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Gleichstellung

In letzter Zeit fiel uns verstärkt auf, dass sich die Juso-Hochschulgruppen zwar an der Einführung der Gleichstellung stark beteiligt haben, aber deren Umsetzung in vielen Punkten noch nicht funktioniert. Mit diesem Antrag wollen wir das Thema Gleichstellung innerhalb der Hochschulgruppen, der studentischen Gremien, der akademischen Gremien und sonstiger Organisationsformen wieder in Erinnerung rufen. Denn es ist auch originäre Aufgabe der Hochschulen, für Gleichstellung nachdrücklich Sorge zu tragen. Gleichstellung ist primär eine gesellschaftliche Aufgabe. Vor allem die Politik muss dafür Sorge tragen. Aber auch an den Hochschulen muss sich noch viel verändern. Es ist sehr aufschlussreich, zu sehen, wie wenig sich die Zahlen in der Abfolge Studentinnen - wissenschaftliche Mitarbeiterinnen - Professorinnen seit der Einführung der Gleichstellungsordnungen in vielen Ländern verändert haben. Leider ist frau immer noch nicht dazu übergegangen, die Einhaltung der Gleichstellungsordnung zu fordern oder sich intensiv an der Einführung zu beteiligen. So besteht z.B. in den meisten Gremien immer noch ein Männerüberhang, was sich bis in die Hochschulgruppen hinein widerspiegelt. Aus der Potenzialanalyse der Juso-HSGn von 2000 lässt sich ablesen, dass nur ca. 5 % sämtlicher Hochschulgruppen ein Geschlechtergleichgewicht bzw. einen Frauenüberhang haben. Der Frauenanteil unter den Professuren liegt beispielsweise bundesweit bei rund 12 %. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass vor allem für Frauen Karriere und Familie häufig nicht vereinbar sind. Um eine sinnvolle Umsetzung der Gleichstellung gewährleisten zu können, sind Maßnahmen im Bereich der Betreuungsmöglichkeiten von Kindern auszubauen, die gesellschaftliche Akzeptanz von männlichem Erziehungsurlaub zu erhöhen, Wiedereinstiegsprogramme nach Erziehungsurlaub / Elternzeit zu fördern, aber auch das Teilzeitstudium als festen Bestandteil einzurichten, damit insbesondere Frauen nicht vor die Entscheidung Familie oder Karriere gestellt werden. Prinzipiell muss aber vor allem und immer noch ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, denn nach wie vor haben es Frauen schwerer, sich in vielen beruflichen Bereichen zu behaupten. Wir sind gefordert, zu diesem Umdenkprozess unseren Beitrag an den Hochschulen, innerhalb unserer Gremien und der Gesellschaft zu leisten:

a) Quote

Die Quote ist derzeit ein wichtiges Instrument, um Gleichstellung zu fördern. Durch die quotierte Besetzung von Vorständen, Listen für Wahlen etc. werden zum einen Frauen gefördert. Zum anderen wird so auch generell auf die Gleichstellungsproblematik aufmerksam gemacht. Nur mit der konsequenten Umsetzung der Quote können wir momentan für eine Gleichstellung innerhalb unserer Gremien sorgen. Das beinhaltet auch die quotierte Anreise zu Konferenzen (wie beispielsweise dem BKT). Die Art der Quote sollte aber dennoch den momentanen Gegebenheiten angepasst werden, denn eine weiche Quote ist immer noch besser als gar keine Quotenumsetzung. Dabei sollten wir es aber nicht bewenden lassen, sondern weiterhin an einer vollständigen Umsetzung der Quote arbeiten. Es ist klar, dass die Quote ein Mittel zum Zweck ist. So lange die Gesellschaft aber von patriachalen Strukturen und Seilschaften, von männlichem Redeverhalten und ähnlichem dominiert wird, ist sie ein legitimes und notwendiges Mittel. Die Argumentation, Frauen würden lediglich wegen der Quote und nicht wegen ihrer Qualifikation gewählt, ist falsch. Denn: Immer noch setzen sich in vielen Fällen gleich oder weniger qualifizierte Männer aufgrund der bestehenden Strukturen durch. Erst wenn de facto Gleichberechtigung hergestellt ist oder ein besseres Instrument zur Erreichung derselben vorliegt, kann über die Quote diskutiert werden.

b) Sprachweise

Sprache beeinflusst Denken. Deswegen werden wir auch in Zukunft darauf achten, in unserer gesprochenen und geschriebenen Sprache beide Geschlechter oder geschlechtsneutrale Formulierungen zu verwenden. Gleichstellung ist und bleibt eine wichtige Forderung in unserer Gesellschaft. Wir werden uns verstärkt für deren Umsetzung einsetzen. Wir werden mit gutem Beispiel vorangehen, damit wir dann auch eine weitergehende Gleichstellung in unserer Gesellschaft vorantreiben können.

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