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Hochschulen für die Zukunft

Der Ruf nach einem systematischen Umbau der Hochschulen wird immer lauter. Die Aufmerksamkeit staatlicher Institutionen sowie verschiedener politischer Kräfte und der Medien wendet sich angesichts der Finanzkrisen der öffentlichen Kassen den Problemen im Bildungsbereich unter einer neuen, sehr vereinfachten Perspektive zu. Als Probleme werden dabei formuliert:

zu lange Studienzeiten,

ineffiziente Formen der Lehre,

falsche Verteilung von StudienanfängerInnen auf Hochschultypen und Fächer,

mangelnde Ausrichtung der Lehrinhalte an den praktischen Notwendigkeiten der Erwerbstätigkeit. Dabei ergeben sich im Augenblick für eine durchgreifende Strategie der konservativen Formierung noch Hinderungspunkte: Die ProfessorInnenschaft bildet ein enormes Widerstandspotential gegen inhaltliche Kürzungen und Neuausrichtungen, die soziale Lage der Studierenden verlängert die Studienzeiten ganz unabhängig von Art und Weise der Lehre. Die öffentliche Diskussion um die Studienreform geht an den wahren Ursachen der Dauermisere an den deutschen Hochschulen vorbei. Sie aufzudecken und eine umfassende Reform des Hochschulsystems in Deutschland einzuleiten, ist nicht allein Aufgabe des Staates, der HochschullehrerInnen und ihre Standesvertretungen, sondern muß in Zusammenarbeit aller Betroffenen, hier vor allem die Gruppe der derzeit 1,8 Millionen Studierenden, in Angriff genommen werden. Die Demokratisierung der Hochschulen und die Gleichstellung der Gruppe der Studierenden in allen Entscheidungsgremien ist daher ein dringendes gesellschaftliches Interesse, da sie die Grundlage einer erfolgreichen und tiefgreifenden Studienreform, die sowohl inhaltlicher als auch struktureller Natur sein muß, bildet.

Die Situation von Forschung und Lehre

Große finanzielle Defizite der Hochschulen, resultierend aus einer staatlichen Unterfinanzierung, führen dazu, daß sie sich in eine noch größere Abhängigkeit von forschungspolitischen "Mode"-Projekten begeben müssen. Somit kann die Wissenschaftsentwicklung noch weniger frei von wirtschaftlichen Zwängen erfolgen, Forderungen nach "Hochschulen in gesellschaftlicher Verantwortung" scheinen unerreichbarer denn je. Ein Großteil der Forschungsprojekte zielt überwiegend bis ausschließlich auf wirtschaftliche Verwertbarkeit von Wissen und reicht von zivilen bis militärischen Zwecken. Der von wirtschaftlichen Interessen gesteuerte Arbeitsmarkt formuliert darüber hinaus eigene Forderungen an das Studium: Kürzere Studienzeiten, direkter Zugriff auf Hochschulabsolventen wirtschaftlich relevante Studieninhalte insbesondere eine hervorragend ausgebildete, im Konkurrenzkampf geschulte Elite. Immer weniger wird eine Wissenschaft vermittelt, die von den Interessen der Menschen ausgeht und nicht von der Logik der privaten Mehrwertaneignung weniger zu Lasten der Mehrheit. Wer diese Möglichkeit wählt, ist dann auch "frei" von finanzieller Unterstützung. Angesichts der gerade die Geisteswissenschaften betreffenden Mittelkürzungen im Hochschulbereich ist auch insbesondere hier die Abhängigkeit von Drittmitteln gegeben. So haben sich auch die Studieninhalte geändert: Gesellschaftlich relevante bis dringend notwendige Inhalte, wie z. B. Friedens- und Ökologieforschung finden logischerweise in einer von Wirtschaftskrisen betroffenen Gesellschaft weniger Anklang. Die inhaltliche Formierung ist im Gegensatz zur ökonomischen Formierung längst durchgesetzt; diese Formierung konnte auf Grundlage einer ungebrochenen Vorherrschaft konservativer Ideologien über das Ende des Faschismus hinaus durchgesetzt werden.

Für ein Hochschulsystem der reform-orientierten Gesamthochschulen!

Die Juso-Hochschulgruppen fordern die Umwandlung des bisherigen dreigliedrigen Hochschulsystems (Universitäten, Fachhochschulen, "Gesamthochschulen") in das reformorientierte Konzept der Gesamthochschulen. Außerdem sprechen sich die Juso-Hochschulgruppen für eine weitere Frauenförderung an Hochschulen aus. Dieses sozialdemokratische Reformkonzept der Gesamthochschulen der frühen 70er Jahre ist wieder aufzunehmen und bislang unvollendete, bzw. z. T. revidierte Reformkonzeptionen an den bereits bestehenden Gesamthochschulen sind fortzusetzen. Der besondere studienreformerische Aspekt, der bis heute nur ansatzweise verwirklicht werden konnte, ist die Integration verschiedener Studiengänge. Durch die Zusammenfassung einzelner Fächer in Fachbereiche, sollte eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit gefördert werden - die Gesamthochschule ein Höchstmaß an Interdisziplinarität erreichen. Auch der Versuch einer Integration von Theorie und Praxis stellt für die sogenannten wissenschaftlichen Studiengänge auf jeden Fall eine Bereicherung dar. So ist für Diskussionen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln gesorgt. Im Zusammenhang mit Rüstungstechnologien und Umweltschäden kommt diesem Konzept eine gänzlich neue Bedeutung zu. Die Gesamthochschulen könnten hier neue, komplexe Lösungsvorschläge entwerfen. Angesichts der globalen Bedrohung sollte die Interdisziplinarität eine zentrale Aufgabe einer Studienreform, die diesen Namen verdient, sein. Ziel kann nicht, wie zur Zeit in den neuen Bundesländern, das Nebeneinander von neuzugründenden Fachhochschulen und alten Universitäten, sondern ein integriertes Konzept sein. Aber auch in den alten Bundesländern wird als Weg aus der Krise einseitig auf den forcierten Ausbau der Fachhochschulen gesetzt. Gleichzeitig wird ihnen aber weiterhin die wissenschaftliche Gleichstellung mit den Universitäten verweigert. Auch die Anerkennung der Abschlüsse im In- und Ausland, im Zeichen eines vereinten Europas eigentlich eine Selbstverständlichkeit, kümmert die gegenwärtig agierenden BildungspolitikerInnen wenig. Dementsprechend lehnen wir eine weitere Verschärfung der Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen ab, sondern fordern die wechselseitige Öffnung dieser Hochschultypen in Hinblick auf Wissenschaftlichkeit und Praxisbezug, Anerkennung ihrer Abschlüsse, insbesondere im Hinblick auf das Promotionsrecht von FachhochschulstudentInnen und ihre Gleichbehandlung bei der Einstellung im öffentlichen Dienst. Diese Maßnahmen sind unter dem Aspekt der Schaffung eines einheitlichen Hochschulsystems der Gesamthochschulen zu vollziehen.

Ausbau der Hochschulen

Die Lehre an den Hochschulen kann nur verbessert werden, wenn für Bildung mehr Geld investiert wird. Wir fordern daher eine personalintensive Betreuung der StudienanfängerInnen. Hierfür müssen mehr wissenschaftliche Stellen geschaffen werden. Dabei muß berücksichtigt werden, daß Frauen für diese Stellen bevorzugt werden, so daß der Frauenanteil am wissenschaftlichen Personal an allen Fachbereichen/Fakultäten auf ihren gesellschaftlichen Anteil (z. Zt. 52 %) angeglichen wird. Wir fordern den sofortigen Ausbau der Studienplätze an den Hochschulen auf 100 % der real vorhandenen Studierenden. Außerdem müssen bestehende Studienkapazitäten in den ostdeutschen Bundesländern genutzt werden. Dazu ist es notwendig, die Attraktivität eines Studiums in Ostdeutschland zu steigern.

Dazu gehört:

Schnellstmögliche bedarfsgerechte Instandsetzung der Hochschulen und Wohnheime

Verbesserung der Hochschulausstattung

Sicherung der dortigen Lehrverhältnisse und des Wissenschaftler-Integrations-Progammes. Die dazu erforderlichen Mittel sind durch Kürzungen im Bundes- bzw. in den Länderetats z. B. im Rüstungsbereich (die Aufgabe des Projektes eines "Euro-Fighters 2000" und anderer sinnloser Rüstungsprojekte). Verschiebung des Umzuges der Bundesregierung und anderer Verfassungsorgane nach Berlin, Verzicht auf den Magnetschwebebahnbau Hamburg-Berlin sowie durch die Erhebung von Abgaben der Wirtschaft für die Hochschulbildung, von der sie nach eigenem Bekunden profitiert, bereitzustellen. Bund und Länder haben ein klares Bekenntnis zum Stellenwert der Bildung im gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext der Bundesrepublik Deutschland abzugeben und diese dementsprechend zu fördern.

Qualität der Lehre: Die ProfessorInnenschaft

Gerade in Bezug auf die ProfessorInnenschaft können ohne große finanzielle Aufwendung wesentliche Verbesserungen für die Lehre erzielt werden. Wenngleich sie nicht alleinige Träger der Lehre sind, stellt für die ProfessorInnenschaft die Lehre ein wesentlicher Bestandteil ihrer beruflichen Verpflichtung dar, der viele ProfessorInnen nicht mehr gerecht werden. Stichprobenartige Erhebungen haben ergeben, daß viele ProfessorInnen ihr Lehrdeputat nur unzureichend erfüllen. Daher fordern die Juso-Hochschulgruppen die Präsenzpflicht von ProfessorInnen am Hochschulort, eine Transparenz der Lehrverpflichtungen und die Einrichtung einer Kontrollkommission, um so eine Erfüllung ihres Lehrdeputates sicherzustellen. Sie schränkt zudem die weit verbreitete Praxis des "Rufesammelns" ein, die von vielen ProfessorInnen dazu mißbraucht wird, bessere Mittelzuteilungen bei Bleibeverhandlungen zu erzielen. Die Habilitation ist abzuschaffen, da sie keine sinnvolle Qualifikationssteigerung für den Lehrbetrieb darstellt, sondern vielmehr ein Überrest des Standesdenkens der Ordinarienuniversität ist. Innerhalb der ProfessorInnenschaft ist eine wesentlich verbesserte Zusammenarbeit und Abstimmung der Lehr- und Prüfungsinhalte anzustreben. Besoldungsunterschiede an Fachhochschulen und Gesamthochschulen zum Universitätsbereich sind aufzuheben. Das Beamtentum ist abzuschaffen.

Evaluierung der Lehre

Die Juso-Hochschulgruppen fordern die allsemestrige Durchführung von studentischen Veranstaltungskritiken an allen Hochschulen der Bundesrepublik. Die Form der Befragung der Studierenden ist durch einen paritätisch von Studierenden und ProfessorInnen besetzten Ausschuß an den einzelnen Fachbereichen bzw. dessen Seminaren und Instituten festzulegen und deren Ergebnis durch die Hochschule zu veröffentlichen. Die Mitglieder dieses Ausschusses erhalten für ihre Arbeit seitens der Hochschule eine Aufwandsentschädigung. Diese studentischen Veranstaltungskritiken haben den Gesamtaspekt der Lehre zu evaluieren. Dieser beinhaltet das Wissen, das vermittelt werden soll, die Art und Weise, wie dies geschieht, aber ebenso die Lehrinhalte bzw. die Aktualisierung dieser Inhalte, die ebenfalls von den Studierenden evaluiert werden sollten. Ziel ist es hierbei, qualitative Ergebnisse (Lehrberichte) statt quantitativer Kennziffern zu ermitteln. Keineswegs dürfen Mittelzuweisungen an Hochschulen davon abhängig gemacht werden.

Verbesserung der Didaktik

Die Lehre an den Hochschulen muß nicht nur durch StudentInnen bewertet werden, sondern die Lehrenden müssen eine didaktische Ausbildung nachweisen können. Neueinzustellendes Lehrpersonal muß über eine spezielle hochschuldidaktische Ausbildung verfügen. Ferner sollte das Lehrpersonal regelmäßig an didaktischen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen, ohne daß hierfür das Lehrdeputat gekürzt wird.

Formen der Lehre - ein Reformmodell

Die Formen der Lehre, wie sie derzeit an den Hochschulen in Deutschland praktiziert werden, erscheinen uns generell reformbedürftig. Ziel dieser Reform muß die stärkere Selbständigkeit der Lernenden und die Verminderung der zentralen Stellung der ProfessorInnen und anderer Lehrbeauftragter im Lehrbetrieb sein.

Hierzu machen wir folgende Reformvorschläge:

  • Einrichtung von Orientierungssemestern zu Beginn des Studiums, während der die Studierenden unter der Anleitung von TutorInnen in Kleingruppen die Möglichkeiten des Studiums begreifen sollen, um selbstverantwortlich den weiteren Studienverlauf planen zu können und gemeinsames Handeln und Lernen in dieser Kleingruppe zu erfahren.
  • An den Hochschulen sind integrierte Frauenstudiengänge und Frauentutorien einzurichten sowie Studentinnen-Förderkonzepte zu erarbeiten, um vorherrschende Benachteiligungen abzubauen. Hierbei ist insbesondere auf die Vermittlung von weiblichen Identifikationsfiguren in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen zu achten, um Frauen verstärkte Motivation zum Studium in bislang männlich dominierten Wissenschaftsbereichen zu geben. In allen Studiengängen - nicht nur in den Frauenstudiengängen - sind feministische Wissenschaftsaspekte stärker zu verankern.
  • Weiterführen der studentischen Kleingruppen in "Studiengruppen", die unter anderem dazu dienen, gemeinsam inhaltliche Fachfragen aufzuarbeiten, Verantwortung der Wissenschaft für die Gesellschaft wahrzunehmen, sich gemeinsam auf Prüfungen vorzubereiten, Streß zu bewältigen und interdisziplinär zusammenzuarbeiten.
  • Auch im Hauptstudium sollte sich Lernen und wissenschaftliches Arbeiten im Team vollziehen können. Eine Zusammenarbeit von Studierenden in teilautonomen Projektgruppen, in denen Studierende gemeinsam eine von ihnen gewählte Aufgabenstellung lösen, wäre wünschenswert. Reine rezeptive Wissensüberprüfung wird so ersetzbar durch die Bewertung der angewandten Methoden im Zusammenspiel mit dem gewählten Thema und der Durchführung konkreter Arbeiten an dem Projekt. Entsprechende, bereits an einzelnen Hochschulen bestehende Lernformen sind zu fördern und auf alle Hochschulen zu übertragen.
  • An den Hochschulen sind Projekte anzusiedeln, die allen Studierenden die Möglichkeit zu gleichberechtigter, interdisziplinärer Forschungs- und Entwicklungsarbeit geben. Diese Projekte können sich z. B. auf Verkehrsplanung für den innerstädtischen Raum, Betriebs- und Produktionsplanung, medizinische Entwicklungen, Wohnungsbau, landwirtschaftliche Nutzung und Ökologie, den Europäischen Binnenmarkt und andere interdisziplinäre, gesellschaftsrelevante Themen beziehen. Einhergehend mit dieser Reform des Lehrbetriebes an den Hochschulen sind Struktur und Verwaltung der Hochschulen neu zu organisieren. Die Geldvergabe ist in diesem Zusammenhang fächerübergreifend zu regeln. Um die angestrebte Interdisziplinarität zu erreichen, sind Institute und Fachbereiche mit VertreterInnen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zu besetzen.

  • Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Die Bildung, gerade an den Hochschulen, hat ein Bewußtsein von zentralen Problemen der Gegenwart und Zukunft zu vermitteln. Die Erforschung der Ursachen globaler Probleme und die Erarbeitung von Lösungstrategien steht im Vordergrund. Notwendig ist hierzu die Fähigkeit zu eigener Urteilsfindung, zur Kritik- und Argumentationsbereitschaft, zu sensibilisiertem und vernetztem Denken und die Durchführung von Handlungen aufgrund reflektierter und verantwortungsbewußter Entscheidungen. Dies bedeutet, daß die Menschen in ihrer Schulzeit und späteren Fortbildung (Hochschule, Weiterbildung, ...) befähigt werden, sich mit vernünftigem Zeitaufwand selbständig neues problemlösendes Wissen anzueignen. Eine Priorität der Wissensvermittlung liegt auf dem Erwerb der sogenannten Schlüsselqualifikationen: Kritikfähigkeit, Diskursfähigkeit, Selbständigkeit, Teamfähigkeit, Zusammenhangwissen, Kreativität und Medienkompetenz. Dies erfordert eine Neustrukturierung der Bildungseinrichtungen durch ein Mehrphasen- und Baukastenmodell, so daß einzelne Studienleistungen Qualifikationsbausteine darstellen. Dies sorgt für eine bessere Durchlässigkeit zwischen unterschiedlichen Hochschultypen und eine bessere Vergleichbarkeit der Studienleistungen in der EU.

Die Erhebung von Studiengebühren/Immatrikulationsgebühren

Wir lehnen die Einführung sowohl allgemein als auch für Studierende oberhalb staatlich festgelegter Studienzeiten sowie für Weiterbildungsstudiengänge ab. Sie widersprechen unserer Forderung nach einem gleichberechtigten Zugang zu Hochschulbildung. Dieser würde durch die Erhebung von Studiengebühren/Immatrikulationsgebühreneine Frage der finanziellen Leistungsfähigkeit der Studierwilligen und immer weniger eine Frage der individuellen Befähigung und Neigung. Da wir Juso-Hochschulgruppen davon ausgehen, daß gerade angesichts der enormen globalen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, vor denen auch die Bundesrepublik Deutschland an der Schwelle zum dritten Jahrtausend steht, ein wachsender Bedarf an umfassend gebildeten Menschen, die einen Beitrag zur Lösung dieser Herausforderungen leisten können, im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegen muß, lehnen wir einen sozialen Numerus Clausus, wie in Studiengebühren/Immatrikulationsgebührendarstellen, rundweg ab! Auch die bestehenden Materialbezugsgebühren (Studiengebühren) an der Fernuniversität Hagen müssen auf ein sozialverträgliches Maß reduziert werden.

Die Differenzierung zwischen berufsqualifizierendem und wissenschaftlichem Studium

Für die Juso-Hochschulgruppen ist die wissenschaftliche Bildung und das Erlernen wissenschaftlicher Methoden zur Lösung von Problemen ein integraler Bestandteil der Berufsqualifizierung. Daher halten wir eine Unterscheidung zwischen berufsqualifizierendem und wissenschaftlichem Studium für unsinnig und eine Studienzeitverkürzung unter der Zuhilfenahme dieser Unterteilung für wenig konstruktiv. Eine Beschränkung des Zugangs zu umfassender wissenschaftlicher Bildung leistet der Bildung von Elite-Hochschulen Vorschub, die wir ablehnen.

Prüfungsordnungen

Die Juso-Hochschulgruppen fordern die Überprüfung und gegebenenfalls die Änderung der Prüfungsordnungen aller Studienfächer in regelmäßigen Abständen. Diese Überprüfung ist durch eine halbparitätisch besetzte Kommission vorzunehmen, die sich zu gleichen Teilen aus Studierenden und in dem Berufsspektrum dieser Studienfächer tätigen AkademikerInnen vorzunehmen und hat sowohl das Volumen der Pflichtveranstaltungen, der Leistungsnachweise und der Abschlußprüfungen festzulegen als auch die Prüfungsordnungen inhaltlich zu evaluieren. Hierbei soll auch im Sinne der Interdisziplinarität auf die Möglichkeit des Erwerbs fachfremder Leistungsnachweise miteinbezogen werden.

Auslandsstudium und Anerkennung von Hochschulabschlüssen

Allen Studierenden muß bei Nachweis der entsprechenden fremdsprachlichen Qualifikation ein Studienaufenthalt im Ausland von mindestens einem Semester ermöglicht werden. In Ausnahmefällen und bei Bereitschaft der ausländischen Hochschule kann der erforderliche Sprachnachweis zum Studienbeginn im Ausland erbracht werden. Internationale Austauschprogramme sind weiter auszubauen und neue zu initiieren. Alle in Europa erworbenen staatlichen und hochschuleigenen Bildungsabschlüsse müssen in allen Bundesländern von öffentlichen Arbeitgebern anerkannt werden.

Hochschulforschung

Die Hochschulforschung ist durch die stärkere Konzentration der staatlichen Forschungsförderung auf die Hochschulen auszubauen. In diesem Zusammenhang ist die Rolle der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Rolle der Max-Planck-Institute und der Fraunhofer-Gesellschaft bei der Hochschulforschung zu verändern. Sie müssen ihre Schwerpunktsetzung mehr an gesellschaflichen Interessen ausrichten, ihre Forschungsprojekte transparenter machen und die verstärkte Teilnahme Studierender ermöglichen. Alle Drittmittel müssen den Hochschulgremien mit Offenlegung der zugrundeliegenden Kooperations- und Drittmittelverträge angezeigt und von diesen genehmigt werden. Nebentätigkeiten von Hochschulbediensteten in der Privat-Forschung sind zu unterbinden. Die Juso-Hochschulgruppen fordern eine Kontrolle der Forschung - gerade der Nuklear- und Genforschung - an Hochschulen durch gemischte Forschungskommissionen, in denen unter anderen sowohl Studierende als auch gesellschaftlich relevante Gruppen vertreten sind. Dies ist durch die allgemeinverständliche Veröffentlichung und Begründung aller Forschungsvorhaben an der Hochschule zu unterstützen. Hierbei ist vor allem die potentielle militärische Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen anzuzeigen. Reine Militärforschung ist an den Hochschulen zu verbieten. Tierversuche in Forschung und Lehre sind auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Sie sind öffentlich anzeigepflichtig zu machen und zu rechtfertigen. Forschung kann kein Selbstzweck sein, sondern hat an den Hochschulen dem gesellschaftlichen Interesse zu dienen. Daher ist neben der Verantwortung der Wissenschaften die Verantwortlichkeit des einzelnen Wissenschaftlers bzw. der einzelnen Wissenschaftlerin stärker zu betonen. Im Falle des Mißbrauches dieser Verantwortung sind die einschlägigen Gesetze zu verschärfen bzw. zu ergänzen. Nötig ist überdies die flächendeckende Einführung von interdisziplinären Forschungszentren innerhalb der Hochschulen, die über die Auswirkungen geplanter und durchgeführter wissenschaftlicher Arbeiten forschen. Hierbei ist ein probleminduzierter Ansatz zu wählen.

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