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Alerta, Antifascista Alerta, Feminista!

Wir Juso-Hochschulgruppen haben in unserer Verbandsarbeit neben dem Sozialismus und Internationalismus zwei Grundpfeiler, die für uns unabdingbar sind – Feminismus und Antifaschismus. Doch wie gehören diese zwei letztgenannten Grundpfeiler eigentlich zusammen und vor allem: Wie denken wir sie zusammen?
An der antifaschistischen Praxis wird oft kritisiert, sie setze sich nicht ausreichend mit den geschlechterspezifischen Dimensionen der eigenen Arbeit und den feministischen Perspektiven auf die radikale Rechte auseinander. Dieser Antrag soll dabei helfen, diese Perspektiven zu beleuchten – vor allem auch aus unserer Sicht als Juso-Hochschulgruppen vor Ort heraus, um daraus Handlungspflichten abzuleiten.

Wir Juso-Hochschulgruppen setzen uns mit all unserer Kraft gegen rechtes Gedankengut in der Gesellschaft ein. Gerade im Alltag der Hochschulgruppen vor Ort lässt sich immer wieder erkennen, dass Rassismus nicht das Problem eines „rechten Randes“ – also einer kleinen Minderheit – ist, sondern dass Rassismus in der Mitte der Gesellschaft sitzt. Das erleben wir auch im Hochschulalltag in unterschiedlichsten Formen oft genug. Sei es in Form rechter Professor*innen oder Verbindungen, oder aber auch in Form von AfD-Hochschulgruppen und der Identitären Bewegung, die sich auch durch ihr Auftreten bewusst von typischen rechten Klischees abgrenzen wollen, um so auf mehr Akzeptanz stoßen zu können. Gegen diese Erscheinungen des Rassismus kämpfen wir. Doch wir tun dies nicht allein, sondern gemeinsam mit lokalen Initiativen und anderen antifaschistischen Akteur*innen. Dazu zählen auch antifaschistische und autonome Gruppen, oft auch „Antifa“ genannt.

Der Begriff Antifa ist dabei nicht eindeutig eingrenzbar. Besonders in der Außenwahrnehmung wird Antifa oft mit brennenden Autos und geworfenen Steinen gleichgesetzt – wie es auch in der oftmals verkürzten Berichterstattung zum G20-Gipfel in Hamburg häufig der Fall war. Diese verkürzte und verzerrte Sichtweise lässt sich wahrscheinlich auf diverse Gründe zurückführen. Einer der Gründe ist oftmals aber auch ein fehlendes Verständnis. Dabei ist zunächst einmal festzuhalten, dass es nicht die eine Antifa gibt – ein einheitliches Bild lässt sich schlicht nicht feststellen. Nichtsdestotrotz verbindet die verschiedensten sogenannten Antifa-Gruppen eine gemeinsame Geschichte, auf die hier kurz eingegangen werden soll.

Ein kurzer historischer Abriss der Antifaschistischen Bewegung

Der Ruf „Alerta, Alerta, Antifascista“ zeigt bereits den italienischen Ursprung der antifaschistischen Bewegung auf – In den 1920er Jahren wurden die Gegner*innen Mussolinis als Antifaschist*innen bezeichnet. Zur gleichen Zeit bildeten sich in Deutschland bereits antifaschistische Einheitsfrontbewegungen heraus, die 1932 in der Antifaschistischen Aktion mündeten. Der Unterschied zwischen den beiden Bewegungen war der, dass die Einheitsfrontbewegung stets eine teils starre Trennung zwischen KPD und SPD vorsah, während die Antifaschistische Aktion endlich beide Lager miteinander vereinen wollte. Auf dem Reichseinheitskongress der verschiedenen antifaschistischen Komitees wurde zum ersten Mal das Emblem der Aktion bekanntgegeben: zwei von rechts nach links wehende rote Fahnen in einem roten Kreis, wobei die beiden roten Fahnen für KPD und SPD standen; der Kreis für einen Rettungsring. Die Anfangszeit der Antifaschistischen Aktion wurde von dem KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann wie folgt beschrieben: “Die Antifaschistische Aktion, die wir vor ungefähr zwei Monaten in Deutschland eingeleitet haben, war zweifelslos der Schlüssel für die neuen größeren Erfolge [...]. Doch muss man auch sagen, dass die Arbeit der Antifaschistischen Aktion gewisse Grenzen hatte. Die Antifaschistische Aktion war zu viel gelenkt auf Demonstrationen, auf Konferenzen, auf die Offensive gegen den Naziterror, was zweifellos eine gute revolutionäre Seite hat; aber die Antifaschistische Aktion war zu wenig orientiert auf die strategische Arbeit in den Betrieben und an den Stempelstellen.“[1]. Darüber hinaus gab es nach wie vor große Differenzen zwischen SPD und KPD, die erst 1935 ernsthaft versucht wurden zu überwinden. Doch dort arbeitete die Parteiführung bereits aus dem Exil heraus und die Antifaschistische Aktion war wie andere Arbeiter*innenbewegungen unter dem Nationalsozialismus de facto zerschlagen. Nationalsozialismus und Shoah bedeuteten einen Bruch, nachdem alles unveränderlich anders war. Die absolute Niederlage gegen den Nationalsozialismus. Die Idee einer Einheitsfront gegen den Faschismus lebt jedoch weiter.

Die Antifa veränderte sich in den kommenden Jahren besonders auch durch eine intensive Theoriearbeit stets weiter. Dazu beigetragen hat auch die Außerparlamentarische Opposition (APO). Durch ihren Bruch mit der Täter*innengeneration konnte sich so eine neue Art der antifaschistischen Arbeit entwickeln, die bis heute für viele sogenannte Antifa-Gruppen stilbildend ist. Damals wurde bereits auf breite Bündnisse und vertieft auf Pressearbeit gesetzt, sowie die systematische Recherchearbeit zum Aufdecken von rechten Strukturen. Autonome antifaschistische Gruppen wollten dies jedoch erweitern und verändern, indem sie der antifaschistischen Politik eine revolutionäre Ausrichtung geben wollten. Dies inkludierte auch militante Praktiken, die jedoch auch von Teilen der radikalen Linken stets hinterfragt wurden[2]. Eine weitere Zäsur antifaschistischer Praxis stelle die deutsche Wiedervereinigung dar, war dies wohl auch die Renaissance eines deutschen Nationalismus. In der autonomen antifaschistischen Bewegung herrschte während dieser Zeit auch Entsetzen über die neue Qualität rechter Gewalt, wie z.B. in Folge der Gräueltaten in Rostock-Lichtenhagen. Zu dieser Zeit wurden enorm viele sogenannte Antifa-Gruppen in der gesamten Bundesrepublik gegründet. Gleichzeitig bildete die deutsche Einheit auch die Grundlage für die Bildung von antideutschen Gruppen. Dies führte langsam zu einer Ausdifferenzierung der antifaschistischen Bewegung, die vor allem seit den 2000er Jahren von besonderer Bedeutung ist. Relevant dafür sind verschiedene historische Ereignisse wie der 11. September 2001, der sich daran anschließende „Krieg gegen den Terror“ und auch der Nahostkonflikt im Zuge der zweiten Intifada. Kritik wurde laut, dass der Ansatzpunkt Antifaschismus alleine als Reaktion auf aktuelle politisches Entwicklungen nicht ausreiche. Über diese Fülle an Diskussionen ging auch der gemeinsame Rahmen der Diskussion und Organisierung verschiedener Gruppen langsam verloren und es bildeten sich mehrere Strömungen heraus.

So zeigt sich gerade durch diese Geschichte der antifaschistischen Bewegung, dass diese nicht auf das verzerrte Bild, das ihr oft zugeschrieben wird, reduziert werden kann. Dies würde dieser Geschichte nicht einmal annähernd gerecht werden.

Feministischer Antifaschismus - Die Fantifa

Als Reaktion auf die eben genannte teils verpasste Anpassung an neue politische Entwicklung bildete sich Ender der 1980er/Anfang der 1990er-Jahre die Fantifa heraus. Dies waren „Frauen*-Antifa Gruppen“, bzw. „feministische Antifa-Gruppen“, die sich teilweise auch bundesweit vernetzten. In den 1990er-Jahren fanden insgesamt mehr als ein Dutzend bundesweiter Vernetzungstreffen statt und zwischenzeitlich existierten 25 eigenständige Gruppen. Eine direkte Zusammenarbeit mit der „Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation“ (AA/BO) gab es jedoch nicht. Die Fantifa setzte sich auf unterschiedliche Weise mit dem Feminismus auseinander: Zum einen wurde die feministische Auseinandersetzung mit der Antifa selbst gesucht, zum anderen wurde eine feministische Antifaschismusanalyse gesucht. Im letzteren Teil wurde ein besonderer Blick auf Frauen[3] im Nationalsozialismus geworfen. Es ging dabei auch darum, Frauen im Nationalsozialismus als (Mit-)Täterinnen und nicht nur als Mitläuferinnen zu betrachten. Abgesehen davon befassten sich die Fantifa-Gruppen auch mit der Schnittstelle von verschiedenen Formen der Unterdrückung. Die Arbeit der Fantifa-Gruppen sollte darüber hinaus geprägt sein von der Loslösung des Leistungsdrucks und von Vertrauen. Dies zeigt sich auch daran, dass die Fantifa-Bewegung einen eigenen Schutzraum abseits der oftmals männlich dominierten und sexistischen antifaschistischen Strukturen schufen. Bei Fantifa-Gruppen werden Feminismus und Antifaschismus zusammen gedacht, um eine alternative antifaschistische Praxis zu entwickeln. Dazu gehört auch das Erproben neuer Aktionsformen gegen Nazis. Dies zeigt sich beispielsweise durch „FrauenLesben-Blöcke“ auf Demonstrationen. Manche Fantifa-Gruppen lehnten die Zusammenarbeit mit gemischt-geschlechtlichen Gruppen und Zusammenhängen komplett ab. Ende der 1990er-Jahre flaute die Organisationsform der Fantifa jedoch wieder ab. Nichtsdestotrotz bestehen bis heute einzelne Fantifa-Gruppen.

Mangelnde feministische Perspektive auf die Neue Rechte

Wie eben bereits beschrieben, hat die Fantifa-Bewegung wichtige feministische Kritik geäußert. Eine davon ist die mangelnde feministische Perspektive auf rechte Bewegungen. Diese Kritik hat sich über die Jahre hinweg natürlich verändert. Zunächst einmal ist es für uns dafür relevant, uns mit einer feministischen Perspektive auf die Neue Rechte auseinanderzusetzen.

Antifeminismus innerhalb der Rechten

Der Antifeminismus war schon immer stark innerhalb rechter Gruppierungen, doch entdeckt er in den letzten Jahren einen wahren Aufschwung. Das Besondere an diesem Aufschwung ist, dass die rechten Gruppierungen mit antifeministischen Inhalten tief in die Gesellschaft hineinwirken können und sich so neue Synergien entwickeln.

Innerhalb der Neuen Rechten gibt es wiederum verschiedene Organisationen, die ihren Antifeminismus offen kundtun. Dies zeigt sich beispielsweise bei dem Bündnis der „Besorgten Eltern“ und der damit zusammenhängenden „Demo für Alle“. Erstgenanntes Bündnis gründete sich 2014 und geht bundesweit gegen aufgeklärten Sexualkundeunterricht auf die Straßen. Unterstützung finden die Anliegen der Bündnisse dabei von prominenten Vertreter*innen der Neuen Rechten, die auch auf den Kundgebungen anzutreffen waren, wie Beatrix von Storch, Europaparlamentsabgeordnete der AfD und von Anfang an Unterstützerin der „Demo für Alle“, und Jürgen Elsässer, Herausgeber des rechten compact-Magazins. Die Bündnisse arbeiten dabei mit dem zunächst harmlos erscheinenden Vorwand der Sorge um ihre Kinder. Dabei versteckt sich hinter der Fassade ein Kampf gegen Diversität, aufgeklärten Sexualkundeunterricht und damit auch gegen Selbstbestimmtheit. Gleichzeitig wenden sie sich mit ihrem antiquiertem Familien- und Rollenbild gegen die Gleichberechtigung von Frauen* und gegen LGBTTIQA*. Für ihre Appelle an die Öffentlichkeit machen sie sich einer Sprache zunutze, die auch ihre inhaltliche Nähe zur Neuen Rechten noch einmal ganz besonders deutlich macht. In Ihrem Leitbild und ihren Informationsbroschüren benutzen sie immer wieder Begriffe wie „Genderismus“, „Gender-Ideologie“, und „Massenmedien“ oder „Systempresse“. Dieser zunächst harmlos wirkende Antifeminismus schafft es somit in die Mitte der Gesellschaft hineinzuwirken. Das lässt sich zunächst einmal an der Gründung immer weiterer regionaler Gruppen der „Besorgten Eltern“ betrachten. Besonders verheerende Ausmaße nimmt dies jedoch an, wenn man die Verknüpfungen zu den Inhalten anderer rechter Akteur*innen, wie beispielsweise der AfD, betrachtet.

Die AfD zählt zu ihrer Programmatik ebenfalls antifeministische Thesen. Ein zentraler Aspekt der Programmatik der AfD war und ist stets die Familienpolitik. Die Maßnahmen, die die AfD dabei anstrebt, sind stets auf eine starke staatliche Kontrolle ihres eigenen Familienkonzepts – der Versorgerehe – ausgerichtet. An anderen Stellen hingegen – nämlich dann, wenn es um Gleichstellungsmaßnahmen geht – wird staatliche Hilfe jedoch strikt abgelehnt. Dies lässt sich auch an weiteren Beispielen feststellen. Eine besonders starke Ablehnung zeigt die AfD auch gegenüber gleichstellungspolitischen Maßnahmen wie der Frauen*quote. Für diesen Hass steht auch immer wieder die Junge Alternative, die diesen bei Aktionen wie „#bockaufleistung statt #bockaufquote“ und „Ich bin keine Feministin, weil...“ auslebt.

Dabei lässt sich auch beobachten, dass sich die AfD hier mit diversen liberalen und konservativen Positionen zusammenfindet. Auch der RCDS startet immer wieder Kampagnen, die gegen gleichstellungspolitische Errungenschaften gerichtet sind. Dabei arbeiten sie zusammen mit Birgit Kelle, die sich ebenfalls bei der „Demo für Alle“ engagiert und enge Kontakte zu Beatrix von Storch und Hedwig von Beverfoerde (Mitinitiatorin der „Demo für Alle“) pflegt. Kelle veröffentlicht darüber hinaus in der „Jungen Freiheit“, die als „Bindeglied und Scharnier zwischen Rechtsextremen und Rechten“ bezeichnet werden könnte, sowie im „Kopp-Verlag“, der wegen seiner rechten Verschwörungstheorien bei Rechten sehr beliebt ist.

Ein weiterer Organisationsverbund, dessen Feindbild „der Feminismus“ ist, ist der der sogenannten Männerrechtler. Eine typische Argumentationsstruktur dieser selbsternannter Männerrechtler ist, dass die Gleichberechtigung bereits viel zu weit gegangen ist und nun Männer die Verlierer seien. Letztgenannte Behauptung ist dabei natürlich sexistisch aufgeladen, denn oft wird auch argumentiert, dass Männer aufgrund gleichstellungspolitischer Maßnahmen beispielsweise verweichlichen – sie somit also eine Eigenschaft annehmen würden, die häufig Frauen* zugeschrieben wird. Darüber hinaus behaupten Mänerrechtler immer wieder, dass Männer durch gleichstellungspolitische Maßnahmen beispielsweise im Beruf benachteiligt würden. Dabei ignorieren sie selbstverständlich komplett, dass es männliche Privilegien gibt. Diese Weigerung, männliche Privilegien aufzugeben oder auch nur deren Existenz zuzugeben, verbindet viele antifeministische Maßnahmenvorschläge und sie gibt der AfD somit eine Plattform für Antifeminist*innen und sogenannten Männerrechtlern.

Doch nicht nur die AfD bildet dafür eine Plattform. Im August 2017 gründeten sich die Gruppierung „Liberale Männer in der FDP“, eine Männerorganisation innerhalb der FDP. In ihrem Grundsatzprogramm werden Frauen*quoten abgelehnt, eine Männerquote an einer anderen Stelle aber explizit gefordert. Für die „Liberalen Männer in der FDP“ sind Männer durch gleichstellungspolitische Maßnahmen mittlerweile die wahren Diskriminierten.

Diese Strategie, weiße Männer als Opfer des Feminismus darzustellen, ist nicht neu. Sie inkorporiert darüber hinaus Sichtweisen, wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, „Männer und Frauen sind eben unterschiedlich bis hin zu „Vergewaltigungsvorwürfe werden nur vorgebracht, um Männern zu schaden“. Das Benutzen geschlechtersensibler Sprache wird als Beschränkung der persönlichen Freiheit gesehen. Diese Sichtweise teilt auch eine andere Gruppe rechter Akteur*innen – die sogenannten Maskulisten.

Maskulisten sind überzeugt davon, dass die „Diktatur des Genderimus“ Männer systematisch unterdrücke. Entstanden ist diese Bewegung in den späten 1960er Jahren in den USA.[4] Hintergrund der Entstehung waren Väter, die sich beim Sorge- und Scheidungsrecht benachteiligt fühlten. In den Siebzigerjahren schwappte die Bewegung auch nach Deutschland. Sie organisieren sich mittlerweile vor allem im Internet und finden Austausch und Zuspruch in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Ein Beispiel hierfür ist die Seite „Wikimannia“. Anders als bei „Wikipedia“ können hier nicht alle frei mitschreiben, auch um das Ziel zu verwirklichen, Gegner*innen des Antifeminismus mit falschen Unterstellungen, Lügen und Beschimpfungen zu diskreditieren. Dabei entzieht sich „Wikimannia“ bewusst der deutschen Rechtsprechung. So gibt es keine Personen, die sich mit ihrem Klarnamen für die Seite verantwortlich machen und somit für ihre Äußerungen zur Rechenschaft gezogen werden könnten.

Eine weitere Akeuterin der Neuen Rechten stellt die sogenannte Identitäre Bewegung dar. Diese stellen, auch in Abgrenzung des Klischees vom Nazi mit Glatze und Springerstiefeln, gerade in ihrer Social Media Arbeit junge Frauen in den Vordergrund. So wird einerseits der von ihnen gelebte Rassismus und Antifeminismus als Wolf im Schafspelz getarnt. Andererseits werden Ziele, die sich gegen Gleichstellung stellen, von dort aktiven Frauen repliziert und dadurch als akzeptabel kommuniziert, da auch Frauen diese Forderungen äußern.

Auch wenn nicht alle der antifeministischen Akteur*innen als explizit rechts zu bezeichnen sind, zeigt sich doch, wie der Antifeminismus, der eindeutig auch von rechts ausgeht, tief in die Gesellschaft hineinwirkt. Ganz besonders die Alternative für Deutschland ist dabei zentrale Akteurin. Sie greift die verschiedenen antifeministischen Thesen auf und macht daraus realpolitische Forderungen. Abgesehen davon kämpft die AfD über und mit dem Antifeminismus um Deutungsmacht – sie versuchen ganz gezielt, Begriffe wie Gender und Feminismus negativ zu besetzen; und werden auch dabei beispielsweise vom RCDS unterstützt, denn der RCDS benutzt für ihre Kampagnen gegen Gender Mainstreaming und feministische Positionen immer wieder den Hashtag „#GENDERGAGA“ Dies befördert damit auch einen Normalisierungsprozess der Neuen Rechten, dem wir mit aller Kraft entgegenwirken müssen.

Mangelndes Auseinandersetzen der antifaschistischer Gruppen mit diesem Antifeminismus

Obwohl es, wie wir feststellen, gute Gründe gibt, Feminismus als eine zentrale Strategie gegen Rechts zu manifestieren, tun sich fast alle schwer damit. In den letzten Jahren stieg zwar die Bereitwilligkeit antifaschistischer Gruppen sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen an. Dies zeigen beispielsweise Schwerpunkte und Artikel des „Antifaschistischen Infoblatts“, aber auch andere Publikationen. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor strukturelle Probleme, die das Auseinandersetzen mit diesen Themen in vielen Gruppen vor Ort beschränkt. Ein Faktor dafür ist auch, dass es einige antifaschistische Gruppierungen gibt, deren Schwerpunkt die praktische Arbeit und weniger die theoretische ist. Dies wiederum führt zu unterschiedlichen Problemen. Zunächst einmal gibt es noch immer antifaschistische Gruppen, die Antifaschismus und Feminismus in keinster Weise zusammen denken, sondern dies als zwei voneinander separierte Felder betrachten. Das wahre Problem dahinter ist aber, dass bei einem strategischen Antifaschismus leichter geschlechtergerecht gekämpft werden, als bei einem rein praktischen Antifaschismus. Diese zwei Arten des Politikmachens stehen sich teils diametral entgegen. Doch auch darüber hinaus manifestiert sich ein Auseinanderklaffen von Anspruch und Realität in vielen antifaschistischen Gruppen: Mittlerweile sind viele Bündnis- und Aktionsaufrufe, beispielsweise gegen die AfD, mit einer Passage versehen, die erklären, dass es sich bei ihr um eine antifeministische Partei handle. Daraus folgt jedoch nicht als logische Konsequenz eine Verankerung feministischer Praktiken im eigenen Handeln. Dies hat diverse Gründe. Einer ist aber wohl der, den auch wir immer wieder identifizieren: Feminismus wird wie ein lästiger Nebenwiderspruch behandelt, der prinzipiell als unwichtigeres Thema Frauen* überlassen wird. Eine Stellvertreter*innenpolitik, wie sie ja sonst in antifaschistischen Strukturen zu finden ist, gibt es hier nicht.

Die geschlechterspezifische Dimension der Antifa-Arbeit

Eine andere Perspektive, die hier genauer betrachtet werden muss, ist die geschlechterspezifische Sichtweise auf antifaschistische Arbeit. Die Fantifa-Gruppen gründeten sich als Reaktion auf männlich dominierte und sexistische Strukturen bereits in den 1990er Jahren. Nach wie vor schreiben sich viele antifaschistische Strukturen Feminismus zwar in der Theorie auf die Fahne, doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier oft meilenweit auseinander.

Gerade auf Demonstrationen werden immer wieder archaische Geschlechterstereotype vom starken Mann, der draufhaut, reproduziert. Dies betrifft natürlich nicht alle Männer, doch dominieren oft die anderen das Bild der Demonstration. Immer wieder fallen auf Demonstrationen auch sexistische Demosprüche. Doch diese archaischen Geschlechterstereotype zeigen sich als Problem nicht nur auf Demonstrationen, sondern im gesamten antifaschistischem Alltag. Denn bereits im Vorfeld werden Frauen* bei Aktionen ausgeschlossen, weil sie nicht den Kriterien entsprechen, die von Männern für diese Aktion aufgestellt werden. Nur zu oft werden Frauen* lediglich als die gesehen, die beschützt werden müssen, was dazu führt, dass Frauen* in der Praxis ausgeschlossen werden.
Dies zeigt sich auch daran, dass oft genug Frauen* hinterm Tresen stehen, während Männer die wichtige und prestigeträchtige Bündnisarbeit machen. Allgemein lässt sich beobachten, dass Frauen* die Care-Arbeiten übernehmen, moderieren statt mitzudiskutieren und wie eben schon beschrieben auch von als gefährlich eingestuften Aktionen ausgeschlossen werden. Dies wird unterstützt durch die männlich dominierten Strukturen, die in viele Ebenen der Arbeit drängen: Die Raumgestaltung, die Themenwahl, Strategieüberlegungen, die vorrangig von Männern getroffen werden, die Freizeitgestaltung, die Zusammensetzung der Gruppen und natürlich das Redeverhalten.
Kritik an diesen bestehenden Praktiken zu äußern ist nach wie vor schwierig, denn auf diese Kritik wird meist ablehnend reagiert. Dies fußt auch darauf, dass viele diese Kritik nicht annehmen wollen, schließlich sind sie doch „die Guten“. Im schlimmsten Fall wird Kritik als „Nestbeschmutzung“ wahrgenommen. Dies erklärt zumindest in Ansätzen auch, warum es für Frauen* oft so schwer ist, Akzeptanz in diesen Kreisen und gleichzeitig auch in feministischen Kontexten zu finden. Denn beides erscheint traurigerweise oft widersprüchlich.

Unsere Forderungen

Bei antifaschistischer Arbeit geht es darum, Faschismus und rechte Strukturen zu bekämpfen und ihnen ein eigenes Verständnis einer diskriminierungsfreien Welt entgegenzusetzen. Zu dieser gehört für uns Juso-Hochschulgruppen Feminismus immer zentral dazu. Auch die antifaschistischen Gruppen und antifaschistische Arbeit hat daher aus dem Feminismus ihre Konsequenzen zu ziehen. Dafür setzen wir Juso-Hochschulgruppen uns in jedem Kontext des Antifaschismus und in unserer eigenen Bündnis- und antifaschistischen Arbeit ein:

Strukturelle Sicherheiten:

Es darf nicht um irgendwelche Zugeständnisse gehen, stattdessen müssen strukturelle Sicherheiten her. Dafür setzen wir uns in den Bündnissen ein, in denen wir uns engagieren. Dort fordern wir eine Redeleitung und eine quotierte Redeliste. Wir setzen uns ebenfalls dafür ein, dass Bündnisarbeit von uns feministisch geprägt wird. Wir sprechen Probleme laut und deutlich da an, wo sie sind. In unserer antifaschistischen Arbeit zeigen wir Sexismen auf, wo sie uns entgegentreten. Denn nur so kann eine Reflexion des Handelns anderer ermöglicht werden.

Empowerment:

Für uns Juso-Hochschulgruppen ist Empowerment zentral in unserem feministischen Handeln. Das Empowern von Frauen* zieht sich durch alle Bereiche unseres politischen Handelns, so auch durch unser antifaschistisches. Wir sind der Überzeugung, dass Empowerment eine der zentralen Strategien sein muss, um Männernetzwerke überall wirklich zu durchbrechen.

Raum für feministische Kämpfe schaffen:

Antifaschismus und Feminismus müssen gleichberechtigt zusammengedacht werden. Dazu muss auch in unserer antifaschistischen Arbeit immer Raum für Frauen* geschafft werden. Feminismus darf nicht nur als einfache Abgrenzung zur Rechten benutzt werden, die von einem Bündnis auf einen Flyer geklatscht wird. Feminismus muss immerzu mitgedacht werden. Die Hoheit über feministische Debatten muss dabei bei den Frauen* liegen.

Solidarität mit den Betroffenen von Antifeminismus:

Wir müssen uns immer wieder mit den Betroffenen von Antifeminismus solidarisieren und im gleichen Schritt Feminismus als Gegenanalyse publik machen. Und das überall: an den Hochschulen, in den sozialen Medien und im gesamten öffentlichen Raum.
Darüber hinaus zeigt sich auch, dass es ein riesiges Potenzial an Menschen gibt, die sich als feministisch verstehen und engagieren und somit um dieses Thema herum angesprochen und zusammengebracht werden. Mit einem Schulterschluss aus Feminismus und Antifaschismus können ganz neue Möglichkeiten im Kampf gegen Rechts gefunden werden.

Feminismus als Gegenanalyse:

Wir setzen uns dafür ein, dass die Stärke und Macht des Feminismus als Gegenanalyse zum Antifeminismus mehr Beachtung innerhalb der antifaschistischen Arbeit findet. Dies geschieht durch das gleichberechtigte Zusammendenken von Feminismus und Antifaschismus, aber auch durch das stetige Betonen unserer Positionen, beispielsweise in der Bündnisarbeit. Gerade in den Zeiten des fortwährenden Erstarkens der AfD müssen wir ihren reaktionären gesellschaftspolitischen und damit antifeministischen Themen einen starken Gegenpol entgegenstellen: Feminismus.

Alerta, Antifascista! Alerta, Feminista!



[1] Wimmer, Ruth/Wimmer, Walter: Kampf dem Faschismus – Thälmann 1929-1933, Urania-Verlag, Leipzig 1986, S. 285.

[2] vgl. Keller/Kögler/Krawinkel/Schlemermeyer, Antifa: Geschichte und Organisierung, Schmetterling Verlag, Stuttgart 2011, S. 71.

[3] An dieser Stelle wird nicht gegendert, da LGBTQI* im Nationalsozialismus qua Ideologie ausgeschlossen sind und gleichzeitig zu den historischen Opfergruppen des Nationalsozialismus gehören

[4] Antifeministische Männerbewegungen gab es auch schon vor dieser Gründung. So formierten sich antifeministische Organisationen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, um gegen das Frauen*wahlrecht und das Frauen*studium zu hetzen. Diese Bewegungen weisen dabei Parallelen zur Maskulistenbewegung auf.

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