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Psychotherapeutische Behandlung von Refugees stärken!

Geflüchtete haben meist traumatische Ereignisse erlebt. Die Flucht selbst ist häufig geprägt von Angst, Gewalterfahrungen, Verlust von Angehörigen, Hunger und Diskriminierung. Doch auch vor und nach der Flucht kommt es zu belastenden Erfahrungen. Wenn Geflüchtete nach einer beschwerlichen Reise in einem „sicheren Ankunftsstaat“ angekommen sind, werden sie meist nur mit dem Nötigsten versorgt. Doch eine Grundnot bleibt häufig unberücksichtigt: die psychische Gesundheit.

 

Laut Schätzungen der Bundespsychotherapeut*innenkammer (BPtK) sind mindestens die Hälfte aller Geflüchteten in Deutschland psychisch krank. Meist leiden sie unter mehr als einer Krankheit. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, 40 - 50 Prozent) und Depressionen (50 Prozent), oft einhergehend mit Suizidgedanken. PTBS-Erkrankte erleben die traumatischen Situationen immer wieder, Flashbacks und Albträume beeinflussen ihr Leben langfristig. Körperliche Folgen sind unter anderem Schlafstörungen, Herzrasen und Atemnot. Als „Lösung“ werden häufig Psychopharmaka verschrieben, die in vielen Fällen falsch dosiert sind, da die behandelnden Ärzt*innen unter anderem auf Grund hoher Arbeitsbelastungen und einer Vielzahl an Patient*innen oft nicht genügend Zeit für eine eingehende medizinische Betrachtung haben. Das ist  verantwortungslos. Doch für die Behandlung mittels Psychotherapie fehlen häufig die Ressourcen.

 

Ob einer geflüchteten Person überhaupt eine Psychotherapie gewährt wird, wird häufig von Sachbearbeiter*innen und Ärzt*innen beurteilt, die nicht ausreichend aus- und weitergebildet sind, um qualifiziert entscheiden zu können, ob eine Psychotherapie notwendig ist. Dabei fallen viele Personen aus dem Raster, die eigentlich eine Therapie benötigen – sei es auch nur, weil sie nicht über ihr Trauma berichten wollen, da allein dieses Berichten oftmals mit einer hohen Stressbelastung einher geht. Laut Schätzungen der BPtK vermeiden mehr als 70 Prozent erwachsener Geflüchteter und 50 Prozent der Minderjährigen Gefühle, Gedanken und Gespräche, die sie an das Trauma erinnern. Letztendlich wird so Refugees eine medizinische Behandlung verwehrt, die eigentlich als notwendig erachtet wird. Schutzbedürftige Personen, unter die Refugees mit psychischen Störungen besonders fallen, erhalten daher heute nicht den Schutz, den sie brauchen. Es bedarf deshalb einer angemessenen Aus- und Weiterbildung für Sachbearbeiter*innen und gut ausgebildeter Gutachter*innen in Sozialämtern. Die endgültige Entscheidung über eine psychotherapeutische Behandlung muss aber stets bei einem*r Ärzt*in oder einem*r Psychotherapeut*in liegen.

 

Erst nach 15 Monaten haben Geflüchtete heute ein Anrecht auf Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und dadurch Anspruch auf eine Psychotherapie. Momentan findet die Behandlung vor allem in speziellen psychosozialen Zentren für Refugees statt. Häufig dürfen die dort arbeitenden Psychotherapeut*innen aber ihre entstandenen Kosten nicht mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen. So bleiben Geflüchtete vor allem zu Beginn ihres Aufenthalts ohne psychotherapeutische Behandlung. Wir fordern, dass Geflüchtete schon bei ihrer Registrierung  die Möglichkeit haben, eine ärztliche Untersuchung und/oder das Gespräch mit einem*r Psychotherapeut*in in Anspruch nehmen zu können. Der Zugang zum Gesundheitssystem muss unbürokratisch über eine flächendeckende Gesundheitskarte möglich sein. Die Kosten müssen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Es muss mindestens das gleiche Leistungsspektrum, welches gesetzlich Versicherten zuteilwird, abgedeckt sein. Daneben braucht es einen deutlichen Ausbau von Traumazentren, die speziell auf psychisch erkrankte Refugees ausgelegt sind.

 

In einer Psychotherapie mit Geflüchteten sind Dolmetscher*innen häufig nötig - sei es für eine Übersetzung oder kulturelle Zusatzinformationen. Finanziert werden diese Dolmetscher*innen aber nicht von der Krankenkasse, sondern, wenn überhaupt, vom Sozialamt. Dies ist abzulehnen, stattdessen fordern wir die Kostenübernahme von Dolmetscher*innen-Leistungen durch die gesetzliche Krankenversicherung und die qualifizierte Ausbildung von Dolmetscher*innen, die sowohl sprachlich, psychologisch als auch kulturell versiert sind. Freiwillige, die sich als Dolmetscher*innen melden, sollen im psychotherapeutischen Bereich nur nach einer entsprechenden Schulung, deren Kosten übernommen werden müssen, eingesetzt werden.

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