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Gute Wissenschaft bedeutet gute Forschung UND gute Lehre!

Das neue multidimensionale Hochschulranking der EU ist im Sommer diesen Jahres in die erste Praxisphase eingetreten. Über 600 Einrichtungen haben sich bisher für das Ranking registriert.

Das U-Multirank wurde von einem Konsortium entwickelt, an dem u.a. auch Bertelsmann und das CHE beteiligt sind und wird von der Europäischen Union finanziert. Als Multirank wird es bezeichnet, weil es anhand verschiedener Kennzahlen Hochschulen in verschiedenen Dimensionen abbildet.

Doch gute Wissenschaft kann nicht auf Kennzahlen reduziert werden, sondern muss sich im wissenschaftlichen Diskurs und in der Praxis beweisen.

Das U-Multirank reiht sich ein in die unzähligen Rankings, die versuchen Hochschulen, Institute oder Studiengänge und deren Leistung auf verschiedenen Gebieten zu messen. Dabei wählt das U-Multirank mit den Kriterien Lehre, Forschung, Wissenstransfer, Internationalität und regionale Einbindung einen sehr breiten Ansatz.

Positiv kann hervorgehoben werden, dass das Multirank keine Gewichte für die einzelnen Faktoren vorgeben will, ein Ranking auf Fachbereichsebene erlaubt und ein Ranking auf Basis individuell ausgewählter Faktoren zulässt. Es wird keine Reihenfolge erstellt allerdings werden die Hochschulen Gruppen zugeordnet. Damit bietet das U-Multirank grundsätzlich das Potential, zwar kein objektives Ranking zu erstellen, aber zumindest ein transparentes Informationsangebot zu verschiedenen Einrichtungen zu bieten.

Ein Blick auf die bisherigen Projekte der Konsortiumspartner CHE und Bertelsmann lassen die Hoffnung auf ein wertungsfreies Informationsinstrument jedoch schwinden. Insbesondere das ebenfalls multidimensional ausgerichtete Hochschulranking des CHE steht in Deutschland massiv in der Kritik.

Zudem ist das U-Multirank besonders gefährdet, politisch instrumentalisiert zu werden. Die Finanzierung durch die EU gibt dem Ranking einen scheinbar staatlichen und damit offiziellen Anstrich, der nicht gerechtfertigt ist.

Die Juso-Hochschulgruppen kritisieren seit Jahren auch die Methodologie vieler Rankings. Das bekannte Shanghai Ranking generiert beispielsweise 40 % des Rankingwertes über die Anzahl der Nobelpreisträger*innen, die an einer Hochschule ihren Abschluss abgelegt haben. Es ist jedoch nicht begründbar, dass die Qualität der grundständigen Lehre an einer Hochschule mit späteren Nobelpreisträgern korreliert. Im Gegenteil ist ein Nobelpreis eine Auszeichnung für die Forschungsleistung einer Person und nicht für die Lehrleistung der früheren Universität. Dagegen werden Indikatoren zur Messung der Lehre kaum berücksichtigt.

Andere Rankings wie das Hochschulranking des CHE bemühen sich genauere Indikatoren zu bestimmen, weisen aber im Gegenzug Unzulänglichkeiten in der Datenerhebung auf und ziehen Schlüsse aus zu kleinen Datenbeständen. Zudem generiert das CHE künstlich Ranggruppen, auch wenn alle gerankten Hochschulen in einem Wert eng beieinander liegen.

Die Nutzer*innen erhalten aus Rankings keine transparenten, objektiven oder  zuverlässigen Aussagen. Rankings wie das Times Higher Education Ranking geben dies auch offen zu.

Dennoch erfahren Rankings eine hohe mediale Aufmerksamkeit, weil Kennzahlen und Rangfolgen immer einen Objektivitätsanspruch vermitteln. Hochschulrankings werden dadurch zu politischen Gefahr, in dem Politiker*innen dazu verleitet werden, die ungenauen Aussagen der Rankings als Grundlage für Steuerungsentscheidungen zu nutzen. So entsteht ein Druck auf die Hochschulen, ihre Arbeit an den  erklärtermaßen ungenauen Indikatoren der Rankings zu orientieren, was in unseren Augen eine große Gefahr für die Freiheit der Forschung  und Qualität der Lehre in der Breite darstellt.

Wir fordern eine breite Grundfinanzierung für alle Hochschulen. Wissenschaft darf sich nicht dem Druck von Hochschulrankings beugen, sondern muss mit kritischem und freiem Diskurs zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. Gute Wissenschaft bedeutet gute Forschung UND gute Lehre und kann nicht anhand von wenigen Parametern gemessen werden!

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