Inhalt


©

Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung – noch weit entfernt

Die Antwort der Bundesregierung zeigt sehr deutlich, dass die gläserne Decke für Frauen in Wissenschaft und Forschung noch lange nicht beseitigt ist. Sie zeigt auch, dass sich in den Jahren der Schwarz-Gelben Regierung in Bezug auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit nur sehr wenig verbessert hat. Während – erfreulicherweise – mittlerweile etwa die Hälfte der BachelorabsolventInnen weiblich sind (52 %) setzt die erste deutliche Hürde bereits beim Master ein. Bei diesem liegt der Frauenanteil nur noch bei 44%. Je weiter man die wissenschaftliche Karriereleiter nach oben klettert, desto deprimierender wird das Bild. Bei den W3-Professuren (der höchsten Besoldungsstufe für ProfessorInnen) liegt der Frauenanteil lediglich bei 14%. In den Leitungsgremien der Hochschulen sind im Schnitt maximal ein Viertel der Plätze an Frauen vergeben. Bundesweit gibt es lediglich 11% Rektorinnen/Präsidentinnen an den Hochschulen. Zusätzlich befinden sich Frauen im Bereich des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der Hochschulen überdurchschnittlich oft in befristeten Beschäftigungsverhältnissen. Die Bundesregierung sieht diese Beschäftigungsverhältnisse jedoch zum einen nicht als prekär an, zum anderen argumentiert sie damit, dass in anderen Branchen die Verhältnisse auch nicht besser wären. Sie erkennt hier fälschlicherweise keinen Handlungsbedarf, was ihr fehlendes Engagement bei der Bekämpfung von prekärer Beschäftigung in der Wissenschaft eindrucksvoll belegt. Auch im Bereich der außeruniversitären Forschung, bei den Ressortforschungseinrichtungen und den wissenschaftlichen Beratungsgremien der Bundesministerien spiegelt sich dieses Bild wieder. Die Leitungspositionen der Ressortforschungseinrichtungen der Bundesministerien sind oftmals sogar rein männlich besetzt. In den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist der Anteil der Frauen mit Leitungsfunktionen von 2009 bis 2010 sogar leicht zurückgegangen, auf heute nur noch 11%. Auf die Frage nach Durchschnittsbewertungen von Abschlüssen aufgeteilt nach Geschlechtern wurde von der Bundesregierung lediglich ausweichend geantwortet. Nichtsdestotrotz zeigen die Zahlen, dass mit Ausnahme weniger Fächergruppen überwiegend Männer die Bewertungen im Bereich von „mit Auszeichnung“ bis „gut“ erhalten. Eine schlüssige Strategie, wie sie gegen diese Geschlechterungerechtigkeit im Wissenschaftssystem vorgehen möchte, bleibt die Bundesregierung schuldig. Alle Maßnahmen, die derzeit eingesetzt werden, um den Anteil von Frauen in den oberen Ebenen der wissenschaftlichen Laufbahn zu erhöhen, stammen noch aus der letzten Legislaturperiode. Neue, eigene Maßnahmen hat die Bundesregierung bisher nicht ins Leben gerufen, es sind nach eigener Angabe in dieser Legislatur auch keine mehr geplant. Dieser Unwillen, endlich zu handeln, zeigt, dass der Bundesregierung und allen voran Frau Schavan nichts an Geschlechtergerechtigkeit liegt. Doch die Zahlen machen deutlich, dass noch einiges getan werden muss, bis das Wissenschaftssystem sich tatsächlich auch für Frauen genau so öffnet wie für Männer.

Diesen Artikel teilen: