen, ohne dass dies erfasst und aufgezeichnet wird. Überall wo Daten anfallen ist die Frage zu stellen, ob ihre Erfassung notwendig ist. Wir fordern Datensparsamkeit bei der Konzeption von Anwendungen und Programmen. Datenschutz muss eine engmaschige Kontrolle der Studierenden – auch beim Lernen – verhindern. Generell muss der Schutz aller Daten von Studierenden durch die Hochschule gewährleistet sein. Die Schulen und Hochschulen müssen für eine Kontrolle durch die Einstellung oder die Benennung von Datenschutzbeauftragten sorgen. Zusätzlich sollen die Gremien, die sich paritätisch aus den verschiedenen Statusgruppen zusammensetzen, die Arbeit der Datenschutzbeauftragten und die Erhebung von Daten überwachen.

 

Was wir wollen: Hochschulzulassung vereinfachen

Hochschulen wickeln die Zulassung zum Studium größtenteils selbst ab. Dies bedeutet für Bewerber*innen, dass sie sich in vielen verschiedenen Systemen zurechtfinden müssen. Außerdem bleiben so immer wieder Plätze frei, die nicht vergeben werden, da keine Kommunikation zwischen den Hochschulen stattfindet. Daher wollen wir, dass die Hochschulzulassung einheitlich durch ein Internet-Portal (Hochschulstart) funktioniert. Alle Hochschulen sollen verpflichtet werden, spätestens zum Sommersemester 2016 das sogenannte Dialogorientierte Serviceverfahren anzuwenden. Wir wollen auch, dass die Zulassung zum Master über ein einheitliches Internetportal funktioniert. Der Zulassungsprozess muss sowohl für die Studienbewerber*innen, als auch die Hochschulen kostenlos sein.

 

Institutionen

Auch Bildungsinstitutionen selbst werden sich durch die voranschreitende Digitalisierung wandeln. Dies kann durch die Institutionen begleitet werden, aber es geschieht in jedem Fall – im Zweifel gegen ihren Willen. Wir wollen diesen Prozess aber nutzen, damit die Leitbilder unserer Bildungsinstitutionen nicht „Kontrolle“ und „Effizienz“ bleiben, sondern zu „Offenheit“ und Demokratie“ werden. Unsere Vorstellungen für solche offenen und demokratischen Bildungsinstitutionen haben wir schon vielfach artikuliert. Auch hier gilt im Digitalisierungsprozess: Wir wollen die großen Chancen, welche die Digitalisierung für den Wandel der Institutionen bietet, nutzen und mögliche Risiken vermeiden.

 

Was wir wollen: Offene Kultur an Schulen

Schulen reagieren auf den digitalen Wandel bisher vielfach mit dem Ruf nach Kontrolle und Ordnung. So werden Geräte beispielsweise in der Funktionsfähigkeit eingeschränkt oder gar verboten, wie es bei Mobiltelefonen oft der Fall ist. Schule wird noch immer vielfach als klar kontrollierter und vom gesellschaftlichen Leben und Alltag abgegrenzter Raum verstanden: Der*die Lehrer*in ist dafür zuständig, diesen Raum so zu gestalten, dass genau das, was er*sie sich überlegt hat, in dieser Zeit in die vor ihm*ihr sitzenden Köpfe gelangt. Wir wollen stattdessen Schulen, in denen Transparenz, Austausch und Mitbestimmung gelebt werden. Digitale Geräte können hierfür Katalysatoren sein, wenn sie beispielsweise Kommunikation über Klassenverbände, Jahrgänge und einzelne Schulen hinaus ermöglichen.

 

Was wir wollen: Hochschulen als Lebensraum

Die Digitalisierung der Hochschule ist für uns kein Instrument des Sparens. Spätestens ab dem Jahr 2020 wird sich aufgrund der dann greifenden Schuldenbremse die Diskussion um Einsparpotenziale verschärfen. Ideen dafür werden schon jetzt geäußert. So zum Beispiel, dass Hochschulen Online-Kurse von anderen Hochschulen übernehmen könnten und keine eigenes Lehrangebot mehr entwickeln müssten. Oder, dass Hochschulen ohne eigene Studierende entstehen könnten, die Bildung für den Markt produzieren. Solche Ideen lehnen wir ab. Hochschulen dürfen nicht zu „Anbieterinnen“ von Bildung werden, denn Studierende sind niemals „Kund*innen“. Wir verstehen sie vielmehr als Lebensbereich. Dies ändert sich auch nicht durch den voranschreitenden Digitalisierungsprozess.

 

Wissenschaft

Auch für die Wissenschaft bietet die Digitalisierung aller Lebensbereiche enorme Potenziale. Die Diskussionen um „Big Data“ oder „3D-Drucker“ zeigen dies. Dabei ist für uns klar: Wissenschaft hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb muss Wissenschaft auch gesellschaftlich vorgegebene ethische Leitlinien berücksichtigen. Nichtsdestotrotz gilt es, gerade in diesen Bereichen weiter zu forschen. Daher unterstützen wir ein umfassendes öffentliches Forschungsprogramm, das sich mit der Digitalisierung aller Lebensbereiche und ihren Folgen auseinandersetzt.

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