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Bologna-Konferenzen sind wertlos ohne Ergebnisse!

 Wir Juso-Hochschulgruppen haben uns in den vergangenen Monaten an den Vorbereitungen und der Durchführung der Bologna-Konferenz am 17. Mai 2010 beteiligt. Unsere Positionen wurden aktiv in den Diskussionsprozess mit eingebracht und wir haben stets auf signifikante Korrekturen beim Bologna-Prozess hingedrängt. Es war die erste Konferenz, bei der bildungspolitisch Verantwortliche aus Bund, Ländern und den Hochschulen zusammen diskutierten und Studierende ihre Forderungen direkt an die Verantwortlichen adressieren konnten. Den Grundgedanken einer gemeinsamen Konferenz unter gleichberechtigter Vorbereitung und eines kontinuierlichen Austausches begrüßen wir sehr. Leider blieben die Umsetzung dieser Idee und die Ergebnisse der Konferenz jedoch weit hinter unseren Erwartungen und waren niederschmetternd. Auch waren zu viele Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft anwesend. Was diese auf diesem Gipfel verloren hatten, ist uns schleierhaft!

 

Keine klare Verteilung von Zuständigkeiten, kein Fahrplan und somit auch keine Fortschritte bei der Reform von Bologna. Die entscheidenden Akteure haben sich in der Diskussion mehrheitlich zurückgelehnt und zugeschaut, während wir Studierenden die Dringlichkeit von Korrekturen deutlich machten und solche von Hochschulen, Ländern und Bund einforderten. Es bleibt die Befürchtung, dass im weiteren Prozess nur jene Themen Berücksichtigung finden, die Bundesbildungsministerin Anette Schavan bereits zuvor vorgesehen hatte und die ihrer weiteren Inszenierung dienlich sind.

 

Lediglich die Anwesenheitslistenpflicht soll nun innerhalb von acht Wochen ab dem Datum der Bologna-Konferenz flächendeckend abgeschafft werden. Wir Juso-Hochschulgruppen werden ganz genau darauf achten, ob es sich um ein leeres Versprechen oder echten Willen für Veränderungen handelt.

 

Dennoch reicht dieses Ergebnis im Entferntesten nicht aus, um die kritische Situation an den Hochschulen zu verbessern. Es bedarf vielmehr umfassende Reformschritte, die Studienordnungen flexibilisieren, Studienbedingungen erleichtern und die Mobilität – horizontal wie vertikal –  steigern. Der Prozess muss weitergeführt und mit tatsächlichen Kurskorrekturen reformiert werden.

 

Unsere Forderungen:

Wir sehen daher unmittelbar alle Ebenen in der Verantwortung und fordern insbesondere von der Bundesregierung die Ausweitung des BAföG statt einem nationalen  Stipendienprogramm. Der Bund muss eine ausreichende Finanzierung der Bildung gewährleisten.

Für wirkliche Gute Lehre benötigen die Hochschulen mindestens 10.000 ProfessorInnenstellen sowie entsprechend zusätzliche wissenschaftliche MitarbeiterInnen und studentischer Hilfskräfte. Gleiches gilt für den technisch-administrativen Bereich. Auch hier müssen neue, unbefristete Arbeitsverhältnisse geschaffen werden. Frau Schavans Qualitätspakt mit jährlich zur Verfügung stehenden 200 Millionen Euro reicht für einen derartigen Ausbau bei weitem nicht aus.

 

Wir fordern das Bildungsministerium auf zukünftigen Treffen keinerlei Vertreter und Vertreterinnen der Wirtschaft einzuladen.

 

Von den Ländern fordern wir Juso-Hochschulgruppen, in allen Bundesländern verfasste Studierendenschaften mit politischem Mandat einzuführen, vorhandene zu stärken und Studierende in den Gremien gleichberechtigt mitbestimmen zu lassen.

 

Alle Bachelor- und Master-Studiengänge müssen unter Einbeziehung der Studierendenschaft auf ihre Studierbarkeit hin geprüft und wenn nötig neu konzipiert werden. Darüber hinaus muss allen Studierenden der Zugang zum Master offen stehen. Mit einem Rechtsanspruch auf einen Masterplatz muss dies bundeseinheitlich gewährleistet sein.

 

Die Hochschulen müssen die Lehre wieder in den Mittelpunkt stellen und genau so stark unterstützen wie die Forschung. Außerdem fordern wir die Hochschulen dazu auf, auf die Kultusministerkonferenz hinzuwirken, dass die Deckelung der Regelstudienzeit auf 10 Semester abgeschafft wird. Weiterhin fordern wir eie konsequente Weiterentwicklung der europäischen Mobilität. Die momentan vorhandenen Konzepte des BA/MA-Studiums lassen zu wenig Raum für ein grenzüberschreitendes Studium und beengen es auf vorgefertigte und unflexible Studienverläufe.

 

Wir Juso-Hochschulgruppen fordern die tatsächliche Umsetzung unserer Verbesserungsvorschläge mit konkreten Reformschritten und fordern deswegen die Diskussion in entscheidungsbefugten Gremien statt ergebnisloser Show-Debatten. Wir fordern bei der Bologna-Konferenz zum Thema „Gute Lehre“ im Mai 2011 ergebnisorientierte Diskussionen und konkrete Entscheidungen. Wir werden genau darauf achten, ob unsere Forderungen und die Themen der Konferenz im weiteren Prozess Berücksichtigung finden. Insbesondere vor Ort müssen die Diskussionen nun fortgesetzt und beispielsweise durch weitere „Thementage“ Problemanalysen durchgeführt und Kurskorrekturen eingeleitet werden.

Auch die anderen Bildungsgruppen, speziell Azubis und SchülerInnen, brauchen eine eigene Konferenz. Ihr Probleme dürfen nicht ignoriert werden.

 

Wir unterstützen auch deshalb weiterhin den Bildungsstreik und engagieren uns in dieser Bewegung auf allen Ebenen. Wir rufen dazu auf, den Bildungsstreik und die  bundesweiten Protesten am 9. Juni zu unterstützen. Lasst uns gemeinsam so lange kämpfen bis das Bildungssystem in allen Bildungsabschnitten, partizipativer, integrativer und gerechter geworden ist! Für mehr Solidarität und echte Chancen, für einen Bildungserfolg unabhängig von sozialer Herkunft und Bildungsbiographie!

 

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