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Schluss mit der Boomerang-Versicherung

Zu Beginn des Studiums beschäftigen sich nicht viele mit der Frage nach der Krankenkasse. Für die Meisten steht ohnehin fest, dass sie sich kostenlos über ihre Familie mitversichern lassen. Sollte aber das Alter von 25 Jahren während des Studiums erreicht werden, so ist eine Versicherung über die Familie nicht mehr möglich. Unter bestimmten Bedingungen wie einem Verdienst über 425 € (für Minijobber*innen 450€) monatlich ist bereits früher Schluss mit der Familienversicherung. Anschließend müssen sie sich über die studentische Krankenversicherung pflichtversichern lassen. Dieser Grundbetrag liegt bei 66,33€ monatlich –  zuzüglich Pflegeversicherungsbeitrag und Zusatzbeitrag der Krankenversicherung[1]. Dementsprechend sind dann ungefähr 80-90 € fällig. Sollte während des Studiums das 30. Lebensjahr oder das 14. Fachsemester vollendet sein, fällt der*die Studierende auch aus der studentischen Krankenversicherung heraus. Er*Sie muss sich nun freiwillig versichern lassen, was deutlich höhere Beiträge nach sich zieht. Nach einer ermäßigten Übergangsphase von 6 Monaten, muss dann der Tarif von etwa 140 € zuzüglich Pflegeversicherungsbeitrag und Krankenkassenbeitrag erbracht werden. Dies trifft einige Studierendengruppen doppelt. Für Studierende, die ein Staatsexamen anstreben, entfällt mit dem vollendeten 30. Lebensjahr das BAföG. Ebenso kann ein Studierender, der*die in der Wartezeit auf einen Studienplatz eine Ausbildung abgeschlossen hat dann ohne Unterhalt und BAföG dastehen, aber einen nicht ermäßigten Krankenkassenbeitrag zahlen müssen.

Da dies ein enorm hoher finanzieller Mehraufwand ist und jene bestraft, die beispielsweise über einen zweiten Bildungsweg zum Studium gelangen oder aufgrund von Pflege, Krankheit oder Arbeit länger studieren müssen führt das aktuelle System der Krankenversicherung so zu klaren Benachteiligungen. Außerdem fällt dieses System denjenigen zur Last, die freiwillig länger studieren – sei es aus Interesse am Studienfach oder anderen Gründen, wie zum Beispiel ehrenamtlichem Engagement. Wir Juso-Hochschulgruppen kämpfen aber für ein solidarisches Gesellschaftssystem mit einer gerechten Bildungspolitik. Für uns ist daher auch jeder Einzelfall bedeutend. Studieren sollte allen offenstehen und nicht von der Herkunft oder dem Geldbeutel abhängig sein. Alle sollen bis zum Ende ihres Studiums die Tarife der studentischen Krankenversicherung zahlen dürfen.

Für Kinder, deren Eltern privatversichert sind, wie oft bei Kindern von Beamt*innen, stellt sich aber auch zu Beginn des Studiums die Frage, ob überhaupt in die gesetzliche Krankenkasse gewechselt werden soll. Durch die staatlich bezuschusste Beihilfe für Privatversicherte im Beamtensystem, sieht diese zunächst meist attraktiver aus. Es gibt viele Krankenkassen, die mit günstig verlockenden Tarifen werben. Doch sollte ein Austritt aus der Solidargemeinschaft gut überlegt sein. Was zunächst also sehr verlockend aussieht entpuppt sich als wahrer Boomerang. Zunächst sollte beachtet werden, das mit dem 25. Lebensjahr die staatliche bezuschusste Beihilfe entfällt –  und die Kosten nun genauso hoch wie bei einer gesetzlichen Krankenversicherung sind. Außerdem ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse während des Studiums in der Regel nicht mehr möglich. Bedeutet also, dass nach dem 25. Lebensjahr nicht in die gesetzliche Krankenkasse gewechselt werden kann. Das jetzige System sieht vor, dass Studierende, die einmal einen Antrag auf Befreiung von der gesetzlichen Krankenkasse eingelegt haben, dies auch beibehalten müssen. Doch auch nach dem Studium ist der Wechsel nicht leicht. Ein Wechsel ist dann erst mit einer Festanstellung möglich. Sollte das Studium also beispielsweise aufgrund von Krankheit nicht abgeschlossen werden, nicht sofort ein Beruf gefunden werden oder die Selbstständigkeit angestrebt werden, kann dies viele finanzielle Fragen aufstoßen. Auch fallen, sobald die studentische Pflichtversicherung nicht mehr greift (s.o.), deutlich höhere und meist für Studierende unbezahlbare Tarife an. Eine private Versicherung stellt folglich ein hohes finanzielles Risiko dar, dennoch werden Studierende gerade zu Beginn zu wenig darüber informiert und lediglich mit günstigen Angeboten gelockt.

Wir Juso-Hochschulgruppen wollen eine Umstrukturierung und Reformierung des Krankenkassensystems[2], insbesondere im Bereich der Studierenden. Unser Ziel ist eine solidarische Bürger*innenversicherung für alle. So lange das nicht erreicht ist, fordern wir einen einfachen Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse während und nach Abschluss des Studiums. Wir fordern daher eine bessere Aufklärung und die Möglichkeit des Wechsels von der privaten zur gesetzlichen Versicherung während des Studiums ebenso wie direkt nach Abschluss des Studiums. Zudem fordern wir die Aufhebung der Alters- und Semestergrenze für die studentische Krankenversicherung. Unser Ziel ist die Bürger*innenversicherung, um das aktuelle Krankenkassensystem abzulösen und für eine gerechtere Gesundheitsversorgung zu sorgen.



[1] Diesen bestimmt jede Krankenkasse selbst

[2] Vgl. Beschluss „Für eine solidarische studentische Krankenversicherung!“ – BKT 17/1 in Berlin

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