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Corporierte ausschließen - zur Unvereinbarkeit des Corporatiosnunwesens mit sozialdemokratischen Grundwerten

Die Diskussion um studentische Corporationen an den Hochschulen ist immer noch lebendig. Die Juso-Hochschulgruppen werden weiterhin zur Rolle studentischer Corporationen arbeiten. Dabei soll auch vor Ort über das reaktionäre Gesellschaftsbild solcher Corporationen aufgeklärt werden. Das Bundeskoordinierungstreffen hält auch weiterhin eine Mitgliedschaft von Corporationsstudierenden in Juso-Hochschulgruppen für unvereinbar mit den Prinzipien des Verbandes Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Die Juso-Hochschulgruppen wirken aktiv auf einen erneuten Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD in Bezug auf Corporationensmitglieder hin. Die Juso-Hochschulgruppen unterstützen keine Corporationsstudierenden bei Kandidaturen, verlangen eine Offenlegung von Corporationsmitgliedschaften bei Kandidaturen auf dem Bundeskoordinierungstreffen und erstatten bei Veranstaltungen des Bundesverbandes der Juso-HSGen Corporationsstudierenden keine Kosten. Die Organisationsformen der Corporationen sind verschieden. Dennoch haben sich im „Bonner Papier“ von 1980 fast alle Korporationsverbände der Bundesrepublik zur gemeinsamen politischen Arbeit an den Universitäten verpflichtet. Das heißt, dass jede dieser Verbindung Faschisten als Bündnispartner ansieht und behandelt. Zentral für unsere Argumentation sind folgende Aspekte, die nicht alle gleichzeitig auf jede Corporation zutreffen müssen: Eliteförderung und Seilschaften:
Corporationen vertreten die Auffassung, dass nur durch den Lebensbund, dessen zentrale Funktion die Reproduktion gesellschaftlicher Eliten ist, wirkliche Akademiker und Akademikerinnen hervorgebracht würden. Diese Auffassung steht in eindeutiger Konkurrenz zur Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Die Wirksamkeit von allen Verbindungen beruht auf ihrer elitären Grundkonzeption. Der von ihnen proklamierte "Bund fürs Leben" heißt nichts anderes, als dass ältere Verbindungsmitglieder, die in höhere gesellschaftliche Positionen gelangt sind, Nachwachsende protegieren und ebenfalls in höhere Positionen hieven. Wie weit dieses Netz gespannt ist, lässt sich an den Beispielen der Finanzaffären des ehemaligen Berliner Regierendenbürgermeisters Diepgen (CDU) und seines Parteifreundes und ehemaligen Bundesinnenminister Kanther aus Hessen nur erahnen. Dieses System funktioniert aber nur solange, wie gesellschaftliche Entscheidungen noch durch kleine Eliten anstatt durch Beteiligung aller Menschen getroffen werden. Ungleichbehandlung:
Frauen oder Männer werden oft in Corporationen wegen ihres Geschlechts strukturell benachteiligt, oder die Corporationen pflegen ein Frauenbild, welches unserem emanzipativen Weltbild entgegensteht. Für viele Corporationen sind rassistische Kriterien, Nationalität, sexuelle Orientierung, Religion oder die Wehrdienstverweigerung Ausschlusskriterien für eine Aufnahme. Undemokratische Struktur:
Für Corporationen gilt das Strukturprinzip der „Hierarchisierungsgemeinschaft“ und somit ist das Untertanenprinzip „nach oben buckeln, nach unten treten“ umfassende Lebenspraxis. Die Juso-Hochschulgruppen sind dagegen überzeugt von der Gleichheit aller Menschen, was sich in dem Kampf für die Schaffung einer freien, gleichen und solidarischen Gesellschaft äußert. Geschichtsrevisionismus:
Corporationen treten oft geschichtsrevisionistisch auf. Zum Beispiel sehen sie sich in fortschrittlicher Tradition, gerieren sich oft als Opfer des Faschismus und leugnen dabei ihre aktive Rolle bei der Absicherung der Machtübertragung. Insbesondere die in der Deutschen Burschenschaft organisierten Corporationen sehen die deutsche Nation als unabhängig von ihren staatlichen Grenzen existent an und erheben gebietsrevanchistische Ansprüche. Brauchtum:
Der Anspruch vieler Corporationen, durch Brauchtum und Rituale Wertvorstellungen zu tradieren und auf diese Weise ihre Mitglieder einer unterschwelligen Form der Erziehung zu unterziehen, kann mit „Befehl und Gehorsam“ überschrieben werden. Mit Hilfe des Brauchtums soll die Individualität des/der Einzelnen untergraben werden.

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