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Ein erster Schritt auf dem Weg zum Ende der Zweigleisigkeit: Für ein Promotionsrecht an Fachhochschulen!

Fachhochschulen existieren nunmehr seit über 45 Jahren. Als sozialdemokratisches Projekt Anfang der 1970er Jahre unter Willy Brandt eingeführt, ermöglichten sie einen nie­drig­schwel­ligen Zugang zu akademischer Bildung.

Heutzutage sind jedoch immense Unterschiede zwischen Universitäten und Fach­hoch­schu­len erkennbar. So werden Fachhochschulen häufiger von Studierenden aus ein­kom­mens­schwach­en Familien besucht. Ebenso sind die Einkommen der Absolvent*innen von Fach­hoch­schu­len durchschnittlich geringer als die von Menschen mit Universitätsabschluss. Die­ser Entwicklung gilt es entgegenzusteuern. Fachhochschulen und Universitäten müssen end­lich wie gleichwertige Hochschulen behandelt werden. Dazu gehört, dass bestehende Be­nachteiligungen aufgedeckt und abgebaut werden.

 

Promotion an Fachhochschulen

Grundsätzlich ist es Absolvent*innen von Fachhochschulen möglich, zu promovieren, jedoch wer­den ihnen dabei deutlich mehr Steine in den Weg gelegt als dies an einer Universität der Fall ist. Zwar dürfen seit kurzer Zeit Professor*innen von Fachhochschulen Promotionen be­gleiten, dies setzt aber eine Kooperation mit einer Universität voraus. Diese Regelung stellt potentiell Promovierende vor eine große Herausforderung. Die Suche nach ei­nem­*einer Kooperationspartner*in an der Universität gestaltet sich alleine schon durch einen un­ter­schiedlichen Fächerschwerpunkt schwierig. Für zahlreiche Studiengänge an Fach­hoch­schu­len gibt es überdies schlicht keinen passenden Lehrstuhl an einer Universität, der eine Pro­mo­tion ermöglichen könnte.

Au­ßerdem pflegt der universitäre Betrieb in Deutschland noch immer Vorbehalte gegen Fach­hochschulen, weshalb nur in großen Ausnahmefällen Studierenden einer Fach­hoch­schu­le eine Promotion an einer Universität ermöglicht wird. So müssen Studierende von den Fachhochschulen eine noch höhere Hürde für einen Promotionsplatz überwinden. Viele Stu­die­rende sind daher gezwungen den Weg ins Ausland zu wählen, um promovieren zu kön­nen. Eine Kooperationspflicht zwischen Universitäten und Fachhochschulen, wie in ein­zel­nen Bundesländern verankert, stellt zwar einen kurzfristigen Lösungsansatz da, kann je­doch nicht über die strukturelle Benachteiligung von Fachhochschulen hinwegtäuschen.

Seit 1976 sind Fachhochschulen den Universitäten rechtlich gleichgestellt. Sie verwalten sich akademisch selbst und ihnen wird die Freiheit von Lehre und Forschung zugesprochen. Freie Forschung muss aber auch freie Promotion bedeuten, andernfalls bleiben die Fach­hoch­schu­len gegenüber den Universitäten weiterhin benachteiligt. Deshalb unterstützen wir die Fachhochschulen bei ihrer Forderung nach einer umfassenden Reform, die die Pro­mo­tion ohne die Kooperation mit ei­ner Universität ermöglicht.

Unterstützung von Fachhochschulen

Es ist offensichtlich, dass diese Entwicklung an Fachhochschulen nicht von heute auf mor­gen umzusetzen ist. Umfangreiche Investitionen in Infrastruktur sowie Personal der Fach­hoch­schu­len sind dringend notwendig, um unsere Forderung umzusetzen. Ein Pro­mo­tions­recht für Fachhochschulen hieße nicht nur eine Verbesserung für Studierende an Fach­hoch­schu­len sondern auch eine Förderung der Forschung auf Gebieten, die heutzutage an Uni­ver­si­tä­ten typischerweise wenig Relevanz besitzen. Gerade in Feldern wie der Gesundheit oder der Pflege, zu denen häufig nur an Fachhochschulen gelehrt und geforscht wird, ist dies dringend notwendig. Die finanzielle Unterstützung für die Forschung in diesen Fach­be­rei­chen muss daher verstärkt werden.

 

Ein Ende der Zweigleisigkeit

Letztlich müssen wir aber feststellen, dass die klassische Trennung von der Universität als theorie- und der Fachhochschule als praxisorientiert, die immer noch als Argument von Kri­ti­ker*innen eines Promotionsrecht für Fachhochschulen genannt wird, schon lange keine Realität mehr ist. Es wird beachtliche Forschungsarbeit an Fachhochschulen geleistet, ge­nau­so wie an Universitäten ein immer stärkerer Praxisbezug angestrebt wird. Langfristig for­dern wir daher ein Ende des zweigleisigen akademischen Betriebes hin zu einer Gemeinschaftshochschule. Zentrales Ansinnen muss es sein, die Vorteile beider Hochschulformen zu kombinieren Dies darf jedoch nicht auf Kosten des niedrigschwelligen Hochschulzugangs oder guter Lehre gehen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Zuspruch des Promotionsrechts für Fach­hochschulen.

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