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Gute Arbeit für gute Lehre: die Situation von Lehrbeauftragten verbessern!

Bei unseren jungsozialistischen Forderungen nach einer demokratischen, sozialen und offenen Hochschule ist uns die Verbesserung von den Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnissen der Beschäftigten der Hochschule stets ein großes Anliegen. Die Hochschule ist nämlich nicht bloß ein Raum des Lernens, der Lehre und der Forschung, sondern eben zugleich für viele Menschen ihr Arbeitsort. Nur wenn den Beschäftigten faire und gute Arbeitsbedingungen geboten werden, kann die Hochschule auch insgesamt unserer jungsozialistischen Vision näherkommen. Nicht nur deswegen gilt es, sich mit den Beschäftigten der Hochschule zu solidarisieren und gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen zu streiten.

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Lehrbeauftragten an Hochschulen in der Bundesrepublik auf etwa 90 000 verdoppelt. Ursprünglich sollten Lehraufträge an externe Personen vergeben werden, um auch außeruniversitäre Expertise in die Hochschulen zu tragen. Mittlerweile wird jedoch ein nicht unerheblicher Teil der Lehre von Lehrbeauftragten erbracht. Viele Dozent*innen arbeiten nun hauptberuflich als Lehrbeauftragte.

Dabei halten sie Lehrveranstaltungen an der Hochschule ab, ohne in einem regulären Beschäftigungsverhältnis mit ihr zu stehen. Stattdessen arbeiten die Lehrbeauftragten auf Honorarbasis, zwischen ihnen und den Hochschulen besteht ein öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis. Durch diese besondere Art der Anstellung greifen ansonsten geltende sozialrechtlichen Verpflichtungen für die Hochschule nicht. Dies führt unter anderem dazu, dass Lehrbeauftragte keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keinen bezahlten Erholungsurlaub erhalten, darüber hinaus beteiligen sich die Hochschulen nicht an der Altersabsicherung, Kranken- und Pflegeversicherung.

Die Vergütung der Lehrbeauftragten ist nicht einheitlich gestaltet und wird zunehmend durch die einzelnen Hochschulen geregelt. Oftmals liegt die Vergütung pro Einzelstunde im niedrigen zweistelligen Bereich (durchschnittlich etwa 25 Euro), teilweise werden Lehrbeauftragte überhaupt nicht vergütet. Dazu kommt, dass nur der Zeitaufwand der Lehrveranstaltung an sich entlohnt wird. Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen, Sprechstunden, die Ausarbeitung und Bewertung der Leistungsnachweise sowie weitere Koordinierungsaufgaben sind nicht inbegriffen. Das führt dazu, dass der ohnehin schon geringe Stundenlohn auf den gesamten Arbeitsaufwand bezogen minimal und vor allem auch im Vergleich zu anderen Dozent*innen unangemessen gering ist.

Viele Lehrbeauftragte sind wegen der schlechten Vergütung auf mehrere Lehraufträge gleichzeitig angewiesen. Die einzelnen Lehraufträge enden zu einem gewissen Zeitpunkt, teilweise können Aufträge auch vor diesem Zeitpunkt widerrufen werden. Auch mehrere aufeinanderfolgende Lehraufträge an einer Hochschule begründen keinen Anspruch auf einen unbefristeten Lehrauftrag. Dadurch ist die Arbeitssituation von Lehrbeauftragten faktisch mit befristeten Arbeitsverhältnissen zu vergleichen.

In den allermeisten Bundesländern haben die Lehrbeauftragten aufgrund des nicht vorliegenden arbeitsrechtlichen Beschäftigungsverhältnisses keine Personalvertretung. Darüber hinaus sind sie vielerorts durch den Zustand, dass sie nur vorübergehend hauptberuflich tätig sind, rechtlich keine Mitglieder der Hochschule, weswegen ihnen dann zum Beispiel kein vollumfängliches Wahlrecht zusteht.

Der eigentliche und ursprüngliche Gedanke, Lehraufträge an Externe zu vergeben, ist mittlerweile völlig verfehlt. Anstatt Expert*innenwissen von außerhalb der Hochschule auch in diese hineinzutragen, werden Lehrbeauftragte massenweise aufgrund eines Mangels an finanziellen Mitteln eingesetzt. Dabei sind deren Beschäftigungsbedingungen äußerst prekär; insbesondere durch die viel zu geringe Vergütung und die mangelnden sozialrechtlichen Verpflichtungen auf Seiten der Hochschule. Diese prekären Bedingungen können auch zu Mängeln in der Lehre führen, oft auch dadurch bedingt, dass die Lehrbeauftragten nicht gleichwertige Mitglieder der Hochschule sind. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Lehrbeauftragte einen großen Anteil der Lehraufgaben bewältigen und somit zur Aufrechterhaltung des Lehrbetriebes beitragen, ist dieser Zustand in keiner Weise hinnehmbar. Es braucht endlich Maßnahmen von Seiten der Politik zur Verbesserung der Situation von Lehrbeauftragten.

 

  • Zuallererst darf die Konstruktion der Lehrbeauftragten nicht länger für den regulären Hochschulbetrieb missbraucht werden. Zur Erfüllung von dauerhaften Lehraufgaben müssen dauerhafte Stellen mit angemessener Vergütung und sozialrechtlichen Standards vergeben werden. Anstatt der vielen Lehraufträge müssen mehr unbefristete Stellen für Professor*innen und Dozent*innen geschaffen werden. 
  • Lehrbeauftragte sollen nur noch in sehr begrenztem Umfang Lehraufgaben übernehmen dürfen. Die ursprüngliche Idee der externen Lehraufträge, Impulse von außerhalb in die Hochschule zu tragen, begrüßen wir sehr. Hochschulen sollen als Teil der Gesellschaft auch mit ihr im Austausch stehen und ein Raum des offenen Wissensaustausches für alle Mitglieder der Gesellschaft sein. Dies darf aber nicht als Grund vorgeschoben werden, um Lehrkräfte in prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit Dumping-Löhnen zu drängen. Wir fordern, dass Lehraufgaben durch Externe in den Fällen zulässig sind, in denen sie tatsächlich und nachweislich ergänzenden Charakter haben und einen Transfer von außeruniversitärer Praxiserfahrung darstellen sollen. Dabei dürfen externe Lehraufträge allerdings nicht ausgenutzt werden, um wirtschaftlichen Interessen an der Hochschule zu verfolgen. Für alle anderen dauerhaften Lehrverpflichtungen müssen auch Dauerstellen geschaffen werden. Aber auch für die bestehen bleibenden Lehraufträge gilt natürlich, dass die Lehrbeauftragten vor prekären Beschäftigungsbedingungen geschützt werden müssen. Das bedeutet, dass Lehraufträge nicht mehr im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Rechtsverhältnisses vergeben werden dürfen. Stattdessen müssen Honorarverträge geschlossen werden. Die Lehrbeauftragten müssen dabei endlich angemessen und für den tatsächlichen Arbeitsaufwand entlohnt werden. Gute Lehre muss gut entlohnt werden!
  • Damit Lehrbeauftragte ihre Interessen besser vertreten können, müssen Personalvertretungen geschaffen werden. Als gleichberechtigte Mitglieder müssen sie auch innerhalb der Hochschule alle Rechte wahrnehmen können.
  • Die Lehre an den Hochschulen, die einen wichtigen und fundamentalen Teil des wissenschaftlichen Betriebs darstellt, muss auch insgesamt aufgewertet und verbessert werden. Das bedeutet, dass die Qualität der Lehre verbessert und die Einheit von Forschung und Lehre erhalten werden muss. Reguläre Hochschullehrer*innen dürfen sich ihren Lehrverpflichtungen nicht entziehen, gleichzeitig müssen entsprechende didaktische Schulungen und Weiterbildungsangebote  zur Verfügung stehen.
  • Letztendlich ist gute Lehre und gute Arbeit an Hochschulen nur möglich, wenn den einzelnen Hochschulen dafür ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Wir fordern weiterhin eine ausreichende Grundfinanzierung der Hochschulen, damit diese nicht länger mangels finanzieller Ressourcen auf prekäre Beschäftigung angewiesen sind. Für den Fall, dass Lehrbeauftragte eingesetzt werden, müssen sie die selben Rechte wie reguläre Lehrkräfte erhalten.

 

Um die Politik und die Gesellschaft auf die prekären Arbeitssituationen von Lehrbeauftragten aufmerksam zu machen, muss vor Ort an den Hochschulen und überregional Informations- und Sensibilisierungsarbeit geleistet werden. Zusammen mit unseren Bündnispartner*innen müssen wir uns im Bund und in den Ländern, in der SPD und vor Ort für eine bessere Ausfinanzierung der Hochschulen und für eine bessere Situation von Lehrbeauftragten einsetzen. Nur mit guten Arbeitsbedingungen sind gute und qualitative Forschung und Lehre möglich!

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