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Sport an den Hochschulen – Gibt's das auch in divers?

Sommer 2006 in der Bundesrepublik: Ein Sportevent, an dem nur „fitte“ Männer teilnehmen dürfen und bei dem ein Bekenntnis zur Homosexualität ein Tabu darstellt, wird zum Symbol für Völkerverständigung, Diversität und die Integrationskraft des Sportes. So zumindest transportieren die Funktionäre des Spitzenmännerfußballs und diverse Politiker*innen, die Errungenschaften der Männerfußballweltmeisterschaft in Deutschland. Zeitgleich wehen an allen Ecken in der Bundesrepublik Deutschlandfahnen und von überall ist zu hören, dass „man wieder Stolz auf Deutschland sein kann“ und dass „Deutschland endlich mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat“. Diese Tendenzen sind Resultat von deutscher Schuldabwehr, der Sehnsucht nach einem Schlussstrich, und offenbaren die mangelhafte Aufarbeitung und Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen. Dass diese Tendenzen daher gefährlich sind, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Basierend auf dieser Analyse ist der Aspekt, dass dieser neu aufkeimende Nationalismus im Zuge eines Ereignisses zelebriert wird, dessen große Errungenschaft seine Integrationskraft und Diversität sein soll, wenig überraschend.

Tatsächlich kann Sport, wenn er richtig konzipiert ist, ein niederschwelliges und offenes Angebot darstellen, das vielen Menschen Teilhabe ermöglicht. Gerade der öffentlichkeitswirksame Spitzensport ist jedoch das schlechteste Beispiel hierfür. Zuallererst ist an dieser Stelle die große Geringschätzung und systematische Diskriminierung von Sportlerinnen* zu nennen. Einige Sportarten werden fast ausschließlich von Männern betrieben weil die Meinung vorherrscht, dass es sich um Sportarten handele, die nicht für Frauen* konzipiert seien. In vielen Sportarten ist darüber hinaus nur die männliche Variante berichtenswert und interessant. Diese werden dann, wie im Falle der Männerfußballweltmeisterschaft, dafür umso mehr zelebriert.

Die Gehälter von Spitzensportlerinnen* können nicht ansatzweise mit denen der Männer mithalten, mit wenigen Ausnahmen einiger Frauen*, die oft aber lediglich aus lookistischen und sexistischen Gründen in den Fokus der Vermarktung rücken, ohne dass ihr Sport tatsächlich im Fokus steht. Ohne diese Geschlechtertrennung scheint es im Spitzensport gar nicht zu funktionieren. Dabei zeigt sich in eben diesem Kontext in regelmäßigen Abständen, dass eine binäre Trennung von Männern und Frauen nicht möglich ist. Die verzweifelten Versuche von Wissenschaftler*innen, entsprechende Kriterien festzulegen scheitern regelmäßig. Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen und auch nicht zuordnen lassen wollen, haben keinen Platz unter den zum Teil staatlich geförderten Leistungsträger*innen.

Die viel beschworene Inklusion ist ebenfalls nirgends zu entdecken. Die Trennung erfolgt klar zwischen Sport für Menschen ohne Beeinträchtigung und Sport für Menschen mit Beeinträchtigung. Menschen mit Beeinträchtigung werden in dieser Aufteilung also zu einer homogenen Vergleichsgruppe.  Darüber hinaus stellt das Leistungs- und Wettbewerbsprinzip das zentrale Kriterium dar, welches auch immer wieder herausgestellt wird. Spaß am Sport oder der Wunsch nach Wohlbefinden durch Sport stehen dabei, obwohl dies oft Teil der gesellschaftlichen Vermittlung ist, nicht im Vordergrund. Auch wenn vielfach der olympische Gedanke des Dabei-sein-ist-alles betont wird, können im nach dem Leistungsprinzip ausgerichteten Sportsektor nur diejenigen, die ihre maximale Leistung abgerufen haben, wirklich glücklich und zufrieden sein. So manifestiert sich also im Sport, wie in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch immer wieder ein Kernprinzip der kapitalistischen Leistungsgesellschaft.

Dieser Entwicklung wird beispielsweise an den Schulen keineswegs entgegengewirkt. Statt Freude an Bewegung, den Zusammenhalt stärkenden Gruppenaktivitäten und einer Abwechslung zum Schulalltag wird der Sportunterricht insbesondere für diejenigen, deren Leistung laut Benotungstabelle nicht gut genug sind, zum ungeliebten Erlebnis, das davon bestimmt wird, von externen Bewertungen abhängig zu sein. Ungeachtet der Leistung müssen sich dabei alle, die den gesellschaftlichen Körpernormen nicht entsprechen, auf Diskriminierung im Sportunterricht einstellen, die oftmals einem Spießrutenlauf gleichkommt. Dies betrifft vor allem Frauen*.

 

Deutsche Sportgeschichte – Kaum aufgearbeitet und verdrängt

Schließlich ist auch die deutsche Sportgeschichte, deren weniger gut ins Image passende Facetten im Rahmen von Großevents und auch sonst gerne unerwähnt bleiben, nicht unproblematisch. Zu nennen sind da zum einen einige Einzelpersonen, wie etwa der viel gepriesene Turnvater Jahn. Friedrich Ludwig Jahn, nach dem noch heute viele Sportvereine oder Schulen benannt sind, gilt als Wegbereiter des deutschen Nationalismus. Carl Diem, der Erfinder der Bundesjugendspiele, dessen genaue Rolle in der NS-Zeit ungeklärt ist, war seit 1943 über den Holocaust informiert und hatte sich nachweislich antisemitisch geäußert. Von Reue war bei Diem darüber hinaus keine Spur, was jedoch wie so oft keinen Hinderungsgrund für seine Rehabilitation nach dem Krieg darstellte.

Doch auch strukturell war Sport immer ein politisches Instrument. So wurde Sport bereits im Kaiserreich als Mittel für Erziehungs-, Ordnungs-, Gesundheits- und Wehrpolitik eingesetzt und sollte der nationalen Repräsentation dienen. Besonders jedoch in der nationalsozialistischen Ideologie hatte der Sport eine zentrale Rolle inne. Die „Rassenpolitik“ der Nationalsozialist*innen beinhaltete klare Vorstellungen von Körperlichkeit, die auch mittels des Sports etabliert wurde: „Arier“ sollten stark, gesund und allen anderen überlegen sein, Wettkampf im Sport diente dazu, das individuelle und kollektive Leistungsvermögen im angeblichen „Daseinskampf“ zu steigern. Auch das Idealbild einer athletischen, starken und schönen Jugend trieb die nationalsozialistische Sportpolitik an.

Die „Leibeserziehung“ hatte eine hohe Bedeutung in der nationalsozialistischen Erziehung: Sport diente sowohl der Disziplinierung als auch der Vorbereitung auf kriegerische Auseinandersetzungen. Dementsprechend war der Sport nach wehrsportlich-funktionalen Gesichtspunkten ausgerichtet. Dies galt, ebenso wie für die nationalsozialistischen Jugendorganisationen, insbesondere für den Sport an den Hochschulen. Bestehende Sportstrukturen wurden aufgelöst und durch neue, der Ideologie entsprechenden, ersetzt: 1933 wurden alle Arbeiter*innen- und konfessionellen Sportverbände zerschlagen, Sport fand darauf hin nur noch unter politischer Kontrolle oder in NS-Organisationen statt. Die SA und der Reichsarbeitsdienst trieben paramilitärische Übungen, den sogenannten „Wehrsport“, zuständig für Breitensport war die NS-Organisation „Kraft durch Freude“. Der „Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen“ organisierte den Vereins- und Leistungssport für Erwachsene, dem sich auch die SS öffnete. Jugendliche trainierten vor allem in der Hitlerjugend, wo Leibesübungen eine Pflicht darstellten.

Wie tief Körperlichkeit in Verbindung mit sportlicher Betätigung in der nationalsozialistischen Ideologie verankert war, zeigt eine entsprechende Parole der Hitlerjugend: „Dein Körper gehört deiner Nation, denn ihr verdankst du dein Dasein, du bist ihr für deinen Körper verantwortlich“. Nicht nur „Wehrsport“ und Körperpraktiken wie turnerische Massenübungen hatten eine disziplinierende und normierende Wirkung. Durch politische Sinngebung hatte selbst „gewöhnlicher“ Freizeitsport eine systemstabilisierende Funktion. Vereine galten zwar als eine Art private Nischen, funktionierten aber natürlich nach den gleichen Regeln wie die Gesellschaft insgesamt. Mitglied konnte nur sein, wer auch zur „Volksgemeinschaft“ zählte. Dies alles zeigt deutlich, dass Sport, und vor allem das diesem immanente Leistungsprinzip, auch historisch zur Herstellung von nationaler Identifikation und zur Normierung von Körperlichkeit beigetragen hat. Dass dies vor allem im Nationalsozialismus genutzt wurde, wird im Sportkontext der Bundesrepublik kaum thematisiert. Unter den gezeichneten historischen Grundlagen und heutigen Bedingungen kann von Weltoffenheit und Diversität jedenfalls nicht die Rede sein.

Doch war Sport auch immer Teil der Arbeiter*innen- und Arbeiter*innenkulturbewegung. Im alle Lebenssituationen umfassenden Kampf gegen das kapitalistische Verwertungssystem war das Ziel eine deutliche Abgrenzung zum bürgerlichen Sport, da sich in diesem der Kapitalismus in Form von Wettkämpfen sowie dem Streben nach Höchstleistungen und Rekorden widerspiegelte und dies weiterhin tut. 

 

Sport geht auch anders – Zum Beispiel an Hochschulen

An vielen Hochschulen gibt es ein breites Sportangebot. Studierende sollen so die Möglichkeit eines preisgünstigen Ausgleichs- und Gesundheitsangebot neben ihrem Studium erhalten. Der allgemeine deutsche hochschulsportverband (adh) zählt 180 Hochschulen mit insgesamt rund 3 Millionen Studierenden und Mitarbeiter*innen zu seinen Mitgliedern. Hochschulen sind Orte des Fortschritts, hier kommen viele verschiedene Menschen zusammen. Der Hochschulsport kann grundsätzlich die Möglichkeit bieten, Grenzen zwischen Jahrgängen, Nationalitäten und Fachbereichen zu überwinden. Leider liegt jedoch auch im Hochschulsport einiges im Argen. Chronische Unterfinanzierung, unfaire Mittelverteilung, wenig inklusive Angebote und Diskriminierungserfahrungen machen für einige den Traum vom günstigen Angebot zum Albtraum.

Die problematische Geschichte des deutschen Sportes spielt weder allgemein noch spezifisch in der Lehramtsausbildung eine Rolle. Doch gerade weil Hochschulen Impulse für gesellschaftlichen Fortschritt senden, können sie auch positive Signale für den gesamten öffentlichkeitswirksamen Sport senden. Von den Hochschulen ausgehend kann außerdem die deutsche Sportgeschichte eingehender beleuchtet werden, um zum Beispiel auch die Umbenennung von Schulen und anderen Einrichtungen, die nach problematischen Figuren der Sportgeschichte benannt sind, voranzutreiben. Damit vom Hochschulsport allerdings eine Signalwirkung ausgehen kann und damit er für alle Studierenden zu einer echten niederschwelligen Abwechslung werden kann, muss sich jedoch noch einiges tun.

 

Deshalb fordern wir:

 

Wider die Elitenbildung – Gerechte Finanzierungsmodelle etablieren

Wie mittlerweile fast alle Bereiche an den Hochschulen, werden auch im Sportbereich privatwirtschaftliche Sponsor*innen hinzugezogen. Diese fördern in der Regel die prestigeträchtigen Großveranstaltungen oder vergeben Förderpreise für einzelne besonders leistungsfähige Sportler*innen. Diese Art der Finanzierung geht in die falsche Richtung. Statt einer punktuellen Förderung, die an Leistung und öffentliches Interesse (und damit meistens auch an das Geschlecht der Sportler*innen) gebunden ist, wollen wir eine Ausfinanzierung von Seiten der Hochschulen, die ein breites und diverses Angebot fördert.

Selbst wenn jedoch genug Geld seitens der öffentlichen Träger*innen zur Verfügung steht, stellt sich die Frage nach der gerechten Verteilung der Mittel. Ganz grundsätzlich muss hier das Prinzip des Gender Budgeting eingeführt werden, wie es in Österreich bereits für alle öffentlichen Einrichtungen verfassungsrechtlich vorgesehen ist. Ohne eine solche Regelung tritt genau der Befund ein, der bereits im Bereich des Spitzensportes kritisiert wurde. Das Geld fließt vermehrt in Sportarten, die hauptsächlich von Männern betrieben werden. Statt einer neuen Musikanlage, von der mehrere hundert Menschen, weitestgehend Frauen*, in den tänzerischen Sportarten profitieren würden, bekommt da der Männerachter neue Uniformen, ganz nach dem Vorbild englischer Eliteunis.

Darüber hinaus muss darauf geachtet werden, dass Gelder nicht leistungsorientiert, sondern anhand der Anzahl der aktiven Sportler*innen vergeben werden und dass kleinere Sportarten ebenfalls einen gerechten Beitrag erhalten. Das gesamte Geld soll in den Ausbau des Breitensportangebots fließen und nicht in den Aufbau oder Erhalt eines Spitzenhochschulsportler*innenförderprogramms.

Langfristig soll das Sportangebot insgesamt gebührenfrei und durch den Staat finanziert sein. Für Studierende, die finanziell schlechter gestellt sind, soll es neben dem kostengünstigen Kursangebot zusätzliche Ermäßigungsmöglichkeiten geben. Außerdem soll es Kostenlose Basissporteinheiten geben. Einige dieser Angebote sollen sich explizit an Frauen* richten. Das Sportangebot soll so gestaltet sein, dass es verschiedene Schwierigkeitsstufen gibt, zu denen sich die Studierenden selbst zuordnen können. Bei der Gestaltung soll außerdem die jeweilige gewählte Studierendenvertretung einbezogen werden. Denn diejenigen für die das Sportangebot maßgeblich angeboten wird, sollten auch in seine Ausgestaltung eingebunden werden.

 

Ein Sportangebot – Offen für alle

Grundsätzlich gibt es im Hochschulsport in vielen Bereichen zwar keine zwingende binäre Geschlechtertrennung, Menschen die sich nicht zuordnen wollen, können jedoch trotzdem nicht gleichgestellt teilhaben. Umkleideräumen, Toiletten und Duschen gibt es in der Regel nur für Frauen oder für Männer. Eine Auflösung der Trennung hätte angesichts der gesellschaftlich weiter bestehenden wirkmächtigen Mechanismen von Geschlecht, allerdings große Nachteile und würde insbesondere Frauen* einen Schutzraum rauben. Entsprechend stellt die Schaffung einer dritten Kabine eine gute Übergangslösung dar. Neben den Umkleiden sollten weitere Schutzräume zur Verfügung stehen. Zum Beispiel bietet es sich an in den jeweiligen Umkleidekabinen, abschließbare Einzelkabinen zu installieren, so dass niemand gezwungen ist, sich vor anderen umzuziehen, wenn er*sie das nicht möchte.

Eine Trennung in „Behindertensport“ und anderem Sport soll es fortan nicht mehr geben. Ziel muss es sein, dass alle gemeinsam Sport treiben können. Grundsätzlich ist daher der barrierefreie Zugang zu gewährleisten. Dazu gehört auch die Beseitigung von Angsträumen, auf dem Weg zu den Sportstätten, die für einige Personengruppen ein Hindernis darstellen können. Können Studierende aufgrund einer Beeinträchtigung nicht regulär an ihrer Wunschsportart teilnehmen, müssen individuelle Lösungen gefunden werden. Diese Lösungen müssen beinhalten, dass beeinträchtige Personen an den regulären Trainingseinheiten der Gruppe teilnehmen können. Der zeitliche und finanzielle Aufwand, sich um eben solche Lösungen zu bemühen, darf dabei nicht bei den Studierenden selbst liegen. Es muss stattdessen Ansprechpersonen geben, die sich in Absprache mit den Studierenden um die Umsetzung der geschilderten und weiteren, von den Betroffenen erwünschten Maßnahmen bemühen. Sportarten, die ursprünglich für und von Menschen mit Beeinträchtigung erfunden wurden, sollen in den Regelsportbetrieb integriert und von allen betrieben werden können.

Sport funktioniert häufig nonverbal und ist deshalb teilweise auch trotz Sprachbarriere zugänglich. Andererseits sollten auch englischsprachige Kurse oder Kurse, die die Trainer*innen in ihrer Muttersprache halten, angeboten werden. Besonders Geflüchteten und internationalen Studierenden soll so der Zugang erleichtert werden.

 

Bodyshaming und sexualisierte Gewalt im Sport – Ohne uns

Bei vielen Menschen hat der Schulsport negative Erfahrungen hinterlassen. Eine aktuelle Umfrage unter Schüler*innen hat zudem ergeben, dass der Schulsport als besonders geschlechterungerecht empfunden wird. Frauen*körper stehen in allen gesellschaftlichen Bereichen stärker im Fokus. An sie werden besonders starke Optimierungsideale gerichtet. Damit auch Frauen*, die nicht gemeinsam mit Männern Sport treiben möchten, eine Möglichkeit haben, teilzunehmen, sei es auch religiösen oder aus anderen Gründen, muss es unbedingt für sie spezielle Angebote geben. Diese geschützten Räume müssen unter allen Umständen berücksichtigt werden. Schon ein Sportwart, der unüberlegt in den Raum kommt, kann dazu beitragen, dass einige das Sportangebot nicht mehr nutzen wollen.

Zentral ist auch die Aus- und Weiterbildung der Trainer*innen im Bereich sexuelle Belästigung oder sexualisierte Gewalt. Sie sollen diese verpflichtend wahrnehmen, um sinnvoll einschreiten zu können.

Wie bereits erwähnt, werden an alle Menschen, jedoch insbesondere an Frauen*, Körperoptimierungsanforderungen gestellt. Leider unterstützen einige Hochschulen diesen Trend, in dem sie Bodyformingkurse und ähnliches anbieten. Diese Abnehm- und Optimierungsangebote verschärfen jedoch nur den Druck und verstärken den Eindruck von nicht perfekten Körpern. Stattdessen sollen alle Angebote ein körperpositives Gefühl vermitteln. Es soll eher Wert auf gesundheitsfördernde statt körperoptimierende Angebote gelegt werden. Letztere können zwar weiterbestehen, sollten jedoch so konzipiert sein, dass sie keinen weiteren Druck auf die Teilnehmer*innen aufbauen. Auch hier müssen die Übungsleiter*innen geschult werden, um keine Stereotype anzuwenden oder zu produzieren. Insgesamt soll Wert auf Antidiskriminierungsarbeit gelegt werden. Es soll grundsätzlich auf ein Angebot der anonymen Beratungen bei Ess- oder Sportkrankheiten, wie (Sport-)Bulimie hingewiesen werden. Für alle existierenden Diskriminierungsbereiche muss es Ansprechpartner*innen geben. In diesem Bereich soll allgemein Aufklärungsarbeit geleistet werden.

 

Sportgeschichte – Endlich kritisch aufarbeiten

Es ist dringend notwendig sich umfassend mit allen Aspekten des Nationalsozialismus, sowie der deutschen Sportgeschichte, insbesondere auch an den Hochschulen auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch der Aspekt des Hochschulsport. Alle Einrichtungen sollen überprüfen, ob Gebäude, Auszeichnungen oder vergleichbare Dinge nach problematischen Personen der deutschen Sportgeschichte benannt sind. Diese sollen konsequent umbenannt werden. Bei der Umbenennung sollen explizit die Opfer des nationalsozialistischen Regimes berücksichtigt werden. Das Rahmenprogramm von Großveranstaltungen soll dazu genutzt werden über die Geschichte des Sportes aufzuklären. Zusätzliche Veranstaltungen oder Projektgruppen, die die Geschichte des Hochschulsports an der jeweiligen Hochschule untersuchen sollen explizit unterstützt werden, um eine lebendige Erinnerungskultur zu schaffen. Denkbar sind zum Beispiel Ausstellungen, Vorträge oder Podiumsdiskussionen. Die Auseinandersetzung mit (der nationalsozialistischen) Sportgeschichte muss wesentliches Element eines Sportstudiums sein. Im Bereich des Lehramtsstudium, muss außerdem auf die didaktische Vermittlung dieses Wissens eingegangen werden. Schüler*innen sollen sich zukünftig verpflichtend mit der Geschichte des Sports auseinandersetzen.

 

Es lebe der Sport - also doch

Ein gutes und diverses Sportangebot bietet mehr Vor- als Nachteile und ist in jedem Fall unterstützenswert. Dafür muss es jedoch die oben genannten Anforderungen erfüllen und darf nicht etwa wettbewerbszentriert, prestigeorientiert und nationalistisch sein.

Im Spitzensport bedarf es einiger Veränderungen, allen voran schon deshalb, weil er große Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. In einem von Korruption geprägten, von weißen Männern dominierten System, die davon profitieren, kann jedoch so schnell keine Veränderung zu erwarten sein. Eine kleine Signalwirkung in Sachen Veränderung könnte vom Hochschulsport ausgehen. Es bleibt somit zu hoffen, dass das Zeichen, das vom wahrgenommenen Sport ausgeht, nicht länger zu einem Anstieg von Nationalismus, sondern in Zukunft zu einer tatsächlichen Verbesserung von Diversität und Inklusion in der Gesellschaft führt.

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