Inhalt


©

Die Internationalisierung deutscher Hochschulen sozial gerecht gestalten!

Der politische Prozess der Internationalisierung Die europäische Integration und die durch den Bologna-Prozess angestoßene Entwicklung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums führen schon heute zu einer stärkeren internationalen Ausrichtung des deutschen Hochschulwesens. Bis 2010 soll in 33 Ländern ein europäischer Hochschulraum geschaffen werden. Das BMBF ebenso wie die BildungsministerInnen der Länder forcieren im Kontext des Bologna-Prozesses in der BRD hauptsächlich die Einführung von zweistufigen Studienabschlüssen, während andere Instrumente mit geringer Priorität umgesetzt werden. Des weiteren betreibt das BMBF zusammen mit anderen AkteurInnen, z.B. der HRK, der KMK und dem DAAD, massiv Marketingaktivitäten, welche auf dem Verständnis eines "Bildungsmarktes" aufbauen. Die "Konzertierte Aktion internationales Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland" will im Ausland primär "High-Potentials" anwerben und blendet dabei jedoch die soziale Lage der ausländischen Studierenden sowie die Risiken eines Brain Drain zulasten schwach entwickelter Länder völlig aus. Zwar wird angestrebt, den Anteil ausländischer Studierender zu erhöhen, jedoch halten die Juso-HSGn eine rein quantitative Veränderung allein nicht für gewinnbringend und lehnen zudem eine derartige reine Elitenförderung ab. Neben den Marketingaktivitäten für das AusländerInnenstudium betreiben weitgehend die gleichen AkteurInnen verstärkt Marketing für den Export deutscher Bildungsleistungen. Hier wird ebenso ein zu kritisierendes Verständnis von Bildung als Ware zugrunde gelegt. Als besonders kritikwürdig stellt sich jedoch das Vorgehen einzelner Institutionen im Bildungsexport dar: So nutzen diese oft Exportaktivitäten, um den in der BRD bindenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu entgehen und so bspw. Studiengebühren erheben zu können oder Studierende an Entscheidungsprozessen gar nicht zu beteiligen. Erklärtes Ziel aller Beteiligten aus BMBF, der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist es, den Anteil ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen.

Die sozialen Probleme ausländischer Studierender

Diese begrüßenswerte Zielsetzung zieht allerdings Probleme nach sich, die bisher in der öffentlichen Diskussion um Internationalisierung keinen Niederschlag finden und auch im politischen Prozess unzureichend erörtert und gelöst werden. Schon heute leben viele ausländische Studierende in sehr schwierigen sozialen Verhältnissen, auf die bisher seitens der Politik kaum eingegangen worden ist. Betroffen sind vor allem Studierende aus Nicht-EU-Staaten sowie free-mover in wesentlich höherem Maße als Programmstudierende. Als Problemfelder sind hier u.a. bezahlbarer Wohnraum, die auf 90 Tage befristete Arbeitserlaubnis, kostenpflichtige Sprachkurse und für Ausländerinnen und Ausländer oft unzumutbaren Behördengänge zu nennen. Kommt dann noch unerwartet eine Krankheit hinzu oder die Unterstützung aus dem Heimatland bleibt aus, dann stehen ausländische Studierende schnell vor dem vorzeitigen Studienende. Unterstützung gewähren lediglich die Studierendenvertretungen oder die kirchlichen Hochschulgemeinden sowie oft auch die Studentenwerke und bilden damit die einzigen, wenn auch überforderten Auffangnetze für soziale Notlagen ausländischer Studierender. Ein weiteres Problemfeld ist die Tatsache, dass einer entscheidenden Zielsetzung, nämlich dem Abbau von Grenzen und der transkulturellen Verständigung, heute noch wenig Rechnung getragen wird. Der Integration und dem Dialog mit ausl. Studierenden stehen als Hindernisse vor allem die mangelnde Betreuung, die fehlenden Integrationsangebote und auch die "Ghettoisierung" entgegen. Angesichts dieser Entwicklung ist es nicht hinnehmbar, dass sich in dieser prekären Situation die Bundesländer schrittweise aus der Finanzierung der Studentenwerke zurückziehen. Schon jetzt fehlen Gelder für notwendige Sanierungsmaßnahmen in Wohnheimen und Mensen. Gerade der von den Studentenwerken angebotene billige Wohnraum sowie günstiges Essen sind für viele ausländische Studierende lebensnotwendig. Daher dürfen diejenigen, die sich für die Internationalisierung der Hochschulen aussprechen, nicht die Studentenwerke gleichzeitig finanziell ausbluten lassen. Eine solche Politik ist nicht mehr glaubwürdig. Werden diese sozialen Probleme auch in Zukunft außer Acht gelassen, wird der Zugang für Studierende aus Entwicklungs-, Dritte-Welt- oder osteuropäischen Ländern an deutsche Hochschulen noch stärker als bisher verbaut. So werden Studierende vor immer weitere finanzielle Hürden bei der Aufnahme eines Studiums in der BRD gestellt, was die Abhängigkeit der Möglichkeit zur Aufnahme eines Studiums in der BRD von den individuellen finanziellen Möglichkeiten noch weiter verschärft. Diesem Prozess der sozialen Selektion, den die Juso-Hochschulgruppen auch innerhalb des deutschen Bildungssystems aufs Schärfste kritisieren, gilt es auch auf internationaler Ebene Einhalt zu gebieten. Die Situation des Sprachkursangebots in der deutschen Hochschullandschaft ist unbefriedigend, sowohl in Bezug auf Deutschkurse für ausländische Studierende als auch in Bezug auf Fremdsprachenkurse. Für ausländische Studierende bestehen nur unzureichende Möglichkeiten des Erwerbs deutscher Sprachkenntnisse. Grundkurse werden nicht von allen HS selbst angeboten und können oft nur gegen Gebühr an privaten Institutionen absolviert werden. Auf die DSH vorbereitende weiterführende Kurse bieten zwar die HS in der Regel kostenfrei an,, jedoch in einer nur marginalen Kapazität. Der Großteil der Studierenden ist demnach gezwungen, auch diese an privaten Institutionen zu belegen. Die Zahl der Hochschulen, welche Fremdsprachenkurse für HörerInnen aller Fakultäten gebührenfrei anbieten, nimmt stetig ab, ohnehin sind auch hier die Kapazitäten in aller Regel weitaus zu gering angelegt. Die Juso-Hochschulgruppen fordern, dass bei sämtlichen Maßnahmen und Reformen im Zuge der Internationalisierung die soziale Dimension stark berücksichtigt wird. Insbesondere ist die Bundesregierung aufgefordert, der im Prague Communiqué vereinbarten Berücksichtigung ebendieser im Rahmen des Bologna-Prozesses endlich gerecht zu werden.

Unsere Forderungen

Die Juso-HSGn fordern ein europaweites elternunabhängiges Studienfinanzierungssystem, welches vor allem auch die Übertragbarkeit staatlicher Studienfinanzierung während eines Auslandsaufenthalts sicherstellt. Darüber hinaus fordern wir denZugang zu BaföG und allen Stipendien für alle in Deutschland Studierende unabhängig von ihrer Herkunft (wobei Mehrkosten ausländischer Studierender bspw. für Heimfahrten auszugleichen sind). Sowohl Deutschkurse für ausländische Studierende als auch Fremdsprachenkurse für alle Studierenden müssen an den Hochschulen gebührenfrei und in hinreichenden Kapazitäten angeboten werden. Ausreichende Sprachkenntnisse sind elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Internationalisierung. Die Juso-Hochschulgruppen begrüßen daher die Initiative zahlreicher Studierendenschaften, den Vorstand des DAAD im Rahmen der letzten DAAD-Mitgliederversammlung mit einer Evaluation der vorhandenen Sprachkursangebote zu beauftragen. Nach Abschluss der Evaluation und Bericht auf der DAAD-MV im Frühjahr nächsten Jahres muss ein umfassendes Konzept für ein kostenfreies Sprachangebot erarbeitet werden. Daneben sind die Kapazitäten in den Wohnheimen der Studentenwerke stark auszuweiten, mindestens um die von HRK und DSW geforderte Zahl von 21.000 zusätzlichen Wohnheimplätzen. Dazu ist eine massive finanzielle Unterstützung der Studentenwerke notwendig. Über das 180-Halbe-Tage-Arbeitsrecht im Zuwanderungsgesetz, an dem die Bundesregierung im Vermittlungsverfahren festhalten muss, fordern wir, dass die Immatrikulation an einer deutschen Hochschule eine unbegrenzte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis nach sich zieht. Einreisebeschränkungen, die von Studierenden finanzielle Garantien verlangen, wie z.B. Bürgschafts- und Sperrkontenregelungen, lehnen wir ab.

Diesen Artikel teilen: