Inhalt


Keine Diskriminierung an der Kasse! Tampons sind kein Luxus!

Frauen* verdienen weniger als Männer. Der Equal Pay Day macht jedes Jahr im  März darauf aufmerksam. Doch zusätzlich zum statistisch magereren Geldbeutel müssen Frauen* für viele alltägliche Produkte und Dienstleistungen deutlich mehr bezahlen als Männer. Kosmetika, Rasierer, Reinigung, Haarschnitt – all dies kostet  durchschnittlich 17 - 40 % mehr in der „Frauen-Variante“, wie eine Recherche der  Verbraucherzentrale Hamburg von 2015 ergab. Dieser Aufschlag wird auch „pink tax“ genannt, auch wenn es sich hierbei um keine Steuer im eigentlichen Sinn handelt, sondern um reine Willkür der Produzent*innen. In vielen Fällen ist kein plausibler Grund  für den erhöhten Preis erkennbar, außer einer anderen Farbgestaltung. Durch den  Kauf von vermeintlichen Produkten für Männer lässt sich dies zum Teil  umgehen. Geschlechtsneutrale Produkte hingegen werden meist aber nur in teuren, anti-allergenen Varianten verkauft. Dazu kommt, dass diese ungerechtfertigten und ungerechten Preisunterschiede zumeist nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Und gerade weil Frauen* enormen gesellschaftlichen Zwängen bezüglich konstruierter Schönheitsideale und Körperhygiene ausgesetzt sind, ist die Entscheidung für den Kauf eines Produktes eben nicht frei.

Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die große Mehrheit der Werbung für Konsumgüter explizit weiblich sozialisierte Menschen ansprechen soll. Sie sind darauf angelegt etwaige „Defizite“ herauszustellen, die nur mit einem spezifizierten (und teureren) Produkt für Frauen* neutralisiert werden können. Folgerichtig komplettiert die sogenannte „Pink Tax“ eine patriarchal-kapitalistische Strategie, die einerseits Frauen* als die stärkste Konsument*innengruppe handelt und andererseits durch einen ständigen Optimierungskampf die strukturelle Schlechterstellung von weiblich sozialisierten Menschen verfestigt.

Hinzu kommt die schwer durchschaubare Gesetzgebung bei der Umsatzsteuer. Als diese in ihrer heutigen Form 1968 eingeführt wurde, schuf man den ermäßigten  Steuersatz, um die Grundversorgung für Geringverdienende am Existenzminimum  erschwinglich bleiben zu lassen, während alle anderen Konsumgüter als Luxusartikel mit vollem Steuersatz gehandelt werden sollten. Der ermäßigte Steuersatz sollte für „bestimmte Güter des  lebensnotwendigen Bedarfs“ gelten, was aber auch Sport, Kultur und öffentlichen  Nahverkehr einschloss. Heute profitieren von dieser Regelung eher einzelne Branchen als Geringverdiener*innen, heute zahlt man auf Blumen oder Kaviar 7%  Umsatzsteuer – auf Tampons dagegen 19 %. 

Eine Person, die auf den Gebrauch von Hygieneartikeln angewiesen ist, wird also ihr Leben lang mehr  Ausgaben haben als ein Mann in derselben Situation, denn selbst wenn sie bei den  Rasierern noch zwischen blau und pink wählen kann, am Kauf von Binden, Tampons und BH`s kommt sie nicht vorbei. Dies trifft insbesondere geringverdienende Frauen*. Für diese Produkte arbeitet eine Frau* in ihrem  Leben laut einer britischen Studie  im Schnitt 38 Tage. 

 

Wir fordern deshalb:

  • ein Verbot von nicht begründbaren Preiszuschlägen auf Produkte für Frauen*, für die  es ein ähnliches „Männerprodukt“ gibt
  • das Herabsetzen der Umsatzsteuer für Binden und Tampons, damit  Personen, die diese benötigen, nicht durch die Umsatzsteuer einer Mehrbelastung ausgesetzt sind. Damenhygieneartikel sind Waren des täglichen und medizinischen Bedarfs und kein Luxusgut, deshalb  dürfen sie nicht steuerlich wie ein solches behandelt werden. Auch an diesem Beispiel zeigt sich die teilweise absurde und willkürliche Einteilung von Gütern als lebensnotwendig oder nicht. Es braucht langfristig eine Reformierung zu einem transparenten und gerechten Umsatzsteuersystem.
  • das Herabsetzen der Mehrwertsteuer auch für Windeln, damit insbesondere Alleinerziehende und geringverdiende Familien nicht einer Mehrbelastung ausgesetzt sind. Auch Windeln zählen zum täglichen Bedarf und sollten für jeden Menschen bezahlbar sein.

Zurück