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Juso-Frauenseminar 16./17. März 2007

Frau von Gélieu beginnt auf dem Berliner Gendarmenmarkt ihren Stadtrundgang mit einem Zitat aus Schillers „Lied von der Glocke“. Die Reaktionen auf die „züchtige Hausfrau“ und den Mann, der „hinaus ins feindliche Leben“ und dort „streben und wirken“ muss, schwanken zwischen Belustigung und Kopfschütteln; erinnern diese Äußerungen des Dichters aus dem 18. Jahrhundert doch stark an so manche aktuell geführte Debatte. Danach folgen Infos zu Rahel Varnhagen, Königin Dorothea, Clara Zetkin und der kommissarischen Berliner Oberbürgermeisterin von 1947, Louise Schroeder. Dabei fällt auf, dass fast alle der erwähnten Frauen nur in der zweiten Reihe standen, nur zufällig in einflussreiche Positionen gelangten oder lediglich einspringen durften, wenn gerade keine passenden Männer zur Verfügung standen.
 
Die 30 Frauen, die an diesem Stadtrundgang teilnehmen, sind nicht zufällig von der mecklenburgischen Ostseeküste oder der schwäbischen Kleinstadt nach Berlin gekommen. Sie nehmen an der Frauenkonferenz des Juso-Bundesverbandes vom 16. bis 17. März teil. Im Anschluss an den Stadtrundgang steht ein Gespräch mit der stellvertretenden AsF-Bundesvorsitzenden Barbara Hackenschmidt auf dem Programm. Danach geht es in die rheinland-pfälzische Landesvertretung, wo mit Blick auf die beleuchtete Reichstagskuppel ein World Café zum Netzwerken einlädt. Etablierte Frauen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft stehen an verschiedenen Tischen den Teilnehmerinnen Rede und Antwort. Neben der brandenburgischen Familienministerin Dagmar Ziegler können wir u.a. die Grimme-Preisträgerin Loretta Walz und Sophia Oppermann von „Gesicht zeigen! e.V.“ begrüßen. Am Samstagmorgen geht es um die konkrete Aktionsplanung für die Frauenarbeit des Bundesverbandes. Nachdem Claudia Bogedan die Aktivitäten des letzten Jahres und die Ergebnisse der Potenzialanalyse vorgestellt hat, darf der einzige anwesende Mann, Tobias Gombert, die Leitung übernehmen. Mit Hilfe eines Ideenkarussells werden neue Ansätze für die zukünftige Frauenarbeit gesucht und gefunden. In Arbeitsgruppen wird darüber diskutiert, wie Frauen mehr Macht bei den Jusos und in der SPD bekommen, wie alte Rollenklischees überwunden werden und wie zukünftige Strategien, Netzwerke und Seminare aussehen können. Spätestens da ist klar: Diese Frauen lassen sich nicht mehr in die zweite Reihe abdrängen, sie werden sich nicht mehr mit Zuarbeiten für Männer begnügen, sie wollen selbst Einfluss und Macht wahrnehmen.

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