Inhalt


Frauen* in die Wissenschaft – Handlungsansätze für Forschung und Lehre

Trotz jahrelanger Bekenntnisse von Seiten der Politik und der Hochschulen sind Frauen* auch heute noch in der Wissenschaft stark unterrepräsentiert. Auf diese Weise wird weiten Teilen der Gesellschaft die Möglichkeit auf einen selbstbestimmten Berufsweg in Form einer wissenschaftlichen Karriere verwehrt und sie sind von vornherein von Tätigkeiten in Forschung und Lehre ausgeschlossen. Dies können und wollen wir so nicht hinnehmen. Allen Menschen muss der gleiche Zugang zum wissenschaftlichen Betrieb möglich sein. Darüber hinaus wird die Ausgestaltung von Forschung und Lehre immer durch die Person beeinflusst, die sie ausführt, sodass nur eine von diversen Menschen betriebene Wissenschaft unsere diverse Gesellschaft widerspiegeln und Zustände kritisch hinterfragen kann.

Dieses Ziel scheitert natürlich nicht nur an dem fehlenden Anteil von Frauen*. Auch andere Statusgruppen werden ausgeschlossen, da der wissenschaftliche Betrieb weiterhin hauptsächlich weißen cis-Männern ohne Beeinträchtigung oder chronische Krankheit vorbehalten ist. Als queer*feministischer Richtungsverband muss es immer unser Ziel sein, zweigleisig vorzugehen. Einerseits kämpfen wir für die Überwindung der konstruierten Zweigeschlechtlichkeit, andererseits kämpfen wir für konkrete Verbesserungen für diskriminierte Gruppen im Status Quo. In der patriarchalen Gesellschaft halten wir mittelfristig daher auch an Quoten fest, um dem vorhandenen Machtgefälle etwas entgegenzusetzen. Schließlich muss wissenschaftliche Forschung auch immer die gesamte Gesellschaft abbilden.
Gerade die Gleichstellung im Bildungsbereich ist von besonderer Bedeutung. Junge Menschen werden in der Lehre stark von ihren Dozierenden geprägt. Deswegen ist auch gerade in Hinblick auf Vorbildrollen eine Stärkung von Frauen* in der Wissenschaft ein zentrales Thema, denn ohne eine grundlegende Veränderung werden sich die bestehenden Strukturen immer wieder reproduzieren. Unser Ziel bleibt ein diverser Wissenschaftsbetrieb mit diverser Forschung und Lehre.

 Die Entwicklung der letzten Jahre

In den letzten Jahren ist der Anteil von Frauen* im Wissenschaftsbetrieb nahezu identisch geblieben. Auf einigen Stufen innerhalb der Hierarchien gab es in den letzten drei Jahren zwar leichte Verbesserungen, insgesamt hat sich die Situation jedoch kaum gebessert. Seit mehr als zehn Jahren machen laut dem statistischen Bundesamt mehr Frauen* als Männer Abitur. Während unter Studierenden in den verschiedenen Stadien des Studiums noch eine ungefähre Ausgewogenheit zwischen Frauen* und Männern vorliegt, gibt es an den unterschiedlichen Hochschulen bzw. in unterschiedlichen Studienfächern teilweise starke Diskrepanzen. Gerade in den MINT-Fächern ist die Lage besonders erschreckend, unter den Ingenieurwissenschaften betrug der Frauen*anteil unter den Studienanfänger*innen im Wintersemester 2013/2014 lediglich 21,7 Prozent.
Der Anteil von Frauen* unter den Promovierenden liegt seit einigen Jahren bei 45 Prozent. Ihr Anteil sinkt jedoch drastisch bei der Betrachtung von Habilitationen. In diesem Bereich ist die Zahl von Frauen* in den letzten Jahren zwar leicht angestiegen, mit 27,4 Prozent aber immer noch deutlich zu niedrig. Ganz düster wird es, wenn man sich bei den Professor*innen umschaut, lediglich 21,3 Prozent der Stellen waren 2013 weiblich besetzt und nur 11,7 Prozent der Institute an Hochschulen werden von Frauen* geleitet.
Die Quote von Wissenschaftlerinnen* liegt laut der UNESCO in der BRD deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt, gleichauf mit dem Iran bei 27 Prozent und weit abgeschlagen hinter Ländern wie Portugal (46 Prozent) und Argentinien (53 Prozent). Diese Zahlen sind ein weiterer Beweis dafür, dass sich im Wissenschaftsbetrieb und in unserer Gesellschaft etwas ändern muss. Frauen* sind nicht nur in wirtschaftlichen Spitzenpositionen unterrepräsentiert, auch in der Hochschullandschaft sind sie in den höheren Positionen des Wissenschaftsbetriebs kaum vertreten, und das obwohl sie häufiger das Abitur und Hochschulabschlüsse erreichen. Ziel jungsozialistischer Hochschulpolitik muss es daher sein, für einen Wandel dieser Verhältnisse einzustehen.

Gründe für diese Entwicklung

Die sich aufdrängende Frage ist, woran es liegt, dass der Anteil von Frauen* in der Wissenschaft, wenn überhaupt, nur langsam steigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig und alle eng miteinander verwoben. Dabei darf der Wissenschaftsbetrieb nicht als isoliert, sondern muss als Bereich, der durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt ist und diese auch umgekehrt beeinflusst, betrachtet werden. Die Stagnation ist zum einen an der Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse im wissenschaftlichen Betrieb festzumachen. Fast alle Stellen sind befristet. Schon wenn die Anstellung bis zur nächstmöglichen Qualifizierungsstufe gesichert ist, kann hier von Glück gesprochen werden. Der Weg eines*einer Studierenden zur Professur ist jedoch ein langer, der viele Jahre in der Ungewissheit, die befristete Arbeitsverträge mit sich bringen, bedeutet. Ebenso besteht ein enges und häufig doppeltes Abhängigkeitsverhältnis zu den Vorgesetzten bzw. Förderer*innen, um die wissenschaftliche Leiter weiter erklimmen zu können. Auch die Ausnutzung durch Chef*innen beispielsweise durch Mehrfachbelastungen oder nicht berücksichtigte Urlaubsansprüche verstärken den Trend der prekären Beschäftigung im wissenschaftlichen Bereich. Die mangelnde Planungssicherheit hinsichtlich der Familienplanung trifft alle im Wissenschaftsbetrieb Tätigen. Frauen* sind jedoch deshalb besonders betroffen, weil ihnen durch die Gesellschaft die Verantwortung für die Reproduktions- und Fürsorgearbeit zugeschrieben wird und sie sich zwischen dieser und ihrer beruflichen Arbeit faktisch entscheiden müssen. Männern hingegen wird diese Verantwortung in der Regel nicht zugeschrieben, sodass sie sich darauf verlassen könnten, dass Frauen* der anfallenden Reproduktionsarbeit nachgehen und ihnen somit den Rücken freihalten.

Frauen* wenden im Durchschnitt in der BRD nämlich noch doppelt so viel Zeit für unbezahlte Reproduktions- und Fürsorgearbeit wie Männer auf. Diesen Zustand gilt es für uns zu ändern. Es ist nämlich fast unmöglich, nach einigen Jahren wieder in den wissenschaftlichen Betrieb hineinzukommen. Aufgrund von mit der Mehrfachbelastung zwangsweise einhergehenden Erwerbsunterbrechung haben Frauen* im Zweifel mehrere Jahre nicht in der Wissenschaft gearbeitet und haben die Aufstiegsmöglichkeiten, die ihre männlich sozialisierten Kollegen hatten, verpasst. Darüber hinaus entstehen durch mangelnde Teilzeitstellen mit Aufstockungsmöglichkeit und fehlende Betreuungsangebote in unserer Gesellschaft weitere Probleme für Frauen*. Insbesondere werden Frauen* in Elternzeit durch die starke Befristung zusätzlich diskriminiert, da ihre Stellen nicht automatisch um die Elternzeit verlängert werden. Ohne eine Entwicklung hin zu mehr Perspektiven und zeitlicher Flexibilität sind Frauen* im Gegensatz zu Männern weiterhin in der Freiheit ihrer Berufswahl eingeschränkt und werden von höheren Positionen ferngehalten.

Besonders auffällig ist der große Sprung zwischen dem Anteil an Frauen*, die promovieren und denjenigen, die habilitieren. Dies lässt sich zum einen dadurch erklären, dass die Frauen* zu diesem Zeitpunkt schon einige Erfahrungen im wissenschaftlichen Betrieb gesammelt haben. Sie wurden mit den genannten prekären Arbeitsbedingungen und der fehlenden Perspektive konfrontiert. Der Zeitpunkt nach der Promotion erscheint dann vielleicht als letzte Möglichkeit, in ein anderes Berufsfeld zu wechseln. Darüber hinaus stellt sich zu diesem Zeitpunkt auch oftmals die Frage nach der Familienplanung, wodurch viele Frauen* aus der Wissenschaft ausscheiden. Eine feste berufliche Perspektive wird zu jeder Lebensphase von Frauen* gewünscht. Besonders nach einer Schwangerschaft ist diese zwingende Grundlage, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen. Zum anderen werden selbst diejenigen Frauen*, die sich für den wissenschaftlichen Zweig entscheiden, oftmals gegenüber den männlichen Wissenschaftlern benachteiligt. Dies hängt eng mit den männlich dominierten Strukturen in der Wissenschaft zusammen. Männer haben sich enge Netzwerke geschaffen, in denen sie sich gegenseitig unterstützen. Mangels ausreichendem Frauen*anteil in der Wissenschaft haben Frauen* weniger dieser Netzwerke und daher auch nur wenige weibliche* Vorbilder und Mitstreiterinnen. Dadurch werden Frauen* ausgegrenzt und benachteiligt. So sind zum Beispiel auch fast alle Berufungskommissionen vor allem von professoraler Seite mit einem Überschuss an Männern besetzt. Mangelnde Durchsetzungsmöglichkeit im Wissenschaftsbetrieb hängt nicht mit mangelnder Qualifikation von Frauen* zusammen sondern mit systematisch gesetzten Hürden, die jedwedes Weiterkommen vom Willen einer männlich sozialisierten Schlüsselfigur abhängig machen.

Das herrschende Patriarchat ist nach wie vor das maßgebliche Hindernis für Frauen*, um in gesellschaftlich relevante Spitzenpositionen vorzudringen. Insbesondere gehört Sexismus leider auch zum universitären Alltag. Er wird durch fehlende Sensibilisierung an der Hochschule und in der Gesellschaft begünstigt und kann aufgrund fehlender Sanktionsmöglichkeiten nur schwer geahndet werden. Ebenso sind in der Gesellschaft fest verankerte Rollenbilder, die Frauen* immer noch lieber in der Küche, beim Waschen und in der Kinderbetreuung zuhause sehen, Teil des großen Problems. Aus ebendiesen Normen heraus werden Mädchen* und Frauen* oftmals andere Verhaltensmuster ansozialisiert. Gleichzeitig stellt ein Durchbrechen dieser Muster häufig einen von der Gesellschaft nicht akzeptierten, teilweise sogar geächteten Ausbruch aus den Konventionen dar. Doch der gesamte wissenschaftliche Betrieb baut momentan, da er stark durch wirtschaftliche Effizienz geprägt ist, auf Machterhaltung und Konkurrenzkampf auf. In diesem gehören Frauen* wegen patriarchaler Machthierarchien zu den Verlierer*innen, während Handlungsmacht weit überwiegend männlich sozialisierten Mitstreitern zuteilwird. Mädchen wird Konkurrenzkampf bzw. Streben nach Macht kaum ansozialisiert, weshalb ihnen dies ihren männlichen* Kollegen gegenüber deutlich schwerer fällt oder ihnen ein solches Verhalten im Gegensatz zu Männern negativ angelastet wird.
Die Unterrepräsentation von Frauen* in der Wissenschaft führt darüber hinaus dazu, dass auch weniger explizit für Frauen* geforscht wird. So werden kaum unterschiedliche Genderperspektiven in der Forschung berücksichtigt. Um die konstruierte Zweigeschlechtlichkeit aber langfristig zu überwinden, braucht es eine Forschung mit interdisziplinärer Perspektive zu der sozialen Kategorie Geschlecht, die menschliche Denk- und Wissenssysteme heute ebenso bestimmt wie gesellschaftliche und kulturelle Organisationsformen. Die Gender Studies sind eine solche inter- oder transdisziplinär aufgebaute Disziplin und ihr Ausbau an Hochschulen muss gefördert werden.

 Unsere Forderungen

Die Problemanalyse zeigt, dass die Benachteiligungen und Diskriminierungen von Frauen* auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlicher Art und Weise stattfinden. Deswegen kann eine Verbesserung der Situation auch nur dann erreicht werden, wenn an all den unterschiedlichen Stellen angesetzt wird. Unser jungsozialistisches Ziel ist es deshalb, sowohl für konkrete Verbesserungen zu streiten, als auch einen gesamtgesellschaftlichen Wandel der Strukturen voranzutreiben.
Um bessere Perspektiven für Frauen* zu schaffen, müssen zunächst die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen verbessert werden. Hierzu zählen für uns insbesondere die Entfristung von Beschäftigungsverhältnissen sowie feste Perspektiven durch einen Tenure-Track, durch den ein dauerhafter Verbleib an der Hochschule und in der Forschung ermöglicht wird und dessen Stellen mit einer Frauen*quote von mindestens 50% vergeben werden. Ebenso müssen die Rechte von Arbeitnehmer*innen ausgebaut werden und einfacher durchgesetzt werden können. Dabei sind die Gewerkschaften unsere natürlichen Partner*innen. Gerade in Hinblick auf den Arbeitsalltag vieler Wissenschaftler*innen muss eine bessere Vertretung auf Hochschulebene ermöglicht werden. Überstunden, die nicht bezahlt werden, müssen ebenso der Vergangenheit angehören wie die Verbannung der Promotion in die Freizeit, da während der regulären Arbeitszeit keine Zeit dafür bleibt. Genauso muss endlich mit der Ausnutzung von Dumping-Lehrkräften Schluss sein, die zu grundlegenden Lehrtätigkeiten eingestellt wurden. Diese Lehrkräfte brauchen endlich eine gerechte Bezahlung und unbefristete Festanstellungen.
Darüber hinaus braucht es endlich eine bessere Vereinbarkeit von Reproduktionsarbeit und wissenschaftlicher Tätigkeit. Hierfür braucht es zunächst vor allem die Schaffung von echten Teilzeitstellen mit Aufstockungsmöglichkeit, in denen die Menschen auch nur die Hälfte der regulären Arbeitszeit arbeiten müssen. Zusätzlich ist die Schaffung kostenfreier Betreuungsangebote für die Vereinbarkeit entscheidend.

Ohne Verbindlichkeiten, ohne Druck und auch ohne eine Frauen*quote wird sich wenig tun, daher setzen wir uns für eine Quote von mindestens 50 Prozent bei Neueinstellungen ein. Dabei ist uns wichtig, dass diese jeder Fachbereich für sich erfüllen muss. Eine solche Quote steht unserer Auffassung nach nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz in Konkurrenz, da in der patriarchalen Gesellschaft Frauen* in vielen Bereichen diskriminiert werden und dort nur durch eine Quote für Chancengleichheit gesorgt werden kann. In den Fachbereichen muss strikt auf die Einhaltung der Quote geachtet werden. Einen Kompromiss, wie ihn beispielsweise das Kaskaden-Modell darstellt, lehnen wir ausdrücklich ab. Bei diesem Modell finden kaum Verbesserungen statt und wenn würden sie erst nach Jahren erreicht. Außerdem hält das Modell keine Lösung dafür parat, dass wissenschaftliche Stellen in Studiengängen mit einem geringen Anteil von Frauen* nie paritätisch besetzt würden.
Darüber hinaus wollen wir mehr frauen*spezifische Fragestellungen. Frauen* muss die Möglichkeit gegeben werden, sich mehr mit ihrer geschlechtsspezifischen Forschung zu beschäftigen und auch spezifisch feministische Perspektiven auf ihre Forschungen zu entwickeln. Es müssen in dem Bereich der Frauen*- und Genderstudien mehr Forschungsprojekte ermöglicht werden und diese dürfen nicht durch vorgesetzte Männer torpediert werden. Frauen* müssen in ihrer Gender-Forschung vollkommen autonom darüber entscheiden dürfen. Ziel ist es, durch eine queerfeministische Herangehensweise die sozial konstruierte Zweigeschlechtlichkeit langfristig zu überwinden. Mehr interdisziplinäre Forschungsprojekte in diesem Bereich können dafür ein Anfang sein.
Männernetzwerke dürfen sich in Zukunft nicht noch weiter reproduzieren. Deswegen kämpfen wir für eine Umstrukturierung von Berufungsverfahren, die transparent und demokratisch sind und die Diversität im wissenschaftlichen Betrieb fördern. Diese Berufungskommissionen müssen für eine Einhaltung der 50 Prozent Quote sorgen und zudem dafür Sorge tragen, dass die Ausschreibungen möglichst viele Menschen ansprechen. Die Berufungskommissionen sind geschlechterparitätisch zu besetzen. Teil der Berufungskommission muss in jedem Fall auch die Gleichstellungsbeauftragte* oder Frauen*beauftragte sein. Sie hat ein Veto-Recht, wenn sie im Berufungsverfahren Gleichstellungsgrundsätze als verletzt ansieht. Gleichstellungsbeauftragte oder Frauen*beauftragte müssen für ihre unverzichtbare Arbeit aber auch genügend Freistellung von Seiten der Hochschulleitung bekommen. Allerdings dürfen Berufungskommissionen nicht die gesamte Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten und Frauen*beauftragten bestimmen, um eine Überbelastung zu verhindern und die eigene Arbeit weiter voran treiben zu können, müssen im Zweifel mehrere Menschen dafür berufen werden. Ebenso muss in den Verfahren auf die Diversität von Bildungs- und Forschungsbiografien Berücksichtigung finden. So darf nicht nur die Quantität der wissenschaftlichen Arbeiten sondern insbesondere auch ihre Qualität maßgeblich sein, damit insbesondere Frauen*, die Familienzeit in Anspruch genommen haben, keinen Nachteil gegenüber ihren männlichen Kollegen haben.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass sich die Frauen* im wissenschaftlichen Betrieb besser untereinander vernetzen, insbesondere auch um sich miteinander zu solidarisieren. Hierbei ist der Empowerment-Gedanke für uns ein zentraler. Es geht um ideologische Förderung untereinander, durch welche Multiplikatorinnen* gebildet werden, die in ihren Instituten ihr Wissen weiter geben können und eigene Netzwerke mit ihren Kolleginnen* bilden können. Erst wenn dies gelingt und Frauen* sich mehr gegenseitig unterstützen können und ihnen die notwendige Handlungs- und Gestaltungsmacht zur gemeinsamen Durchbrechung verkrusteter patriarchaler Machtverhältnisse zuteilwird, kann es gelingen, die bestehende Struktur aufzubrechen.
Der Kampf gegen Sexismus in der Gesellschaft wird leider ein langwieriger. Damit es trotzdem so schnell wie möglich voran geht, wollen wir auf unterschiedlichen Ebenen vorgehen. Zunächst muss über diverse Bildungsangebote Sensibilisierungsarbeit in der ganzen Gesellschaft geleistet werden. Außerdem muss Sexismus sichtbar gemacht und geahndet werden, ob in der Werbung oder in öffentlichen Diskursen. Nur so merken die Opfer von Sexismus, dass sie nicht alleine sind und gelangen wieder an die Definitionshoheit darüber, was Sexismus auszeichnet. Darüber hinaus fordern wir die Schaffung rechtlicher Instrumente zur Bekämpfung von Sexismus.
In der Gesellschaft und in den Hochschulen gibt es also Strukturen und Bedingungen, die Frauen* daran hindern, in gleicher Weise zu partizipieren. Für uns ist klar, nicht die Frauen* müssen sich verändern und anpassen, sondern die beschriebenen gesellschaftlichen Strukturen. Sie müssen aufgebrochen werden, damit Frauen* durch gegenseitiges Empowerment in Spitzenpositionen vordringen können.
Es zeigt sich, dass an vielen unterschiedlichen Stellen mit unterschiedlichen Instrumenten für die Gleichstellung von Frauen* in der Wissenschaft gekämpft werden kann und muss. Dieser Handlungsbedarf besteht jetzt, da die Entwicklungen der letzten Jahre gezeigt haben, dass es ohne effektive Maßnahmen keine oder nur unzureichende Verbesserungen gibt. Wir wollen daher für mehr Frauen* in der Wissenschaft, für eine diversere Forschung und Lehre sowie für einen gerechten Zugang für alle zu allen Bereichen der Gesellschaft kämpfen.

Zurück