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Teilzeitstudium für alle möglich machen

Die Frage, wie sich Menschen ein Leben lang weiterbilden können, ist eine zentrale Frage unserer Zeit, da klassische Bildungsbiographien (erst Schule, dann Beruf oder Studium) bereits heute vielfach ausgedient haben. Dabei ist es für die Juso-Hochschulgruppen immer ein Ziel, die Vereinbarkeit von Studium und Privatleben zu ermöglichen. Ein Bereich, der dafür sehr wichtig sein könnte, aber bisher leider sehr wenig Aufmerksamkeit erfahren hat, ist das Teilzeitstudium. Es ist zu beobachten, dass es an Präsenzuniversitäten nur eine sehr geringe Anzahl an Möglichkeiten zum Teilzeitstudium gibt. Auch, wenn dies an Fernuniversitäten ein bisschen anders aussieht, so sind diese doch meistens mit Studiengebühren verknüpft und damit sozial selektiv, was für uns kein wünschenswerter Zustand ist.

Außerdem ist das Teilzeitstudium häufig mit einem hohen bürokratischen Aufwand verknüpft. So ist es beispielsweise in Hessen nur unter sehr spezifischen Voraussetzungen möglich, ein Teilzeitstudium zu beantragen und auch dann nur für die folgenden zwei Semester, wobei für diese Zeit das Vollzeitstudium in ein Teilzeitstudium umgewandelt wird und es auch bei einer Veränderung der Situation der Student*innen nicht möglich ist, in diesem Zeitraum mehr als 50% der für ein Vollzeitstudium angesetzten ECTS-Punkte zu machen.

Hinzu kommt, dass die Student*innen etwaige Konsequenzen des Teilzeitstudiums für ihr BAföG, ihr Kindergeld oder die Dauer der studentischen Krankenversicherung selbst zu klären und zu tragen haben.

Des Weiteren wird das Teilzeitstudium insgesamt oft behandelt wie ein notwendiges Übel, das neben dem Vollzeitstudium mitgeschleppt wird, für das aber kein gesonderter Aufwand betrieben wird, was jedoch nötig wäre, um ein (Teilzeit-)studium auch für Studierende mit Mehrfachbelastungen wie Berufstätigkeit, Kinderbetreuung etc. adäquat zu machen.

Als Juso-Hochschulgruppen setzen wir uns dafür ein, dass

  • Jede Person berechtigt ist, ein Teilzeitstudium aufzunehmen, nicht nur diejenigen Student*innen, die nachweisen können, dass sie aufgrund äußerer Umstände dazu gezwungen sind.
  • Mehr und diverse Angebote für ein Teilzeitstudium eingerichtet werden. Dabei soll erreicht werden, dass es unabhängig von der Studienrichtung die Möglichkeit gibt, ein Teilzeitstudium an einer staatlichen Universität aufzunehmen und abzuschließen.
  • Teilzeitstudienangebote so strukturiert werden, dass sie eine ernsthafte Alternative für Personen mit Mehrfachbelastungen sind. Es gilt dabei auch, Studierenden, die beispielsweise durch Kinderbetreuung, Pflege oder Berufstätigkeit zeitlich eingeschränkt sind, zu ermöglichen, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Dafür müssen neue Angebote geschaffen werden, die davon abweichen, Vorlesungen, Seminare, Übungen und ähnliches hauptsächlich in der Zeit von 10 bis 16 Uhr stattfinden zu lassen.
  • Eine an die Studienzeit des Teilzeitstudiums angepasste BAföG-Regelung gefunden wird, die Mehrfachbelastungen berücksichtigt und Personen stärkt, die diesen ausgesetzt sind. Dazu gehört eine Entkopplung des BAföG von der Regelstudienzeit. Solange diese Kopplung noch existiert, müssen Teilzeitstudierende mindestens für die im Teilzeitstudium vorgesehene Regelstudienzeit BAföG erhalten.

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