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Gesamthochschulen ein erfolgreiches Konzept

Das Bundeskoordinierungstreffen der Juso-Hochschulgruppen kritisiert auf das Schärfste den Beschluss der SPD-Landesregierung in NRW, die Gesamthochschulen des Landes in Universitäten umzuwandeln. Die Juso-Hochschulgruppen fordern die Mitglieder des Landtags NRW auf, dem Vorschlag zur Umwandlung der Gesamthochschulen nicht zu folgen. Wir sind der Meinung, dass die Gesamthochschulen sich in der Praxis bewährt haben. Die schlechte Bewertung der Gesamthochschulen durch den von der Landesregierung eingesetzten „Expertenrat„ kann kein Argument für die geplante Umwandlung sein, da auch der Expertenrat erkennt, dass die Gesamthochschulen finanziell nicht vergleichbar mit Universitäten ausgestattet sind, aber das gleiche leisten sollen. Statt die Gesamthochschulen nun abzuschaffen fordern die Juso-Hochschulgruppen, diese besser auszustatten und das Konzept flächendeckend einzuführen. Hierbei sehen wir es als sinnvoll an, dass auch die anderen Bundesländer nachziehen und das Prinzip der Gesamthochschule flächendeckend übernehmen. Um den Erfolg der Gesamthochschulen sicherzustellen, fordern die Juso-Hochschulgruppen insbesondere die Landesregierung NRW und auch alle anderen Landesregierungen dazu auf: · Gesamthochschulen (insbesondere hinsichtlich Mittelbau und Sachmitteln) vergleichbar mit Universitäten auszustatten. · Das Modell der Gesamthochschulen aktiv zu bewerben und den Bekanntheitsgrad dieses Modells zu steigern. · Die regionale Einbindung der Gesamthochschulen besonders zu würdigen. · Universitäts- und Gesamthochschulprofessuren gleich zu besolden. · Gesamthochschulen flächendeckend einzuführen. · Im Rahmen von Ländergesprächen auf eine Reform zugunsten der Gesamthochschulen hinzuwirken. Die Juso-Hochschulgruppen sind der Meinung, dass die Gesamthochschulen des Landes NRW ein erfolgreiches Modell sind, das weiter ausgebaut werden muss. Nachdem die sozialdemokratische Hochschulreform in den siebziger Jahren durch die Landesregierung eingeführt wurde, wurde es versäumt, das Modell auszubauen und flächendeckend umzusetzen. Die Erfahrung zeigt, dass Gesamthochschulen gegenüber herkömmlichen Universitäten Vorteile haben, von denen hier nur einige erwähnt werden:
  • Gesamthochschulen fördern die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion über den AkademikerInnenmangel sehen wir durch eben diese Durchlässigkeit eine große Chance für die Zukunft, den Mangel auszugleichen.
  • Ziel dieses neuen Hochschulsystems war die Gewährleistung von Chancengleichheit im Bildungssystem und die Umsetzung einer qualitativen Studienreform. Durch die Zulassung von SchulabsolventInnen mit Fachhochschulreife, die über den Besuch von Brückenkursen die fachgebundene Hochschulreife erwerben können, konnte für viele die Möglichkeit zum Erreichen eines universitären Abschlusses geschaffen werden. Diese Möglichkeiten werden auch heute noch intensiv genutzt und im Sinne der Chancengleichheit gebraucht.
  • Den Studierenden ist es dank des Y-Modells möglich, sich die Frage nach der Art des Abschlusses länger offen zu halten, oder wie es der Expertenrat des Landes NRW auf Seite 157 des Berichts formuliert: “Sie können sich zuerst dem `Spatzen in der Hand´ widmen, ohne die `Taube auf dem Dach´ aus den Augen verlieren zu müssen.“.
  • Die - durch die erweiterten Zulassungsbedingungen für die Gesamthochschulen gewonnenen - Studierenden zeichneten sich in der Vergangenheit oft durch besonders gute Studienleistungen und hervorragende Abschlüsse aus. Daher muss es im Interesse aller liegen, den SchulabgängerInnen mit Fachhochschulreife auch weiterhin den ungehinderten Zugang zu allen Hochschulen ermöglichen.
Eine Abschaffung der Gesamthochschulen fördert weder die Chancengleichheit noch die Reform des Studiums und konterkariert so die Expertenratsforderung nach der Qualitätssicherung von Lehre und Forschung. Die Juso-Hochschulgruppen stellen fest, dass die Beibehaltung der Gesamthochschulen im Interesse der Gesellschaft liegt. Dazu möchten wir folgende Punkte aufgreifen: · Auch wenn der Expertenrat der Ansicht ist, dass mittlerweile verschiedene andere Möglichkeiten zum nachträglichen Erlangen der allgemeinen Hochschulreife bestehen, halten wir es für unabdingbar, dass der Hochschulzugang für SchulabgängerInnen mit Fachhochschulreife über das Brückenkursmodell bestehen bleibt. · Wir sind der Meinung, dass diese Zugangsmöglichkeit mittelfristig an allen Universitäten angeboten werden muss. Die Öffnung der Hochschulen für die sogenannten bildungsfernen Schichten war und ist immer ein Hauptziel sozialdemokratischer Bildungspolitik. Es ist für uns nicht hinnehmbar, dass diese Politikansätze durch das Expertenratsurteil ausgehöhlt bzw. ganz aufgegeben werden. · Auch im Bereich der Studienreform waren die Gesamthochschulen durch das Konzept der integrierten Studiengänge immer erfolgsversprechender als die anderen Hochschulformen. Die Kooperation von wissenschaftsorientierten und praxisorientierten Studiengängen unter dem gemeinsamen Dach der Gesamthochschulen fördert die Praxisnähe und die Interdisziplinarität.

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