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Wiener Burschenschafter-Ball lässt tief blicken

Eröffnungsredner auf diesem rechtsradikalen Stelldichein war FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache, der später am Abend die Burschenschafter als „die neuen Juden“ bezeichnete und somit deutlich das verklärte Geschichtsbild der Burschenschaften zum Ausdruck brachte.  Es ist mehr als zynisch, dass der Wiener Dachverband zahlreicher schlagender und farbentragender Verbindungen mit revisionistischem Geschichtsverständnis ausgerechnet am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, zum Tanz in die Wiener Hofburg gebeten hat. Und es ist wohl kein Zufall gewesen, dass sich dann auch populäre rechtsradikale PolitikerInnen aus ganz Europa, wie z.B. Marine Le Pen, Anführerin des französischen "Front National", Kent Ekeroth von den "Schwedendemokraten" oder Philip Claeys vom belgischen "Vlaams Belang", unter den Gästen tummelten. Von der rechten österreichischen FPÖ kamen gleich mehrere Parteigrößen, die mit ihrer Gesinnung nicht hinter den Berg hielten. Mehr als 6000 GegendemonstrantInnen hatten trotz der klirrenden Kälte und massivem Polizeieinsatz die Anreise einiger Ballgäste verzögert und protestierten in Hör- und Sichtweite der Hofburg gegen diese geschmacklose Veranstaltung. FPÖ-Parteichef Strache , verkündete als Reaktion auf die Demonstrationen: "Das war wie die Reichskristallnacht", und ergänzte, die Ballbesucher seien die neuen Juden. Sein Parteifreund Klaus Nittmann äußerte sich mit ähnlichem Vergleich: "Wer für diesen Ball arbeitet, der bekommt gleich den Judenstern aufgedrückt". Es bleibt nur zu hoffen, dass die Burschenschaften im nächsten Jahr, wie bereits vor dem diesjährigen WKR-Ball von der Betreibergesellschaft angekündigt, die Hofburg nicht noch einmal für ihre Zwecke instrumentalisieren können. Für uns bleibt jedenfalls klar, dass Burschenschaften mit ihrem revisionistischen Geschichtsbild und ihrer rechtsradikalen Gesinnung an Hochschulen sowohl in Österreich als auch in Deutschland oder anderswo nichts zu suchen haben. Hintergründe: Wiener Korporationsring (WKR): Der WKR definiert sich selbst als „eine Arbeitsgemeinschaft der national-freiheitlichen, farbentragenden Korporationen in Wien“. Dem WKR gehören 21 deutschnationale Wiener Studentenverbindungen, hauptsächlich Burschenschaften und Corps, an. Den Vorsitz hat derzeit die pflichtschlagende Akademische Grenzlandsmannschaft Cimbria (Mitgliedsbund des Coburger Convents ), deren Farben schwarz-rot-weiß sind und die sehr engen Kontakt zur rechtsradikalen Szene in Österreich hat. Der WKR zeigt seine rechte Gesinnung auch an anderer Stelle mehr als deutlich. So feiern sie den 8.Mai, der als Tag der Befreiung Europas von der Nazi-Diktatur gefeiert wird, als „Tag der totalenNiederlage“1.

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