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Studium für alle – unabhängig vom Geschlecht

Unser Alltag ist geprägt von Binarität, also  der Vorstellung, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Sei es in Bekleidungsgeschäften, Medien oder Freizeitangeboten: überall begegnet uns diese Vorstellung. Schon bei der Geburt erfolgt eine Zuordnung des Geschlechts. Dieses Label bleibt und lässt sich nur in aufwändigen Prozessen, in das jeweils andere verändern. Eine Option außerhalb von Mann und Frau ist nicht möglich, obwohl es nicht zu jeder*jedem passt. Doch der Name und das Geschlecht im Personalausweis sind nötig, um die basalsten Dinge ausführen zu  können. Auch an der Hochschule wird nicht die Lebensrealität aller Geschlechter abgebildet. In der Regel wird eine binäre Einteilung jedoch gefordert, um teilhaben zu können, das Menschenrecht auf Bildung steht im binären Licht: schon bei der Anmeldung an einer Hochschule wird gefordert, dass man sich als Mann oder Frau einordnen muss. Wenn man dies nicht kann und will, wird de facto der Zugang zu Bildung verwehrt. Eine Möglichkeit, die Geschlechtsangabe wegzulassen oder Optionen außer Mann und Frau zu haben wird nicht gegeben. Doch das ist nicht die einzige Hürde, die nicht binäre Menschen, die studieren wollen, überwinden müssen.

Um den Semesterbeitrag zu überweisen ist ein Bankkonto nötig, für dessen Erstellung ein Personalausweis gebraucht wird. Wie bereits erwähnt muss in diesem jedoch eines von zwei Geschlechtern gewählt werden. Ein weiterer Bereich, der die Finanzbelange des Studiums betrifft, ist die Beantragung von BAföG und Daka/KfW Krediten. So muss unter Stammdaten spezifisch angegeben werden, ob man männlich oder weiblich ist. Dies sorgt dafür, dass Menschen, die nicht binär geschlechtlich sind, strukturell diskriminiert werden.

Studierende haben Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Wenn man aber nicht binär ist, kommen zwei weitere Dinge hinzu: die fehlende Möglichkeit, die eigene Geschlechteridentität anzugeben und der Mangel an Schutzraum, den Wohnheime zum Teil bieten. Gängige Plattformen für die WG Suche stellen die Diversität der Geschlechter nicht ausreichend dar, auch Wohnheime der Studierendenwerke sind häufig binär geprägt. So werden auch bei der Bewerbung um einen Wohnheimsplatz Unterlagen gefordert, die binär strukturiert sind, beispielsweise die Immatrikulationsbescheinigung oder eine Wohnberechtigung.  Es bleibt also fast keine andere Wahl, als sich zumindest auf dem Papier für eine Option zu entscheiden. Diese Praxis kann extrem belastend sein und muss dringend abgeschafft werden.

Wenn die Hürden des Zugangs, der Finanzierung und des Wohnraums geschafft sind,  kommt es auch an Hochschulen zu Diskriminierung, Hass und der Ablehnung von Menschen, die nicht cisgender (also Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt) sind. Einfache Schritte, um misgendering zu vermeiden, können beispielsweise eine Anpassung von Formularen, die Angabe der genutzten Pronomen und eine Sensibilisierung der Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden sein.

Auch eine räumliche Anpassung der Hochschulen, weg von der Binarität, ist von Nöten. So sind Toiletten häufig Orte, die mit Unwohlsein verbunden sind, da man sich häufig für ein Geschlecht entscheiden muss und dort Übergriffen ausgeliefert sein kann.

Deshalb fordern wir:

  • Bei der Bewerbung um einen Studienplatz muss es möglich sein, außerhalb des binären Geschlechtsspektrums zu wählen. Dabei ist es uns wichtig alle Identitäten sichtbar zu machen. In den Anmeldemasken zur Bewerbung um einen Studienplatz soll es – ggf. neben den binären Optionen – daher einerseits die Möglichkeit geben keine Angaben zur Geschlechtsidentität zu machen und andererseits über ein Freifeld gewährleistet sein, dass jede Identität in Selbstbezeichnung abgebildet werden kann.
  • Bezüglich der Beantragung von Bafög muss die Lebensrealität von nicht binären Menschen wahrgenommen werden, so darf ein Antrag bezüglich der Studienfinanzierung nicht binär strukturiert sein.
  • Studentischer Wohnraum muss allen zugänglich sein. Dabei ist es wichtig, Schutzräume zu schaffen, damit trans*, inter und nicht binäre Menschen sicher wohnen können. Auch hier müssen Studierendenwerke die binäre Geschlechtsabfrage um die dritte Option eines freien Textfeldes erweitern.
  • Für (angehende) Studierende, die Hürden bezüglich des Studiums haben, muss es eine flachhierarchische und gut arbeitende Beratungsstelle geben. Diese sollen dabei helfen, mit der Hochschule zu kommunizieren und Lösungen für vorhandene Hürden finden
  • Damit Studierende, die nicht binär sind, an der Hochschule studieren können ist es wichtig, Räumlichkeiten anzupassen. Dazu gehören geschlechtsinklusive Toiletten, Räumlichkeiten für Hochschulsport/Sportstudium und Schutzräume, in die sie sich zurückziehen können.
  • Formulare, Dokumente und Datenbanken der Hochschulen müssen flexibel sein, um nicht binäre Optionen zu ermöglichen, dazu gehört ebenfalls ein Namenswechsel und – sofern angegeben, die Pronomen, mit der eine Person angesprochen werden möchte.
  • In diese Prozesse sind trans*. Inter und nicht binäre Personen und Gruppen, in denen sie sich organisieren, auf allen Ebenen einzubinden, um tatsächliche Verbesserung der inakzeptablen Zustände zu erreichen. Wenn Entscheidungen getroffen werden, muss die Studierendenschaft als größte Gruppe an denen Universitäten gleichberechtigt mit anderen Statusgruppen stimmberechtigt sein.

Unser Ziel muss es sein, strukturelle Bevormundung und Gewalt gegenüber nicht binären Studierenden an Hochschulen zu bekämpfen und alltägliche Kämpfe von trans*, inter und nicht-binären Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Ihre Bedürfnisse müssen respektiert und strukturell anerkannt werden.

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