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Erstmals Zahlen zum Medikamentenmissbrauch unter Studierenden

Die zahlreichen Medienberichte zum angeblichen „Massenphänomen“ des Medikamentenmissbrauchs spiegeln laut Pressemitteilung von HIS nicht die Realität wider, da schließlich lediglich fünf Prozent der Studierenden Hirndoping betreiben würden. Hirndoping meint, dass sie verschreibungspflichtige Medikamente, Psychostimulanzien, Aufputschmittel Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel einnehmen, um die Anforderungen im Studium (besser) bewältigen zu können. Die große Mehrheit greife nach Meinung von HIS jedoch nur selten zu entsprechenden Mitteln. Weitere fünf Prozent der Studierenden werden als so genannte „Soft-Enhancenden“ eingestuft, das heißt, sie versuchen ihre Leistung durch „weiche“ Mittel (Vitaminpräparate, homöopathische und pflanzliche Substanzen, Koffein etc.) zu steigern. Dem Thema Hirndoping damit als „nicht weiter relevant“ keine Beachtung mehr zu schenken, wäre jedoch fatal! Erstens sind die Zahlen schon über ein Jahr alt. Danach folgte ein Jahr, in dem durch die auch öffentlich stark thematisierten steigenden Studierendenzahlen und fehlenden Masterplätzen der Druck auf die Studierenden nicht gerade gesunken ist. Schaut man sich die Zahlen der Studie genauer an, stellt man außerdem fest, dass sie sich je nach Alter und Studienfach stark unterscheiden: Unter den 28- bis 29-Jährigen ist der Anteil an Studierenden, die Hirndoping betreiben mit 12 % erschreckend hoch und auch Studierenden der Veterinärmedizin (18 %) und Sport/Sportwissenschaft (14 %) greifen deutlich häufiger zu leistungssteigernden Mitteln. Hirndopende sind mit 26,5 Jahren durchschnittlich ca. anderthalb Jahre älter als Studierende, die keine oder nur „weiche“ Mittel nehmen. In den ersten vier Semestern ist die Zahl der Hirndopenden mit 3 % noch deutlich geringer als bei Studierenden in fortgeschrittenen Semestern (8 % bei Studierenden ab dem 13. Hochschulsemester). Neben dem „ob“ wurde auch nach Gründen für die Einnahme leistungssteigernder Substanzen und den Situationen, in denen diese eingenommen werden, gefragt. In mehr als der Hälfte der Fälle werden leistungssteigernde Mittel im Rahmen der Vorbereitung auf Prüfungen eingesetzt, bei 53 % ist auch genereller Stress ein Grund und für konkrete Prüfungssituation greifen 45 % zu entsprechenden Mitteln. Bei den Gründen liegt die Bekämpfung von Nervosität/Lampenfieber mit 48 % noch vor dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung (35 %). Erschreckend sind auch die ebenfalls erfragten Daten zum Leistungsdruck im Studium. Fast ein Drittel der Studierenden empfinden diesen als sehr stark, weitere 48 % als stark. Zwischen dem im Studium verspürtem Leistungsdruck und der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln besteht außerdem ein eindeutiger Zusammenhang. Während unter denen, die keinen bis geringen Leistungsdruck empfinden, nur 3 % entsprechende Substanzen nehmen, sind es unter denen mit sehr starkem Leistungsdruck 9 %. Wenn dann noch Leistungsdruck im Job neben dem Studium oder im familiären Bereich hinzukommt, greifen erschreckende 12 % zu leistungssteigernden Substanzen. Insgesamt lässt sich also sagen, dass die Zahl der hirndopenden Studierenden mit fünf Prozent glücklicherweise noch in einem überschaubaren Berecih liegt. Das bedeutet trotzdem, dass jede/r zwanzigste Studierende verschreibungspflichtigen Medikamente, Schmerzmitteln, Beruhigungsmitteln, Psychostimulanzien oder Aufputschmittel nimmt und jede/r Zehnte auf irgendeine Art und Weise versucht, mit Mitteln die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern. Und vor allem scheinen zusätzliche Stressfaktoren und Leistungsdruck, bspw. durch Jobben neben dem Studium, ein Überschreiten von Regelstudienzeiten bzw. den steigenden Leistungsdruck im Bereich des Studienabschlusses, zu vermehrtem Hirndoping zu führen. Fazit kann also nur sein, dass diese Zahlen ein Alarmsignal sind und dringend Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um den Druck und die Belastung im Studium zu verringern.

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