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In Richtung offene Hochschule

An den Hochschulen studieren so viele Studierende ohne Abitur wie noch nie. Das zeigt eine Studie, die das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in dieser Woche veröffentlichte. Im Jahr 2010 lag die Quote derer, die ohne Abitur ein Studium begannen, bei 2,08% der gesamten StudienanfängerInnen. Das ist noch kein Grund zum Feiern, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Seit dem Beschluss der KultusministerInnenkonferenz 2009, die Regelungen zum Hochschulzugang ohne Abitur in den Ländern zu vereinheitlichen, wurden weitestgehend vereinfachte Regelungen eingeführt und der Hochschulzugang damit erleichtert. In den meisten Ländern steht ein fachgebundenes Studium für Menschen mit beruflicher Ausbildung und Berufserfahrung offen. Höher qualifizierende Berufsabschlüsse wie zum Beispiel MeisterInnen werden mit Ausnahme von Sachsen und Brandenburg der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Doch noch immer unterscheiden sich die Länder bei der Ausgestaltung der Zugangskriterien wie Tests, bestimmte Nachweise oder die Nähe zum Fachgebiet. Die letzte Studie, die das CHE zum Hochschulzugang für Menschen ohne Abitur veröffentlichte, erschien 2009, also vor dem KMK-Beschluss. Umso spannender ist es, die Entwicklung seitdem zu beobachten und anhand konkreter Zahlen bewerten zu können. In der Studie werden Menschen ohne Abitur bezeichnet, wenn sie keine allgemeine Hochschulreife und auch keine Fachhochschulreife haben, sondern  eine berufliche Ausbildung und Berufspraxis für ein Studium qualifiziert. Insgesamt ist der Anteil dieser Studierenden in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen: 1997 lag der Anteil der Studierenden ohne Abitur insgesamt bei 0,46 %, der Anteil der AbsolventInnen sogar nur bei 0,22%. Bis 2010 hat sich der Anteil auf 1,16% gesteigert, bei den StudienanfängerInnen waren es sogar 2,08%, die ohne Abitur an die Hochschule kamen. Auch die Zahl der AbsolventInnen hat sich in den letzten Jahren gesteigert und lag 2010 bei fast 0,8%. Zwischen den Ländern gibt es auch bezüglich der Anzahl von Studierenden ohne Abitur große Unterschiede. Während beispielsweise in Berlin und Nordrhein Westfalen der Anteil der StudienanfängerInnen ohne Abitur zwischen 1997 und 2010 deutlich anstieg (Berlin: von 0,67% auf 3,68%, NRW: von 0,37% auf 4,23%), ist in Hamburg eine umgekehrte Entwicklung zu beobachten. Hier lag der Anteil 2002 noch bei 5,60% und fiel 2010 auf 1,87% zurück. Die AutorInnen der Studie geben als maßgeblichen Grund dafür die Schließung der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) an. In Hessen ist die Entwicklung ähnlich negativ wie in Hamburg. Hier nennen die AutorInnen der Studie als Grund, dass Hessen damals vergleichsweise niedrigschwellige Zugangsbeschränkungen für Menschen ohne Abitur hatte, die mittlerweile von den anderen Bundesländern aufgeholt wurden. Als besonders starken Faktor bei der Steigerung der Studierendenzahlen ohne Abitur geben die AutorInnen staatliche Förderprogramme und Initiativen von beispielsweise Industrie- und Handelskammern in Bayern, die eine Studienmöglichkeiten ohne Abitur bekannter machten. Außerdem ist das Engagement der Hochschulen ausschlaggebend, die auf neue Zielgruppen wie Menschen ohne Abitur zugehen müssen und die entsprechenden Rahmenbedingungen vor Ort schaffen müssen. „Die Umsetzung erfolgt vor Ort in den Institutionen, die ein entsprechendes Interesse an einer verbesserten Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium aufbringen und Studierende ohne Abitur als Zielgruppe ernst nehmen müssen“, schreiben die AutorInnen auf Seite 36 der Studie. Es ist also noch einiges zu tun auf dem Weg zu einer offenen Hochschule und einem durchlässigen Bildungssystem. Viele ungeklärte Fragen wie beispielsweise auch die Frage der Studienfinanzierung von Studierenden ohne Abitur werden in der Studie aufgeworfen. Wer noch mehr erfahren möchte, kann sich die gesamte Studie hier anschauen: http://www.che.de/downloads/CHE_AP157_Studieren_ohne_Abitur_2012.pdf

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