Inhalt


Benotung von Leistungen abschaffen

  1. Die Benotung von Prüfungsleistungen in jeglicher Form soll an allen Hochschulen abgeschafft werden.
  2. Prüfungsleistungen können dabei beliebig häufig wiederholt werden. Zur Prüfungsleistung wird von mindestens zwei unabhängigen Gutachter*Innen ein Feedback über den individuellen Lernfortschritt verfasst. Die Anzahl der Wiederholungen wird nicht vermerkt.
  3. Im Abschlusszeugnis werden lediglich die erworbenen Qualifikationen und angestrebten Schwerpunkte aufgeführt.

 

Die Juso-Hochschulgruppen setzen sich für eine freie und kritische Bildung an den Hochschulen ein. Das Studium soll den Menschen somit dazu befähigen, sich selbstständig und kritisch mit eben diesen wissenschaftlichen Inhalten auseinander zu setzen und letztlich wissenschaftlichen Erkenntnissen selbst nachzuforschen.

Es geht dabei also nicht um reines Nachvollziehen von wissenschaftlichen Inhalten, sondern auch explizit um die Entwicklung der Persönlichkeit und der Befähigung des Denkens. Das Studium ist keine Ausbildung elitärer Führungspersönlichkeiten. Es soll vielmehr dazu befähigen, Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen, die grundlegenden natürlichen, sozialen und kulturellen Gesetzmäßigkeiten zu verstehen und das Interesse zu wecken, weiterer Erkenntnis nachzuforschen.

 

Auf Grundlage dieses Ideals von universitärer Bildung setzen wir uns dafür ein, dass Benotungen von Prüfungsleistungen abgeschafft werden, denn:

  • Das aktuelle System universitären Lernens stellt die individuelle Leistung in den Vordergrund. An die Stelle der freien Selbstentfaltung tritt das stumpfe Replizieren von allgemeinen Lerninhalten, um die anschließende Benotung möglichst vergleichbar und transparent zu machen. Dabei werden Anreize geschaffen sich nur mit den Lerninhalten zu beschäftigen, die einfach und unkompliziert zu guten Noten führen. Das selbstständige und kritische Lernen tritt dabei in den Hintergrund.
  • Durch die Benotung wird eine Rangfolge zwischen Studierenden erstellt. Diese stellt eine vermeintliche Wertmäßigkeit der Studierenden dar, aufgrund derer Unternehmen ihre Personalentscheidungen treffen können. Dies führt zu Konkurrenz und erhöhten Leistungsdruck. Die falsche Priorisierung von Benotungen hat erheblichen negativen Einfluss auf die Zusammenarbeit von Studierenden, die individuelle Schwerpunktsetzung (soweit diese nicht von speziellen Veranstaltungen gedeckt wird), das ehrenamtliche Engagement und die Kreativität der Studierenden.
  • Bewertungssysteme sind immer ungerecht. Dabei gibt es kaum Systeme, die ungerechter und intransparenter sind als Noten. Benotungen spiegeln weder die individuelle Ausgangslage, noch die inhaltlichen Ansprüche, zeitliche Kontinuität, Fleiß, Lernerfolg, Problemlösungskompetenzen oder die Nachhaltigkeit des Erlernten ab. Stattdessen sind Noten nicht vergleichbar und erheblich bedingt durch subjektive Willkür. Die regelmäßige Benotung von Prüfungsleistungen stellt einen enormen Arbeitsaufwand an die Lehrkräfte dar und sagt letztlich nur aus, wie gut sich Studierende an ein vorhandenes Bewertungssystem anpassen können. Die individuelle Persönlichkeit, die Interessen und das wissenschaftliche Profil lassen sich durch keine oberflächliche Bewertungsskala adäquat beschreiben.
  • Eine ungerechtfertigte Bewertungsskala sollte abgeschafft werden, denn Noten können Wege erheblich verbauen. So werden Benotungen häufig von Unternehmen herangezogen, aber auch als Auswahlkriterium für Studiengänge und Promotionen benutzt. Die Juso-Hochschulgruppen fordern vielmehr, dass jeder*m Studierenden die Chance gegeben werden sollte, sich selbst für den eigenen Weg zu entscheiden. Deshalb ist die qualitative Bildung in möglichst kleinen Gruppen eine Grundvoraussetzung für jede individuelle Entfaltung.

 

In einigen Arbeitsbereichen (z.B. Pädagogik) ist es bereits verbreitet, potentielle Mitarbeiter*innen weniger durch ihre Noten als vielmehr durch ihre während des Studiums erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen auszuwählen. Das oben geforderte Feedback soll nur dem eigenen Lernfortschritt und nicht als Leistungsbewertung dienen. In unserem Verständnis sollte das Studium der individuellen Entfaltung und Bildung und nicht der Schaffung von marktkonformen Persönlichkeiten dienen.

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