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Forschung an Fachhochschulen stärken

Das alte Bild der forschungsstarken Universitäten und der auf Lehre ausgerichteten Fachhochschulen trägt längst eine dicke Staubschicht. In der Realität wird an Fachhochschulen viel und vor allem anwendungsorientiert geforscht, soweit die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen es hergeben. Denn Fachhochschulen werben im Gegensatz zu Universitäten deutlich weniger Drittmittel ein, was auch mit der Struktur und dem fehlenden akademischen Mittelbau an Fachhochschulen zu tun hat. Eine weitere Schwierigkeit  für einen stärkeren Ausbau der Forschung ist das  bestehende hohe Lehrdeputat für ProfessorInnen: Während ProfessorInnen an Universitäten durchschnittlich 8-10 Semesterwochenstunden für Lehrveranstaltungen aufbringen, sind es für ProfessorInnen an Fachhochschulen durchschnittlich 18 Semesterwochenstunden. Die starke Abhängigkeit von Drittmitteln für die Forschung an Fachhochschulen und die fehlenden Kapazitäten, diese adäquat einzuwerben, verdeutlichen einmal mehr die Notwendigkeit grundlegender staatlicher Forschungsförderung. Der Bund muss endlich die Chancen der anwendungsorientierten Forschung an Fachhochschulen erkennen, entsprechende Programme initiieren und ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um diese Potentiale voll zu nutzen. Außerdem müssen an den Fachhochschulen ebenso die Rahmenbedingungen geschaffen werden, Forschung vernünftig betreiben zu können.  Es bedarf mehr und umfassendere Programme, die auf Forschung an Fachhochschulen zugeschnitten sind. Durch den Wandel der Rollen von Fachhochschulen und der Umstellung der Studienstruktur nach Bologna hat sich auch die Diskussion um die Durchlässigkeit innerhalb des Hochschulsystems verstärkt. Der Wechsel vom Bachelor in den Master auch über Hochschulformen hinaus ist formell möglich, doch häufig werden inhaltliche Begründungen für die Ablehnung von FachhochschulabsolventInnen herangezogen. Die Durchlässigkeit muss stärker fokussiert und diskriminierungsfrei möglich sein. Das gilt auch für die Promotion. Fachhochschulen haben nach wie vor kein Promotionsrecht,. Es muss sichergestellt werden, dass alle AbsolventInnen unabhängig vom Hochschultyp, an  dem sie studiert haben, auch promovieren können. In vielen Hochschulgesetzen sind bereits Kooperationen in Bezug auf Promotionen zwischen Fachhochschulen und Universitäten verankert. Die Einführung kooperativer Graduiertenschulen kann Studierenden von Fachhochschulen und Universitäten beispielsweise zusammenbringen und gemeinsame Forschungsprojekte vorantreiben. Insgesamt zeigt sich, dass im Bereich der Förderung von Forschung an Fachhochschulen noch viel Handlungsbedarf besteht. Fachhochschulen müssen gestärkt werden, denn sie haben wichtige Aufgaben und Funktionen nicht nur in Bezug auf die anwendungsorientierte Forschung, sondern sie können auch vermehrt als Anlaufstelle für beruflich Qualifizierte dienen, die einen akademischen Bildungsweg einschlagen wollen. Die Stärken der Fachhochschulen müssen weiter ausgebaut und unterstützt werden! Außerdem müssen Kooperationen verschiedener Hochschulen stärker ausgebaut werden, um die individuellen Stärken der Hochschulformen zu kombinieren und Durchlässigkeit zu schaffen.

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