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Meine Bildung ist was wert – Egal was ihr mir sagt.

Menschen, welche nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sind bereits in den meisten Fällen benachteiligt. So auch in der Bildung. Verfahren, wie beispielsweise uni-assist e.V. machen den Hochschulzugang für Menschen, welche ihr Abitur oder vergleichbare Leistungen im Ausland abgelegt haben um ein vielfaches schwerer. Neben den monetären Sonderbelastungen für Menschen mit nicht-deutscher Hochschulzugangsberechtigung, wird außerdem in vielen Fällen die Zeit, welche aufgebracht werden muss, um alle Zeugnisse übersetzen zu lassen, um diese letztendlich einzureichen, zum Verhängnis.

Dieses Problem stellt sich allerdings auch an Hochschulen, welche nicht uni-assist e.V. angehören. Menschen, die ihren Abschluss nicht in Deutschland erbracht haben und somit am normalen Bewerbungsverfahren der Hochschule teilnehmen, müssen zumeist strukturellen Benachteiligungen entgegentreten. So werden auch hier Gebühren für die Übersetzungen der jeweiligen Leistungsnachweise benötigt oder aber Zertifikate als nicht ausreichend anerkannt.

Insbesondere besteht diese Problematik bei nicht-deutschen Bachelorabschlüssen. So studiert mensch beispielsweise für diverse Jahre an einer nicht-europäischen Hochschule, um dann nach Deutschland zurückzukehren und von vorne anfangen zu dürfen. Die Masterstudiengänge, welche an den meisten Hochschulen bereits eine sehr hohe Einsteiger*innenhürden für deutsche Studierende haben, machen es Menschen, die ihren Abschluss im Nicht-EU-Ausland erbracht haben, unmöglich ihre Studien innerhalb der Bundesrepublik Deutschland weiterzuführen.

Zu 1.)

Bei dem sogenannten Verein „uni-assist“ handelt es sich um eine Form des Outsourcings von hochschulinterner Verantwortung. Menschen, die nicht im Bildungsinland ihre allgemeine oder fachbezogene Hochschulberechtigung erworben haben, werden von den knapp 100 Unis, welche sich an „uni-assist“ beteiligen, dazu gezwungen sich bei diesem*dieser externen Partner*in auf einen Studienplatz zu bewerben. Hierfür fallen zum einen Gebühren an, welche „uni-assist“ für die Übersetzung der benötigten Dokumente, als auch für Verwaltungstätigkeiten kassiert. Daneben beginnt mit der Bewerbung bei „uni-assist“ der Eintritt in einen „Jungle of bureaucracy“ – welcher aufgrund sprachlicher Hürden, neben dem bei Beginn eines Hochschulstudiums so oder so bereits dazukommenden Stress, zumeist nur schwer zu ertragen ist und der Grund für tieferliegende psychische Folgen sein kann. Die Auswahl erfolgt dann auch über diese*n sog. Partner*in der Hochschule.

Hierbei werden somit hochschulinterne Pflichten an eine*n dritte*n Dienstleister*in abgegeben. Neben den Gebühren für Verwaltungstätigkeiten, welche ursprünglich von der Hochschule zu begleichen waren, ist es nicht tragbar, dass zusätzliche monetäre Belastungen durch die Übersetzung von Dokumenten entstehen. Die Auswahl der Student*innen darf darüber hinaus nicht in der Hand Dritter liegen. Diese Art der vielschichtigen strukturellen Benachteiligungen ist in Deutschland leider noch gute Praxis. Dies kann und darf nicht sein!

Zu 2.)

Bildung ist Bildung. Das deutsche Schulsystem hängt seit Jahrzenten seinem elitären Anspruch hinterher und ist weiterhin ein Hort der Reproduktion von sozialen Ungleichheiten. Der Weg der Besserung soll allerdings beschritten werden, unter anderem durch die Verlängerung von Präsenzzeiten, aber auch durch die Einführung der Gesamtschulen in vielen Rot-Grün regierten Bundesländern.

Wer in Deutschland sein Abitur macht ist, so die Aussage von PISA, nicht zwangsläufig besser, beziehungsweise im direkten Vergleich zu vielen anderen Nationen sogar um einiges schlechter, als jemand der seine allgemeine Hochschulberechtigung im „Bildungsausland“ erwirbt.

Hieraus ergibt sich die Frage, ob eine strukturelle Diskriminierung von ausländischen Schüler*innen, welche in Deutschland die Universitäten besuchen wollen, überhaupt gerechtfertigt ist, bzw. gerechtfertigt sein darf?

Die einfache Abschaffung von „uni-assist“ ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nur leider legen wir jungen, motivierten Menschen, die aus dem „Bildungsausland“ zu uns kommen, noch weitere Hürden in den Weg. So ist auch die Teilnahme an dem normalen Bewerbungsverfahren an deutschen Hochschulen keineswegs gerecht. Auch die Übersetzung von Zugangsberechtigungen und die Anerkennung dieser ist mit hohem monetären Aufwand, sowie viel aufgewendeter Zeit im komplizierten Wirr-Warr der deutschen Bürokratie verbunden. Dies ist zum einen abschreckend, zum anderen für viele Menschen gar nicht machbar.

Aus diesem Grund kann der nächste Schritt in Richtung Chancengleichheit nur sein, dass universitäre Stellen eingerichtet werden, welche sich auf die Übersetzung und allumfassende Anerkennung von Dokumenten ausländischer Student*innen konzentrieren. Dies umfasst unter anderem auch, dass für geflüchtete Menschen die Anerkennung vereinfacht wird und nicht nur Dokumente auf Papier, sondern auch in elektronischer Form eingereicht werden können.

Zu 3.)

Masterstudent*innen betreffen die ersten beiden Punkte genau so diskriminierend, wie Menschen die wegen der Bachelorstudiengänge nach Deutschland kommen. So verlangt beispielsweise die IHK in Niedersachsen 200 – 300€, je nach Umfang der zu übersetzenden und anzuerkennenden Dokumente, von den jeweiligen Student*innen. Diese Zahlen beziehen sich wohlgemerkt auf eine einfache Ausfertigung.

Doch selbst wenn mensch die Hürden auf sich genommen hat, so garantiert dies noch nicht, dass mensch in ein Studium aufgenommen wird. So bekommt man nach der Partizipation an einem regulären Verfahren eine Absage mit der Begründung, dass kein einziger Kurs, den mensch im Ausland absolviert hat anerkannt wird und das obwohl die Curricula und Kursbeschreibungen zu 95% gleich sind. So werden beispielsweise auch Doktorarbeiten, welche im außereuropäischen Ausland angefertigt werden, schlichtweg als nutzlos für den Erwerb eines deutschen Bildungsabschlusses bezeichnet und die viele Zeit und Mühe, welche in diesen Arbeiten steckte, verpufft wie heiße Luft.

Das kann und darf nicht der Maßstab sein. Menschen, welche im nicht-europäischen Ausland ihren Bachelor- oder einen vergleichbaren Abschluss gemacht haben, lernten nur graduell unterschiedlichen Lernstoff. Aus diesem Grund darf es nicht sein, dass monetäre Hürden künstlich aufgebaut werden und noch viel weniger kann es angehen, dass diesen Menschen ein Masterstudium verwehrt bleibt und sie stattdessen mit einem Bachelor wieder anfangen müssen.

Das hat nichts von Gerechtigkeit und muss schnellstmöglich geändert werden. Bildung ist und bleibt Menschenrecht, egal auf welchem Teil der Erde der Zufall mensch geboren hat.

Aus diesem Grund fordern wir:

  1. uni-assist e.V. endlich das Handwerk legen. Wir bestärken die bereits mehrfach artikulierte Forderung der Juso-Hochschulgruppen, dass alle Hochschulen endlich aus uni-assist e.V. austreten und diese Vereinigung somit obsolet machen. Der Abbau struktureller Diskriminierung steht hierbei im Vordergrund.
  2. Hochschulzugangsberechtigungen müssen anerkannt werden, ganz egal aus welchem Land.
  3. Masterzugänge gerecht gestalten. Der Master ist unter anderem der Weg in die Forschung. Es sollte auch hierbei ganz egal sein, in welchem Land mensch den Bachelor oder Studienabschluss absolviert hat. Die vollumfängliche Anerkennung ist hierbei entscheidend. Anstatt der von uni-assist e.V. angebotenen Leistungen fordern wir von jeder Hochschule Angebote, mit welchen die Zeugnisse kostenfrei für Studierende übersetzt werden. Sowie Bereitstellung aller Dokumente und Formulare zumindest in englischer Sprache.

Denn Bildung, egal in welchem Teil dieser Erde sie erworben wurde, ist immer mit harter Arbeit verbunden. Wir sind der Verband, der diese Arbeit wertschätzt und den Menschen, die sich bereits vertieft haben, die Möglichkeit geben, ihre Arbeit weltweit fortzusetzen.

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