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Prüfungsbedingungen von kommerziellen Sprachzertifikaten entgegentreten – Alternativen für den Nachweis von Sprachniveaus schaffen

Ob bei der Bewerbung für Auslandssemester, Praktika, internationalem Unternehmen und mittlerweile auch immer öfter bei Bewerbungen für Masterplätze an deutschen Universitäten, ist es häufig notwendig das eigene Sprachniveau in Englisch oder anderen Fremdsprachen vorzuweisen. Im Regelfall werden dafür von den Bewerber*innen Sprachzertifikate angefordert, welche Auskunft über das jeweilige Sprachniveau geben sollen.

Doch Sprachzertifikat ist nicht gleich Sprachzertifikat. Hier gilt es grundsätzlich zu unterscheiden, zwischen den von Universitäten angebotenen UNIcert-Sprachzertifikaten und Zertifikaten von kommerziellen Anbietern wie TOEFL (Test of English as a foreign Language) oder IELTS (International English Language Training System). Bei TOEFL kann dabei zudem zwischen dem ITP (Institutional Testing Programme) und dem iBT (internet based test) Test unterschieden werden, wobei häufig jedoch nur der teurere iBT Test anerkannt wird. Kurz gesagt, die derzeitige Lage ist unübersichtlich und bei der Vielzahl von Tests ist nicht immer klar, welcher Test der richtige ist, um das eigene Sprachniveau nachzuweisen.

UNIcert – vergleichsweise günstig, dafür aber auch zeitintensiv

UNIcert zeichnet sich dadurch aus, dass es einen vergleichsweise geringen Erwerbspreis hat (an einigen Universitäten kostenlos, an anderen Universitäten bis zu 20€) und von den meisten Universitäten angeboten wird. Das Konzept des Zertifikats beruht darauf, dass sich Studierende an ihrer Universität in ihr aktuelles Sprachniveau einstufen lassen und anschließend den nächsten für sie notwendigen Sprachkurs besuchen. Im Regelfall gliedert sich dabei eine Sprachstufe in zwei Kurse. Für den Nachweis des Sprachniveaus B2 wird beispielsweise der Besuch der Kurse B2.1 und B2.2 vorausgesetzt. Werden beide Kurse bestanden, können Studierende das UNIcert II Zertifikat beantragen. Hieran ist jedoch auch schon eine Schwäche von UNIcert erkennbar: Es kann sehr lange dauern, bis das Sprachzertifikat vorliegt, weil zunächst die zwei Sprachkurse besucht werden müssen. Dies kann insbesonere dann problematisch werden, wenn die angebotenen Sprachkurse nicht zur Abdeckung des Bedarfs von Studierenden ausreichen. Hinzu kommt bei UNIcert eine geringere Anerkennungsrate bei internationalen Institutionen oder Unternehmen.

TOEFL und IELTS – hohe Gebühren, schlechte Prüfungsbedingungen

Sprachzertifikate von kommerziellen Anbietern weisen dagegen eine höhere Anerkennungsrate auf. Allerdings müssen bei TOEFL iBT (345$ ~ 222€) und IELTS (227€) dafür hohe Gebühren bezahlt werden. Dabei handelt es sich jedoch nur um die Gebühren, die für die Prüfung und das Zertifikat bezahlt werden müssen. Da es in vielen kleineren Städten jedoch keine Testzentren gibt, können hier noch Reise- und Übernachtungskosten hinzukommen. So ist schonmal schnell ein Betrag über 300 Euro zusammen, der für Studierende eine hohe Hürde darstellen kann. Problematisch wird dies vor allem dann, wenn das benötigte Sprachniveau nicht erreicht wurde und sich die Frage stellt, ob man das Risiko erneut eingehen möchte, die Gebühr zu bezahlen, ohne sich sicher sein zu können, dass das angestrebte Niveau erreicht wird.

Woraus sich die Gebühr für die Tests zusammensetzt, geben beide Anbieter nicht an. Diese Intransparenz ist insbesondere dann aber nicht nachvollziehbar, wenn sich die Testbedingungen angeschaut werden. Während bei TOEFL die Tests an den Computern Erinnerungen an Windows98 wecken, erinnern tragbare CD-Player bei IELTS auch eher an den Englisch-Unterricht in der Schule und haben mit professionalisierten Prüfungsbedingungen eher wenig zu tun. Hinzu kommen Taschen- und Körperkontrollen wie sie von Flughäfen bekannt sind. Auch dies ist in einer Drucksituation vor einer für die Zukunft wichtigen Prüfung nicht unbedingt hilfreich.

Sinn und Zweck von Sprachvoraussetzungen für ein Studium?

Das private Anbieter für Sprachnachweise überhaupt ein Geschäftsmodell haben, ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass diese Voraussetzung sind, um ein bestimmtes Studium aufzunehmen. Wenn Hochschulen fremdsprachige Inhalte in ihren Studiengänge anzubieten, sehen sie sich in der Regel dazu gezwungen, entsprechende Sprachnachweise für die jeweilige Fremdsprache beim Studienbeginn vorauszusetzen. Teilweise tun sie dies aus gesetzlichem Zwang, teilweise aus einem falschen Verständnis von Hilfe zur Selbsthilfe heraus.

Wir fordern, dass fremdsprachige Inhalte im Studium nicht zu Zugangsvoraussetzungen für die Aufnahme des Studiums führen dürfen. Stattdessen sollten unverbindliche Empfehlungen für ein Sprachniveau zur Orientierung der Studienanfänger*innen ausgesprochen werden.

Was es braucht – flexible und erschwingliche Sprachprüfungen

Die derzeitige Situation für den Erwerb eines Sprachzertifikat zeigt, dass es für Studierende, die kurzfristig ihre Sprachkenntnisse nachweisen müssen keine erschwingliche Möglichkeit gibt.

Deshalb fordern wir

  • die Schaffung eines europaweit geltenden und international anerkannten neuen Sprachzertifikats, bei welchem die Prüfungen von den Universitäten angeboten werden. Dieser Test sollte zudem kostenlos sein. Bis zur Einführung eines solchen Zertifikates fordern wir die Anerkennung aller anderen Sprachnachweise.
  • eine Verbesserung der Prüfungsbedingungen von TOEFL und IELTS. Prüfungen sollen auf dem neusten technischen Stand abgehalten werden.
  • die Offenlegung der Bestandteile der Prüfungskosten von TOEFL und IELTS. Beitragsbestandteile die nur aus Gewinnzwecken erhoben werden, sollen gestrichen werden.
  • den Ausbau von UNIcert und den verstärkten Einsatz von Crash-Kursen, um auch den kurzfristigen Bedarf eines Sprachnachweises über UNIcert abdecken zu können.
  • die Abschaffung von Sprachnachweisen als Zugangsvoraussetzung für die Aufnahme eines bestimmten Studiums.
  • die Abschaffung der begrenzten Geltungsdauer von Sprachnachweisen,

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