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Deutschland ist weltoffen – oder?

Internationale Studierende und Wissenschaftler*innen an deutschen Hochschulen 

Am Dienstag wurden die neuen Zahlen zur internationalen Mobilität von Studierenden und Wissenschaftler*innen vorgestellt. Demnach gab es an den deutschen Hochschulen im Studienjahr 2013 rund 280.000 internationale Studierende (offizielle Bezeichnung: „ausländische Studierende"). Mit Beginn des Wintersemesters gab es laut Vorbericht zur Studierendenstatistik sogar erstmals über 300.000 internationale Studierende. Angesichts der Zahlen freut sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): „Deutschland ist weltoffen“

Doch internationale Studierende sind vielfach mit neuen Situationen und unbekannten Schwierigkeiten konfrontiert. Die Schwierigkeiten fangen bereits bei der Zulassung zum Studium an. Mit hohen Gebühren und gesonderten, aber unsicheren Verwaltungsverfahren werden den Studierenden erste Steine in den Weg gelegt. Im Studium selbst sind sie gegebenenfalls nicht an Methoden und Arbeitsweisen gewöhnt, da diese von Land zu Land zum Teil stark variieren. Auch die Wohnsituation ist angesichts der zu geringen Zahl an Wohnheimplätzen kritisch. Auf dem privaten Wohnungsmarkt sind sie unter Umständen rassistischen Vermieter*innen ausgesetzt. Außerdem spielen auch finanzielle Schwierigkeiten eine große Rolle – nicht nur auf dem Wohnungsmarkt. Und nicht zuletzt können Sprach- und Verständigungsprobleme das soziale und kulturelle Zusammenleben beeinträchtigen. Aber auch der Studienerfolg ist von guten Sprachfähigkeiten abhängig, da  die fremde Sprache insbesondere in akademischen und wissenschaftlichen Kontexten ein großes Hindernis sein kann. Es existieren also noch genug Barrieren, die es abzubauen gilt. Nicht nur Hochschulen haben dabei eine besondere Verantwortung.

Neue Wohnheimplätze müssen entstehen –  für alle Studierenden. Beratungsangebote müssen ausgebaut werden: durch die Städte, die Hochschulen und auch die Studierendenschaften, bei denen die Hemmschwelle, sich in Notsituationen Hilfe zu suchen, am geringsten ist. Kostenlose Sprachkurse müssen angeboten werden. Menschen mit einer Aufenthaltsgestattung oder einer Duldung muss der Hochschulzugang gewährt werden. Dann kann vielleicht auch tatsächlich irgendwann guten Gewissens das Fazit gezogen werden: Deutschland ist weltoffen.

Der Bericht zeigt auch, dass die internationale Mobilität von Studierenden aus Deutschland seit 2000 nicht gestiegen ist. Sie blieb konstant bei rund 30% eines Jahrgangs. Im Rahmen der Internationalisierungsstrategie der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz im Jahr 2013 wurde das Ziel formuliert, dass jede*r zweite Hochschulabsolvent*in studienbezogene Auslandserfahrung gesammelt haben soll, sowie 33% der Hochschulabsolvent*innen einen Auslandsaufenthalt von mindestens drei Monaten und/oder 15 ECTS-Punkten vorweisen können sollen. Insbesondere das erste Ziel ist noch lange nicht erreicht. Um wirklich allen Studierenden die Möglichkeit zu geben, im Ausland Erfahrungen zu sammeln, müssen die Anpassungsfähigkeit der Curricula erhöht, die Studienfinanzierung verbessert und Beratungsstellen ausgebaut werden.

Alle Zahlen finden sich im Bericht "Wissenschaft Weltoffen 2014" (kompakte Version), den das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) veröffentlicht. Auch die Zahlen über die vergangenen Jahre finden sich hier.

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