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Eine „Kissinger-Professur“ wollen wir nicht mal geschenkt!

Am 15. Januar 2015 berät der Bundestag über einen Antrag, der ein sofortiges Ende für die  Einrichtung einer „Kissinger-Professur“ fordert. Darüber hinaus soll eine vom Bund finanzierte Nelson-Mandela-Professur für Friedenspolitik und Völkerrecht geschaffen werden. Diese Anträge abzulehnen, wäre ein falsches Signal!

Das ursprüngliche Vorhaben liest sich zunächst wie ein schlechter Scherz. Der Universität Bonn soll eine neue Professur für „Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ gestiftet werden, deren hauptsächlicher Geldgeber das Bundesministerium für Verteidigung ist. Dies allein wäre schon Grund genug für erheblichen Protest. Hinzu kommt jedoch, dass mit Henry Kissinger eine zweifellos streitbare Persönlichkeit geehrt werden soll.

Anlässlich des 90. Geburtstags des ehemaligen Sicherheitsberaters und Außenministers der USA  (1969-74) riefen der damalige Verteidigungsminister de Maizière und der damalige Außenminister Westerwelle im Jahr 2013 die Initiative für eine Stiftungsprofessur ins Leben. Fünf Jahre lang soll dafür das Verteidigungsministerium jährlich sechsstellige Beträge investieren. Im Gegenzug gewährt die Universität Bonn Einfluss in die Ausrichtung der Professur und das Berufungsverfahren. Gelehrt und erforscht wird nun also das Völkerrecht in der Lesart der Bundeswehr.

Die Benennung nach Kissinger ist  hinsichtlich der Ambivalenz in der Bewertung seines politischen Handelns zweifelsohne kritisch zu sehen. Einerseits werden ihm vor allem in Bezug auf sein Handeln als Außenminister der USA massive Vorwürfe zu zahlreichen Kriegs-und Menschenrechtsverbrechen (was zum Beispiel die völkerrechtswidrige Bombardierung von Vietnam, Kambodscha und Laos betrifft) gemacht. Ein weiterer Vorwurf ist die Destabilisierung anderer Staaten (wie beispielsweise durch die Beteiligung an der Operation Condor sowie den Morden im Vorlauf des Putsches in Chile und der Putsch selbst). Andererseits hat der deutsch-amerikanische Jude im zweiten Weltkrieg jedoch als US-Soldat gedient und gegen Nazi-Deutschland gekämpft. Zudem erhielt er später, als außen- und sicherheitspolitischer Berater des US-Präsidenten Nixon, den Friedensnobelpreis für einen Friedensvertrag mit Vietnam.
Anstatt also eine so streitbare Persönlichkeit zu ehren, sollte hingegen Menschen gedacht werden, deren Einsatz für Frieden keiner ambivalenten Bewertung ausgesetzt ist – so wie beispielsweise Nelson Mandela.

Darüber hinaus ist die „Investition“ des Bundes in eine solche Stiftungsprofessur überaus fragwürdig. Wenn dem Bund eine Verbesserung von Forschung und Lehre am Herzen liegt, sollte endlich mehr Geld in die Grundfinanzierung der Hochschulen investiert werden – und nicht in die Einrichtung einer einzigen Professur!

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