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Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt bekämpfen

Das Thema sexualisierte Diskriminierung und Gewalt betrifft unsere gesamte Gesellschaft. Die Vorfälle ereignen sich in allen denkbaren Lebenslagen und es ist kein Unterschied zwischen den sozialen Milieus innerhalb der Bevölkerung erkennbar. Dennoch unterliegt gerade dieses Thema einer besonderen Tabuisierung. Während wir im Bereich der Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund eine größere Sensibilisierung der Bevölkerung und der Öffentlichkeit erleben, wird die sexualisierte Diskriminierung und Gewalt weiterhin totgeschwiegen. Das begründet sich unter anderem in der mangelnden Kenntnis über die Rechtslage.

 

Auch an der Hochschule wird das Thema sexualisierte Diskriminierung stiefmütterlich behandelt und tabuisiert. Jede Studentin ist, statistisch gesehen, während ihres Studiums ein bis zwei Mal Opfer von sexualisierter Diskriminierung oder Gewalt. Häufig betroffen sind Studienanfängerinnen, Promotionsstudentinnen und Studentinnen in Prüfungsphasen, besonders auch ausländische Kommilitoninnen, homosexuelle Frauen und Mitarbeiterinnen im Mittelbau einer Universität. Dabei ist die Hauptursache zumeist das stark hierarchisch Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden. Bei einem Drittel der Vorfälle ist ein Dozent der Täter. Dies beginnt mit meist lapidaren Sprüchen, wie „Bleib bitte vorn stehen, das gibt ein schönes Bild ab“, und geht bis zu Vorfällen von strafrechtlicher Relevanz, wie sexuellem Missbrauch.

 

Wir Juso-Hochschulgruppen müssen uns für die Bekämpfung von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen einsetzen. Daher stellen wir die folgenden Forderungen.

 

  1. Die Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten ist ein elementarer Bestandteil in der Arbeit gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt. Um ihre Aufgabe wahrnehmen zu können müssen sie in angemessenem Maße von ihrer Arbeit freigestellt werden. Ihnen muss eine grundsolide Infrastruktur mit bezahlten Stellen und MitarbeiterInnen zur Verfügung gestellt werden. Außerdem muss ein, für alle Gremien der Hochschulverwaltung verbindlicher, Semesterbericht über die Arbeit und die Vorfälle institutionalisiert werden, der verpflichtend auf den Tagesordnungen der Gremien zu behandeln ist. Eine Auskunftspflicht der diversen Gremien gehört genauso dazu, wie das Stimmrecht der Gleichstellungsbeauftragten in den akademischen Gremien.
  1. Wir fordern die Schaffung bzw. Stärkung von autonomen Frauenreferaten. Die Asten und StuRäs sollen eine Debatte über die Zukunft der Frauenpolitik an der Hochschule anstoßen, mit dem Ziel diese zu fördern und zu stärken.
  1. Den Gleichstellungsbeauftragten muss ein Maßnahmenkatalog zum Verfahren bei Vermittlungen zwischen Opfern und Tätern an die Hand gegeben werden. Die Praxis der 6-Augen-Gespräche darf nur bei beiderseitigem Einverständnis angewandt werden. Eine Fürsprecherinnen-Regelung sollte als Standardverfahren etabliert werden. Das hat den Vorteil von mehr Anonymität für die Opfer, die zumeist noch Prüfungsleistungen bei den Tätern abzuleisten haben.
  1. Eine Selbstverpflichtung für alle ProfessorInnen und DozentInnen muss eingerichtet werden, damit die Lehrenden für das Problem sensibilisiert werden und sich klar zur Bekämpfung von sexualisiserter Diskriminierung und Gewalt bekennen.
  1. Dem Thema muss zu mehr Öffentlichkeit verholfen werden, damit die Tabuisierung ein Ende hat. Dazu gehören regelmäßige Aufklärungsveranstaltungen über die Rechtslage, offen zugängliche Publikationen zum Thema und die Veröffentlichung der Statistiken über die Vorfälle an der Hochschule.
  1. Die Ungleichverteilung der Geschlechter auf verschiedene Fächer muss behoben werden. Denkbar sind hier Veranstaltungsformen wie „Girlsdays“ in männerdominierten Fächern und vergleichbare Angebote für Männer in frauendominierten Fächern. Darüber hinaus müssen Frauen in männerdominierten Fächern zusätzliche Unterstützung bspw. durch Mentoringprogramme erhalten.
  1. Schlussendlich müssen männliche Netzwerke in der Wissenschaft, die es Frauen noch immer erschweren die akademische Karriereleiter zu erklimmen, durch eine konsequente Quotierung aller Lehrstühle, Lehraufträge und MitarbeiterInnenstellen  bei Neueinstellung aufgebrochen werden.

 

Diese sieben Maßnahmen sind erste Schritte für mehr Transparenz, Öffentlichkeit und Engagement im Kampf gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt. Damit können wir ein Bewusstsein und eine Sensibilisierung für das Thema an der Hochschule erreichen. Wir fordern alle Juso-Hochschulgruppen auf, sich in den Gremien der Hochschule und in ihrer Arbeit vor Ort für diese Forderungen einzusetzen und sie mit ihrer Unterstützung in die Tat umzusetzen.

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