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Kein Wichs an der Hochschule. Verbindungen konsequent entgegentreten!

Burschenschaften, studentische Verbindungen, Corps und neuerdings auch sogenannte „Studentenvereine“ haben in Deutschland eine lange Tradition. Damit einher gehen auch Bräuchtümer von gestern, vorgestern und Jahrhunderten, in welche wir nicht zurückwollen. Jedoch gilt zwischen diesen einzelnen Organisationsformen zu differenzieren und unterschiedlich Kritik anzubringen. Denn obwohl die Bezeichnung als „Studentenverbindung“ im ersten Moment harmlos scheint, verbergen sich auch in dieser Form der Vereinigung, Ideen und Einstellungen aus einem anderen Jahrhundert.

Was sind Burschenschaften und was macht sie aus?

Der Dachverband der deutschen Burschenschaften (DB), mit welchem unter anderem ein Unvereinbarkeitsbeschluss mit der SPD und den Juso-Hochschulgruppen besteht, ist Vorreiter*in des braunen Gespenstes unter den Burschenschaften und Studentenverbindungen. Auf ihrer Website werben sie unter anderem mit dem Slogan „Freiheit, Ehre, Vaterland“, welcher eine unreflektiert verwendete Kriegspropaganda aus dem ersten Weltkrieg darstellt. Darüber hinaus fallen die DB immer wieder durch Vorstöße, wie beispielsweise die Forderung des „Arierparagraphen“ oder aber der Bezeichnung von Menschen als „Landesverräter“ im zweiten Weltkrieg auf. In ihren Grundsätzen bekennen sie sich als Teil des „christlichen Abendlandes“ und als Teil der „Deutschen Nationalbewegung“.

Insbesondere wird jedes Jahr aufs neue die Aufmerksamkeit nach Eisenach, in Thüringen gelenkt. Hier findet die Vollversammlung der DB statt. Neben vielen ominösen Redner*innen und der ausschließlich männlichen Anwesenheit, saufen, pöbeln und witzeln die Burschen hier. Abschluss des Festakts stellt der alljährliche Fackelumzug dar, welcher zum Burschendenkmal führt. Sinn dieser Aktion ist das Gedenken an die deutschen Burschen, welche im ersten und zweiten Weltkrieg für ihr „Vaterland“ das Leben ließen.

Studentenverbindungen als harmloser Part?

Ein oft genanntes Argument von Studentenverbinder*innen ist, dass es sich bei den sogenannten Verbindungen um eine harmlose Alternative zur traditionellen Burschenschaft handele. Diese werben zumeist damit, dass jegliche negativen burschenschaftlichen Eigenschaften auf sie nicht zutreffen würden. Diese Argumentation ist auch den sog. Corps inhärent. Die Werbung bezieht sich zum einen auf den expliziten Sexismus und die Auswahl nach Geschlecht, beim Einzug in eine Burschenschaft, genau wie die „ethnische Reinheit“, welche von der DB propagiert wird. So nehmen einige Verbindungen auch Menschen auf, welche einen vermeintlichen Migrationshintergrund haben, sich nicht dem heteronormativen Gesellschaftsbild unterordnen wollen, oder aber schlicht und ergreifend eine Frau* sind.

Darüber hinaus sei das rechte Gedankengut und der Bezug zum „Vaterland“ auch ein Faktor, welcher lediglich bei den sog. Urburschen vorkommen würde.

Wieso sind wir dennoch gegen Verbindungen?

Fakt ist jedoch, dass selbst wenn mensch es mit einer sog. „liberalen“ Verbindung zu tun hat, dennoch zutiefst abzulehnende Werte, für alle Verbindungen und sog. „Studentenvereine“ einend wirken. Hierbei ist unter anderem das Lebensbundprinzip zu nennen, welches Menschen explizit verpflichtet nach dem Eintritt in eine Verbindung auf Lebenslänge Teil dieser zu bleiben. Dies ist zumeist nicht explizit in Regelwerken festgeschrieben, sondern funktioniert über soziale Regularien. So wird beispielsweise argumentiert, dass sich Menschen, welche so massiv von den sog. „alten Herren“ unterstützt worden sind, nicht einfach aus der Verantwortung ziehen könnten, indem sie die Verbindung oder den Corps verließen. Darüber hinaus ist das hierarchische Weltbild der vielen Verbinder*innen zu kritisieren. Die Manifestierung von sozialer Ungleichheit und antifeministischem Gedankengut bringt neben dem Widerspruch zur Emanzipation auch die Glaubwürdigkeit dieser Organisationen immer weiter ins Wanken. Dieses sexistisch-patriarchale Weltbild, wird zum Teil selbst in rein weiblichen Studentinnenverbindungen vertreten.

Was wir dagegen tun können!

Der Unvereinbarkeitsbeschluss des Parteivorstandes ist ein Ansatz, nur leider nicht weitgehend genug. Menschen, die Verbindungen oder studentischen Corps angehören, verbreiten ihr Gedankengut immer noch und sehr offensiv, auch in Teilen unseres Verbandes. Dies lehnt sich gegen das von uns vertretene Weltbild als ein emanzipativer Verband auf. Der Freiheitsbegriff, den Burschenschaftler und Verbinder*innen teilen, ist nicht mit dem unseren unter einen Hut zu bringen. Darüber hinaus spiegelt sich dieses Gedankengut auch in den von ihnen gewählten Kleidungsstücken wieder.

Aus diesem Grund wollen wir jede Symbolik, die dieses Weltbild verkörpern aus allen studentischen Gremien, in denen wir uns engagieren, verbannen. Außerdem ist es wichtig aufklärerische Arbeit zu leisten, um den rechten Demagog*innen nicht die Deutungshoheit zu überlassen. Wir stellen deshalb folgende Forderungen:

  1. Die Juso-Hochschulgruppen setzen sich mit Nachdruck dafür ein, dass auf dem Campus, in Hochschulgebäuden und in Gremien sowie bei Veranstaltungen, der studentischen bzw. akademischen Selbstverwaltung keine Symbole, Abzeichen oder Kleidung von Burschenschaften oder anderen Korporationen getragen werden dürfen. Dies betrifft z.B. den "Wichs", die Kneipmütze, die Kneipjacke, den Zipfelhut oder aber die sog. Coleur.
  2. Wir Juso-Hochschulgruppen beteiligen uns aktiv an der Aufklärung über das Gedankengut und die Strukturen von Burschenschaften und studentischen Verbindungen. Hierbei ist auf Differenziertheit zu achten. Dafür wird Informationsmaterial zur Verfügung gestellt. Bereits auf Ersti-Veranstaltungen klären wir über Burschenschaften auf. Weiterhin soll geprüft werden, inwiefern ein Austausch über lokale Burschenschaften und Verbindungen möglich sein kann. Dem Anwerben von Student*innen bei der sogenannten „Fuchsjagd“ und über irreführende WG-Angebote muss durch umfassende Aufklärungsarbeit und Gegenaktionen entschieden entgegen getreten werden. Student*innen, die ihr Studium gerade beginnen und sich auf der oftmals schwierigen Suche nach bezahlbarem Wohnraum befinden, müssen über Burschenschaften, die über diesen perfiden Weg neue Mitglieder gewinnen möchten, frühestmöglich aufgeklärt werden.
  3. Mit Nachdruck setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass eine Unvereinbarkeit mit studentischen Verbindungen und Burschenschaften abseits der "Deutschen Burschenschaft" und unserem Verband sowie der SPD umgesetzt wird.

 

 

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