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Frauen in die Lehrstühle: Für eine konsequente Gleichstellungspolitik in der Wissenschaft!

Wenn es um Gleichstellung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen geht, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Je höher die Stadien der wissenschaftlichen Laufbahn, desto niedriger ist der Frauenanteil. Während der Frauenanteil unter den Studierenden bei 47,7% (2004)[1] liegt, sinkt er bei Promotionen schon auf 39% und bei Habilitationen liegt er nur noch bei 22,7%. Den hohen Studentinnenzahlen zu Beginn steht an der Spitze der Pyramide eine lächerlich geringe Zahl von lediglich 13,6% Professorinnen gegenüber. Von den C4-Professuren sind nur 9,2% von Frauen besetzt. Die Hochschulen sind offensichtlich noch Lichtjahre von einer vollständigen Gleichstellung entfernt. Da die Qualifikation von jungen Wissenschaftlerinnen sich nicht von ihren männlichen Kollegen unterscheidet, kann dies nicht der Grund sein. Viel mehr sind die Ursachen in verfestigten, von Männern dominierten Hierarchien, Diskriminierung und fehlenden weiblichen Vorbildern zu suchen. Außerdem sind Frauen immer noch zum Großteil für die Erziehungsarbeit und die damit verbundenen Pflichten zuständig, was eine wissenschaftliche Karriere deutlich erschwert. Einem großen Teil hoch qualifizierter Wissenschaftlerinnen wird damit der Zugang zum Wissenschaftsbetrieb verwehrt. Und dies trotz zahlreicher Frauenförderungsprogramme und Verbesserungen in der Kinderbetreuung. Die Quote in allen Bereichen der Wissenschaft! Bisherige Gleichstellungsprogramme haben nicht ansatzweise die notwendigen Effekte erzielt, um die Gleichstellung von Männern und Frauen an Hochschulen voranzutreiben. Die Juso-Hochschulgruppen sehen deshalb die Quote in allen Bereichen des Wissenschaftsbetriebes als einzig wirklich effektives Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Wir fordern, dass 50% aller Stellen für wissenschaftliche MitarbeiterInnen, 50% aller Promotionsstellen und 50% aller Lehrstühle in allen Fachbereichen mit Frauen besetzt werden. Außerdem muss die Einhaltung der Quote sicher gestellt werden. Da durch die momentane Regelung, bei gleicher Qualifikation die Frau einzustellen, oft einfach Männer besser geredet werden. Hier müssen die Gleichstellungsbeauftragten besser geschult sowie zu Einspruch ermutigt werden. Des Weiteren sollen finanzielle Anreize hier verstärkt werden. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen allerdings, dass eine Quote alleine nicht ausreicht, um Ungleichheiten und Ungleichbelastungen zu verhindern. Mehr Planungssicherheit durch Festanstellungen! Bereits wenn es um die Promotion geht, erhalten signifikant mehr männliche Nachwuchswissenschaftler eine feste Anstellung und damit auch mehr Anerkennung. Durch die Festanstellung haben Männer wesentlich bessere Möglichkeiten, sich im akademischen Feld zu integrieren und Netzwerke aufzubauen, die Einfluss haben auf den weiteren Karriereweg. Wissenschaftlerinnen erhalten zumeist unbefristeten Stellen und Teilzeitverträge mit geringen Chancen den Verbeamtungsstatus zu erreichen und einen Lehrstuhl zu erhalten. Die Finanzierung durch eine feste Stelle ist der sicherste Weg zu einer Professur. Frauen müssen sich ihre Promotion bisher sehr viel mehr über Stipendien oder private Quellen finanzieren und haben durch befristete Verträge weniger Planungssicherheit. So müssen Frauen wesentlich häufiger als Männer zwischen Promotion und Habilitation ihre Karriere unterbrechen, insbesondere aufgrund von Kinderbetreuung und Arbeitslosigkeit. Die Hürde des Widereinstiegs ist sehr groß. Männern wird es wesentlich einfacher gemacht, ohne Unterbrechung zur Professur aufzusteigen. Die Juso-Hochschulgruppen fordern eine höhere Transparenz und Planungssicherheit der Karrierewege. Dafür müssen mehr Möglichkeiten zu Festanstellungen für Frauen geschaffen werden. Mentoringprogramme für Frauen schaffen! Studien haben immer wieder bewiesen: Ausschlussmechanismen sowie offene und subtile Diskriminierung von Wissenschaftlerinnen sind an Forschungseinrichtungen und Hochschulen verbreitet. Frauen werden oft aus informellen wissenschaftlichen Netzwerken ausgeschlossen und sehen sich und ihre Arbeit im allgemeinen Forschungsbetrieb weniger akzeptiert als die der Männer. Außerdem stehen Wissenschaftlerinnen unter einem höheren Leistungsdruck, da sie wesentlich mehr leisten zu müssen, um die gleiche Anerkennung wie Wissenschaftler zu erhalten. Zusätzlich wird ihre wissenschaftliche Arbeit auch deshalb gebremst, weil sie weniger Unterstützung von ihren Professoren während ihres Studiums und ihrer Promotion erhalten als Männer. Die niedrigere Repräsentanz von Frauen in Spitzenpositionen der Wissenschaft ist ein Ergebnis struktureller Diskriminierung und Ausschluss aus informellen Netzwerken. Dieser Missstand kann nur gelöst werden, wenn über ein gezieltes Mentoring Frauen in die Netzwerke integriert werden und in ihrer Arbeit und Karriereplanung unterstützt werden. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherstellen! Traditionelle Rollenmuster in Partnerschaft und Familie beeinträchtigen Wissenschaftlerinnen in sehr hohem Maße in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn. Ein Viertel der Wissenschaftlerinnen sieht es als notwendig an, auf Kinder zu verzichten, ein Großteil bricht die wissenschaftliche Arbeit aufgrund der mangelnden Planungssicherheit und der Angst vor Überbelastung bei einem Kinderwunsch lieber ab. Die Juso-Hochschulgruppen fordern die Schaffung von mehr und besseren Ganztagesbetreuungsmöglichkeiten sowie Beratungsmöglichkeiten in Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die Wissenschaftlerinnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Frauen muss der Widereinstieg nach Betreuungsphasen wesentlich erleichtert werden. Barrieren in den Köpfen, starre Hierarchien, Ausgrenzungsmechanismen und Männerbastionen in den Hochschulen können nur mit einer konsequenten Gleichstellungspolitik mit umfassenden Maßnahmen bekämpft werden.

[1] alle Zahlen s. „Frauenanteile in verschiedenen Stadien der akademischen Laufbahn“, Zahlen aus dem Jahr 2004, Statistisches Bundesamt Deutschland, http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/hochtab8.php

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