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Rechtsanspruch auf Master wichtiger denn je!

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass jede Person das Recht hat,  über ihren persönlichen Bildungsweg selbst zu entscheiden. Zu dieser Auswahl gehört auch, nach dem Bachelor den Einstieg ins Berufsleben oder die Aufnahme eines Masterstudiums wählen zu können.  Die Realität an den Hochschulen sieht aber auch im elften Jahr des Bologna-Prozesses noch immer anders aus.

 

Worst-Case wird Realität

Das Beispiel der Wirtschaftswissenschaften an der Universität zu Köln zum Wintersemester 2010/2011 ist ein „Worst-Case“-Ereignis, dass sich in den nächsten Monaten vielfach wiederholen könnte: Dort hatten gerade einmal ein Drittel der Bachelor-AbsolventInnen der Betriebswirtschaftslehre überhaupt die Chance auf einen Master-Studienplatz.  Auf 215 Master-Studienplätze kamen über 600 Bachelor-AbsolventInnen des eigenen Jahrgangs, hinzu kamen 1.700 Bewerbungen von AbsolventInnen anderer Hochschulen. Diese Rechnung konnte nicht aufgehen. Zahlreiche AbsolventInnen haben keinen Master-Studienplatz mehr erhalten.

 

Akzeptanz des Bachelors ist nicht zufriedenstellend

Weder hat der Bachelor die notwendige Akzeptanz im Öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft erreicht, noch ist ein Studienplatz im Master-Studium nach dem Bachelor-Abschluss gesichert. Ein klares berufsqualifzierendes Profil ist bislang weder im Bachelor noch im Master erkennbar. Im Öffentlichen Dienst werden Bachelor-AbsolventInnen nicht ausreichend anerkannt und in der Besoldungsgruppe angemessen eingestuft. Die Wirtschaft, die sich daran orientierte, stuft Bachelor-AbsolventInnen oftmals ähnlich ein.

 

Der Zugang zum Master bleibt versperrt

Viele AbsolventInnen werden in ihrer Entscheidung für den weiteren Lebensweg nach dem Bachelor verunsichert. Die Hochschulen bedienen sich unterschiedlichster, intransparenter Instrumente wie kaum zu erfüllende Anforderungskataloge, Auswahlverfahren, –gespräche und Numeri Clausi. Der Rechtsanspruch auf einen Masterstudiengang ist, ebenso wie das Recht auf einen Bachelorstudiengang, durch das Grundgesetz vorgegeben (GG Art. 12). Das Recht auf freie Berufswahl kann nicht erfüllt werden, wenn Menschen der Zugang zum Master verwehrt wird. Auch inoffizielle Quoten versperren vielen den Weg zum Master-Studium. Zudem werden immer öfter private Agenturen zur Auslese der BewerberInnen zum Master eingesetzt.

 

 

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Master!

Jede/r Studierende, der/die einen Bachelorabschluss oder FH-Diplom erreicht hat, muss selbst die Entscheidung treffen können, ob er oder sie sich mit dieser Qualifikation auf den Arbeitsmarkt begibt oder einen anschließenden Masterabschluss anstrebt. Ein Rechtsanspruch schafft Sicherheit in dieser Entscheidung. Dies gilt sowohl für den Leistungsdruck während des Studiums aufgrund bestehender Master-NCs als auch für den Druck, der durch die Bevorzugungspraxis von ArbeitgeberInnen für Master-AbsolventInnen bei Bewerbungen. Wenn alle die freie Entscheidungsfreiheit haben, können Bachelor-AbsolventInnen nach eigenen Interessen und Fähigkeiten entscheiden, und Arbeitgeber können sich auf die Stärken und Kompetenzen der BewerberInnen konzentrieren, statt nur auf den Abschluss.

Für Studierende wäre kurzfristig bereits viel erreicht, wenn sie an ihrer Hochschule einen Masterstudienplatz garantiert bekämen, der ihrem Bachelorstudium entspricht. Entsprechende Garantien sind nicht unüblich an Hochschulen, wie bei der Betrachtung von Lehramtsstudiengängen auffällt. Die Universität Potsdam beispielsweise räumt bereits jetzt ihren Bachelorstudierenden ein Recht auf einen Masterstudienplatz ein, weil andernfalls der Übergang in den Schuldienst bei einem Bachelorabschluss nicht gewährleistet ist. Dies ist aber nicht die Regel und muss ausgebaut werden. Langfristig muss ein Rechtsanspruch darauf bestehen, nach dem Bachelor-Abschluss an jeder gewünschten Hochschule einen Master machen zu können – egal ob direkt nach dem Bachelor-Abschluss oder später.

Im Unterschied zu generellen Bekenntnissen, ein ausgeglichenes Verhältnis von Bachelor- zu Masterkapazitäten herzustellen, bedeutet der Rechtsanspruch auf einen Masterstudienplatz ein individuelles Recht, das jedem und jeder einzelnen zukommt und das demzufolge auch jedem/jeder einzelnen Sicherheit gibt, über den Verlauf des Studium selbst entscheiden zu können. Die Hochschulen haben weder gesteigerten Kostenbedarf, da nicht jede/r zwangsläufig ein Master-Studium aufnehmen will, noch wird durch einen Rechtsanspruch auf ein Master-Studium der Bachelor-Abschluss abgewertet. Durch die freie Entscheidung der Studierenden steigt dessen Wert sogar. Die Entwicklung eines eigenständigen berufsqualifizierenden Profils für den Bachelor-Abschluss durch Hochschulen, Bund und Länder wird aber für die Sicherstellung des Bachelor als qualitativ hochwertigen Abschluss von höchster Bedeutung sein und muss umgehend forciert werden.

Die Situation an den Hochschulen wird sich ohne weiteren Druck auf Hochschulen, Bund und Länder nicht verbessern. Weder die großen Versprechen der KultusministerInnen noch die Nationale Bologna-Konferenz von Bundesbildungsministerin Schavan haben bisher daran etwas geändert. Bund- und Länderpolitik, aber auch die Hochschulen, tragen die Schuld an diesem Desaster. Damit muss endlich Schluss sein!

 

Deshalb fordern wir Juso-Hochschulgruppen:

  • Einen Rechtsanspruch auf einen Master-Studienplatz für alle Bachelor-Absolventinnen und Absolventen sowie für Absolventinnen und Absolventen der Altstudiengänge!
  • Einen dem Bedarf entsprechenden Ausbau der Master-Studienplätze an allen Hochschulen, der nicht zu Lasten von Bachelor-Plätzen geht!
  • Ein eigenständiges berufsqualifizierendes Profil für den Bachelor!
  • Einen besseren Einstieg mit dem Bachelor in den Öffentlichen Dienst und die volle Anerkennung in der freien Wirtschaft!
  • Die Abschaffung aller Auswahlverfahren, Quoten und Numeri Clausi beim Übergang vom Bachelor zum Master!

 

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