Inhalt


©

Gegen Studierfähigkeitstests – Für offene Hochschulen!

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) haben am 17. Mai 2006 beschlossen, mit der ITB Consulting GmbH aus Bonn bundesweite allgemeine Studierfähigkeitstests zu entwickeln. Mit diesen Tests sollen sich sowohl inländische als auch ausländische StudienbewerberInnen an den Universitäten bewerben, die sie dann auf Grundlage des Testergebnisses in Kombination mit der Abiturnote auswählen und gegebenenfalls zulassen. Diese allgemeinen fachbezogenen Studierfähigkeitstests werden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbereichen diverser Universitäten von der ITB Consulting GmbH entwickelt. Mindestens die involvierten Fächer verpflichten sich damit für wenigstens fünf Jahre ihre Studierenden nach diesem Test auszuwählen. Der Test an sich wird dezentral abgenommen und dann zentral von ITB Consulting ausgewertet. Die Gebühren für die Testteilnahme werden den StudienbewerberInnen in Rechnung gestellt und sollen 50 Euro betragen, wobei Vorbereitungsmaterial und Fahrtkosten nicht enthalten sind. Die ersten Zulassungen über diesen Test sollen bereits im Wintersemester 2007/2008 erfolgen. Die Öffentlichkeit soll aber erst am 16. Juli 2006 hierüber informiert werden, wohl um Proteste an den Hochschulen durch die Semesterferien zu verhindern. Die Intransparenz, die bei der Entwicklung zum Tragen kommt und die bereits eingegangene Verpflichtung mindestens fünf Jahre lang Studierende nach diesem Test auszuwählen, obwohl er noch gar nicht vorliegt, ist bei so weitreichenden Konsequenzen skandalös und nicht hinnehmbar. Ziel ist angeblich durch diese Tests die AbbrecherInnenquote zu senken, da hierdurch gewährleistet würde, nur noch die für ein bestimmtes Studienfach geeigneten Studierenden zu finden. Das heißt nichts anderes als Studierende noch besser und einfacher nach den Vorstellungen der Universitäten zu selektieren und diejenigen, die nicht diesen Vorstellungen entsprechen, aussortieren zu können. Zweifelhaft ist außerdem die wissenschaftliche Objektivität solcher Tests. Durch Übungseffekte und erwartungsgetreue Antworten ohnehin schon wenig verlässlich, wird die massenhafte Erstellung solcher Tests wohl kaum eine hohe Reliabilität und Validität ergeben. De facto wird hier an einem Instrument gearbeitet, das es ermöglicht, die wenigen StudienbewerberInnen aus sozial schwachen Schichten, die sich von Studiengebühren nicht haben abschrecken lassen, auch noch durch angeblich objektive Selektionskriterien ausschließen zu können. Offenbar soll hier ein Markt bedient werden, der 50 Euro pro abgenommenen Test verlangt und sich darüber hinaus durch Vorbereitungsbücher und –kurse bereichert, die für zusätzliche Selektion sozial Schwacher sorgen. Die Implementierung einer weiteren Zugangshürde entspricht der Taktik der HRK und der Landesregierungen, auf den positiven Anstieg der StudienbewerberInnen in den nächsten Jahren durch eine weitere Schließung des Hochschulzugangs zu reagieren. Die Verantwortlichen verschließen sich der einzig adäquaten Reaktion auf diese Entwicklung, die in einer Ausweitung und Verbesserung des Lehr- und Beratungsangebots zur Senkung der AbbrecherInnenquote und einer qualitativen Verbesserung des Studiums läge. Anstelle der Öffnung der Hochschulen für die große Masse der Studierwilligen beschränken sich sowohl die Universitäten als auch die verantwortlichen PolitikerInnen darauf, eine kleine Elite zu fördern. Dies zeigt sich nicht nur in Exzellenzwettbewerben und kleinen Masterstudiengängen sondern auch in allgemeinen Studierfähigkeitstests. Denn diese Tests führen zu einer noch stärkeren Reproduktion der Eliten, da nun Menschen aus anderen Schichten problemlos identifiziert und ausgeschlossen werden können. Dies passiert unter dem Deckmantel eines scheinbar objektiven Tests, der der unterschiedlichen Ausstattung mit kulturellem Kapital sowie finanziellen Ressourcen in den Familien - die bereits die schulische Laufbahn stark beeinflussen – insofern Rechnung trägt, als dass diese BewerberInnen durch ein bestimmtes Antwortverhalten leicht aussortierbar sind. So werden z.B. in einigen Fächern, für die bereits Studierfähigkeitstests verpflichtend sind, auch Hobbys abgefragt. Es ist augenscheinlich, dass Menschen, die hier Segeln, Reiten oder Tennis angeben, bessere Chancen haben, als solche, die Computerspielen oder mit Freunden treffen angeben. Die Juso-Hochschulgruppen sprechen sich gegen jede Form der Zugangsbeschränkung zu Bildung im allgemeinen und Universitäten im besondern aus. Selektionsinstrumente wie Studierfähigkeitstests dienen zum leichteren Ausschluss von StudienbewerberInnen, die nicht den marktförmigen, elitären Ansprüchen der Universitäten entsprechen. Eine immer stärkere Verknappung der „Ressource Bildung“ und die damit einhergehende Verschärfung des Konkurrenzkampfes unter den StudienbewerberInnen um diese wird von den Juso-Hochschulgruppen strikt abgelehnt! Bildung muss immer der Emanzipation der Menschen dienen, weshalb der Wunsch z.B. nach einem bestimmten Studienfach zur Zulassung ausreichen muss. Die Juso-Hochschulgruppen fordern deshalb die vollständige Öffnung der Universitäten für alle StudienbewerberInnen ohne jede Zugangsbeschränkung! Dem Bedarf an Studienplätzen ist mit einer ausreichenden finanziellen und personellen Ausstattung der Hochschulen Rechnung zu tragen. Die zum Teil hohen AbbrecherInnenquoten sind lediglich ein Symptom für die katastrophalen Lernbedingungen, hervorgerufen durch die konsequente Unterfinanzierung der Universitäten sowie die verfehlten Studienreformen der vergangen Jahre. Nötig sind neben quantitativen auch qualitative Verbesserungen sowohl durch hochwertige Beratungs- und Betreuungsangebote als auch durch eine bessere Ausstattung an Lehr- und Lernmaterial, eine größere Zahl an Dozierenden und eine qualitative Studienstrukturreform, die ihren Namen verdient; Studierfähigkeitstests sind jedenfalls sicher der völlig falsche Weg.

Diesen Artikel teilen: