Inhalt


©

Wettbewerb im Bildungssystem

Grenzen des Wettbewerbs

Die im Bildungssystem erkennbare Unterfinanzierung ist Ergebnis einer zielgerichteten Politik und nicht durch Erklärungen wie Überschuldung und Generationengerechtigkeit als gegeben und unvermeidbar abzutun. Sie ist Ergebnis einer Politik, die es zum Ziel hat, zurück zu einem elitären Bildungssystem zu kommen, das sich durch Selektionsmechanismen von "überflüssigem Ballast" befreien soll. Die Politik der Regierung Kohl hat es geschafft, staatliche Ausgaben für Hochschulen und den gesamten Bildungsbereich als ineffizient darzustellen. An dieser Politik hat sich grundsätzlich auch nach dem Regierungswechsel nichts geändert. Suggeriert wird, dass die Gruppen der Studierenden und der ProfessorInnen zu Lasten der Allgemeinheit an ihren Pfründen und Privilegien festhalten wollten. Vor allem das Argument, die Investitionen in das deutsche Bildungssystem seien im internationalen Vergleich zu ineffizient, zeigt aus welcher Richtung diese Politik forciert wurde und wird. Sie ist Ausdruck des neoliberalen Projekts, das gesellschaftliche und universitäre Entwicklung vor allem unter Kosten-Nutzen-Kalkülen und hinsichtlich Gewinnakkumulation betrachtet. In ihm spiegelt sich ein Antietatismus wider, der Staat und staatliche Interventionen und Regelungen als veraltet, behindernd und unmodern abtut und ablehnt. Diese Logik kulminiert schließlich in der Forderung nach einem konkurrenzfördernden Markt als letztes Regulativ. Dies bedeutet - und wird politisch auch unterstützt - die Einführung von Markt- und damit Wettbewerbsmechanismen im Bildungsbereich. Dadurch wird die ausschließliche Ausrichtung der Wissenschaft und Lehre an Verwertbarkeitsinteressen gefördert. Verwertbar ist dabei, ganz im Sinne der Konsumgesellschaft, was sich gut verkaufen lässt und entsprechend nachgefragt wird. Dabei werden zur Bewertung einseitige Kriterien zugrunde gelegt. Bildungsprozesse werden dadurch in ein Schema aus Dienstleistenden und Kunden gepresst; Bildung wird nicht mehr als gesellschaftliches Gut begriffen, sondern als Ware, die unter Marktbedingungen käuflich ist. Der Grundgedanke des "JedeR ist seines eigenen Glückes Schmied" wird entsprechend auf das Bildungssystem umgeschrieben in "JedeR ist für seine / ihre ökonomische Verwertbarkeit individuell zuständig". Kosten für Bildung werden privatisiert und auf die Zukunft der einzelnen verlagert, während die gesellschaftlichen Zukunftsmöglichkeiten verringert werden. Übersehen wird dabei, dass Wissenschaft eine gesellschaftliche Produktivkraft ist, die zerfällt, wenn sie nicht auf höherem Niveau reproduziert wird. Die Faktoren des marktwirtschaftlichen Effizienzdenkens werden hauptsächlich über die Einführung und Verstärkung der inner- und intrauniversitären Konkurrenz eingeführt. Unter dem Druck der steigenden Finanznot wird eine Konkurrenzsituation um die verbleibenden Mittel geschaffen. Jede Bildungseinrichtung muss sich diesem Wettbewerb stellen. Dazu erhalten die Universitäten sog. Autonomie. Aber was bedeutet diese Autonomie der Hochschule? Kann das, was als Hochschulautonomie bezeichnet wird, den Ansprüchen von Autonomie wirklich gerecht werden? Hochschulen werden nicht in dem Sinne autonom, dass es möglich wird, die Wissenschaft von Staat, Wirtschaft und gesellschaftlichem Interesse zu befreien oder abzugrenzen. Es geht hier nicht um eine positive Konzeption von Freiheit und Selbstbestimmung der wissenschaftlichen Diskussion, denn in einem solchen Konzept von Autonomie wäre es denkbar, dass Universitäten einen gesellschaftlichen Druck aufbauen könnten, der die erhöhten Finanzierungsbedarfe deutlich macht. Aber die Autonomie wird auf die Hochschule als Organisation verkürzt. Durch diese Beschränkung wird eine vernünftige Überlegung jedoch in das Gegenteil verkehrt. Die Mischung aus Verwaltungsgeist und der Ausdehnung privatwirtschaftlicher Steuerungselemente wirkt sich auf die Universitäten verheerend aus. Dabei werden auch nur solche Instrumente der neoliberalen Managementphilosophie übernommen, die das autoritäre Moment direkt stärken; solche die auf Kreativität, Partizipation, Diskursivität, flache Hierarchien und Selbstbestimmung der Arbeit und Arbeitszeit zielen, bleiben außen vor. Übernommen werden Begriffe und Methoden wie die der Effizienz- und Leistungsprüfung im privatwirtschaftlichen Bereich. Was aber ist als effizient zu betrachten? Die monatelange Arbeit an einer Untersuchungsreihe mit Mäusen, eine Herausgabe eines Registers aller Werke von Georg Simmel, oder die Edition von hochschulpolitischen Flugblättern der siebziger Jahre? Können hier die Maßstäbe von betriebwirtschaftlicher Effizienz überhaupt greifen? Müssten wir dann nicht viele Bereiche des Wissenschaftsbetriebs schließen? Da diese Einsicht inzwischen die meisten, die sich an einer Hochschulreformdiskussion beteiligen, erreicht hat, wird in der Regel von einem moderierten Neoliberalismus ausgegangen. Hier wird nicht versucht, direkt die Mittel der Betriebswirtschaft auf die Hochschule zu übertragen, sondern es wird ein politischer Rahmen erzeugt, in dem die Hochschulen in einen Leistungswettbewerb geraten und dadurch gezwungen werden selbst die Effizienzkriterien zu entwickeln. Doch das Problem bleibt bestehen, denn diese Effizienzkriterien lassen sich dann anwenden, wenn es um zählbaren Output geht. Wie aber wird die Innovationsrate von Grundlagenforschung gemessen oder wie das Studienziel "kritisches Denken"? Auch dieser Rahmen führt also dazu, dass die kapitalistische Logik mit ihrer Outputorientierung die Grundlage für die Bewertung des "Betriebs Hochschule" darstellt. Wir Juso-Hoschulgruppen sind überzeugt, dass Wettbewerb, wie immer er an den Hochschulen eingeführt wird, der Handlungslogik der Wissenschaft widerspricht und sich negativ auf die Reproduktion von Wissen auswirkt. Das Prinzip des Wettbewerbs zielt auf ein schnelles, aggressives Verhalten, was sich nicht mit den oft langen Rhythmen wissenschaftlicher Arbeit, Kooperation und Ausbildung in Einklang bringen lässt.Wettbewerb in der Wissenschaft Wissenschaften entwickeln sich zumeist nicht schnell, ihre Planung und Einrichtung als eigenständige oder Teildisziplin ist oft ein langer Prozess. Für eine solche Entwicklung jedoch lässt der Wettbewerb keine Zeit. Die Ergebnisse der einzelnen WissenschaftlerInnen müssen möglichst schnell dem Markt verwertbar zugeführt werden. Wettbewerb führt dazu, dass durch Wissenschaft, Wissen zwar reproduziert, aber in Privateigentum transformiert wird. Wissen soll monopolisiert werden, zum Eigentum einzelner und verwertet werden. Austausch von Wissen ist unter Wettbewerbsbedingungen jedoch nur bedingt erwünscht. Um Entwicklungskosten zu sparen ist eine Entwicklung hin zur Wissenschaftsspionage zu befürchten. Das widerspricht dem Prozess wissenschaftlicher Diskussion und trägt dazu bei, die sozialen Bedingungen für Vernunft zu schwächen. Es kommt somit in der Wissenschaft zur Anwendung einer betriebswirtschaftlichen Logik: Es wird erkannt, dass Kreativität und Wissen Kosten produzieren, die sich nicht direkt verwerten lassen und daher riskant sind. Deswegen wird rationalisiert und auf gesamtgesellschaftliche Steuerung verzichtet. Dadurch wird die Wissensproduktion nicht nur stagnieren, sondern langfristig rückläufig sein, da Wissen sich nicht von selbst durch die Generationen tradiert, sondern in jeder Generation nur vorhanden bleibt, wenn es auf höherem Niveau reproduziert werden kann.

Wettbewerb der Hochschulen

Der Wettbewerb zwischen den Hochschulen, soll zur Profilierung von Hochschulen führen, sie sollen in Konkurrenz zueinander treten: um Forschungsmittel, WissenschaftlerInnen und Studierende. Die Idee die dahinter steht ist einfach: Ein gutes Profil und eine positive Leistungsbewertung als Ziel, werden die Hochschulen in Konkurrenz zu anderen sich stetig verbessern wollen und müssen, um so mehr Mittel abzugreifen, durch die sie bessere WissenschaftlerInnen anwerben können und entsprechend auch mehr Studierende. Da also die WissenschaftlerInnen von den Hochschulen ausgesucht werden können, bekommen sie auch immer bessere Studierende - zumindest wird das Bild erzeugt, als seien es immer bessere Studierende und alle Beteiligten glauben auch daran. Hier ist schon der erste Widerspruch zwischen Markt und sog. technokratischer Steuerungsrationalität zu finden. Einerseits sind Studierende in einem solchen Modell Kunden und die Hochschulen sollen sie umwerben, andererseits sollen die Hochschulen in die Lage versetzt werden, sich ihre Studierenden selbst auszuwählen. Funktioniert dieses Ideal der Wirtschaft auch im wissenschaftlichen Betrieb? Hochschulen werden versuchen sich dort im Wettbewerb mit anderen zu profilieren, wo sie bereits ihre Stärken haben, denn dort besäßen sie Wettbewerbsvorteile. Diese Kernkompetenzen werden entsprechend gefördert, damit keine Wettbewerbsnachteile entstehen, andere Wissenschaftsbereiche müssen zurück stecken oder gar schließen. Das Ideal einer Universitas litterarum wird preisgegeben, die Idee des in einer Universität zusammengefassten breiten Spektrums von Disziplinen stirbt. Die Möglichkeit Kontakte und Kooperationen zwischen KollegInnen der unterschiedlichen Disziplinen zu knüpfen und als ungewöhnlich geltende Fächer zu kombinieren stirbt; und somit auch das Ideal der Trans- oder Interdisziplinarität. Im Wettbewerb um Geld und Studierende werden vor allem solche Fächer bestehen, die eine hohe Marktaffinität - und meist eine geringe Wissenschaftlichkeit - besitzen, deren AbsolventInnen in großer Anzahl nachgefragt werden, also Jura und Wirtschaftswissenschaften. Die sog. Orchideenfächern werden verdrängt, da sie für den Wettbewerb um Mittel, WissenschaftlerInnen und Studierende nicht ins Gewicht fallen. Das Volumen ihrer Studierenden und der aus ihnen entstammenden Publikationen sind zu klein, um für das Profil der Hochschule von Bedeutung zu sein. Was geschieht mit wirtschaftlich weniger verwertbaren Studiengängen - Geisteswissenschaften, LehrerInnenausbildung - und mit gesellschaftlich höchst wertvollen Beiträgen wie zum Beispiel Extremismusforschung? Ähnlich sieht es mit neuen (Teil-) Disziplinen aus. Wer will dann noch das Risiko eingehen, das eine solche Neugründung mit sich bringt? Es kostet nur Geld und kann beim Scheitern rufschädigend für den/die WissenschaftlerIn sein. Es wird also nach wirtschaftlichen Kriterien im Rahmen der Profilierung eine Konzentration der Disziplinen an gewissen Standorten geben. Die Herausbildung eines Zweiklassenhochschulsystems mit guten und schlechten Hochschulen führt zwangsläufig zu neuen Zugangsbarrieren. Wer wohnortnahes Studieren durch Konzentrationsprozesse verhindert, baut einen sozialen NC aus, da so zusätzliche Kosten auf die Studierenden und ihre Familien zukommen. Die Wahl des Studienfachs wird also wieder verstärkt vom Geldbeutel der Eltern abhängig gemacht werden. Damit einher geht eine Ausdünnung des wissenschaftlichen Personals in diesen Disziplinen, was wiederum zu einer erneuten Schwächung führt. Der Buch- und Zeitschriftenbestand wird zurückgehen, da es weniger Institute gibt, die eine Fachzeitschrift bestellen können. Die wissenschaftliche Diskussion wird geringer, da weniger Institute weniger WissenschaftlerInnen beschäftigen, weniger Nachwuchs fördern und weniger publizieren können. Maßstäbe, Wissenschaftsstile und-inhalte veröden, da weniger FachvertreterInnen zu einer Aufwertung der verbleibenden führen. Jeder ihrer Sätze verkommt somit leicht zur letzten Weisheit dieser Disziplin. Dadurch gehen dann aber auch Maßstäbe verloren, an denen sich neue, produktive Einsichten bisher messen lassen müssen. Der Institutsleiter wird zum Maßstab, da er entscheidet, wer eingestellt wird und was publiziert wird und somit über Forschungsergebnisse; er entscheidet über die Verwendung von Mitteln und somit über die Ausrichtung der Disziplin. Eine solche Konzentration der wissenschaftlichen Produktionsmittel führt somit zurück zum Ordinariat und zur Hierarchisierung. Und wer will dann noch die wissenschaftliche Karriere einschlagen, außer den folgsamen Nachbetern? Das jedoch hat nicht nur für die Lehr- oder Forschungsinhalte fatale Folgen. Die hypothetische Situation, dass nur wenige für Lehre und Forschung verantwortlich sind, wirft die Frage auf, wie viel WissenschaftlerInnen nötig sind, um das bestehende Wissen auf einem höheren Niveau zu reproduzieren oder es auch nur auf dem bestehenden Niveau zu halten. WissenschaftlerInnen erlangen dadurch an Bedeutung, indem sie sich in der Diskussion mit anderen bewähren, indem sie mit anderen kooperieren, indem sie Ansätze von anderen aufgreifen oder bewusst verwerfen. Wenn wissenschaftliche Entwicklung keinen Ausgangspunkt hat, und WissenschaftlerInnen gezwungen werden alle Gedanken selbst zu entwickeln, dann wird die wissenschaftliche Entwicklung zurückgehen anstatt sich weiterzuentwickeln.

Wettbewerb der WissenschaftlerInnen

Der Wettbewerb zwischen WissenschaftlerInnen soll ähnliche Ziele haben, wie der zwischen den Hochschulen. Schneller, höher, weiter soll die Disziplin sich entwickeln. In Quantitäten ausgedrückt soll mehr publiziert werden, mehr Drittmittel sollen eingeworben werden, mehr Studierende zum Abschluss geführt werden. Doch wozu führt das? Wenn es nur darum geht, möglichst viel zu veröffentlichen, dann sind die WissenschaftlerInnen so damit beschäftigt mit bereits existierenden Erkenntnissen zu publizieren, dass neue Forschungsansätze zu kurz kommen werden. Gleiches gilt natürlich, wenn sie mehr Studierende zum Abschluss bringen sollen. Woher sollen sie alle diese AbsolventInnen kennen? Wie sollen sie diese betreuen? Und die Drittmittel? Sie einwerben, aber was kommt dann? Hier hilft im übrigen auch nicht das Klischee des "faulen Professors". Denn werden sie nicht erst durch den Wettbewerb dazu gemacht? Wo soll die Zeit herkommen, für wissenschaftliche Exzellenz, zumal diese nicht wichtig ist für die betriebswirtschaftliche Betrachtung der Leistung. Noch verheerender jedoch wirkt sich die Einschränkung des wissenschaftlichen Austausches aus. Nicht nur im Rahmen der oben genanten Wissenschaftsspionage, sondern auch im täglichen Diskurs. Jeder beiläufig geäußerte Gedanke könnte zu einer Publikation des Gegenüber führen. In diesem Wettbewerb wird eine Diskussion nicht mehr geführt, da alle beteiligten das Gefühl haben, sie dient nur dem Ziel Ideen abzuschöpfen, ohne dass die Herkunft des Gedanken benannt wird und für dessen ErschafferIn zu Nutzen führt. Noch deutlicher wird das in Bereichen, in denen auf eine Amortisierung von Ergebnissen gesetzt wird und Patentrechte ins Spiel kommen. Hier kann jedes Gespräch über Stand oder Ergebnis der eigenen Forschung zu ökonomischem Schaden führen. So wird Wissen zu Eigentum und es wird versucht werden im Sinne des Wettbewerbs, dieses zu monopolisieren. Damit werden Diskussionen unter WissenschaftlerInnen jedoch erst recht uninteressant, denn alles was geäußert wird ist bereits Eigentum, und alles andere wird garantiert zurück gehalten. Das gemeinsame Gespräch, die Kooperation mit anderen und somit auch die Fortentwicklung der Gesellschaft wird vernachlässigt. Dieser Quell der Wissenschaft versiegt und zurück bleibt eine Wissenschaftsödnis. Wettbewerb führt also zu einer Monopolisierung von Wissen, zu einer Isolierung der WissenschaftlerInnen, zu einer Hierarchisierung von wissenschaftlichen Strukturen und zu einer Ordinarisierung von Disziplinen. Wettbewerb bildet Elemente im Wissenschaftssystem heraus, die der Erwartung von Freiheit des kritischen Geistes widersprechen. Nicht der Wettstreit der WissenschaftlerInnen muss unterbunden werden, ganz im Gegenteil, von ihm lebt die Wissenschaft. Das nicht der erste zu sein, sondern auch der Beitrag zu diesem Ergebnis sind wissenschaftliche Leistungen die nicht getrennt betrachtet werden können. Wer sich nur auf das Ergebnis und die möglichst schnelle Verwertbarkeit des Ergebnisses stützt, der übersieht, dass Wissenschaft durch den Prozess mehr geprägt wird als durch das Ergebnis. Wissenschaft lässt sich nicht mit Maßstäben der betriebwirtschaftlichen Effizienz betrachten, zumindest nicht ohne gravierende Folgen für das Wissenschaftssystem. Diese Folgen müssen aufgezeigt werden und die Subsumierung der Wissenschaft unter die kapitalistische Logik muss zugunsten eines eigenständigen Bildungsbegriffs aufgelöst werden. Ausbildung, Bildung und Wissenschaft bedürfen dringend einer Reform, die die Triebkräfte der Wissenschaft wieder freisetzt. Wissenschaft muss daher enthierarchisiert und demokratisiert werden, verstanden als Ermächtigung aller am Prozess beteiligten (ProfessorInnen, wissenschaftlicher Nachwuchs und Studierende) zur Formulierung eigener Ansprüche und zur Herausbildung eigener Schwerpunkte und Sichtweisen. Wissen muss wieder eine zu reproduzierende Größe werden und nicht ein nach quantitativen Größen zerstückeltes Etwas, das lediglich eine Frage des Output der/des ProfessorInS ist und als Konsumgut der Studierenden verstanden wird. Der produktive Diskurs um das "Was" und "Wie" von Wissenschaftsprozessen muss den auf Konkurrenz ausgerichteten Diskurs um das "Was kommt dabei hinten raus" ablösen. In diesem Prozess gilt es die Relevanz von Bildung und Wissen für die Gesellschaft zu bestimmen und deutlich zu machen, dass sie Grundlage für die Entwicklung von Vernunft sind. Statt eine Individualisierung von Chancen und Kosten im Bildungssystem voranzutreiben sollte die Politik ihre steuernde Funktion ernst nehmen und den Verwertungsinteressen des Kapitals die gesellschaftlichen Anforderungen an Bildung entgegensetzen. Genau wie die Politik des Wettbewerbs nicht zufällig entstanden ist, sondern durch politische EntscheidungsträgerInnen forciert wurde, ist es möglich, sie einzudämmen. Es braucht dazu aber eine Politik, die Bildung als gesellschaftliches Gut behandelt und ihren Wert in der Entwicklung von Gesellschaften erkennt. Politik ist die Auswahl von Möglichkeiten und der Streit um die Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung. Sozialdemokratische Politik muss sich in dem Spannungsfeld von Gesellschaft und Wettbewerb auf die Seite der Gesellschaft stellen und nicht Wettbewerb zum Primat der Politik machen.

Grenzen des Wettbewerbs

Das Bildungssystems in der Bundesrepublik ist im Grundgedanken darauf ausgerichtet ein flächendeckendes und regional gleichwertiges wie vielseitiges Bildungsangebot anzubieten. Wettbewerb zwischen Hochschulen führt aber zu einseitigen Profilbildungs- und Spezialisierungszwängen, was diesen Grundgedanken unterhöhlt und der Bildung in Deutschland nachhaltig schadet. Deshalb sprechen sich die Juso-Hochschulgruppen strikt gegen einen Wettbewerb unter den Hochschulen aus.

Diesen Artikel teilen: