Inhalt


Wider dem reaktionären Antifeminismus! Gender-Forschung und Gleichstellungsauftrag stärken

Kräfte, wie beispielsweise just die AfD in ihrem Wahlprogramm, proklamieren, dass Gender-Studies sich lediglich auf ideologische Thesen stütze und nicht als seriöse Forschung wahrgenommen werden sollte. So wird versucht ein Studiengang zu diskreditieren, der nicht in das verstaubte Weltbild passt.

Gender-Forschung stärken                                                                

Die Frauen*‐ und Geschlechterforschung sowie die Gender-Studies erforschen mit Fokus auf Geschlecht Fragen nach Entstehung und Veränderung von sozialen Kategorien und Ungleichheiten in den verschiedensten Kontexten. Sie beschäftigen sich u.a. mit historischen Fragen, da die vorherrschende Wissenschaft oft nur einseitig Geschichte und Leben von Männern* untersucht  und mit Perspektiven und Lebensweisen, die von der Gesellschaft sowie der Wissenschaft oft ausgelassen oder weniger betrachtet wurden, und tragen somit zu mehr Objektivität und Pluralität bei. Der „Ideologie“-Vorwurf richtet sich in diesem Zusammenhang gegen ein kritisches Verständnis von Wissenschaft im Allgemeinen. Gegner*innen der Gender-Forschung haben eine Vorstellung von Objektivität, gemäß welcher auf den “gesunden Menschenverstand” und somit auf ‚wissenschaftliche, unumstößliche‘ Erkenntnisse verwiesen wird. Oft wird in diesem Zusammenhang behauptet, Gender-Studies würden biologische Faktoren ausblenden und seien deshalb keine objektive Wissenschaft. Wissenschaft ist gemäß solcher Positionen nur dann zulässig, wenn sie naturwissenschaftlich oder empirisch argumentiert, widerlegt und scheinbar unveränderliche Wahrheiten und Fakten verkündet, wobei eine offensichtliche Betonung der biologischen Unterschiede zwischen Frauen* und Männern*, sowie eine Abgrenzung zu Inter*- und Trans*identität gewichtig ist. Aspekte, wie Kategorisierungen, Erziehung, Machtstrukturen oder soziale Bedingungen spielen demnach keine Rolle. Jedoch kann und darf weder der ‚gesunde Menschenverstand‘ noch wissenschaftliche Erkenntnisse als neutrale bzw. “objektive”  Grundlage für Kritik gelten, da diese meist durch vorherrschenden Überzeugungen beeinflusst sind. Sie definieren in ihrem vermeintlich “objektiven” Sinn , was wichtige oder unwichtige Forschung ist und richten ihre Vorstellungen dabei nicht nur gegen Gender-Studies, sondern überhaupt gegen kritische Geistes‐ und Sozialwissenschaften und mithin gegen die Forschungsfreiheit im Allgemeinen.

Wir dürfen Diskreditierungen keinen Platz lassen und müssen konsequent die Relevanz von Frauen*- und Geschlechterforschung regelmäßig betonen! Hochschule lebt nicht durch verstaubte Ansichten und Pauschalisierungen, sondern von Diversity - und das nicht nur in der Studierendenschaft, sondern auch im Bereich der Fächervielfalt.

Gleichstellungsauftrag? Machen wir mit links!

Der Gleichstellungsauftrag an Hochschulen, welcher sich um Gleichstellung und Gleichberechtigung an Hochschulen bemüht, ist nicht nur oft unbesetzt, sondern meist personell von Professor*innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen dominiert. Nicht selten herrscht in vielen Fakultäten eine veraltete Auffassung der Gleichstellung und somit eine Reduzierung des Begriffes auf die Aufgaben von Frauenförderungsmaßnahmen. Gleichstellung wird hier demnach im engeren Sinne gesehen, was jedoch nicht mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz vereinbar ist, da zum Begriff der Gleichstellung verschiedene Formen von Benachteiligungen gehören, die durch soziale Kategorisierungsprozesse hervorgerufen werden. Zu den für besonders relevant erachteten Kategorien gehören hierbei das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die sexuelle Identität sowie die ethnische, religiöse und kulturelle Herkunft sowie Behinderung.

Wir begreifen die Hochschule als einen Ort, an dem alle Mitglieder aufgefordert sind, Verschiedenheit offen zu begegnen, aber auch zu fördern. Die gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen verpflichtet uns, auf die Wichtigkeit der Forschungsfreiheit und vor allem der Pluralität zu verweisen und chauvinistische sowie degradierende Pauschalisierungen zu unterlassen.

Forderungen

Entschieden stellen wir uns deshalb gemeinsam gegen jegliche Form von Antifeminismus und Intoleranz. Deshalb fordern wir:

  • Wider den Forderungen der AfD muss Gender-Forschung gestärkt werden!
  • Mehr Professuren müssen bundesweit von Frauen* besetzt werden!
  • Die Genderforschung muss wider den Forderungen der AfD gestärkt werden. Professuren müssen bundesweit mit deutlich mehr Frauen* besetzt werden. Für uns ist klar, dass dafür eine feste Quote von 50% der richtiger Weg ist!
  • Die Diskreditierung von Studiengängen, wie Frauen*- und Geschlechterforschung sowie Gender Studies lehnen wir klar ab!
  • Wir bekennen uns zum Ansatz der kritischen Wissenschaft! Nur ein respektvolles Miteinander von wissenschaftlichen Ansätzen ist in diesem Zusammenhang zielführend! Auch kritische und interdisziplinäre Ansätze müssen respektiert werden!
  • Die Hochschulen müssen alle Formen von Diskriminierung sensibilisiert und aufgestellt sein und Anlaufstellen schaffen. Den oftmals jetzt schon überlasteten und unzureichend personell und materiell aufgestellten Gleichstellungsbeauftragen dürfen nicht noch mehr Aufgabengebiete aufgebürdet und damit Ressourcen für geschlechterspezifische Gleichstellungsarbeit eingeschränkt werden!
  • Damit Forschungsbereiche wie Gender-Studies ausgebaut werden können, ist eine ausreichende Grundfinanzierung von Hochschulen nötig Eine einseitige Finanzierung durch Drittmitteln oder Exzellenzinitiativen hindern eine diverse Forschungsarbeit.
  • Professor*innen und Mitarbeiter*innen an der Hochschule sollten für eine geschlechtergerechte Sprache sensibilisiert werden.

Klischeebesetzte Rollenbilder (beispielsweise bei Jura-Klausurfällen) sollten aus den Vorlesungen, Seminaren etc. verschwinden.

Zurück