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Die zweite Bildungsreform gestalten!

Anforderungen an die Bildungspolitik der kommenden Jahre

Zeitgleich mit dem Beginn des Wahlkampfes wurden durch die Pisa-Studie eindrucksvoll die Mängel des deutschen Bildungssystem vor Augen geführt. Dabei fiel das Zeugnis gleich in zweifacher Hinsicht katastrophal aus: Denn nicht nur das Niveau ist hierzulande viel zu niedrig, sondern es werden auch soziale Benachteiligungen aufgezeigt, die in keinem anderen OECD-Land in diesem Maße zu finden sind. Pisa hat damit denjenigen recht gegeben, die schon seit geraumer Zeit eine nachhaltige und grundlegende Reform des deutschen Bildungssystems fordern. Dabei darf nicht nur auf eine Ebene fokussiert werden, sondern alle Stufen, vom Kindergarten über die Schule bis zur Hochschule, müssen auf einander abgestimmt reformiert werden. Die SPD hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als die Partei hervorgetan, die weitreichende Reformen in der Bildungspolitik formuliert und auch umgesetzt hat. Ohne sie wäre die erste große Bildungsexpansion in den 60er und 70er Jahren nicht denkbar gewesen und sie ist nun wieder gefordert, die zweite Offensive in Angriff zu nehmen und zu gestalten. In der nächsten Legislaturperiode wird die Bildungspolitik also wieder Priorität genießen müssen. Um eine ausgewogene und in sich harmonische Politik zu gestalten, ist eine breite Diskussion im Vorfeld notwendig. Nur so kann es gelingen, verschiedene Projekte auf einander abzustimmen und das Ergebnis nicht zu einem Flickenteppich verkommen zu lassen. Die Juso-Hochschulgruppen möchten mit diesem Papier ihre Vorstellungen von einer sozial gerechten und qualitativ hochwertigen Bildungs- und Hochschulpolitik darlegen, die in der kommenden Legislaturperiode unserer Auffassung nach Priorität genießen müssen.

Dabei orientieren wir uns an drei Leitlinien:

1.) Bildungsbeteiligung erhöhen 2.) Soziale Benachteiligungen abbauen 3.) "Unterrichts"-qualität in Schule und Hochschule verbessern. 1.) Schule Aus den Ergebnissen der Pisa-Studie, die den deutschen Schülern nicht nur schlechte Leistungen beim Lesen und der Mathematik attestiert, sondern die OECD-weit größte soziale Selektion sowie mangelnde Unterrichtsqualität bescheinigt, ergeben sich für die Juso-Hochschulgruppen folgende fünf Forderungen:

Frühkindliche Bildung - Früher fördern in Kindergarten und Grundschule

Der Kindergarten und die Vorschule aber auch die Grundschule werden in Deutschland noch viel zu wenig genutzt, um frühkindliche Bildung zu vermitteln. Dabei mangelt es bei Kindertageseinrichtungen vor allem an pädagogisch und fachlich hinreichend qualifiziertem Personal und einem weiter definierten, altersgemäßen Bildungsauftrag, der hier bereits schon wichtige Grundlagen legen könnte. Denn bei Kindern in diesem Alter trifft man bspw. auf ein sehr hohes Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Fragen, das es zu nutzen gilt. Auch fällt es Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter besonders leicht Fremdsprachen zu erlernen. Ein langsames Heranführen und spielerisches Erlernen von einer anderen Sprache bereits in diesem Alter erscheint demzufolge sinnvoll. In dieser Phase ist die individuelle Förderung besonders hilfreich. Vor dem Hintergrund starker sozialer und kultureller Differenzen können hier am ehesten langfristig wirkende Lernhindernisse erkannt und ausgeglichen werden. Mit fortschreitendem Alter wird es bekanntlich immer schwieriger, Versäumtes aufzuholen. Dabei muss das soziale und kulturelle Umfeld der Schüler und ihre damit korrespondierenden Lernvoraussetzungen bedacht werden. Besonders fatal ist die unzureichende finanzielle Ausstattung der frühkindlichen Bildungseinrichtungen hier zu Lande: Hier fällt Deutschland bei den durchschnittlichen Ausgaben weit hinter anderen Länder wie den Skandinaviern und den USA zurück. In diesem Zusammenhang lehnen wir das Ansinnen der Länderfinanzminister, den erwarteten demographisch bedingten SchülerInnenrückgang nicht für deutliche Qualitätsverbesserungen und eine Erhöhung der Bildungsbeteiligung, sondern für Einsparungen zu nutzen, ab. Die Juso-Hochschulgruppen vertreten auch im Bereich der frühkindlichen Bildung energisch die Forderung nach kostenlosem Zugang zu Bildung. Gebühren, wie sie bereits im Kindergarten anfallen, lehnen wir entschieden ab. Die Kommunen sind finanziell so auszustatten, dass sie diese Aufgaben wahrnehmen können.

Lernschwache Schülerinnen und Schüler gesondert fördern

Als besonders erschreckend fällt bei den deutschen Pisa-Ergebnissen die extrem große Gruppe von SchülerInnen, die nicht einmal die grundlegendsten Lesekenntnisse besitzen, auf. Fast ein Viertel der deutschen Zehntklässler wäre demzufolge kaum in der Lage, einfachste Eignungsprüfungen zu bestehen. Überdurchschnittlich stark vertreten ist dabei die Gruppe der Kinder mit Migrationshintergrund . Wirksam lassen sich derartige Schwächen fast nur durch gezielten und gesonderten Förderunterricht beseitigten. Dazu ist eine gezielte Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer von Nöten, um schwache SchülerInnen rechtzeitig zu erkennen und fördern zu können. Durch die flächendeckend Einrichtung von Ganztagsschulen und ganztägiger Kinderbetreuung, bedarfsdeckende personelle und finanzielle Ausstattung der der Bildungseinrichtungen lässt sich diese Differenzierung wirksam bekämpfen. Dazu gehört aber auch die Stärkung integrativer Bildungskonzepte, d.h. dass benachteiligten Kindern durch besondere Förderung die Einbeziehung in die Gesamtentwicklung ihrer Altersstufe ermöglicht wird. Aber auch gute Schüler erhalten durch zusätzliche Zeit und Angebote die Möglichkeit, ihren Begabungen nachzugehen und diese weiter auszubauen. Die Bundesrepublik Deutschland liegt was die integrative Beschulung von behinderten Kindern angeht weit hinter europäischen Ländern. Integration und die damit verbundene individuelle Lernförderung kommt jedoch nicht nur Behinderten, sondern - und gerade - den nichtbehinderten Kindern zugute. Wir fordern daher eine stärkere Integration behinderter Kinder im Regelschulbereich. Ein besonderes Augenmerk muss auf Schulen mit einem hohen Anteil von Kinder aus sozialschwachen und bildungsfernen Schichten gelegt werden. Hier ist in Zukunft eine besondere personelle und organisatorische Förderung notwendig, um das Entstehen von "zweitklassigen" Bildungseinrichtungen zu vermeiden. Für Kinder aus Migrationsfamilien sollten noch zusätzliche Fördermaßnahmen getroffen werden: Dazu gehört neben dem Angebot in Ganztagsschulen und im Kindergarten auch spezieller Unterricht schon im vorschulischem Alter. Einen Zwang, an diesen Angeboten teilzunehmen lehnen die Juso-Hochschulgruppen allerdings ab. Die freiwillige Praxis in Ländern wie Finnland zeigt, dass auch so eine fast vollständige Beteiligung erreicht werden kann.

Den Unterricht reformieren

Pisa zeigt auf, dass es den deutschen Schülern gerade an elementaren Fähigkeiten beim Leseverständnis sowie der Mathematik und den Naturwissenschaften mangelt. Gerade in den ersten Jahren sollte so zukünftig stärkeres Gewicht auf Vermittlung der deutschen Sprache gelegt werden. Dabei darf aber das Wort der Lesekompetenz nicht weiterhin zu eng definiert werden, sondern gerade der kritische Umgang mit Texten sowie ihre Bewertung und Reflektion müssen endlich Priorität genießen. Ähnliches gilt für die Mathematik und die Naturwissenschaften: Auch hier müssen die Grundkenntnisse intensiver von Beginn an vermittelt werden. Die Naturwissenschaften fristen gerade in der Grundschule und oft auch den ersten Jahren der weiterführenden Schulen ein Schattendasein. Hier muss über Möglichkeiten nachgedacht werden, schon bei jüngeren Schülerinnen und Schülern das Interesse für naturwissenschaftliche und technische Frage zu wecken und sie schrittweise und im geeigneten Maße an diese heranzuführen.

Durchlässigkeit erhöhen - Frühzeitige Selektion verhindern

Charakteristisch für das deutsche Schulsystem im Pisa-Ländervergleich ist eine sehr frühe Selektion in die verschiedenen weiterführenden Schulformen. Die frühe Entscheidung, die in der Regel bereits im zehnten Lebensjahr zu treffen ist, wird von vielen BildungsexpertInnen als wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden des deutschen Schulsystems angesehen. Das deutsche Modell gewährleistet nämlich nicht - wie es bei einem solchen System gerade sein müsste - eine hohe Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Schultypen. SchülerInnen mit Lernproblemen werden im gegliederten Schulsystem zu schnell "nach unten" abgegeben, ein Aufstieg leistungsstarker SchülerInnen dagegen - z.B. von der Hauptschule ins Gymnasium - findet zu selten statt. Eine Möglichkeit, die negativen Folgen der Schulwahl ins gegliederte Schulsystem abzumildern, wäre eine Ausweitung der Grundschule auf sechs Jahre, wie es in Berlin und Brandenburg bereits praktiziert wird. Ein Blick auf die Länder mit den besten Pisa-Ergebnissen zeigt, dass Staaten wie Finnland und Schweden ihren Nachwuchs mindestens 8-9 Jahre auf eine gemeinsame Schule schicken. Die Erhöhung der Bildungsbeteiligung in Deutschland und die deutliche Verbesserung des Leistungsstandards an den Schulen stellen die größte bildungspolitische Herausforderung seit der Bildungsexpansion in den 60er Jahren dar. An dieser Qualitäts- und Expansionsoffensive muss auch der Bund aus gesamtstaatlicher Verantwortung seinen Beitrag leisten. Zu prüfen wäre notfalls auch, wie weit dem Bund nicht auch eine gewisse Rahmenkompetenz im Schulbereich aufgetragen werden muss, sofern die Länder ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ihm in den 60er Jahren im Hochschulbereich angesichts der damaligen Herausforderungen eine Rahmenkompetenz übertragen worden ist. Analog zum HRG wäre dann ein "SRG" - ein Schulrahmengesetz - einzuführen. Ungeachtet der leidvollen Diskussion in der Vergangenheit muss die Idee der Gesamtschule wieder neu aufgegriffen werden. Dabei gilt es auch ihre Mängel offen und kritisch zu diskutieren und das Konzept weiterzuentwickeln. Mit Blick auf den meist durchschlagenden Erfolg von integrativen Schulsystemen in anderen Ländern, darf vor dieser Frage nicht länger zurückgeschreckt werden. Es ist ein Fehler, die "Systemfrage" schon von vornherein zum Tabu zu erklären.

LehrerInnenausbildung reformieren

Angehende Lehrerinnen und Lehrer müssen von Beginn ihres Studiums an, professionell auf ihren späteren Beruf vorbereitet werden. Dies bedeutet sowohl eine bessere Verzahnung vom fachwissenschaftlichen Studium mit Pädagogik- und Didaktikausbildung sowie frühzeitige und wiederkehrende Schulpraktika. Sie sollen dazu dienen, die StudentInnen durch betreute Mitarbeit an ihren späteren Beruf heranzuführen. Nur so können angehende Lehrerinnen und Lehrer es lernen, sich auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzustellen und ihnen den Stoff je nach deren Können zu vermitteln. Nur der integrative Weg kann hier zum Erfolg führen. Überlegungen, die eigentliche pädagogische Ausbildung erst nach einem abgeschlossenen Fachstudium zu beginnen, sind deswegen kontraproduktiv. Die Ausbildung zu einem guten Lehrer/ einer guten Lehrerin ist aber nicht mit dem Studium beendet. Die Weiterbildung findet in Deutschland noch zu selten, zu wenig professionell und nicht bedarfsorientiert statt. Ein erster Schritt wären gezielt geschulte Weiterbildnerinnen und Weiterbildner und ein damit einhergehendes größeres Angebot. Ein zweiter Schritt wäre die Bereitstellung eines "Weiterbildungsbudgets" für jede Schule, wodurch ermöglicht würde, dass jede Schule eine den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler entsprechende Personalentwicklung betreiben könnte. 2.) Hochschule Ähnlich wie an der Schule sind auch die Defizite an den Hochschulen geartet. Auch hier gibt es sowohl starke Mängel in der Qualität (der Lehre) als auch an der Quantität (Bildungsbeteiligung). Konkret schlägt sich dies in der international gesehen viel zu niedrigen Studierquote von 28% (OECD-Durchschnitt ca. 40%), einem extremen sozialen Ungleichgewicht bei der Studierbeteiligung der verschiedenen sozialen Schichten, hohen StudienabbrecherInnenzahlen und oft unattraktiven und überholten Studieninhalten nieder. Von Chancengerechtigkeit bezogen auf die soziale Herkunft kann an den Schulen schon fast nicht, an den Hochschulen aber noch weniger gesprochen werden. Der Schlüssel für eine höhere und ausgewogenere Bildungsbeteiligung liegt somit v.a. im Bereich der Sozialpolitik, die in alle anderem hochschulpolitischen Ziele entscheidenden Einfluss hat und nicht nur separat betrachtet werden darf. Für die Juso-Hochschulgruppen muss sich die Hochschulpolitik der kommenden Legislaturperiode an drei Zielen orientieren: 1.) Studierquote erhöhen! 2.) Studienreform gestalten! 3.) Internationalisierung vorantreiben! 1.) Studierquote erhöhen! Die niedrige Studierquote in Deutschland kommt vor allem dadurch zustande, dass bildungsferne und sozial schwache Schichten fast nicht den Weg an die Hochschulen finden. Sie ist zum einem großen Teil also ein soziales Problem, da ein Studium finanzielle Risiken und Kosten mit sich bringt, die von staatlicher Seite nicht hinreichend aufgefangen werden. Soll es in den kommenden Jahren gelingen, die Studierquote deutlich zu erhöhen, muss vor allem beim Punkt Studienfinanzierung eine Menge getan werden.

BAföG weiter ausbauen!

Die Aufstockung des BAföG in dieser Legislaturperiode war sicher ein großer Schritt nach vorne, bei dem es aber nicht belassen werden darf. Die Juso-Hochschulgruppen plädieren weiterhin für das Drei-Körbe-Modell auf Basis der elterunabhängigen Grundförderung. Wir fordern deswegen die Bundesregierung auf, in der kommenden Legislaturperiode eine Umsetzung trotz des Karlsruher Verfassungsgerichtsurteils auszuloten und die Strukturreform in Angriff zu nehmen. Zumindest aber muss eine weitere Aufstockung der finanziellen Mittel vorgenommen werden, um mindestens 50 % der Studierenden staatlich fördern zu können.

Studiengebühren verhindern!

Angesichts der erheblichen sozialen Selektion, der geringen Studierquote und den ohnehin schon großen finanziellen Belastungen während des Studiums ist die Einführung von Studiengebühren jeglicher Art verantwortungslos. Zusätzliche finanzielle Belastungen würden nicht nur besonders Kinder bildungsferner Schichten von einem Studium abschrecken, sondern die Semesterzahl von Studierenden weiter in die Höhe treiben, da diese dadurch gezwungen werden, noch mehr Geld durch "Jobben" zu verdienen. Deswegen müssen der Bund und Länder in den kommenden Jahren an einem Strang ziehen, um die flächendeckende Einführung von Studiengebühren zu verhindern. Auf Bundesebene muss eine verbindliche Regelung durch das Hochschulrahmengesetz endlich Realität werden, dem die Länder durch Einführung von Studienkonten, Langzeitgebühren oder ähnlichem nicht entgegenarbeiten dürfen.

Durchlässigkeit erhöhen!

Allein um mit der demographischen Entwicklung ein erhebliches Absacken der Studierendenzahl zu verhindern, kann mittelfristig die Zugangsvorraussetzung für die Hochschulen nicht mehr allein auf das Abitur beschränkt bleiben. Auch anderen hinreichend Qualifizierten, die beispielsweise einen Ausbildungsabschluss besitzen, muss der Zugang zu einem Studium eröffnet werden.

Studienberatung ausbauen und umbauen!

Um mehr Menschen für ein Studium zu motivieren, muss schon Schülerinnen und Schülern der höheren Jahrgangsstufen ein deutlich höheres und besseres Informations- und Beratungsangebot zur Verfügung gestellt werden. Viele von ihnen wissen nämlich nicht, wie sich ein Studium gestaltet und werden von vermeintlichen Vorurteilen abgeschreckt. Nur durch ein breites Informationsangebot, das schon weit vor dem Abitur beginnt, lassen sich auch Kinder aus bildungsfernen Schichten erreichen. Dadurch kann auch den extrem hohen AbbrecherInnenquoten hier zu Lande gegengesteuert werden. Denn nicht viele beenden ein Studium vorzeitig, weil sie es mit anderen Vorstellungen aufgenommen haben und erst nach einigen Semestern erkennen, das es für sie ungeeignet ist. Ebenfalls noch mangelhaft ist das Beratungsangebot an den Hochschulen selber. Dabei brauchen viele Studierenden gerade in der ersten bzw. der Abschlussphase des Studiums eine besondere Betreuung. Um künftig eine Verknüpfung von Hochschule und Beruf herzustellen, ist deswegen eine grundlegende Umgestaltung von der Studienberatung erforderlich. 2.) Studienreform gestalten! Die meisten Studiengänge sind heutzutage an einer wissenschaftlichen Laufbahn orientiert. Dem steht die marginale Zahl von 5% aller Studierenden gegenüber, die sich nach dem Studium einer wissenschaftlichen Laufbahn widmen. Es liegt somit auf der Hand, dass sich die Studieninhalte künftig mehr an der Praxis orientieren und auch andere Kompetenzen vermitteln müssen. Dazu gehören die sogenannten "Sozialen Kompetenzen" ebenso wie berufsqualifizierende Elemente. Zentral ist neben dem Umgang mit den Neuen Medien das Erlernen von Fremdsprachen,. Zudem muss ein modernes Studium flexibel gestaltbar sein und somit ein Teilzeitstudium ermöglichen. Ein großer Schritt dorthin wäre die flächendeckende Einführung von modualisierten Studiengängen. Nur so kann der selbstbestimmte Übergang von Vollzeit- und Teilzeitstudium selber gestaltet werden und auch interdisziplinäre Elemente halten Zugang in die Studienordnung. Jedoch stellen Praxisorientierung und Wissenschaftsorientierung keinen Widerspruch dar, sondern sind gleichberechtigte Aspekte eines einheitlichen Forschungs- und Bildungsbegriffes. Daher macht die Aufteilung der Hochschullandschaft in eher praxisorientierte Fachhochschulen und eher wissenschaftsorientierte Universitäten keinen Sinn. Mittelfristig müssen beide zu einem einheitlichen Hochschulsystem zusammengefasst werden. Die Einführung von BA/MA-Studiengängen ist bislang in den seltensten Fällen mit einer grundlegenden Studienreform verbunden worden. Meist wurde der Stoff für ehemals acht bis zehn Semester auf den Umfang für sechs Semester runtergedämpft, ohne die inhaltliche Qualität dabei zu verbessern. Bei einer Studienreform ist ferner darauf zu achten, dass das Erkennen von und Studieren in übergeordneten Zusammenhängen ermöglicht wird. Auf grundsätzliche Ablehnung stösst bei den Juso-Hochschulgruppen der Vorschlag, zukünftig nicht allen Bachelor-AbsolventInnen die Aufnahme eines konsekutiven Master-Studienganges zu ermöglichen, sondern nur einem Teil von ihnen. Stattdessen muss jedem Bachelor-Studierenden auch das Recht, danach einen Master zu erwerben, eingeräumt werden. Ebenso erteilen wir Plänen, auf das Master-Studium Studiengebühren zu erheben, eine Absage. Sowohl die Zulassungsbeschränkung zu Master-Studiengängen als auch deren Gebührenpflichtigkeit würden weiter Bildungsbarrieren aufstellen und damit die Erhöhung der Durchlässigkeit und der Bildungsbeteiligung konterkarieren. Um die Qualität der Lehre nachhaltig zu verbessern, ist es notwendig, künftig mehr Wert auf die Qualitätssicherung zu legen. Neben der regelmäßigen Evaluation von Lehrveranstaltungen müssen die pädagogischen und didaktischen Leistungen von Lehrenden bei ihrer Berufung zum/zur (Junior-)ProfessorIn zu einem wichtigen Berufungskriterium gemacht werden. 3.) Internationalisierung Die zu geringe Internationalisierung der deutschen Hochschulen wird zu Recht seit längerem kritisiert. Dabei ist auffällig, dass es hierzulande, an beiden Seiten einer internationalisierten Hochschullandschaft mangelt: Einerseits sind die Bedingungen für ausländische Studierende zu unattraktiv, andererseits gelingt es auch nicht, viele deutsche Studierende zu einem Auslandsaufenthalt zu motivieren. Letzteres mag auch damit zu tun haben, dass an deutschen Hochschulen Studierende durch "internationalisierte" Angebote selten über den Tellerrand schauen müssen.

Mehr Studierende ins Ausland!

Noch immer sind für viele Studierende in Deutschland, die Anreize und die Motivation zu gering, ein oder mehrere Semester im Ausland zu verbringen. Daran ist oft die geringe Kenntnis über Austauschprogramme und -stipendia, sowie die Angst, zuviel Zeit zu verlieren, da viele im Ausland erworbene Leistungsscheine nicht anerkannt werden, schuld. Um letzteres Problem, also die Anerkennung und die Vergleichbarkeit von im Ausland erworbenen Scheinen, zu lösen, fordern die Juso-Hochschulgruppen ein europaweites System zur Zertifizierung von Studienleistungen in Anlehnung an das ECTS, das dem Grundsatz "Gleichwertigkeit vor Gleichförmigkeit" entspricht. Um grundsätzlich die Motivation zu steigern und auch die mit einem Auslandsaufenthalt verbundenen Kosten zu senken, plädieren die Juso-Hochschulgruppen für die Förderung eines Auslandssemesters für alle Studierende, die dies wahrnehmen möchten. Eine Grundförderung für jeden Studenten plus eine bedarfsabhängige Förderung für Studenten aus einkommensschwachen Elternhäusern soll für die Dauer des Auslandsaufenthalts gewährt werden. Insgesamt muss derzeit zumeist mehr die Beratung und Information als das tatsächliche Angebot an Austauschprogrammen ausgebaut werden. Denn oft wissen Studierende nicht, welche Angebote existieren und entscheiden sich deswegen gegen einen zwischenzeitlichen Wechsel ins Ausland. Hilfreich könnte hier auch der Ausbau von Kooperationsverträgen zwischen den deutschen Hochschulen und denen eines anderen Landes sein. Dadurch werden für gewöhnlich bürokratische Hürden abgebaut sowie eine gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen gefördert.

Die Hochschulen attraktiver gestalten!

Noch immer ist es für ausländische Studierende unattraktiv, mehrere Semester oder das ganze Studium in Deutschland zu verbringen. Denn neben einer wenig verlockenden Hochschullandschaft, machen Studierenden gerade aus Nicht-EU-Ländern viele rechtliche Barrieren zu schaffen. Das zentrale Problem ist hier meist die Arbeitserlaubnis. Die Juso-Hochschulgruppen fordern deswegen eine Arbeitserlaubnis für Nicht-EU-Studierende. Zum anderen muss auch ausländischen AbsolventInnen, die an einer deutschen Hochschule ihren Abschluss machen, eine Arbeitserlaubnis erteilt werden. Zur besseren Integration in die Hochschule zu Beginn ihres Studiums muss den ausländischen Kommilitoninnen und Kommilitionen eine erheblich größeres Angebot an Deutschkursen zur Verfügung gestellt werden. Die relativ hohen Anforderungen an die Deutschkenntnisse stehen im Regelfall nämlich nicht mit dem vorhandenen Kursangebot im Verhältnis. Hier sind dringend Nachbesserungen erforderlich. Darüber hinaus gilt nach wie vor, dass die strukturelle Unterfinanzierung der Hochschulen zu einem wenig atraktiven Lehrangebot führt. Überfüllte Hörsäle und leere Bibliotheken sind nur zwei Beispiele, weshalb der Hochschulstandort unattraktiv ist.

Die Lehre internationalisieren!

Zur Internationalisierung gehört aber nicht nur der beidseitige Austausch, sondern vor allem bei der Internationalisierung der Lehre besteht hierzulande erheblicher Nachholbedarf. Während in anderen Ländern Vorlesungen und Seminare in Englisch, Französisch oder Spanisch längst Normalität sind, sind fremdsprachige Veranstaltungen an deutschen Hochschulen die absolute Ausnahme. Diese müssen aber nicht nur in erheblich größeren Umfang angeboten werden, sondern auch Zugang in den Lehrplan finden. Diese Angebote müssen von einem erheblich aufgestockten Fremdsprachenangebot flankiert werden. Zwar gibt es an fast allen Hochschulen ein "Sprachenzentrum", doch reicht das Kursangebot in den wenigsten Fällen aus.

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