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Fachhochschulen: Gute Bedingungen für alle schaffen!

Ein Drittel der 2,8 Millionen Studierenden in der Bundesrepublik ist mittlerweile an Fachhochschulen immatrikuliert. Ein gutes Studium für alle zu ermöglichen, heißt damit auch, dass gute Bedingungen an Fachhochschulen geschaffen werden müssen.

Eine geläufige Definition von Fachhochschulen lautet: FHn sind eine Hochschulform, die Lehre und Forschung mit anwendungsorientiertem Schwerpunkt auf wissenschaftlicher Grundlage betreiben. Die Realität zeigt jedoch: Es ist diverser. An vielen Fachhochschulen wird nicht nur anwendungsorientiert gelehrt und geforscht, sondern es werden auch zunehmend in hohem Maße Studiengänge angeboten, die es früher nur an Universitäten gab. Die klassische Einteilung von anwendungsorientierten Fachhochschulen und gesamtwissenschaftlichen Universitäten ist so auf dem ersten Blick nicht mehr gültig.Dieser Antrag soll das Verhältnis von Fachhochschulen und Universitäten beleuchten und unsere Forderungen für gute Rahmenbedingungen an Fachhochschulen aufzeigen.

Rolle der Fachhochschulen im Hochschul- und Wissenschaftssystem

Mit dem Abkommen der Länder zur Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Fachhochschulwesens vom 31. Oktober 1968 wurden die primären Aufgaben der Fachhochschulen festgelegt: Studierende sollen auf wissenschaftlichem Niveau praktisch und anwendungsorientiert ausgebildet werden, um später selbstständig zu einer beruflichen Tätigkeit befähigt zu sein. Die Fachhochschulen wurden also zunächst einerseits über ihre Lehraufgabe, andererseits über ihre Nähe zur Praxis definiert.

Dies muss in einem historischen Kontext betrachtet werden: In den 60ern Jahren wurde der sogenannte Bildungsnotstand von Wissenschaftler*innen ausgerufen. Kritisiert wurden die schlechten Bedingungen im Bildungswesen. Dies beförderte auch die Studierendenbewegung der 68er, die unter anderem ebenso die schlechte Studiensituation an den Hochschulen beklagte. Im Zuge dessen wurden unter der Regierung Brandt tiefgreifende Reformen durchgeführt: die Einführung des BAföGs und der Fachhochschulen als zweite Hochschulform, um der breiten Masse den Zugang zu akademischer Bildung zugänglicher zu machen.

Zum Zeitpunkt ihrer Gründung waren sie den Universitäten jedoch noch nicht rechtlich gleichgestellt. Dies wurde erst mit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes 1976 möglich. In Zuge dessen wurde die Freiheit von Lehre und Forschung immanenter Bestandteil ihres Arbeit. Sie erhielten auch das Recht zur akademischen Selbstverwaltung, das heißt, dass die Mitglieder der Hochschule im Rahmen der Gesetze selbst in Gremien über Anliegen der Hochschule entscheiden.

Trotz der Gleichstellung auf dem Papier bestehen weiterhin Unterschiede in der tatsächlichen Gleichstellung mit Universitäten. Nach wie vor verfügen Fachhochschulen über kein Promotionsrecht. Dies wird mit der traditionellen Stellung der FHn im Hochschul- und Wissenschaftssystem begründet. FHn sollen nach dem ursprünglichen Verständnis ihre Schwerpunkte auf die anwendungsbezogene Lehre setzen. Auf die Forschung sollte nach der damaligen Konzeption kein Schwerpunkt gelegt werden.

Seitdem hat sich jedoch viel geändert. Forschung an Fachhochschulen ist ebenso vertreten wie die Lehre, sie forschen in einigen Gebieten sogar mehr als Universitäten. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Fachhochschulen manche Forschungsbereiche abdecken, die es so nicht an Universitäten gibt. Die Umbenennungen der Fachhochschulen selbst verbildlichen diesen Wandel als selbstbewusste Säule des Hochschulsystems. Viele Fachhochschulen tragen seit einigen Jahren die Bezeichnung ,,Hochschule für angewandte Wissenschaften‘‘ oder (engl.) Universities of Applied Sciences. Dieser bewussten Selbstanschauung müssen wir Rechnung tragen. Die Begriffe Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften werden von uns nebeneinander verwendet.

Neben der konkreten Ausgestaltung der Forschung ergibt sich daher die Frage, was denn nun eine Fachhochschule von Universitäten unterscheide, wenn an beiden gleichermaßen gelehrt und sowohl anwendungsorientiert als auch in Grundlagenfragen geforscht wird. Denn auch Universitäten bieten aufgrund der wachsenden Nachfrage immer mehr anwendungsorientierte Lehre an.

Eine differenzierte Antwort muss sich hierbei an die funktionalen Handlungsperspektiven richten, ohne dass die Gleichberechtigung ausgehebelt wird. Unsere Antwort darauf lautet: Wir müssen kurzfristig Stärken nutzen und Entwicklungen langfristig sozial gestalten. Die eindeutigen Stärken der Fachhochschulen sind die anwendungsbezogene Lehre und die Praxisnähe. Dabei bildet sich innerhalb der Fachhochschulen ein Spektrum an Schwerpunktsetzungen, das es zu unterstützen gilt. Dafür müssen sie entsprechend ihres Profils gefördert werden. Die konkrete Ausgestaltung des Profils und des damit einhergehenden Curriculums einer HAW hängt vor allem auch mit ihrem Standort ab. Vielmehr noch als Universitäten, die zweifelsfrei auch von ihrer Umgebung geprägt werden, werden Fachhochschulen von ihrer Region geprägt und prägen diese ebenfalls mit eigenen Impulsen. Dies zeigt sich allein daran, dass auch in ländlichen Gebieten Fachhochschulen erfolgreich Studierende anwerben können.

Diese Vielfalt an Fachhochschulen lässt das Bild der rein anwendungsorientierten Fachhochschule nicht stehen. Eine eindeutige Zuteilung der Fachhochschule für bestimmte Schwerpunkte ist praktisch nicht mehr möglich. Wir müssen daher feststellen, dass sich Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften immer mehr angleichen. Vielmehr als die Frage nach Unterscheidungskriterien müssen wir daher also sorgen, dass an beiden Hochschularten gute Rahmenbedingungen für Studierende, Dozierende und Angestellte bestehen.

Internationalisierung und der Bologna-Prozess an Fachhochschulen

Der Bologna-Prozess erfasste auch die Fachhochschulen. Die Umsetzung lief vergleichsweise reibunglos ab, da das dortige Studium auch vor Bologna eher modularisiert war. Neben den bekannten Problematiken dieser Reform wie die Regelstudienzeiten, häufigere Prüfungsleistungen, Zeitknappheit und das allgemeine Ansteigen der psychischen Belastungen ergaben sich für Studierende an Fachhochschulen auch Vorteile. In der Abschlussbezeichnung muss das Kürzel ,,FH‘‘ nicht mehr gekennzeichnet werden. Für Arbeitgeber*innen ist es nicht mehr erkenntlich, ob ein*e Bewerber*in den Abschluss an einer Fachhochschule oder an einer Universität erworben hat. Davon profitieren Fachhochschulen und ihre Studierende, deren Abschlüsse lange nicht als gleichwertig zu Universtätsgraden angesehen wurden. Obwohl der Fachhochschulabschluss immer noch von vielen Arbeitgeber*innen als nachteilig empfunden wird, war dies ein guter Schritt, damit die Gleichwertigkeit von HAW und Universitäten gesellschaftlich voranzutreiben.

Bologna wurde zwar auf der Länderebene nicht optimal umgesetzt, aber die Grundidee eines europäischen Hochschulraumes unterstützen wir. Deswegen müssen wir die Umstände, die uns dieser Prozess gegeben hat, zum bestmöglichen Nutzen für alle gestalten. Fachhochschulen sollen eine gleichwertige Rolle im europäischen Hochschulraum spielen. Es ist zum einen wichtig, dass Studierende jeder Hochschulart auch an jeder anderen Hochschulart im europäischen Hochschulraum Auslandssemester vollbringen können. Da sind jedoch nicht die Studierenden, sondern die Hochschulen selbst in der Pflicht: Nur durch gegenseitige Verträge können Austausche im Rahmen des Erasmus+-Programms stattfinden. Wir unterstützen die Fachhochschulen hierbei, indem wir die Kapazitäten des Erasmus+-Programm finanziell steigern und Vermittlungen von Hochschulen besser koordinieren. Denn auch kleine Hochschulen sollen für ihre Studierende eine gute Auswahl an Austauschhochschulen bereitstellen können.

Zum anderen können sich Hochschulen für angewandte Wissenschaften auf europäischer Ebene vernetzen, um außerhalb des Erasmus+-Programms gemeinsam Forschungsvorhaben durchzuführen und Dozierende auszutauschen. Denn sie erforschen Forschungsgebiete in Bereichen wie Pflege, demographischer Wandel, Sozialwesen, Technik etc., die für viele Länder gesellschaftlich relevant sind oder es in Zukunft werden. In einer globalisierten Welt ist es sinnvoll, dass ähnliche Institutionen wie die Hochschulen länderübergreifend forschen. Viele Gesellschaften stehen vor den gleichen Herausforderungen, so dass es angebracht ist, gemeinsam Erkenntnisse für das Wohlergehen aller zu generieren.

Gute Lehre an Fachhochschulen

Die Lehre ist allgegenwärtiger Dreh- und Angelpunkt an Fachhochschulen. Nach wie vor ist diese geprägt von einer besonderen Nähe zu praxisrelevanten Inhalten. Das führt jedoch nicht dazu, dass theoretische Inhalte nicht in gleicher Weise behandelt werden würden. Denn die Bandbreite der an Fachhochschulen vertretenen Studiengängen steht der an Universitäten in nichts nach. Lediglich Studiengänge mit vom Staat regulierten Berufsqualifikationen als Abschluss, also Lehramt, Pharmazie, Medizin, Zahnmedizin und Rechtswissenschaften, werden in dieser Weise nicht an Fachhochschulen gelehrt. Diese Vielfalt als Ausdruck von höchst spezialisierten Studiengängen ist einerseits begrüßenswert, da sich hier Studienbewerber*innen ihren Interessen freien Lauf lassen können. Andererseits kann dies auch zur Orientierungslosigkeit oder zu Zweifel an ihrer Wahl führen. Um dem vorzubeugen, müssen Studienanfänger*innen vor und während des Studiums gute Beratungsangebote zur Verfügung stehen.

Hier ist darüber hinaus auch eine kritische Distanz zu Studiengängen angebracht, die ausschließlich von Unternehmen gefördert wird mit dem Ziel, Studieninhalte zu bestimmen und potenzielle Mitarbeiter*innen bereits während des Studiums mit Interessen des Unternehmens zu auszubilden. Beispielhaft ist dafür der Studiengang Coffeemanagement der Northern Business School, der 2008 mit der Interessensvertretung der deutschen Kaffeewirtschaft zustande gekommen ist.

Weiterhin ist es für Studierende noch nicht ohne weiteres möglich, nach Abschluss eines grundständigen Studiengangs (Bachelor) zur Universität oder FH zu wechseln. Des Weiteren muss auch während des Studiums ein problemloser Wechsel zwischen den Hochschulformen möglich sein. Dies muss unbürokratisch stattfinden können. Die Beweislast muss bei Anerkennungen von gleichwertigen Studieninhalten bei den Hochschulen liegen, und nicht bei den Studierenden.

An Fachhochschulen sind Anwesenheitspflichten in weiten Teilen Normalität. Diese beeinträchtigen Studierende in ihrer Selbstbestimmung. Eine rein körperliche Anwesenheit trägt dabei nicht zur Qualität von Lehrveranstaltungen bei. Dazu kommt noch, dass sie Studierende, die Lohnarbeit nachgehen, Angehörige pflegen oder anderen Aufgaben erledigen müssen, zusätzlich belasten. Auch außerhochschulisches Engagement wird durch Anwesenheitspflichten verkompliziert. Sie gehören deshalb unverzüglich abgeschafft. Die mittelbar dazu gehörige Attestpflicht bei Abwesenheit bei Veranstaltungen und bei Prüfungen sind ebenso abzulehnen.

Die Anwesenheitspflichten hängen auch mit der starken Verschulung an Fachhochschulen zusammen. Die Lehrpläne sind meistens vorgegeben, Wahlfreiheit existiert nur bedingt. Auch die Inhalte der Module sind zumeist starr. Gute Lehre beinhaltet die Möglichkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Gelernten und der Wissenschaft im gesellschaftlichen Kontext. Studierende müssen den Lehrinhalt auf persönlicher Basis reflektieren können.

Auch an Fachhochschulen müssen digitale Lehrinhalte und Medien eingesetzt werden, um Studierende mehr Lernoptionen zu geben. Dazu gehört, dass Professor*innen und andere Dozierende im Umgang mit digitalen Medien und ihrer Verwendung in der Lehre geschult werden. Das Lernen in Abwesenheit wird darüber hinaus so vereinfacht und sorgt für mehr Individualität im Studium.

Professor*innen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sollen ein Lehrdeputat von 18 Semesterwochenstunden haben. Dies stellt eine so große Arbeitsbelastung dar, dass Professor*innen eine Verringerung beantragen. Von dieser Belastung müssen sie entlastet werden, ohne dass das Lehrangebot verringert wird. Deswegen ist es notwendig, mehr Dozierende einzustellen, die nicht unbedingt Professor*innen sein müssen. Denn die Betreuungsrelationen an Fachhochschulen sind länderübergreifend schlechter als an Universitäten. Dafür muss ein Äquivalent zum akademischen Mittelbau eingeführt werden.

Dies ist jedoch auch nur mit einem eigenen Promotionsrecht für Fachhochschulen sinnvoll, denn für akademische Mitarbeiter*innen muss die Möglichkeit bestehen zu promovieren, um ihnen selbst eine Perspektive in der Wissenschaft zu schaffen. Es entscheiden sich viele bewusst für den Karriereweg als akademische*r Mitarbeiter*in, um neben der Promotion bereits berufliche Erfahrungen in der Wissenschaft zu sammeln.

Die Praxisphasen an Fachhochschulen sind grundsätzlich gut. Diese dürfen jedoch nicht starr sein und Studierenden in ihrer Studienplanung beeinträchtigen. Sie sollen selbst entscheiden, wann sie diese in ihrem Studienplan unterbringen.

Die Abschlüsse der FH sind zwar formell den der Universitäten gleichgestellt, aber auch der Staat macht hier immer noch Unterschiede. Bei Eintritt in den öffentlichen Dienst wird zwischen diesen Abschlüssen differenziert, oft zum Nachteil der FH-Absolvent*innen. Es ist schlicht ungerecht, wenn der Staat seine eigenen Abschlüsse nicht gleichstellt. Abschlüsse an HAW müssen auch zur Einstellung in den öffentlichen Dienst genügen.

Fachhochschulen spielen eine große Rolle im Dualen Studium. Kein Wunder, bieten die HAW auch die nötige Praxisnähe. Insgesamt studieren 3 Prozent der Studierenden in der Bundesrepublik dual, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind es 10 Prozent. Gerade deshalb ist es wichtig, dass hier gute, studierendenfreundliche Regelungen gelten. Kooperationsunternehmen und Hochschule müssen sich besser in den Stundenplänen absprechen und ECTS Punkte müssen für Praxis- und Theorieinhalte gegenseitig anerkannt werden. Des Weiteren muss die enorme zeitliche Belastung für duale Studierenden verringert werden.

Fachhochschulen bieten für Menschen, die einen beruflichen Bildungsweg eingeschlagen haben, einen Zugang zur akademischen Bildung. So kann mit der Fachhochschulreife und über den zweiten Bildungsweg ohne Abitur studiert werden. Sie können in diesem Punkt Vorbild für Universitäten sein. HAW müssen zudem auch als Ort der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens verstanden werden. Mit ihrer Praxisnähe und Kooperationen stecken sie voller Innovationen und Ausbildungspotenzial, das möglichst vielen zu Gute kommen sollte.

Forschung an Fachhochschulen

Mittlerweile ist Forschung an Fachhochschulen nicht mehr wegzudenken. Viele Professor*innen an HAW legen Schwerpunkte auf die Forschungstätigkeit. Als Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist die anwendungsbezogene Forschung naheliegend. Eine eindeutige Unterscheidung von anwendungsbezogener Forschung und Grundlagenforschung ist jedoch nicht immer möglich und beides wird auch an Fachhochschulen betrieben. Jede Forschung ist Forschung und gehört gleichermaßen gefördert. Wir sind gegen eine Zweiklassen-Forschungsförderung.

Die Forschung an HAW wird einerseits durch Programme des Bundes gefördert, andererseits auch stark durch Unternehmen. Die Mittel des Bundes für Forschung beliefen sich 2014 auf insgesamt 42 Millionen €. Insgesamt erhielten sie 2014 Drittmittel in Höhe von 569 Mill. €. Dies zeigt die starke unternehmensorientierte Forschung, die für sich in anwendungsbezogenen Fällen an Fachhochschulen forschen lassen.

Dies ist kritisch zu sehen. Es zeigt sich, dass Unternehmen bewusst Forschung beeinflussen. Die Ergebnisse können damit nicht immer die nötige Objektivität bewahren. Es muss ein transparenter Vergabeprozess der Mittel her, solange es keine ausreichende Finanzierung der Hochschulen gibt. Denn die Abhängigkeit von Drittmitteln lehnen wir ab. Zudem müssen die Gremien der Hochschulen, sowie die Studierendenvertretung über den Einsatz und die Höhe der Drittmittel informiert und mit eingebunden werden.

Es ist zudem zu beobachten, dass an diversen Stellen an der Hochschule die Forschung immer noch wesentlich mehr Reputation genießt, als die Lehre. Dies lässt sich exemplarisch bei der Vergabe von finanziellen Mitteln, der Reputation von Professor*innen und auch der Reputation von Hochschulen allgemein zeigen. Für Fachhochschulen und ihre Studierenden ist dies nachteilig, da ihr Fokus eher auf der Lehre liegt. Die Reputation der Lehre muss wieder gleichrangig zur jener der Forschung werden!

Gute Arbeit an Fachhochschulen

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften müssen auch gute Arbeitgeberinnen sein. Doch die Arbeitsbedingungen an Fachhochschulen sind, wie allgemein im ganzen Hochschulsystem, ambivalent und ungerecht. Viele Wissenschaftler*innen müssen sich mit prekären befristeten Stellen zufriedengeben, die aus Drittmittel finanziert werden. Ihre Zukunft ist oft nicht planbar.

Für die Professor*innen an Fachhochschulen existieren auch unbefriedigende Situationen. Mit den gewöhnlichen Lehrdeputaten in Höhe von 18 Semesterwochenstunden müssen sie zusätzlich Drittmittel einwerben, um nebenher forschen zu können. Dies ist vor allem im Vergleich zu Universitätsprofessor*innen ungerecht. Dazu kommt noch, dass Professor*innen an HAW anfangs oft schlechter bezahlt werden als ihre Kolleg*innen an Universitäten, z.B. statt in der W3 Besoldungsgruppe zuerst in die W2 Gruppe eingeteilt.

Überhaupt ist die Berufung zum*zur Professor*in an einer Fachhochschule kompliziert. Nicht nur, dass Bewerber*innen einen Doktor*ingrad vorweisen müssen, den sie gar nicht an einer Fachhochschule erlangen können; sie müssen zudem drei, meistens fünf Jahre, in einschlägigen Berufsfeldern gearbeitet haben, um in den Bewerber*innen-Pool zu kommen. So bleibt inzwischen jede sechste Professur an HAW unbesetzt. Um dem entgegen zu wirken, ist das Promotionsrecht zentral. Es ergibt nämlich keinen Sinn, potenzielle Professor*innen an Fachhochschulen nicht dort promovieren zu lassen, sondern sie zu zwingen, an Universitäten zu promovieren.

Tenure-Track-Modelle an HAW, die vorsehen, dass Bewerber*innen eine dreijährige anwendungsbezogene Forschungsphase bei einem Kooperationsunternehmen absolvieren und währenddessen als Assistenzprofessor*in an der Fachhochschule arbeiten können, mit der verbindlichen Zusage danach als Professor*in eingestellt zu werden, als Maßnahme bis zur Einführung eines akademischen Mittelbaus heißen wir gut. Hier muss jedoch kritisch hinterfragt werden, inwiefern die Tätigkeit in einem Unternehmen Einfluss auf den Hochschulbetrieb nehmen kann. Bei der Besetzung von (Tenure-Track-) Stellen muss die Frauen*quote von mindestens von 50 Prozent gelten. Denn Frauen* sind trotz gleicher oder sogar besserer Qualifikation faktisch benachteiligt.

Mit der Einführung des akademischen Mittelbaus an Fachhochschulen dürfen nicht die gleichen schlechten Arbeitsbedingungen wie an Universitäten geschaffen werden. Von Anfang an muss auf das Thema Gute Arbeit geachtet werden. Das dringlichste Problem ist die Befristung im akademischen Bereich. Bis zu 90 % aller Arbeitsverträge sind hier befristet. Mit der Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes von 2016 hat sich schon einiges gebessert, z.B. muss die Laufzeit eines Vertrags im Rahmen eines durch Drittmittel finanziertes Projekt so lang sein, wie das geförderte Projekt selbst. Das ist jedoch lange nicht ausreichend. Auch im ständigen akademischen Betrieb müssen sichere Verhältnisse herrschen. Dies bedeutet vor allem den Ausbau von entfristeten Verträgen und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung.

Finanzierung von Fachhochschulen

Die Hochschulfinanzierung ist insgesamt im aktuellen Zustand problematisch, betrifft die Fachhochschulen aber noch in einer besonderen Weise. Nicht nur, dass die Finanzierung von Hochschulen allgemein prekär ist, sie ist zudem eindeutig auf Forschungsvorhaben fokussiert. Dies ist ingesamt zu kritisieren und gehört umgedreht: Die Lehre muss in den Fokus der Hochschulfinanzierung rücken. Fachhochschulen betrifft die einseitige Förderung noch einmal härter: Die Forschung an Fachhochschulen ist zahlenmäßig nicht so groß wie an Universitäten.

Exemplarisch dafür steht die Exzellenzinitiative, die gerade unter dem Namen Exzellenzstrategie fortgesetzt wird. Mit diesem Programm werden einige wenige Universitäten gefördert, die Spitzenprogramme in der Forschung aufzeigen können. Somit sollen Leuchttürme in der Hochschullandschaft entstehen. Es entsteht aber vielmehr eine Zweiklassen-Hochschullandschaft. Dieses Beispiel zeigt die einseitige Bevorzugung von universitärer Forschung.

Auch die Situation der Drittmittelwerbung an Fachhochschulen ist zu betrachten. Hochschulen für angewandte Wissenschaften können teilweise hohe Summen an Drittmittel anwerben. Diese sind jedoch, außer über das Bundesprogramm ,,Forschung an Fachhochschulen‘‘ mit ihren Förderlinien, überwiegend keine staatlichen Gelder. Diese Mittel sind zudem im Vergleich zur Exzellenzinitiative sehr gering. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert fast gar keine Forschungsprojekte an HAW. Wir finden, dass Forschung an Fachhochschulen auch finanziell gleichgestellt werden sollte.

Mit der Lockerung des Kooperationsverbotes sind nun neue Wege frei, um diesen Missstand endlich zu beheben. Der Hochschulpakt 2020, der derzeitig die Hauptfinanzquellen der Hochschulen darstellt, wird bald auslaufen. Bei den neuen Verhandlungen müssen wir unsere Position klar und deutlich herausstellen: Es muss eine dauerhafte und ausreichende Grundfinanzierung für alle Hochschulen und Hochschulformen her!

Fachhochschulen und die Gesellschaft

Fachhochschulen sind ein sozialdemokratisches Erfolgsmodell. Sie stehen für soziale Durchlässigkeit. Dies hängt auch mit ihrem anwendungsorientierten Schwerpunkt zusammen.

HAW kooperieren jedoch auch mit vielen Unternehmen. Dies hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist die Praxisnähe für die Studierenden. Die Hochschulen dürfen jedoch nicht in Abhängigkeit von den Kooperationspartner*innen gelangen. Kooperationen müssen immer auf Augenhöhe stattfinden. Es darf nicht vergessen werden, dass Hochschulen einen staatlichen (Aus-)Bildungsauftrag haben, der mit Interessen von Unternehmen in Konflikt geraten kann. Wir stehen zum Primat der Hochschulen und ihrer Autonomie. Dies betrifft sowohl den Lehr- als auch den Forschungsaspekt.

Bei den Forschungen stehen die HAW in der Pflicht. Sie müssen Wegen finden, ihre Forschungsergebnisse in die Gesellschaft zu transferieren, damit möglichst viele davon einen Nutzen haben. Es bieten sich dafür auch offene Datenbanken an, die von jeden*jeder benutzt werden können.

Studentische Mitbestimmung

Studierende, die sich hochschulpolitisch an Fachhochschulen engagieren wolle, werden mit verschiedenen Hürden konfrontiert. Die studentischen Einflussmöglichkeiten in den sich selbstverwaltenden Hochschulen sind nach wie vor begrenzt. Die Professor*innen und die Hochschulverwaltung haben weiterhin die absolute Mehrheit in allen Hochschulgremien. Mit der Einführung des akademischen Mittelbaus an Fachhochschulen muss selbstverständlich eine Statusgruppe für akademische Mitarbeiter*innen geschaffen werden. Unser Ziel bleiben jedoch die Auflösung von Statusgruppen, damit alle Angehörigen der Hochschulen mitbestimmen können.

Dies hängt insbesondere auch mit den Studienbedingungen an Fachhochschulen zusammen. Die Rahmenbedingungen für studentisches Engagement mit Anwesenheitspflichten und etwaigen Nebenbeschäftigungen sind ungünstig. Viele Studierende haben neben dem strikten Stundenplan oder Praxisphasen schlicht keine Zeit für außerhochschulisches Engagement. Wir wollen, dass das Studium auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften Freiräume zur freien Entfaltung lässt.

Wir Juso-Hochschulgruppen sind zahlreich an Fachhochschulen vertreten und streiten dort für sozialistische, feministische und internationalistische Politik und setzen uns für die Belange der Studierenden vor Ort ein. Wir unterstützen Neugründungen von Juso-Hochschulgruppen an Fachhochschulen. Um innerhalb des Verbands in den Austausch zu kommen, können Hochschulgrüppler*innen sich auf Veranstaltungen vernetzen. So kann ein gemeinsamer Erfahrungsschatz entstehen, der in der Arbeit vor Ort an Fachhochschulen hilfreich sein kann.

Unsere Forderungen für gute Rahmenbedingungen an Fachhochschulen

Wir Juso-Hochschulgruppen unterstützen die Internationalisierung von Hochschulen. Wir fordern für Fachhochschulen

  • den Ausbau des Erasmus+Programms weiter zu forcieren und eine bessere Finanzierung
  • Vermittlungen von Austauschhochschulen besser zu koordinieren
  • die Vernetzung der HAW innerhalb Europas voranzutreiben
  • internationale Forschungsvorhaben zu unterstützen

Wir wollen, dass an jeder Hochschulform eine gute Lehre stattfindet. Deswegen fordern wir

  • Beratungsangebote vor und während des Studiums zur Studienorientierung
  • eine kritische Distanz zu Studiengängen, die ausschließlich Interessen der Wirtschaft dienen
  • einen reibungslosen Wechsel von FH zur Uni und umgekehrt – während des Studiums und nach Abschluss
  • die Abschaffung von jeglichen Anwesenheitspflichten
  • die individuelle Gestaltung der Stunden- und Modulpläne und der Praxisphasen
  • die Nutzung digitaler Medien in der Lehre, um das Studium so zugänglicher zu machen
  • die Einführung eines akademischen Mittelbaus, um die Betreuungsrelationen an Fachhochschulen zu verbessern
  • das Promotionsrecht für Hochschulen für angewandte Wissenschaften
  • die Gleichstellung der an Fachhochschulen erworbenen Abschlüsse, insbesondere bei der Einstellung im öffentlichen Dienst
  • studienfreundliche Regelungen im Rahmen des dualen Studiums

Zu einer freien Wissenschaft gehört auch eine gute Forschung. Deshalb fordern wir

  • Hochschulen für angewandte Wissenschaften als gleichberechtigte Forschungsstätten neben den Universitäten anzuerkennen
  • eine solide Grundfinanzierung der Forschung an Fachhochschulen
  • die Gewährleistung der Unabhängigkeit von Drittmitteln aus der Wirtschaft
  • die Gleichwertigkeit der Reputation von Lehre und Forschung, ohne dass letztere ihren Anreiz an Fachhochschulen verliert

Wir sagen prekären Beschäftigungsverhältnissen auch an Fachhochschulen den Kampf an. Deswegen fordern wir

  • die Einstellung von mehr unbefristeten Personal und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung
  • eine mindestens 50 prozentige Frauen*quote bei Neueinstellungen und Berufungen
  • für Professor*innen gleichermaßen Lehren und Forschen zu ermöglichen
  • die gleichen Besoldungsgruppen wie an Universitäten
  • die Vereinfachung des Berufungsverfahrens an HAW mittels dem Promotionsrecht und Tenure-Track-Programmen

Wir sind gegen das Konzept der unternehmerischen Hochschule. Deshalb fordern wir

  • die Abschaffung von Leuchtturmprojekten wie der Exzellenzstrategie
  • die Fachhochschulen gleichermaßen an Finanzierungsprogrammen des Bundes für Universitäten teilhaben zu lassen
  • Förderlinien der DFG speziell für HAW zu schaffen
  • eine dauerhafte und solide Grundfinanzierung beider Hochschultypen

Hochschulen sind keine geschlossenen Räume, sondern agieren mit und in der Gesellschaft. Wir fordern daher

  • die soziale Durchlässigkeit an FHn voranzutreiben
  • das Primat der Hochschulen bei Kooperationen mit der Wirtschaft
  • den Transferprozess von Wissen von den Hochschulen in die Gesellschaft aktiv zu gestalten
  • Den Einsatz von Open-Source und Open-Access-Modellen

Wir Juso-Hochschulgruppen sollten zahlreich an Hochschulen für angewandte Wissenschaften vertreten sein. Unsere Forderungen lauten

  • Neugründungen an Fachhochschulen zu unterstützen
  • die alten Mehrheitsverhältnisse in Hochschulgremien abzuschaffen und die Selbstverwaltung zu demokratisieren
  • mehr studentisches Engagement durch Abschaffung der Anwesenheitspflichten zu ermöglichen
  • die Vernetzung im Verband voranzutreiben

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