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Gute Bildung für alle – von Anfang an!

Für uns Juso-Hochschulgruppen ist klar, dass die Hochschule kein von der Gesellschaft abgekoppelter Raum mit eigener Realität ist. Deswegen ist die Forderung nach einem allgemeinpolitischen Mandat auch schon immer eine der Kernforderungen der Juso-Hochschulgruppen. Bei all unseren hochschulpolitischen Themen sind gesamtgesellschaftliche politische Themen und Fragestellungen unmittelbar oder mittelbar betroffen.  Es genügt unseren Ansprüchen nicht, lediglich unsere Forderungen bezüglich der Hochschulen zu artikulieren. Um ein gerechtes Bildungssystem zu schaffen, müssen alle Bildungsbereiche mitgedacht werden. Vor allem beginnen Selektion und unterschiedliche Bildungschancen schon in der frühsten Kindheit und manifestieren sich dann im weiteren Bildungsweg. Nur wenn wir Selektion von Anfang an bekämpfen und allen die gleiche Teilhabe ermöglichen, können wir Bildungsgerechtigkeit verwirklichen.

Kostenlose Kita für alle!

Bei der frühkindlichen Bildung wird der Grundstein für den weiteren Bildungsweg gelegt. Unser Ziel muss sein, dass alle Kinder möglichst früh gemeinsam lernen. Nur so können die unterschiedlichen Startbedingungen ausgeglichen werden.

Dafür braucht es zunächst einmal natürlich ausreichend Kita-Plätze. Die Kapazitäten müssen flächendeckend so ausgebaut werden, dass für alle Kinder in den unterschiedlichen Altersstufen Plätze zur Verfügung stehen. Es braucht einen bundesweiten Rechtsanspruch auch auf einen U3-Kitaplatz. Dieser Ausbau muss schnellstmöglich vorangetrieben werden. Wenn konservative Kräfte stattdessen probieren, mit Maßnahmen wie etwa dem Betreuungsgeld Anreize dafür zu schaffen, dass Kinder keine Kita besuchen, so müssen wir uns diesen Tendenzen klar entgegenstellen. Keine Kita zu besuchen und stattdessen zuhause zu bleiben, schadet nämlich vor allem denjenigen Kindern, die in ihrer Umgebung nicht gefördert werden und die ansonsten keinen so guten Zugang zu Bildung haben. Dazu trägt es zur Selegation der Kinder bei. Wir wollen, dass schon in der frühkindlichen Bildung eine Durchmischung der unterschiedlichen sozialen Schichten und Milieus stattfindet. Nur so haben alle Kinder die gleichen Bildungschancen, und nur so ist auch eine solidarische Gesellschaft möglich.

Wenn Kinder eingeschult werden, wird ihr Bildungsweg insbesondere davon beeinflusst, welche kognitiven und sozialen Fähigkeiten sie bis dahin schon erlernt haben. Diese werden vor allem in der Kita vermittelt. Wenn Kinder in die Schule mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten starten, ist gemeinsames Lernen und ein Ausgleich der unterschiedlichen Startbedingungen äußerst schwierig. Vor allem ist dies nicht möglich in einem System, in dem die Kinder schon nach wenigen Jahren wieder getrennt und im dreigliedrigen Schulsystem auf die unterschiedlichen Schulformen aufgeteilt werden. In unserem oftmals undurchlässigen Bildungssystem manifestieren sich die unterschiedliche Herkunft der Kinder und unterschiedliche Startbedingungen in ungerecht verteilten Chancen auf dem gesamten Bildungsweg. Gleiche Bildungschancen sind also nur dann möglich, wenn Kinder die Schule mit möglichst gleichen Fähigkeiten starten. Um dies zu gewährleisten braucht es eine Kitapflicht für Kinder ab drei Jahren. In diesem Alter besuchen ohnehin die allermeisten Kinder eine Kita, die Quote derer ist jedoch geringer bei Kindern aus sogenannten „bildungsfernen“ Haushalten. Die Kitapflicht kann also dazu beitragen, dass mehr Kinder und vor allem mehr benachteiligte Kinder an der frühkindlichen Bildung teilhaben.

Nicht nur wenn es eine Kitapflicht gibt, sondern auch grundsätzlich, muss die Kita vollumfänglich gebührenfrei sein. Wie im gesamten Bildungssystem fordern wir, dass die Kita über ein gerechtes Steuersystem finanziert wird. 

Die Kita bedeutet für Kinder frühkindliche Bildung, gleichzeitig haben Kitas aber auch die Funktion der Betreuung. Kitas dienen also auch insbesondere dazu, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beizutragen. Das erfordert selbstverständlich, dass sich Kitas an die unterschiedlichen Lebens- und Erwerbssituationen anpassen. Zwar fordern wir grundsätzlich, dass das Erwerbsleben derart gestaltet ist, dass es genügend Zeit und Freiräume etwa für Familie lässt, gerade im Status quo braucht es aber flexible Betreuungsmöglichkeiten. Deswegen fordern wir einen Ausbau der Öffnungszeiten von Kitas und Betreuungsmöglichkeiten etwa auch nachts und am Wochenende. Dies würde auch vor allem Frauen* zugutekommen, die immer noch häufiger alleinerziehend sind oder Care-Berufe ausüben, bei denen die Arbeitszeiten naturgemäß nicht jeden Tag um 17 Uhr enden. Insofern hat die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf derzeit vor allem auch noch eine gleichstellungspolitische Komponente.

Gute Infrastruktur schaffen!

Gute Kitas brauchen auch eine gute Infrastruktur. Neben dem bereits geforderten Ausbau der Kapazitäten müssen auch die schon vorhandenen Kitas modernisiert und saniert werden. Hierbei müssen überall barrierefreie Konzepte umgesetzt und ökologische und nachhaltige Standards eingehalten werden.

Die Kitas müssen dabei auch an die sich ändernden Ansprüche an Betreuung angepasst werden. Das bedeutet, dass es unter anderem ausreichend Schlaf- und Rückzugsorte für die Kinder sowie Räume für die Verpflegung geben muss. Verpflegung sollen die Kitas allen Kindern kostenlos zur Verfügung stellen. Darüber hinaus sollen Kitas so ausgestattet sein, dass sie eine vielfältige Entwicklung und Entfaltung der Kinder ermöglichen. So braucht es neben Literatur etwa auch Musikinstrumente und Materialien und Räume für körperliche Aktivitäten. Vor allem sollen Kinder sich ausprobieren können, spielen, sich entfalten und ihre Neugierde ausleben.

Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung müssen auch digitale Medien und Geräte in altersentsprechenden Umfang vorhanden sein, damit die Kinder schon in ihrem Alter Erfahrungen im Umgang mit diesen machen können. Dies erfordert natürlich auch eine entsprechende Schulung der Erzieher*innen. Der Schwerpunkt sollte aber auf dem Spielen und Selbsterleben im Miteinander mit anderen Kindern und der Natur liegen.

Kita der Vielfalt!

In der Kita lernen die Kinder vor allem den sozialen Umgang miteinander. Das heißt auch, dass schon hier ein wertschätzender und solidarischer Umgang stattfinden soll. Es muss gelingen, dass Kinder schon in der Kita mit Vielfalt konfrontiert werden und sie zu offenen Menschen erzogen werden.

Genau wie in allen anderen Bildungsinstitutionen ist Inklusion, also die gleichberechtige Teilhabe aller Menschen, in der frühkindlichen Bildung zu verwirklichen. Dafür müssen Kitas barrierefrei gestaltet sein. Dies gilt nicht nur für räumliche Aspekte, sondern insbesondere auch für Medien und Spielutensilien. Zudem erfordert die Heterogenität der Gruppen auch mehr Erzieher*innen, welche im Umgang mit Kindern mit Beeinträchtigungen und/oder chronischen Krankheiten geschult sein müssen.

Auch geflüchtete Kinder sollen einen Zugang zu der frühkindlichen Bildung bekommen. Sie sollen von Anfang an Plätze in den regulären Kitas bekommen und nicht etwa in eigenen Kitas separiert werden. Um eine wirkliche Teilhabe an unserer Gesellschaft möglich zu machen, müssen in den Kitas Sprachangebote für geflüchtete Kinder geschaffen werden. 

In der Kita sollen Kinder ihre Persönlichkeit und ihre Identität frei entdecken und ausleben können. Dafür muss sich schon in der Kita gegen die Etablierung von Geschlechterstereotypen und Heteronormativität eingesetzt werden. Alle Kinder sollen gleichbehandelt werden, unabhängig vom Geschlecht. Darüber hinaus sollen Kinder in der frühkindlichen Bildung auch schon mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Genderidentitäten in Berührung kommen. Ziel ist dabei die Aufklärung über die Vielfalt von Menschen und die Schaffung von Akzeptanz.

Damit Kinder zu mündigen Bürger*innen werden können, braucht es schon für Kinder Möglichkeiten der Mitbestimmung. Deswegen soll es auch schon in der Kita demokratische Prozesse geben, durch die die Kinder partizipieren und die Kita bzw. den Alltag in der Kita mitgestalten können.

Zudem sollen die Kinder in den Kitas auch an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen können. So sind etwa Kooperationen mit örtlichen Kultureinrichtungen zu fördern, zudem soll ein Austausch auch mit anderen Bildungsinstitutionen und gesellschaftlichen Gruppen stattfinden.

Gute Arbeit in den Kitas!

Die Wichtigkeit der Kita für eine demokratische, solidarische Gesellschaft und für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit steht in einem eklatanten Widerspruch zu den Beschäftigungsbedingungen für Erzieher*innen. Es mangelt sowohl an Wertschätzung als auch an fairer Beschäftigung. Erzieher*innen müssen endlich angemessen bezahlt werden. Die durch verlängerte Betreuung entstehenden längeren Arbeitszeiten müssen überdurchschnittlich vergütet werden. Da momentan die meisten Kita-Beschäftigten Frauen* sind, manifestieren sich durch die niedrige Bezahlung zudem Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen*. Unser Bildungsideal kann nur verwirklicht werden, wenn der Beruf der*des Erzieher*in attraktiv ist. Neben der angemessenen Bezahlung bedeutet dies auch gute Beschäftigungsbedingungen sowie gute Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die den neuen Anforderungen in der frühkindlichen Bildung gerecht werden. Nur wenn das gelingt, können auch wieder mehr und ausreichend Menschen für das Berufsfeld gewonnen werden und nur so kann auch Diversität innerhalb der Erzieher*innen erreicht werden. Um dies zu erreichen fordern wir einen Betreuungsschlüssel, um die dargelegten Punkte in vollem Umfang gewährleisten zu können.

Gerechte und gute Bildung beginnt in der Kita, deswegen kämpfen wir als Juso-Hochschulgruppen solidarisch mit unseren Bündnispartner*innen für eine progressive frühkindliche Bildung!

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