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Ein Schritt gegen paternalistische Bevormundung

Lange hat es gedauert, nun ist die „Pille danach“ seit dem 15. März endlich auch in der Bundesrepublik rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Nachdem die EU-Kommission die Befreiung der „Pille danach“ von der Rezeptpflicht beschlossen hatte, stimmte auch der Bundesrat am 6.März einer entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zu.

Trotz der Freude über diesen Fortschritt bleibt ein fahler Beigeschmack. Viele angebliche Expert*innen äußern nach wie vor die Angst vor Missbrauch und Zunahme von Promiskuität. Für sie scheint der selbstbestimmte Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Sexualität ein unbedingt einzudämmendes Horrorszenario darzustellen. CDU-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und diverse andere CDU-Politiker*innen lehnten die Freigabe bis zuletzt ab und offenbarten damit ein weiteres Mal die eigene paternalistisch-bevormundende Weltanschauung und wie wenig sie Frauen* im Bezug auf ihren eigenen Körper zutrauen.

Zudem offenbart die Handlungsanweisung an Apotheker*innen das Präparat nur an „Frauen im gebärfähigen Alter abzugeben“ das zugrunde liegende cis-sexistische Verständnis davon, wer überhaupt schwanger werden kann. Das Schwangerschaft nicht nur Frauen* betrifft, sondern all jene Menschen, die die nötigen Voraussetzungen mitbringen, ist anscheinend für viele undenkbar. Mindestens genauso kritisch ist die damit verbundene Annahme, dass Geschlecht eine Kategorie sei, die auf den ersten Blick erkannt werden könne.

Die nun freigegebenen Präparate verzögern oder hemmen den Eisprung und sollten deshalb schnellstmöglich nach etwaigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Erhältlich sind nun die ellaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA) und die PiDaNa mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG). Zwischen Fachleuten besteht Uneinigkeit wie wirksam LNG ab einem Körpergewicht von über 75 kg und UPA bei über 90 kg sind. 

Ein präventiver Kauf der „Pille danach“ ist übrigens nicht vorgesehen. Ausgegeben werden darf das Präparat nur, sobald der Bedarf danach bereits eingetreten ist. Die Sinnhaftigkeit dessen ist mehr als fraglich, zumal die Wirksamkeit umso sicherer ist, je schneller die „Pille danach“ eingenommen wird. Nach wie vor besteht damit die Problematik, dass Personen, die beispielsweise in Orten ohne Zugang zu Apotheken und schlechter infrastruktureller Anbindung der Zugang erschwert wird.

Ebenso kritisch ist die Tatsache zu betrachten, dass die Möglichkeit zur „Notfallverhütung“ weiterhin eine Frage des jeweiligen Geldbeutels bleibt. Die Kosten für die „Pille danach“ werden nur bei Personen übernommen, die unter 20 Jahren alt sind und nur unter der Voraussetzung, dass ein Rezept vorliegt. Gerade Personen, die wenig Geld zur Verfügung haben, wird Selbstbestimmung über den eigenen Körper somit immer noch verwehrt.

Es besteht also in vielfacher Sicht noch Nachbesserungsbedarf wenn es um das Thema „Notfallverhütung“ geht.

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