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Studentische Kulturarbeit fördern

Das studentische Leben besteht aus mehr als nur Vorlesungen, Prüfungen und Stunden in der Bibliothek. Das Entwickeln und Ausleben einer individuellen Kultur soll ein nicht minder wichtiger Aspekt des Studierendendaseins sein. Die Juso-Hochschulgruppen setzen sich daher für eine Verankerung studentischer Kulturarbeit in all ihren Spielarten im studentischen Alltag ein und erarbeiten Anreize zum Ausbau der kulturellen Angebote und ihrer Anerkennung seitens der Hochschulen. Die bereits vielerorts vorhandene gute Kulturarbeit der Studentenwerke begrüßen wir und unterstützen diese. Hochschulen ohne Kulturlandschaft? Die studentische Kulturlandschaft stellt sich bisweilen sehr unterschiedlich dar. Während es an einigen Hochschulstandorten den Studierenden und den Organen ihrer verfassten Studierendenschaft gelingt, ein variationsreiches Angebot an kulturellen Angeboten bereitzustellen und sich auf kultureller Ebene in verschiedenster Weise zu betätigen, gibt es immer noch viele „Baustellen“, an denen die Bandbreite kultureller Projekte im Wesentlichen auf Partys beschränkt bleibt. Andernorts haben die unterschiedlichen Studentenverbindungen eine starke Position im kulturellen Bereich und besetzen die kulturellen Aktivitäten an ihrer Hochschule mit ihrem unilateralen Angebot, noch dazu häufig durchsetzt von ihrer fragwürdigen Auffassung von studentischer Kultur und politischer Bildung. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Unterstützungsbereitschaft vieler Hochschulverwaltungen im kulturellen Bereich. So bleiben viele Kulturprojekte unverwirklicht oder müssen in weitaus kleinerem Rahmen umgesetzt werden, als von VeranstalterInnen und KünstlerInnen geplant. Neben der mangelnden Hilfestellung für die OrganisatorInnen zeigen die Hochschulverwaltungen auch oftmals wenig Entgegenkommen bei kulturell interessierten Studierenden, die das kulturelle Angebot an ihrer Hochschule bereichern wollen. Eine Folge dieser Probleme ist das bisweilen bedauerlich geringe Interesse der studentischen Breite an kulturellen Projekten, einhergehend mit ebenso sporadischer Teilnahme an entsprechenden Ereignissen oder Kulturarbeiten. Die kulturelle Arbeit an den Hochschulen bleibt fragmentarisch, da es keine ausreichende zentrale Organisation größerer Projekte gibt. Obwohl es umfangreiche Möglichkeiten zur Verbesserung studentischer Kulturarbeit gibt, bleibt sie vielerorts weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Kulturarbeit als Teil des Hochschullebens Kulturelle Angebote lassen sich im Alltag in mannigfaltiger Weise finden, der Hochschulalltag darf da keine Ausnahme darstellen. Das Erleben und Gestalten von Kultur ist für viele Studierende Teil der freizeitlichen Beschäftigung, ein Ausleben ihrer eigenen Vorlieben und das Erschließen neuer Interessen. Darüber hinaus kann und soll Kulturarbeit auch zur politischen und gesellschaftlichen Bildung beitragen sowie sie die Annäherung und Vernetzung von Studierenden über die Grenzen von Semestern und Fachbereichen hinaus bewirken kann. Ein variationsreiches kulturelles Angebot muss zusätzlich Gegengewicht zum Vorlesungsalltag sein und das studentische Leben um Möglichkeiten zum Ausleben von im Studium nicht verfolgbaren Interessengebieten ergänzen. Wichtig ist hierbei, dass das kulturelle Angebot als zentraler Teil des universitären Lebens dargestellt und wahrgenommen wird, um somit den Studierenden einer Hochschule die gesamte Bandbreite des kulturellen Spektrums aufzutun und ihnen untereinander ein Forum zum Austausch von Erfahrungen, Interessen, Meinungen und eigenen kulturellen Arbeiten oder Projekten zu geben. Wir fordern daher eine stärkere Förderung und Beachtung kultureller Arbeit an den Hochschulen. Die Qualität einer Hochschule darf sich nicht allein über die Anzahl hochkarätiger Forschungsprojekte, der mit berühmten Koryphäen besetzten Lehrstühle und der teuren Laborausstattungen definieren. Im Zuge der umfassenden Bildung eines Menschen ist auch der Zugang zu kulturellen Angeboten unerlässlich. Voraussetzungen verbessern für Kulturarbeit in Breite und Nischen Wir Juso-Hochschulgruppen unterstreichen die Wichtigkeit von Vielfalt und Abwechslung in der Angebotspalette. Es ist schlichtweg unmöglich, alle Spielarten des Kulturlebens auf wenige Gruppen herunter zu brechen, deshalb sollte entsprechendes gar nicht erst versucht werden. Vielmehr muss die kulturelle Arbeit an Hochschulen sowohl die Breite der modernen Kultur abdecken, wie auch die Kulturaktivitäten von kleineren Nischen fördern und in der Studierendenschaft anwerben. Hierbei darf auch keine Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Kulturformen und Inhalten getroffen werden, es sei denn, dass die kulturelle Veranstaltung lediglich als Alibi für politische Hetze verwendet wird. Letztlich kann auch nur so ein tatsächlich hochwertiges Angebot zur kulturellen Arbeit und Betätigung gegeben werden. Jedes kulturelle Interesse muss die Möglichkeit erhalten, sich im Katalog kultureller Angebote der Hochschulen zu etablieren. Wir lehnen es daher ab, die kulturelle Aktivität von studentischen Organisationen auf dem Ausrichten von schlichten Partys verhaften zu lassen, da sich so keine ausreichenden Möglichkeiten bieten, neue Ideen und außergewöhnliche Angebote an die Studierenden heranzutragen. Wo das kulturelle Repertoire nicht aus den Ideen und Projekten der Studierenden selbst bereichert wird, sind zudem Kooperationen der Studierendenschaften mit externen Kulturanbietern sinnvoll und erforderlich. Die Juso-Hochschulgruppen setzen sich für eine Verfasste Studierendenschaft bundesweit, auch in Bayern und Baden-Württemberg ein. Dieser Teil des Textes bezieht sich auf Bundesländer, in denen die verfasste Studierendenschaft verwirklicht ist. Kulturarbeit als Aufgabe und Chance der verfassten Studierendenschaft Studentische Kulturarbeit ist schon vom Wort her eine Sache der Studierenden. Sie obliegt daher eindeutig den Studierenden selbst. Die Organisation, Bewerbung und Koordinierung der unterschiedlichen Kulturangebote sowie die Erweiterung der Angebotspalette darf daher nicht in den Händen einer Hochschulverwaltung oder eines Rektorats liegen. Was den Studierenden kulturell am Herzen liegt, dass bestimmen sie allein, eine Vorzensur kultureller Angebote widerspricht der Freiheit von Kunst und Meinungsäußerung. Wir fordern daher die alleinige Zuständigkeit der verfassten Studierendenschaft für die Gestaltung und Weiterentwicklung ihres kulturellen Angebots. Wo dies noch nicht der Fall ist, fordern wir eine entsprechende Festschreibung dieser Zuständigkeit, so wie es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen im Hochschulgesetz geschehen ist. Auch dies ist notwendig, um zu gewährleisten, dass das von den Studierenden gewünschte kulturelle Angebot tatsächlich nach ihren Vorstellungen verwirklicht werden kann. Eine Beeinflussung der kulturellen Arbeit lehnen wir dagegen strikt ab, denn einhergehend mit der Betrauung der verfassten Studierendenschaft mit der kulturellen Arbeit ist auch eine demokratische Legitimation der veranstalteten und unterstützten Kulturereignisse oder Projekte sichergestellt. Wir sehen darin letztlich auch eine Chance der verfassten Studierendenschaft, sich auch bei den Studierenden bemerkbar zu machen, die sich noch nicht im Hochschulalltag zurechtgefunden haben und noch kein Bewusstsein für die Wichtigkeit ihrer Interessenvertretung entwickelt haben. Die Förderung und Ausrichtung studentischer Kulturprojekte bringt die verfasste Studierendenschaft auch denjenigen näher, die sich mit politischen Themen eher weniger auseinandersetzen. Weiterhin bietet eine Erweiterung des kulturellen Auftrags für die Studierenden auch eine Verbesserung der Möglichkeiten, sich innerhalb ihrer verfassten Studierendenschaft einzubringen, sei es durch eigene Beiträge zum kulturellen Angebot oder eben durch die Koordination und Unterstützung solcher Projekte. Wir nehmen somit jedoch auch die verfasste Studierendenschaft und ihre Organe in die Pflicht, den Auftrag zur Gestaltung kultureller Angebote ernst zu nehmen. Eine uneingeschränkte Vielfalt des Kulturangebots muss daher eines der zentralen Anliegen einer verfassten Studierendenschaft sein. Anerkennung und Förderung studentischer Kulturarbeit durch die Hochschulen Darüber hinaus fordern wir, gerade angesichts der Studienreformen im Zuge des Bologna-Prozesses, eine stärkere Anerkennung studentischer Kulturarbeit durch die Hochschulen. Wo vielversprechende Ideen zur Bereicherung der studentischen Kultur unverwirklicht bleiben, weil die Studierenden, die sie entwickelt haben, aufgrund ihrer vollen Studienpläne keine Zeit finden, muss Abhilfe geschaffen werden. Wir fordern, dass es für Studierende die Möglichkeit gibt, die Mitarbeit an kulturellen Projekten zu verwirklichen, ohne dass ihnen daraus Nachteile für ihr Studium erwachsen, wenn sie einzelne Lehrveranstaltungen versäumen. Vielmehr fordern die Hochschulleitungen auf, die Anrechnung von studentischem Engagement als Studienleistung zu ermöglichen, beispielsweise im Bereich der sogenannten Schlüsselqualifikationen. Dies wird bereits an einigen Hochschulen praktiziert. Die zweite größere Hürde bei der Verwirklichung kultureller Angebote an der Hochschule ist die Verfügbarkeit geeigneter Veranstaltungsorte. Sowohl bei breitenorientierten Großveranstaltungen für eine Vielzahl Studierenden ist es schwierig, einen ausreichend großen Veranstaltungsraum zu finden, als auch bei Nischenkulturereignissen, bei denen nicht durch eine Beteiligung zahlreicher Studierender ausreichend Mittel zusammengetragen werden können, um einen Veranstaltungsort zu erlangen. In diesen beiden und ähnlich gelagerten Fällen fordern wir eine Unterstützung für die Studierenden durch die Hochschulverwaltungen. Gerade für kleinere Kulturveranstaltungen sind häufig Räumlichkeiten der Hochschulen geeignet. Diese müssen den Studierenden zur Realisierung ihrer Kulturprojekte unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Studentische Kulturarbeit als zentrales Element des Studierendenlebens Schlussendlich bleibt zu betonen, welche zentrale Rolle wir studentischer Kulturarbeit beimessen und wie wichtig aufgrund dieser zentralen Rolle eine Verbesserung der Möglichkeiten zur Förderung, Durchführung oder Organisation studentischer Kulturarbeit ist. Kultur und kulturelle Arbeit sind an einer Hochschule kein Extra, das als unterhaltsame Nebensache allen anderen Belangen untergeordnet werden muss. Zur umfassenden Bildung an einer Hochschule gehört ein solides Kulturangebot ebenso selbstverständlich dazu wie ein Angebot an Vorlesungen und Seminaren. Wir fordern daher einen massiven Ausbau der kulturellen Arbeitsmöglichkeiten an allen Hochschulen und fordern zu diesem Zwecke alle Studierendenschaften, ihre Vertretungen und Hochschulverwaltungen zu verstärkter Mit- und Zusammenarbeit auf.

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