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Für einen sozialen Hochschulraum Europa im Interesse der Studierenden!

Präambel

Die Juso-Hochschulgruppen begrüßen grundsätzlich die Idee des Bolognaprozesses zur Schaffung eines Europäischen Hochschulraumes und das damit verbundene zunehmende Zusammenwachsen der europäischen Hochschulsysteme. Wir Juso-Hochschulgruppen teilen die Überzeugung, dass ein gemeinsamer Hochschulraum, in dem mehr Studierende, Lehrende und Arbeitende über nationale Grenzen hinweg mobil sind als dies bisher der Fall ist, ein wichtiger Schritt hin zu einem vereinten, solidarischen und friedlichen Europa ist. Leider wurden in Deutschland die Chancen, die der Bologna-Prozess bietet, bisher nicht ausreichend für eine qualitative Studienreform – verbunden mit einer dringend notwendigen Öffnung und Demokratisierung der Hochschulen – genutzt. Vielmehr wurde der Prozess hierzulande dazu missbraucht, weitere Selektionsmechanismen, sowohl beim Hochschulzugang als auch während des Studiums zu erreichen und dieses weiter zu reglementieren. Gleichzeitig wurden und werden vielfältige Studiengebührenmodelle implementiert. Damit einher geht die immer stärkere Privatisierung und Ökonomisierung der Hochschulbildung, verbunden mit einer immer stärkeren Schließung der Hochschulen und Selektion gerade der Studierenden aus sozial schwachen Schichten Wir Juso-Hochschulgruppen lehnen ein auf ihre ökonomischen Aspekte reduziertes Verständnis von Bildung und Hochschulbildung ab. Bildung und Hochschulbildung bringen nicht nur materielle Vorteile, sondern tragen ebenso zu gesellschaftlicher und persönlicher Entwicklung bei und befähigen Menschen zu aktiver und kritischer Teilhabe in einer demokratischen Gesellschaft. Wir Juso-Hochschulgruppen betonen, dass Hochschulbildung ein öffentliches Gut ist und in öffentlicher Verantwortung stehen muss. Wir fordern, dass dieses Bekenntnis Grundlage künftiger Vereinbarungen und Kommuniqués sein muss.

Den Hochschulraum Europa für und mit Studierenden gestalten!

Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen die verschiedenen Instrumente und Reformen, die die BildungsministerInnen von mittlerweile 45 Staaten in ihren Konferenzen in Bologna, Prag, Berlin und Bergen vereinbart haben. Wir Juso-Hochschulgruppen betonen, dass die Einbeziehung der Hochschulen, vertreten durch EUA und EURASHE, sowie der Studierenden, vertreten durch ESIB, essentiell war und ist, um eine breite Akzeptanz der vereinbarten Maßnahmen zu erreichen. Nur durch die weitreichende Einbeziehung Studierender in alle Entscheidungsprozesse kann ein Hochschulraum Europa geschaffen werden, der den Interessen der Studierenden gerecht wird. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern, dass die Erhöhung der Durchlässigkeit im Bildungssystem und die Verbreiterung des Zugangs zu den Hochschulen Prioritäten im Bologna Prozess sein müssen. Ein verbreiterter Zugang zu den Hochschulen und eine erhöhte Durchlässigkeit sind zum Wohle der gesamten Gesellschaft. Der Bologna Prozess darf sich nicht auf das Ziel einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit Europas konzentrieren. Wir Juso-Hochschulgruppen erwarten, dass der Bologna Prozess auf europäischer, nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu einer Erhöhung und dauerhaften Etablierung der Beteiligung von Studierenden in allen Entscheidungen betreffend die Hochschulbildung führt. Wir begrüßen die entsprechende Übereinkunft der BildungsministerInnen in ihrem Prager Kommuniqué. Die diesbezüglich in Deutschland in einzelnen Bereichen erreichten Fortschritte müssen intensiviert werden. Insbesondere fordern wir eine paritätische Beteiligung der Studierenden in allen Gremien der Hochschulen. Wir Juso-Hochschulgruppen betonen, dass sich die Übereinkunft der MinisterInnen zur studentischen Beteiligung nicht ausschließlich auf den Bologna Prozess, sondern auf alle Entscheidungen über das Hochschulsystem bezieht. Wir fordern, dass sich dies auf allen Ebenen wiederspiegeln muss. Wir Juso-Hochschulgruppen sehen allerdings mit großer Besorgnis, dass bei der bisherigen Umsetzung des Bologna-Prozesses in den deutschen Hochschulen die Studierenden wenig bis gar nicht einbezogen wurden. Die Umstellung auf Bachelor und Master, verbunden mit einer restriktiven Begrenzung der individuellen Studienzeit und die Einführung von sehr hohen Mindestanforderungen an ECTS-Punkten oder Prüfungen pro Semester haben nicht nur für die persönliche Studien- und Lebensplanung, sondern auch für die studentische Mitbestimmung negative Folgen. Die Erhöhung der Anforderungen zwingt die Studierenden zu einer ausschließlichen Konzentration auf ihr (Fach-)Studium und verhindert sowohl die studentische Mitbestimmung als auch anderes gesellschaftliches oder soziales Engagement. Wir fordern, dass die Möglichkeiten der studentischen Mitbestimmung ausgeweitet werden und dass jegliche Art der Benachteiligung von Studierenden, die sich an ihrer Universität engagieren, verhindert wird.

Für eine kohärente Umsetzung vereinbarter Maßnahmen!

Wir Juso-Hochschulgruppen sind überzeugt, dass die im Rahmen des Bologna Prozesses vereinbarten Maßnahmen in Deutschland nur ungenügend umgesetzt sind. Darüber können auch scheinbar erfolgreiche Zahlen nicht hinwegtäuschen: So darf trotz der Tatsache, dass bereits etwa ein Viertel der Studiengänge in Deutschland zu Bachelor oder Master führen nicht vergessen werden, dass nach wie vor lediglich 8% der Studierenden in diesen Studiengängen eingeschrieben sind. Wir Juso-Hochschulgruppen wenden uns entschieden dagegen, die Umsetzung des Bologna Prozesses als Vorwand für andere (politische) Ziele zu missbrauchen. Weder Mittelkürzungen und die gleichzeitige Einführung von Studiengebühren, noch die Beschränkung des Zugangs zu bestimmten Studiengängen, noch die Verringerung der Flexibilität der Studienprogramme etwa durch die Einführung von Zwangsexmatrikulationsregelungen sind auch nur im entferntesten Ziele oder Maßnahmen des Bologna Prozesses. Wir Juso-Hochschulgruppen wenden uns ebenso entschieden gegen eine Implementierung des Bologna Prozesses “à la carte”. Die im Bologna Prozess vereinbarten Maßnahmen und Instrumente sind darauf ausgelegt, als Paket zu funktionieren und die gewünschten Ziele zu erreichen. Daher ist es einzig sinnvoll, die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit zu implementieren. Insbesondere ist es nicht ausreichend, unter Bologna lediglich die Einführung gestufter Bachelor- und Masterstudiengänge zu verstehen. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern entschieden die Einbeziehung der Studierenden als gleichwertige PartnerInnen auf allen Ebenen der Umsetzung. Wir begrüßen die auf Bundesebene existierende Nationale Bologna Follow-Up Gruppe bestehend aus BMBF, KMK, fzs, Akkreditierungsrat, DAAD, GEW und BDA. Vergleichbare Arbeitsgruppen müssen ebenso auf Landesebene geschaffen und in alle relevanten Entscheidungen einbezogen werden.

Bachelor und Master – neue Flexibilität statt neuer Hürden!

Ein dreistufiges Studiengangmodell, bestehend aus Bachelor, Master und Promotion, muss aus Sicht der Juso-Hochschulgruppen zu einem flexibleren Studiensystem für Studierende führen und die Durchlässigkeit im Bildungssystem erhöhen. Der im deutschen Kontext neue Abschluss Bachelor muss für Studierende eine zusätzliche attraktive Alternative darstellen. Gleichwohl muss jeder und jedem offen stehen, die Hochschule erstmals nach dem Abschluss eines Bachelors oder Masters zu verlassen. Wir Juso-Hochschulgruppen wenden uns entschieden dagegen, zwischen Bachelor und Master eine neue Hürde im Hochschulsystem zu schaffen. Dies ist jedoch an den meisten deutschen Hochschulen der Fall. So werden für die Masterstudiengänge zusätzliche Zugangsbeschränkungen (durch einen N.C. oder andere Auswahlverfahren) eingeführt, die verhindern sollen, dass alle BachelorabsolventInnen einen Masterstudiengang studieren können. Eine zusätzliche Hürde wird durch die Einführung von Studiengebühren für viele Masterstudiengänge gesetzt. Außerdem werden bereits an einigen Hochschulen ganze Master-Studiengänge an private Bildungseinrichtungen ausgegliedert, die dort – von den gleichen Dozenten/-innen- nur gegen horrende Gebühren angeboten werden, die jegliche staatliche Gebührendimension maßlos übertreffen. Dafür wird der Studiengang dann an der Hochschule nicht mehr angeboten und ist der Mehrheit de Studierenden nicht mehr zugänglich. Prinzipiell muss jeder und jedem Studierenden der Zugang zu einem Masterstudiengang seiner/ihrer Wahl offen stehen. Dies muss sowohl unmittelbar als auch nach einer Phase der Berufstätigkeit gelten. Wir fordern deshalb die Abschaffung solcher Hürden im Hochschulsystem. Die Umstellung auf ein dreistufiges Studienmodell bedingt eine inhaltliche Reform der Studiengänge. Bestehende Studiengänge rein technisch in zwei Teile zu zerlegen schafft keinen eigenständigen Bachelorstudiengang. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern, dass in einem Bachelorstudium kritisches und emanzipatorisches Denken und Handeln erlernt werden kann. Zudem muss ein Bachelorstudiengang ein schlüssiges Qualifikationsprofil aufweisen, damit eine Berufstätigkeit nach Abschluss eines solchen Studiums auch eine tatsächliche Option darstellt. Wir Juso-Hochschulgruppen lehnen eine Kategorisierung von Masterstudiengängen nach Anwendungs- und Forschungsorientierung ab. Jedes Hochschulstudium muss sich vielmehr durch eine ausgewogene Kombination aus Theorie und Praxis auszeichnen. Nichtsdestotrotz können und sollen einzelne Studiengänge spezifische Profile erarbeiten, die jedoch vielschichtiger als zwei starre Kategorien sind. Darüber hinaus befürworten die Juso-Hochschulgruppen die volle formale Gleichstellung von Bachelor- und Masterstudiengängen an Universitäten und Fachhochschulen.

Flexibilität und Transparenz durch ECTS und Diploma Supplement

Wir Juso-Hochschulgruppen erwarten, dass das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) zu mehr Transparenz der Studiengänge, einem Rechtsanspruch auf Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen und zu mehr Flexibilität für Studierende in ihrer Studiengestaltung führt. Für ein System, dass an den Interessen der Studierenden orientiert ist, ist die Orientierung am studentischen Arbeitsaufwand (workload) und Lernzielen (learning outcomes) essentiell. Die Realität der Implementierung von ECTS in Deutschland spricht jedoch ein anderes Bild. Es ist aus Sicht der Juso-Hochschulgruppen nicht hinnehmbar, dass Semesterwochenstunden, also Präsenzzeit, mittels eines Faktors in “ECTS” umgerechnet wird. Der weitere studentische Arbeitsaufwand, etwa Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen, das Anfertigen von Hausarbeiten, etc. variiert je nach Veranstaltung erheblich und ist nur durch eine Befragung der Studierenden korrekt im Durchschnitt abzubilden. Wir Juso-Hochschulgruppen wenden uns entschieden gegen Einschnitte in die flexible und selbstbestimmte Studiengestaltung unter dem Deckmantel von ECTS. Weder ECTS noch Modularisierung fordern mehr anwesenheitspflichtige Veranstaltungen, automatische Prüfungsanmeldungen, weniger Prüfungsversuche, eine Inflation von Prüfungen oder weniger Wahlmöglichkeiten im Curriculum. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern, dass die Implementierung von ECTS gleichzeitig zu flexibleren Curricula mit mehr Wahlmöglichkeiten für Studierende führt. Eine grundlose Erhöhung der Anzahl von Prüfungen lehnen wir strikt ab. Wir Juso-Hochschulgruppen betonen, dass die Anforderung von 30 ECTS-Punkten pro Semester eine Richtlinie allein für empfohlene Studienpläne ist. Vorgaben, wie viel ECTS-Punkte pro Semester individuelle Studierende leisten sollen oder müssen, sind im Rahmen von ECTS nicht vorgesehen. Wir Juso-Hochschulgruppen lehnen solche ebenso strikt ab, da sie der Unterschiedlichkeit einzelner Biografien und Lebenssituation nicht gerecht werden können. Wir fordern vielmehr ein flexibles System, was von der traditionellen Vorstellung eines in Jahre oder Semester strikt gegliederten Curriculums Abstand nimmt. Die Juso-Hochschulgruppen begrüßen, dass Abschlusszeugnisse durch ein Diploma Supplement transparent gemacht werden sollen und näher beschrieben werden. Wir fordern, dass jede und jeder Studierende ein Diploma Supplement automatisch und kostenfrei zum Abschlusszeugnis erhält. Weiter muss auch die Möglichkeit offen stehen, ein Diploma Supplement nachträglich für einen in der Vergangenheit erworbenen Abschluss zu erhalten.

Bessere Anerkennung für höhere Durchlässigkeit!

Die vollständige Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen und -abschlüssen ist notwendig, um Mobilität für Studierende attraktiver zu machen. Neben den Transparenz fördernden Instrumenten ECTS und Diploma Supplement sind dazu entsprechende gesetzliche Grundlagen und angemessene, nicht übermäßig bürokratische Verfahren an Hochschulen notwendig. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern die Bundesregierung auf, das Lissabonner Abkommen über die Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen in der Europäischen Region zu ratifizieren und im Bundesrecht vollständig umzusetzen. Ebenso fordern wir die Regierungen der Länder auf, die jeweiligen Hochschulgesetze entsprechend anzupassen. Aus Sicht der Juso-Hochschulgruppen sind Änderungen insbesondere erforderlich bezüglich der Umkehr der Beweislast, derart, dass Hochschulen Studierenden nachweisen müssen, dass eine Studienleistung aus dem Ausland von der entsprechenden inländischen substantiell unterschiedlich ist. Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen die Vereinbarung der europäischen BildungsministerInnen, die Anerkennung außerhochschulischen Lernens zu verbessern. Die Anerkennung von Kenntnissen, die in der Berufsbildung oder anderen nicht-hochschulischen Einrichtungen des sekundären oder tertiären Bildungssektors, oder im Rahmen von sozialen und gesellschaftlichen Engagement erworben wurden, bedeutet eine erhebliche Verbesserung für Menschen ohne traditionelle Bildungsbiografie (Gymnasium – Abitur – Hochschule). Durch die Anerkennung außerhochschulischen Lernens sowohl als Ersatz für die traditionelle Hochschulzugangsberechtigung als auch anstelle einzelner Studienleistungen wird das Bildungssystem durchlässiger gestaltet. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern, dass die Implementierung entsprechender Verfahren auch in Deutschland prioritär verfolgt wird.

Qualitätssicherung – nur mit studentischer Beteiligung!

Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen die durch den Bologna Prozess entstandene stärkere europäische Zusammenarbeit in der Qualitätssicherung von Hochschulbildung. Qualität ist nicht allgemeingültig definierbar. Vielmehr haben verschiedene Gruppen unterschiedliche Anforderung an Hochschulbildung. Für die Juso-Hochschulgruppen ist daher von zentraler Bedeutung, dass in allen Verfahren zur Qualitätssicherung Studierende, ProfessorInnen und Sozialpartner gleichberechtigt beteiligt sind. Die verschiedenen Instrumente zur Erhöhung der Transparenz und zur Verbesserung der Anerkennung von Studienleistungen basieren auf einem hohen gegenseitigen Vertrauen aller beteiligten Akteure, also z.B. dem Vertrauen der anerkennenden Hochschule in die Qualität einer ausländischen Einrichtung. Zur Herstellung dieses nötigen Vertrauens sind europaweit vergleichbare Qualitätssicherungsverfahren notwendig. Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen daher die Verabschiedung gemeinsamer Europäischer Standards und Richtlinien für die Qualitätssicherung ebenso wie die Planung eines Europäischen Registers vertrauenswürdiger Qualitätssicherungsagenturen. Wir Juso-Hochschulgruppen stellen fest, dass das deutsche System der Qualitätssicherung den Europäischen Standards und Richtlinien bisher nicht vollständig entspricht. So ist bezüglich des Akkreditierungssystems derzeit keine vollständige Transparenz aller Kriterien und Entscheidungen gegeben. Des Weiteren ist die Beteiligung von Studierenden nicht in jedem Fall gegeben. Die internen Qualitätssicherungssysteme der Hochschulen in Deutschland variieren stark. Die derzeitigen Regelungen auf Bundes- und Landesebene sind nicht in der Lage zu garantieren, dass die Europäischen Standards und Richtlinien auf interner Ebene vollständig angewandt werden. Beispielsweise führen nicht alle Hochschulen und/oder Fachbereiche genau festgelegte, transparente, regelmäßige Evaluationen ihrer Studienprogramme unter Beteiligung von Studierenden durch. Außerdem sehen wir die Finanzierung der Evaluierung an manchen Hochschulen sehr kritisch. Eine Querfinanzierung über Studiengebühren /-konten oder die übermäßige Belastung des Haushaltstitels für Forschung und Lehre ist abzulehnen.“ Wir setzen uns für die bundesweite Einrichtung von Landesinstituten oder länderübergreifenden Evaluationsinstitutionen oder -verbünden zur Evaluation der Lehre ein. Diese Institute sollen unter anderem unabhängig Studierende, inner- und außerhalb von Vorlesungen, zur Qualität der Veranstaltungen an den Hochschulen befragen und Begutachtungen durch ProfessorInnen und StudentInnen anderer Hochschulen organisieren. Nur so kann im landesweiten Vergleich gewährleistet werden, dass eine unabhängige und gerechte Evaluation durchgeführt werden kann, die zur Verbesserung der Lehre beiträgt.

Für einen sozialen Hochschulraum Europa!

Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen die Übereinkunft der BildungsministerInnen, auch die soziale Dimension eines Europäischen Hochschulraumes zu berücksichtigen. Wir fordern, dass dies kein bloßes Lippenbekenntnis bleibt. Wir begrüßen, dass die soziale Dimension im Bergener Kommuniqué als Priorität im Bologna Prozess definiert worden ist und seitdem auch Taten in diesem Bereich geschehen. Wir begrüßen die Bestrebungen zur Erhebung vergleichbarer Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Europa. Die Erhebung von Daten kann jedoch nur Grundlage für weitere Maßnahmen sein. Auf Basis der erhobenen Daten müssen soziale Ungleichheiten und Benachteiligungen der europäischen Bildungssysteme erkannt und konsequent beseitigt werden. Die Juso-Hochschulgruppen begrüßen die Arbeit des Eurostudent Projektes, in dessen Rahmen bereits Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in 21 Ländern erhoben werden. Wir betonen jedoch, dass bis spätestens zur MinisterInnenkonferenz 2009 Daten aus allen 45 Ländern vorliegen müssen. Wir fordern die MinisterInnen auf, gerade hierin zusätzliche Anstrengungen und Ressourcen zu investieren.

Mobilität ermöglichen!

Die Erhöhung der Mobilität von Studierenden und Lehrenden ist ein Kernanliegen des Bologna Prozesses. Gleichwohl bestehen einige wesentliche Mobilitätshemmnisse fort: Die Anerkennung von im Ausland erworbenen Studienleistungen ist nicht vollständig gesichert, die Möglichkeit des Spracherwerbs ist oft eingeschränkt, ein Auslandsstudium stellt viele Studierenden vor eine finanzielle Hürde und oftmals verhindert eine restriktive Visa-Politik insbesondere westeuropäischer Schengen-Staaten einen problemlosen Auslandsaufenthalt. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern dass das Auslands-BAföG weiter ausgebaut wird. Die Förderung durch BAföG im Ausland muss jederzeit und ab dem ersten Semester möglich sein. Ferner fordern wir, dass ein Studium im Nicht-EU-Ausland nicht weiter an besondere Bedingungen geknüpft ist. Im Sinne des über die EU hinausreichenden Bologna Prozesses sollte das Studium in allen 45 Bologna Ländern an die gleichen Bedingungen geknüpft sein. Langfristig fordern wir die Ablösung des Auslands-BAföG durch ein Europäisches System der Studienfinanzierung, dass alle mobilen Studierenden angemessen an den Lebenshaltungskosten des jeweiligen Gastlandes auf Zuschussbasis unterstützt. Wir Juso-Hochschulgruppen lehnen die an deutschen Hochschulen gängige Praxis, Sprachkurse für Studierenden kostenpflichtig zu machen oder an private Weiterbildungsagenturen auszulagern, entschieden ab. Sprachkurse müssen allen Studierenden kostenfrei zur Verfügung stehen. Wir Juso-Hochschulgruppen lehnen die restriktive Visa- und Einwanderungspolitik der meisten westeuropäischen Staaten ab. Wir fordern das generelle Recht für jede und jeden sich an einem Ort ihrer bzw. seiner Wahl aufzuhalten. Wir fordern insbesondere die deutsche Bundesregierung auf, die Einreisebestimmungen und Regelungen für Visa-Vergabe an ausländische Studierende kurzfristig massiv zu lockern und zu vereinfachen.

Qualifikationsrahmen – neue Wege statt alter Hürden!

Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen den Beschluss eines Qualifikationsrahmens für den Europäischen Hochschulraum in Bergen sowie die Erarbeitung eines übergreifenden Qualifikationsrahmens für Lebenslanges Lernen (EQF) durch die Europäische Kommission. Wir betonen, dass sich beide Qualifikationsrahmen gegenseitig ergänzen müssen und miteinander kompatibel sein müssen. Der Qualifikationsrahmen für den Europäischen Hochschulraum hat vorwiegend dass Ziel, die dreistufige Studienstruktur näher zu beschreiben und eine gemeinsame europäische Referenz zu schaffen. Durch die Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen soll mehr Transparenz über die Abschlüsse in den einzelnen Hochschulsystemen geschaffen werden. Der übergreifende Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen soll die verschiedene Bildungsbereiche, etwa Hochschulbildung und Berufsbildung, miteinander verknüpfen und neue Brücken zwischen diesen schaffen. Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen den Abbau tradierter Hürden und Barrieren zwischen den Bildungsbereichen. Wir fordern, dass ein Qualifikationsrahmen, gemeinsam mit Instrumenten zur Anerkennung außerhochschulischen Lernens, zu mehr Durchlässigkeit und einem verbreiterten Hochschulzugang führen muss. In Deutschland wurde bis dato lediglich ein Qualifikationsrahmen für Hochschulabschlüsse geschaffen. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern dass die Erstellung eines übergreifenden Qualifikationsrahmens, der auch die Berufsbildung einschließt, in Deutschland von Bund und Ländern konsequent vorangetrieben wird. In die Erstellung des Qualifikationsrahmens sind Studierende und Lernende anderer Bildungsbereiche vollständig als gleichberechtigte PartnerInnen einzubeziehen.

Fazit

Wir Juso-Hochschulgruppen sind überzeugt, dass der Bologna Prozess und das Zusammenwachsen der Hochschulsysteme in Europa erhebliche Potentiale für ein geeintes, solidarisches und friedliches Europa bieten. Gleichwohl erkennen wir erhebliche Mängel in der deutschen Umsetzungspolitik. Wir betonen, dass der Prozess nur Erfolg haben wird und positive Effekte erzielt, wenn sich seine Umsetzung auf nationaler Ebene an den vereinbarten Prinzipien und Zielen messen lässt. Dies ist in vielen Bereichen jedoch nicht der Fall, bzw. hat nachweisbare negative Auswirkungen. Wir fordern, dass sämtliche Maßnahmen gleichermaßen umgesetzt werden und in Deutschland keine Umsetzung “a la carte” stattfindet. Wir betonen ferner, dass nicht nur das Bildungsministerium in der Verantwortung steht. Viele Probleme, gerade im Bereich studentischer Mobilität benötigen gleichermaßen Anstrengungen und Unterstützung seitens anderer Ressorts.

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