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Gender Budgeting – auch an deiner Hochschule!

Der rechtlichen Gleichstellung von Frau und Mann muss die faktische folgen. Eine einfache Wahrheit, die schon oft ausgesprochen, geschrieben und wie ein Mantra wiederholt worden ist. Um aber die faktische Gleichstellung zu erreichen, müssen die Umstände, die zur Benachteiligung eines Menschen aufgrund des Geschlechts - meistens die Benachteiligung von Frauen - führen, analysiert werden. Haushaltsführung mag auf den ersten Blick als etwas unverfängliches daher kommen, da es sich um scheinbar neutrale Zahlen handelt, die positiv oder negativ sein können, Posten die abgezogen werden, Zuschüsse, die verrechnet werden, usw. Bei näherer Betrachtung wird jedoch auffällig, dass manche Angebote, für die Mittel in einem Haushalt zur Verfügung stehen, mehrheitlich von einem Geschlecht genutzt werden. Kürzungen in diesem Bereich würden demnach einer Benachteiligung dieses Geschlechtes gleichkommen.

Gender Budgeting ist eine Methode der Haushaltsführung, die in einem ersten Schritt evaluiert,  welche Haushaltsposten vorrangig von welchem Geschlecht genutzt werden, also wem sie zu gute kommen; um dann in einem zweitem Schritt darüber Aussagen treffen zu können, welche finanzpolitischen Maßnahmen zu Lasten oder zu Gunsten eines Geschlechts ausfallen würden. Ziel des Gender Budgeting sollte es sein, die systematische Diskriminierung von einem Geschlecht nicht noch durch wirtschaftliche/ finanzielle Benachteiligung auf Grund von geschlechtsblinder Haushaltsführung festzuschreiben. Dabei darf es allerdings nicht passieren, dass durch entsprechende Ausgaben in der Gesellschaft vorherrschende Rollenverständnisse manifestiert werden. Ziel muss es sein, dass ein vollständiges gesellschaftliches Umdenken weg von jeglichen Rollenklischees stattfindet.

Gender Budgeting ist eine seit 2001 von der UN vorgeschlagene Maßnahme um einerseits das Gender Mainstreaming voranzutreiben, und um andererseits die Benachteiligung von Frauen zu reduzieren.

Die meisten Erfahrungen auf dem Gebiet des Gender Budgeting wurden bislang mit kommunalen Haushalten gemacht. Grundsätzlich ist das Gender Budgeting, die geschlechtsbewusste Haushaltsführung, jedoch auf alle öffentlichen Haushalte anwendbar.

Eines der bestdokumentierten Beispiele für Gender Budgeting sind die seit 2005 andauernden Bemühungen des 12. Bezirks in Wien. Hier wurden in einem ersten Schritt alle kommunalpolitischen Ausgaben und Angebote evaluiert und in einem weiteren Schritt konkrete Projekte initiiert, um die fortlaufende Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes zu beenden.

Ein Beispiel von Gender Budgeting im Hochschulbereich ist nicht bekannt.

Jedoch gerade im Bereich der Hochschulen und der Frage der Förderung und Ausgestaltung von Studiengängen,  aber auch im Bereich des außercurricularen Angebots von Seiten der Studierendenwerke und Studierendenvertretungen, wäre Gender Budgeting eine sinnvolle Maßnahme, um Hürden der Gleichstellung abzubauen.

 

Die Juso-Hochschulgruppen fordern:

  • Die Landesministerien sowie die Hochschulleitungen sollen detaillierte Statistiken darüber anfertigen, wie sich die Ausgaben an den Hochschulen und auf die Hochschulen insgesamt bezogen auf die Geschlechter verteilen.
  • Bei haushaltarischen Änderungen, wie beispielsweise den Kürzungen von Mitteln, soll geprüft werden ob doch durch diese Kürzung ein Geschlecht besonders benachteiligt wird.

         Diese Prüfung ist bei Vergabe der Mittel auf die einzelnen Hochschulen anzuwenden.

         Hochschulen sollen diese Prüfung bei der Vergabe von hochschulweiten Mitteln durchführen. Fachbereiche sollen diese Prüfung bei der Vergabe von fachbereichsweiten Mitteln durchführen.

         Studierendenvertretungen sollen diese Prüfung auf alle ihre Haushaltsposten anwenden.

         Außercurriculares Angebot, wie beispielsweise der Hochschulsport, muss auch dieser Prüfung unterzogen werden. Hier ist im Besondern auf das Verhältnis zwischen kostenfreien Kursen und solchen bei denen Gebühren anfallen zu achten.

  • Alle haushaltsverwaltenden Stellen eines Hochschulbetriebes sollen ein wirksames Konzept zum Gender Budgeting vorlegen und praktizieren. Dabei ist zu beachten, dass geschlechterspezifisch verteilte Haushaltsmittel nicht tradierte Rollenbilder bedienen.

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